Frage von ToggoNRW, 30

Was ist bei einem Nebenjob im kleineren Umfang zu beachten?

Hallo zusammen. Ein guter Freund bat mich darum hier im Forum eine Frage für ihn zu stellen:

Er ist Angestellter und verdienst jährlich brutto ca. 50.000,00 €

Er möchte neben seinem Hauptberuf "nebenberuflich und selbstständig" arbeiten.

Er weiß jedoch nicht was er dabei beachten muss.

  1. Muss er seinen Arbeitgeber darüber informieren?
  2. Er geht davon aus, dass er im ersten Jahr einen Umsatz von ca. 5.000 € bis 8.000,00 € machen würde. Welche steuerrechtlichen Aspekte muss er berücksichtigen. Welche Abzüge hat er ca. zu erwarten
  3. Wie ist es denn mit den ganzen Sozialabgaben und mit der Krankenversicherung? Er ist ja eigentlich schon krankenversichert (siehe Hauptberuf), was muss er denn da weiter berücksichtigen.

Da es für ihn ein absolutes Neuland ist, würde er sich auf eine kompakte.ausführliche Antwort sehr freuen.

Danke!

Antwort
von kevin1905, 15

Muss er seinen Arbeitgeber darüber informieren?

Ja, denn der Arbeitgeber hat ein Interesse und einen Anspruch auf 100% seiner Arbeitskraft. Wenn die Selbständigkeit quasi eine Konkurrenz (gleiche Branche) zum Hauptjob darstellen würde, hätte der Arbeitgeber einen Anspruch auf Unterlassung. Ferner darf die Arbeitsleistung im Hauptjob nicht drunter leiden.

Ist dies sichergestellt, ist der Arbeitgeber verpflichtet die Nebentätigkeit zu genehmigen.

Welche steuerrechtlichen Aspekte muss er berücksichtigen.

Er muss ein Gewerbe anmelden, bzw. wenn es eine freiberufliche Tätigkeit ist diese schriftlich dem Finanzamt anzeigen. Anschließend den Fragebogen zur steuerlichen Erfassung ausfüllen wo er Umsatz und Gewinn schätzen muss.

Er ist dann jährlich bis 31.05. zur Abgabe der Einkommen- und Umsatzsteuererklärung verpflichtet. Bei der Umsatzhöhe wäre er aber Kleinunternehmer, wenn er nicht zur Regelbesteuerung optiert (§ 19 Abs. 1 und 2 UStG). Ob das sinnvoll wäre, hängt u.a. von den Kunden ab, die er bedienen würde.

Welche Abzüge hat er ca. zu erwarten

Gar keine. Er ist selbständig, also hat er sich selbst und ständig darum zu kümmern, dass er seine Umsätze und Gewinne korrekt erklärt und ggf. Steuern nachzahlen muss. Entweder macht er das selbst, was ihn natürlich davon abhält Geld zu verdienen, oder beauftragt jemanden damit (Steuerberater)

Wie ist es denn mit den ganzen Sozialabgaben und mit der Krankenversicherung?

Keine Änderung. Die Anstellung ist finanziell eindeutig Hauptberuf, auch zeitlich dürfte es da keine zweite Meinung zu geben, daher ändert sich der KV/PV-Status nicht.

Ob ggf. Versicherungspflicht in der gesetzlichen Rentenversicherung für die Selbständigkeit besteht, hängt wiederum davon ab, was genau er macht und für wie viele Auftraggeber.

Versicherungsfrei in Arbeitslosenversicherung, wenn er keinen Antrag auf Pflichtversicherung stellt, dann hätte er einen ALG I Anspruch nicht nur für das Arbeitseinkommen, sondern auch seine Nebentätigkeit. Muss nicht sein, finde ich.

Da es für ihn ein absolutes Neuland ist, würde er sich auf eine kompakte.ausführliche Antwort sehr freuen.

Er soll einen Steuerberater aufsuchen. Die Kosten dafür sind als Betriebsausgaben steuermindernd zu berücksichtigen. Kein Berater ist meist teurer als ein Berater, spätestens wenn er die erste UStVA abgeben muss. Finanzämter reagieren sehr allergisch auf nicht korrekt abgeführte Umsatzsteuern.

Keine passende Antwort gefunden?

Fragen Sie die Community