Frage von Roborowski, 146

Natural Horsemanship ohne eigenes Pferd?

Hallo! Ich reite seit ca. 7-8 Jahren nach der englischen Art. Allerdings bin ich immer unzufriedener, da ich immer weniger von den Methoden überzeugt bin. Warum muss als Strafe z.B. die Gerte genommen werden, wenn das Pferd nicht laufen will oder tut den Pferden das Gebiss im Maul nicht weh? Ich habe allerdings keine eigenes Pferd oder eine RB, deshalb kann ich nicht mal eben sagen, ich versuche mich an Natural Horsemanship, da ich von diesen Methoden sehr wohl überzeugt bin. Im Moment habe ich noch einmal in der Woche Reitunterricht, möchte aber wahrscheinlich aufhören, weil mir diese Methoden halt nicht mehr gefallen. Jetzt suche ich einen Hof in der Nähe von Dortmund, wo ich ein mal in der Woche hinkommen kann, Unterricht bekomme und ohne eigenes Pferd Natural Horsemanship machen kann. Ist das überhaupt möglich und wenn ja, wisst ihr einen Hof? Vielen Dank schonmal! Roborowski

Antwort
von CarosPferd, 101

Nur zum klassischen reiten: du bist anscheinend auf einem nicht sehr pferdegerechten Hof gelandet.

Die Gerte sollte niemals als eine Strafe eingesetzt werden! Wenn Pferde so unwillig sind dass der Reiter meint er bräuchte die Gerte als Strafe, dann sollte der Reiter mal ganz von vorne mit Unterricht an seinem Können und Wissen arbeiten, und das Pferd mal gesundheitlich durchchecken lassen.

Ein Gebiss tut dem Pferd weh wenn es nicht passt, (so wie jede Ausrüstung, egal ob Gebiss, Sattel, Trense, gebisslosem Zaum etc) oder wenn es falsch angewendet wird (auch hier: jedes andere ausrüstungsstück tut dann auch weh bei falscher Anwendung).

Ich finde es gut dass du den Stall wechseln willst wenn du mit den Methoden nicht einverstanden bist, wollte nur deutlich machen dass deine Erfahrungen nichts mit der klassischen Reiterei zu tun haben. Sondern mit den Reitern / Besitzern der Pferde dort.

Viel Glück bei der Suche, und viel Erfolg im neuen Stall :)

Kommentar von Roborowski ,

Vielen Dank für deine Antwort! Für das Verständnis: die Pferde bei mir am Hof werden jetzt nicht geschlagen oder so. Wenn das Pony, das ich reite, mal zur Seite springt oder so und es das aus Trotz oder so macht, soll ich mal einen Klaps mit der Gerte geben, gut finde ich es aber trotzdem nicht. Mit dem Gebiss meinte ich es so, dass das Pony, das ich reite, sich nicht so leicht durchstellen lässt und sich meist ziemlich schwer macht. Dann nehme ich die Zügel halt an, damit ich sie runter stellen kann und meist funktioniert es dann auch. Aber ich habe vor kurzem ein Video gesehen, wo zum Anhalten mal ein bisschen fester am Zügel gezogen wurde, aber ohne dass es dem Pferd weh tat, und dabei wurde die Zugkraft gemessen. Das waren schon 5 kg, und wenn ich dann die Zügel so stark annehmen muss, ist mir da nicht so wohl bei. Ich wollte auch nicht dass mir jemand so stark im Mund zieht. Was ich damit sagen wollte: den Pferden geht es meiner Meinung jetzt nicht schlecht auf dem Hof. Aber vielen Dank für deine Antwort!

Kommentar von CarosPferd ,

Solche Sachen wie du sie beschreibst liegen an der rittigkeit der Pferde dann.

ZB beim wegspringen sollte man dann an sich selbst arbeiten, sodass man merkt wenn sich das Pferd verändert und dann eine schenkelhilfe geben kann um das Pferd auf deiner Linie zu halten, am besten natürlich bevor es wegspringt, verlangt ein bisschen Übung ;). Und das Pferd sollte dann gut genug geritten sein dass es solche Hilfen annimmt. 

Wenn Pferde sich schwer machen sollte man zuerst daran arbeiten dass sie sich nicht aufs Gebiss legen (wenn der Zahnarzt mal reingeschaut hat und alles okay ist) und dann an den Zügel stellen (auch wenn diese beiden Sachen nah beieinander liegen ;) )

Tut mir leid für dich wenn du in so einem Stall gelandet bist wo anscheinend auch die Reitlehrer nicht genügend wissen, oder/und nicht genügend Motivation haben...

Kommentar von Roborowski ,

Danke für die Tipps! Ich habe zwischendurch immer mal Reitfreizeiten gemacht und IMMER wurden da meine unruhigen Schenkel bemerkt/kritisiert, wie auch immer. Ich habe dann mal meine Reitlehrerin darauf angesprochen und die meinte, das stimmt, deshalb würde ich wohl auch, wenn ich mal etwas schwierigere Pferde reiten würde, die sich an unruhigen Schenkeln stören, nicht so gut mit diesen zurechtkommen. Da dachte ich mir dann auch so: Es war vor ungefähr zwei Jahren, dass es das erste Mal bemängelt wurde und sicherlich habe ich es auch schon einige Zeit vorher gemacht, aber ich wurde nie verbessert. Dann kann ich es ja auch nicht besser machen, wenn ich nicht auf meine Fehler hingewiesen werde... Schön, dass mir jetzt auch mal gesagt, dass ich das auch hier immer falsch gemacht habe! Ich werde mich dann aber in jedem Fall erst noch einmal nach einem anderen Stall umschauen und mir da die Reitweise angucken, das wurde hier ja in einigen Antworten gesagt ^-^ Vielen Dank!

Kommentar von CarosPferd ,

Super :) gute Einstellung hast du finde ich :)

Dann wünsch ich dir viel Erfolg und viel Spaß noch :)

Kommentar von sukueh ,

Wie lange reitest du denn überhaupt schon und wie oft ? 

Beim Reiten ist es ja so, dass es ein Zusammenspiel von total vielen Kleinigkeiten ist. Das lernt man nicht von jetzt auf gleich, sondern es ist ein Prozess der sich über Jahre hinzieht und eigentlich nie endet. 

Je nachdem, wie du auch Unterricht nimmst (Abteilung, Einzelstunde) kann überhaupt auf deine Probleme eingegangen werden. 

Auch der RL wird sich auf der Skala deiner Ausbildung immer ein Stück vorantasten müssen. Solche Situationen wie du sie beispielsweise mit dem "bestrafen für das wegspringende Pony" beschreibst, sind eben darauf zurückzuführen, dass der AUF dem Pferd nicht frühzeitig bemerkt hat, was Pferdchen vorhat und entsprechend reagiert hat. Gerade im Schulbetrieb ist es ja schwierig; wenn man das den Pferden durchgehen lässt, dann kann aus dem gelegentlichen Wegspringen ein Wegspringen bei jeder Kleinigkeit werden, weil sich Pferde einfach merken, was sie "können". Also heißt es seitens der RL "setzt dich durch". Irgendwann sollte man dann soweit sein, dass man schon merkt, wenn das Pferd nur schon überlegt, ob es jetzt die gewünschte Bahn verlassen könnte, dass man eben durch eine gezielte kurze Hilfe sagt "neee, das will ich nicht". Das ist aber meiner Meinung nach etwas, was man wirklich nur mit der Zeit spüren lernt und dann auch erst mal lernen muss, schnell genug zu reagieren. 

Genauso ist es eigentlich mit der unseligen Zügelzieherei beim Bremsen. Normalerweise braucht man da gar nicht am Zügel ziehen. Das erfordert aber einen vom Zügel unabhängigen Sitz. Den lernt man auch nicht von jetzt auf gleich...

Ich selber bin der Meinung, dass es nicht gelingt, durch einen Wechsel der Reitweise plötzlich all diese Schwierigkeiten mit einem Schlag behoben zu haben. Zügelunabhängigkeit und unabhängigen Sitz brauchst du bei jeder Reitweise, die eine feine Reitweise ist.

Insofern finde ich die Wahl der richtigen Reitschule so wichtig. Möglichst keine Gruppenstunden, sondern Einzel- oder Zweierunterricht, wo der RL auch Gelegenheit hat, sich intensiv mit dir zu beschäftigen. Ein Betrieb, wo fein ausgebildete Pferde für den Unterricht zur Verfügung stehen, die nicht täglich mehrere Stunden im Unterricht laufen müssen. Möglichst nicht nur einmal pro Woche eine Stunde Unterricht, sondern häufiger. 

Und wenn du einmal richtig reiten gelernt hast (mit dem Bewusstsein, nie wirklich auszulernen), dann kannst du so ziemlich jedes Pferd reiten und brauchst keine Sorgen zu haben, dass du ihm weh tust...

Kommentar von Roborowski ,

Ich reite seit 7 oder 8 Jahren einmal in der Woche und bin jetzt 15 Jahre alt. Meine Reitlehrerin hat glaub ich nicht mehr so die Motivation, denn der Hof wo ich reite hat nur noch zwei Schulpferde und dementsprechend sind wir zu zweit. Wenn aber die, mit der ich reite, nicht kommt, reite ich ganz alleine, also ohne RL, was ungefähr einmal im Monat vorkommt. Wir reiten nicht mehr in der Abteilung, angefangen habe ich aber in der Abteilung. Wenn wir zu zweit sind und wirklich Unterricht haben, werden wir allerdings nicht unbedingt mehr korrigiert, uns wird dann nur mal so gesagt Hand runter o.Ä. Das Pony, das ich reite, ist vor ca. 1-2 Jahren auf den Hof gekommen und am Anfang hatten wir auch noch ein paar Dinge zu üben, wie zum Beispiel Galopp. Sie ist immer in den Außengalopp oder Kreuzgalopp und hat auch öfter mal den Hintern hochgeworfen. Da hat sich mein RL auch wirklich mit mir beschäftigt und mir Tipps gegeben und sie gallopiert im Vergleich zu vorher echt toll!

Mir ist klar, dass sich das über viele Jahre hinwegstreckt und dass man nie auslernt. Ich glaube das größte Problem ist bei mir jetzt im Moment nicht die Art vom reiten, sondern ich selber, allerdings konnte ich mich jetzt seit gut einem Jahr nicht mehr weiterbilden, da ich nicht verbessert wurde, auch in Bezug auf z.B. auf das zur Seite springen, da das Pony das ich reite, sehr brav ist. Meine RL sagt auch dass ich mit dem Pony unterfordert bin. Aber generell, wenn sie mal zur anderen Seite oder so möchte spüre ich das meiner Meinung nach. Vielen Vielen Dank auf jeden Fall für den ausführlichen Text und dass ich durch die ganzen Tipps etc. jetzt weiß wo ich ansetzten muss. Generell für Kritik etc. bin ich aber offen, also bitte, wenn es noch irgendetwas gibt, was ich falsch mache oder so bitte sagt es mir :-)

Kommentar von traumwelt1 ,

@Roborowski also ich mach das beim durchparrieren ja nie mit zügeln, ich parrier immer so viel wie möglich mit gewicht und schenkel durch. (bzw. ich reite so viel wie möglich mit gewicht und schenkel) und früher wo ich noch nicht so gut mit dem pony auf dem ich reite klar gekommen bin, und zum antraben überhaupt nicht mit dem schenkeln durgekommen bin, hab ich schon ab und zu die gerte genommen, aber meine reitlehrerin hat immer gesagt, wenn sie dann antrabt, also nachdem ich die gerte eingesetzt habe, soll man sofort mit der gerte wieder weggehen und das pferd in ruhe lassen, ich finde gebiss, gerte und auch sporen nicht sooo schlim, allerdings nur wenn der reiter sie wirklich richtig einsetzen kann.

Antwort
von ReterFan, 41

Eine Gerte wird ein korrekten (!) reiten niemals als Strafe eingesetzt, sondern um die Hinterhand zu aktivieren oder höchstens noch zur seitlichen Begrenzung, wenn das denn wirklich nötig sein sollte.

Ein normales gebrochenes Gebiss, welches auch wirklich in das entsprechende Pferdemaul passt und mit weicher Hand geritten wird, tut keinesfalls weh. Es beeinträchtigt auch nicht die Atmung (ein Irrglaube, der hier anscheinend die Runde macht).

Anscheinend bist du bei einem ziemlich schlechten Hof gelandet und hast vom wirklichen englischen reiten nicht viel mitbekommen können. Das ist schade, dafür kannst du nichts, aber bitte verfluche nicht gleich Gebiss, Gerte und Sporen, bevor du nicht die nötige Erfahrung mit diesen Hilfsmitteln bei einem qualifizierten Trainer gemacht hast und wirklich weißt, wofür man diese Gegenstände eigentlich nutzt.

Antwort
von sukueh, 66

Man sollte nicht wegen einiger schwarzen Schafe gleich eine ganze Reitweise verteufeln, sondern sich lieber bemühen, von Anfang an möglichst guten Reitunterricht zu bekommen. Als Anfänger hat man da natürlich noch so seine Probleme, aber du hast ja jetzt erkannt, dass die Methoden auf deinem Reiterhof nicht so das gelbe vom Ei sind. Statt aber gleich die komplette Reitweise als schlecht dazustellen, könntest du neben deiner Suche nach einer Möglichkeit Natural Horsemenship zu lernen, auch einen anderen guten Reiterhof suchen, wo du guten Einzelunterricht bekommt, bei dem ohne "Strafe" gearbeitet wird. 

Kommentar von Roborowski ,

Vielen Dank für deine Antwort! Wie ich bei CarosPferd schon kommentiert habe, ich glaube, das kam ein bisschen falsch rüber wie ich es geschrieben habe. Aber trotzdem danke!

Antwort
von Spiky2008, 61

Naja, du beschreibst jetzt diese "bestimmten" Reiter. Ich frage mich,auf was für einem Hof du gelernt hast.
Bei mir wurde nicht am Gebiss gezogen oder die Gerte als Strafe genommen. Es kann in jeder Sparte der Reiterei friedlich ablaufen,aber auch mit Gewalt!
Du könntest dir doch einfach ne RB suchen ,irgendjemand freut sich bestimmt,dass sich jemand darum kümmert. Dann musst du dir aber auch einen guten Horse-man-Ship Trainer suchen

Antwort
von Ronda4ever, 59

Ich bin regelmäßig auf einem kleinen hof, wo ich das Pferd von jemandem reite der sich nicht drum kümmert. Mit dem kann ich eigentlich machen was ich will^^ es gibt bestimmt im Stall jemanden der sich freut wenn du sein tier beschäftigst^^

Antwort
von horzrider, 27

Würdest du in der Nähe von Frankfurt wohnen, könntest du zu uns kommen.

Antwort
von ReterFan, 30

Dem ersten Teil stimme ich voll und ganz zu, aber hier nochmal: das Gebiss behindert die Atmung nicht. (Bevor sich sowas noch weiter unter den unwissenden verbreitet)

Kommentar von ReterFan ,

Oh, das wollte ich eigentlich unter einer Antwort kommentieren, sorry.

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