Frage von torsp, 75

Nasse Wand im Erdgeschoss trocken legen?

Hallo, Ich habe folgendes Problem: im Erdgeschoss ist eine Wand auf Höhe der Sockelleiste feucht/nass. Einen Keller gibt es nicht. Die Wand ist zu einem Hang hin. Das Haus steht erst ab dem 1.OG frei. Dort befindet sich neben dem Haus eine 1 Meter breite Bodenplatte. Unter dieser Bodenplatte geht es praktisch Richtung Erdgeschoss. Ich denke, die feuchte an der Sockelleiste kommt von dem vielen Regen in den letzten Tagen. Wie soll ich jetzt weiter vorgehen, um das Problem zu lösen? Habe viel über Bauinjektionstechnik und Horizontalsperre gelesen. Aber dort las ich viel positives wie auch negatives. Welche Handwerker sind für solche Schäden zuständig? Bin aus dem Raum Koblenz Rheinland-Pfalz. Danke und Grüße Torsp

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von Onki73, 56

Nimm den Heizungsbauer!

Die Abdichtung wird nicht defekt sein. Die Feuchte kann trotzdem durch den Regen gekommen sein.

Durch das regnerische Wetter lag eine hohe Luftfeuchte vor. Diese wurde in die Wohnung gelüftet. Die erdberührte Wand ist kalt. Hier kühlt die Raumluft aus und sinkt vor der Wandoberfläche unter weiterer Auskühlung nach unten.

In sich auskühlender Luft steigt die rel. Luftfeuchte an. Das geschieht oberflächennah und je weiter unten an der Wand um so feuchter wird die Luft.

Kurz über der Scheuerleiste, bzw. an der Scheuerleiste kann es dann auch zu Kondensatausfall und massiver Befeuchtung der Wand kommen.

Hiergegen hilft keine Abdichtung, sondern nur die Verhinderung der Luftauskühlung durch gezielten leichten Wärmeeintrag (auch im Sommer) - deshalb hilft der Heizungsbauer. Das ist übrigens auch deutlich billiger (Voraussetzung: wassergeführtes Heizsystem ist bereits vorhanden), als irgendwelche zweifelhaften Abdichtungsmaßnahmen Injektionen, etc.).

Mal im Internet mit "Temperierung" googeln. Ein warmwasserdurchströmtes Heizrohr hilft hier unten vor der Wand (ggf. eine Heizleiste installieren) oder dicht unter Putz gelegt gegen die Luftauskühlung vor der Wandoberfläche.

Aber auch wenn das Heizrohr nur in der Winterperiode die Wand trocken heizen kann, ist die durchgetrocknete Wand in der Lage im Sommer (bei diffusionsoffener innerer Beschichtung) Feuchte wie ein Schwamm aufzunehmen, um die Oberflächenfeuchte nicht zu hoch werden zu lassen. Das mindert die Schimmelgefahr. In der nächsten Heizperiode wird die Wand wieder durch die oben genannten Maßnahmen trocken geheizt.

Kommentar von Onki73 ,

Feuchte durch undichte Abdichtung macht sich in der Regel innen durch wolkenartige feuchte Flecken bemerkbar. Mitgeführte Salze führen zu Salzausblühungen an den sich abzeichnenden Rändern. Hier verdunstet das Wasser und die Salze bleiben zurück.

Kondensatfeuchte hat keinen stark abgrenzenden Rand zu trockenen Wandbreichen. Der Übergang der Feuchte zur trockenen Wand ist fließend. In den Ecken, wo "Warmluft" schlechter zirkulieren kann, bzw. hinter Möbelstücken erfolgt eine stärkere Luftauskühlung vor der Wandoberfläöche und damit schon weiter oben an der Wand eine hohe Feuchte. In den Ecken zieht sich die Feuchte also nach oben. Es gibt keine Salzausblühungen, weil das Kondensat keine Salze mitführt.

Kommentar von torsp ,

Hallo Onki73,

danke für die Antwort. Ich habe jetzt öfters gehört, dass es sich wohl um Kondensfeuchte handelt. Es wurde vorgeschlagen, die Wand 20mm dick zu dämmen, sowie den Fußboden zu dämmen. Weiterhin nachts die Fenster aufzureissen (Zimmer ist allerdings das Wohnzimmer im Erdgeschoß zur Strasse hin).

Was hälst du davon? Soll ich eher Dämmen oder wie du sagst ein Heizungsrohr einlassen?

Kommentar von Onki73 ,

Dämmung mindert den Wärmestrom und kann damit heizkostenmindernd wirken. Höhere innere Oberflächentemperaturen erreicht man nur, wenn an die Oberfläche auch ausreichend Wärme hin kommt. Ohne Wärme keine Temperaturerhöhung.

Hier ist der direkte Wärmeeintrag immer als die billigste Lösung am sinnvollsten, zumal durch die direkte Wärme an der Wandoberfläche die gesamte Wand getrocknet wird und dadurch der ursprüngliche Dämmwert wieder hergestellt wird. Schimmel und Co. haben keine Chance mehr.

Dämmung auf feuchten Untergrund kleben ist nicht sinnvoll, da die Dämmung die Wandfeuchte aufnimmt und dadurch den Dämmwert verliert.

J.S. Cammerer hat vor Jahrzehnten den Zusammenhang zwischen Wandfeuchte und Dämmwert der Ziegelwand untersucht. Seine Ergebnisse lassen sich leicht mit seinem Namen googeln - sehr aufschlussreich!

Mittels einer Temperierleitung unter Putz habe ich meinen Keller trocken bekommen, mit den hydraulischen Heizkosten beheize ich mein Haus von 1926. Alles trocken und schimmelfrei.

Kommentar von torsp ,

Danke! Was meinst du denn mit hydraulischen Heizkosten?

Wie viel kostet so eine Temperierung? 

Kommentar von Onki73 ,

Da hat das Handy mir einen Streich gespielt - es heißt natürlich hydraulische Heizleisten (mal googeln).

Ich hab mir das Weichlöten von Kupferrohr selbst angelernt (bei Youtube gibt es Videos) und hatte Kosten von 10-15 Euro pro laufenden Meter. Das Stemmen eines Kanals für das Kupferrohr in die Wand ist eine schmutzige Arbeit. Ist die Wand aber ordentlich feucht, hält sich die Staubentwicklung im Rahmen. Eine Schlitzfräse vom Elektriker mit Staubabsaugung ist sehr hilfreich.

Das Kupferrohr löten, dabei die Lötstellen sehr gut mit der Propangasflamme durchwärmen. Möglichst viel ausserhalb der Wand löten, um die Lötstellen nach Abkühlung allseitig kontrollieren zu können. In die Wand das Kupferrohr einlegen und mit Putzmörtel nur an wenigen Stellen kurz unter der Putzoberfläche "anheften".

Nach Anschluss an den Wasserkreislauf der Heizung das Kupferrohr auf Dichtheit kontrollieren und das Rohr/die Schleife auf maximale Temperatur hochheizen. Dann kann das Rohr/die Schleife komplett eingemörtelt werden, wobei die Putzüberdeckung nur minimal sein soll. Sofort nach dem Zumörteln des blanken Kupferrohres wird das Rohr nochmals kurz auf Maximaltemperatur hochgeheizt, wodurch sich das Rohr ausdehnt und sich Hohlräume bilden für spätere Längenänderung (Temperaturdehnung).

Kommentar von torsp ,

Muss die hydraulische Heizleiste unter Putz verlegt werden oder kann die auch in Höhe der Sockelleiste über Putz verlegt werden? Wenn unter Putz, wie tief ungefähr?

Kommentar von Onki73 ,

Die hydraulische Heizleiste ist ein Auf-Putz-System. Das macht die ganze Sache einfach in der Installation und kann im Schadensfall - im Gegensatz zu den Unter-Putz-Systemen - schnell und einfach repariert werden.

Bilder von Heizleisten gibt es im Netz viele, ebenso auch verschiedene Anbieter. In den USA ist dieses Heizsystem Standard, weil es die Holzhäuser trocken hält (basebord heating).

Ich habe mich für das System Radia-Therm entschieden, weil man bei diesem System im Nachhinein durch Aufrasen, bzw. Entfernung von Heizregistern die örtliche Wärmeabgabeleistung gut einstellen kann.

Außerdem ließ es sich gut finanzieren, da zur Erstellung der Heizkreise vorerst nur 22mm Kupferrohr nötig war und man im Nachgang - je nach der finanziellen Situation - die Heizregister und die Holzverkleidung nachkaufen konnte.

Hauptargument von Laien gegen die Heizleisten ist die Einschränkung der Möbilierungsfreiheit, da man meint, man dürfte keine Schränke vor die Heizleiste stellen. Das ist Unsinn. Eine Möbilierung ist hier mit einigen wenigen Zentimetern Anstand zur Wand problemlos möglich.

Kommentar von torsp ,

Ich habe gestern mal ein Hygrometer in das Zimmer gestellt. Es schnellte hoch auf 93. Habe dann ein Entfeuchter aufgestellt. Heute morgen zeigte der Hygrometer 53 an und der 5 Liter Wassertank des Entfeuchters war voll.

Nächste Woche kommt ein  Heizungsbauer und schaut sich das an.

Kommentar von Onki73 ,

93% rF sind viel zu hoch. Ab 70% rF kann Schimmel entstehen, ab 80% rF entsteht Schimmel auf nährstoffhaltiger Oberfläche. Das der Entfeuchter den Luftfeuchtewert so stark senken konnte, kann ein Zeichen sein, dass nicht zu viel Feuchte in den Wänden steckt. Diese könnne im Kapillarsystem (Ziegel) sehr viel Wasser einspeichern (1m³ Vollziegelmauerwerk über 100l Wasser).

Auf www.sancal.de (Produkte -> Heizleisten) findest Du Fragen & Antworten, die sehr interessant sind.

Antwort
von teutonix1, 48

Wichtig ist, dass als erstes herausgefunden wird (notfalls durch aufgraben), ob die Isolierung zur Hangseite von aussen noch (oder überhaupt) vollständig ist. Alle weiteren Massnahmen sind dann danach auszurichten. Versuch mal, einen Kellerbauer ausfindig zu machen, der sollte sich da auskennen, (auch wenn kein Keller vorhanden ist).


Keine passende Antwort gefunden?

Fragen Sie die Community