Frage von Thnne, 72

Nachträgliche Änderung der Steuerklassen / Steuerkorrektur aus 2013 bei geschiedener Ehe (Ehedauer 5 Monate), die dem Finanzamt nicht bekannt gemacht wurde?

Liebes Forum,

ich habe im Mai 2013 geheiratet. Die Ehe wurde bereits Ende Oktober 2013 wieder rechtskräftig geschieden. In dieser Zeit hatten wir vereinbarungsgemäß nie zusammen gelebt. Es bestanden also durchgehend zwei getrennte Haushalte. In beiden Haushalten lebte jeweils ein Kind aus früheren Beziehungen, für das Kindergeld gezahlt wurde.

Damals hatte ich diese Veränderung dem Finanzamt nicht mitgeteilt, da bereits unmittelbar nach der Eheschließung (leider noch am Hochzeitstag!) klar wurde, dass diese Ehe wieder aufgelöst werden würde. Tatsächlich dauerte dieser Verwaltungsschritt dann aber 5 Monate. Auf ein Trennungsjahr wurde in einer Härtefallentscheidung verzichtet.

In diese 5 Monaten wurden wir daher so besteuert, wie vor der kurzen Ehezeit, nämlich beide mit Steuerklasse 2 und jeweils einem Kindefreibetrag. Hätten wir nicht tatsächlich mit den Steuerklassen 3 und 5 bzw. 4 und 4 veranlagt werden müssen?

Wenn das so stimmt, könnte ich dann nicht noch Einspruch gegen den Steuerbescheid von 2013 einlegen und um sachgerechte Veranlagung/Nachbesteuerung bitten? Muss meine Ex-Frau dem Prozedere zustimmen? Welche Variante (3/5 oder 4/4) ist günstiger? Ich verdiene deutlich besser, als meine geschiedene FRau.

Das alles macht natürlich nur Sinn, wenn es auch zu einer Steuerrückzahlung kommt. Hiervon gehe ich auch als Laie aus, da ja Ehen steuerlich besser gestellt sein sollen, als Ledige (mit oder ohne Kinder). Profitieren müssen doch dann eigentlich beide Parteien.

Hat jemand von euch eine Idee, wie verfahren werden sollte?

Schon jetzt ganz herzlichen Dank für alle Tipps und Hinweise.

Mit besten Grüßen Thnne

Antwort
von tt290, 55

Die Einspruchsfrist von einem Monat wird bereits abgelaufen sein, daher ist der Bescheid bestandskräftig. Außerdem wird nicht nach Steuerklassen veranlagt, sondern zwischen Grund- und Splittingtarif unterschieden.

Wenn ein Ehegatte noch nicht bestandskräftig veranlagt worden ist und eine Steuerfestsetzung als Zusammenveranlagung beantragt wird, wird die andere Veranlagung nach § 175 AO aufgehoben.

Da allerdings Voraussetzung für die Inanspruchnahme des Ehegattensplittings ist, dass die Ehepartner nicht dauernd getrennt leben, scheidet deren Anwendung nach deiner Sachverhaltsschilderung ohnehin aus (§ 26 Abs. 1 Satz 1 Nr. 2 EStG). Damit ist nicht die räumliche, sondern die eheliche Lebens- und Wirtschaftsgemeinschaft gemeint, die bei euch nicht vorgelegen hat.

Antwort
von FordPrefect, 26

Die Steuerklassenwahl ist in Bezug auf die Frage der ESt-Last insgesamt ohne jede Bedeutung, denn sie regelt lediglich die unterjährige Erhebung der LSt. Auf die Gesamthöhe der ESt hat sie keinerlei Einfluss. Hier kommt aber zusätzlich zum Tragen, dass aufgrund der getrennten Lebensführung eine Anwendung des Splittingtarifs ohnehin von vorneherein ausgeschlossen ist. Insofern ist nicht zu erkennen, wie eine Anfechtung des ESt-Bescheids begründet werden sollte; die Einzel- respektive Zusammenveranlagung kann jeder Steuerpflichtige selbst beantragen (siehe § 175 AO).


Antwort
von petrapetra64, 18

Der Steuerbescheid von 2013 ist ja schon rechtskräftig, wenn er älter als 1 Monat her ist, da geht dann kein Einspruch mehr. Ausserdem lag der Fehler dann ja an euren fehlerhaften Angaben und nicht am Finanzamt.

Steuerklassen gibt es im Nachhinein nicht mehr, es gibt nur eine gemeinsame oder getrennte Veranlagung, die man wahlweise machen kann. Die gemeinsame Veranlagung ist nur möglich, wenn BEIDE Ehepartner das wollen und man muss auch eigentlich zusammen gelebt haben und nicht dauerhaft getrennt, wie das bei euch wohl der Fall war.

Ob die gemeinsame Veranlagung überhaupt mehr gebracht hätte, das müßte man im Einzelfall durchrechnen. Zwar gibt es meist was raus, wenn einer mehr als der andere verdient (und man nicht die Kombination 3-5 hatte), aber ihr hattet ja auch beide den Haushaltsfreibetrag durch die Steuerklasse 2, das ist ja auch eine Steuerersparnis x 2. Diese koennte sogar höher sein als durch Splitting.

Im Netz gibt es spliting Rechner und brutto netto rechner, da kannst du nachrechnen, was es bei Spliting gegeben hätte und was bei der Steuerklasse 2 mit Haushaltsfreibetrag.

Kommentar von PatrickLassan ,

Kleine Korrektur: Eine getrennte Veranlagung gibt es nicht mehr, es gibt für Ehegatten die Wahl zwischen Einzel- und Zusammenveranlagung, sofern die gesetzlichen Voraussetzungen vorliegen.

Keine passende Antwort gefunden?

Fragen Sie die Community