Frage von Yuna2016, 89

Nachbarin ins Frauenhaus geholfen, nun werde ich bedroht?

Guten Abend,

folgendes Anliegen:

Ich wohne in meiner neuen Wohnung erst seit einigen Monaten, habe seit dem jedoch regelmäßig mitbekommen wie meine Nachbarin von ihrem Mann geschlagen wird. Sie und ich haben Kinder im selben Alter, (2 Jahre), ich versuchte dadurch mit ihr ins Gespräch zu kommen doch sie durfte nicht mit mir sprechen.

Sie ist Kurdin/Türkin.. ihr rief mehrfach die Polizei und habe gebeten anonym zu bleiben, dass hat auch soweit geklappt. Irgendwann stand sie plötzlich bei mir weinend vor der Türe und bat mich um Hilfe, ich ging mit ihr zur Polizei und klärte sie vorab auf dass es in Deutschland Hilfen gibt wie das Frauenhaus. Sie spricht kaum Deutsch und das Gespräch gestaltete sich schwierig, die Polizei holte einen Dolmetscher dazu und kurz darauf war klar dass sie nicht mehr nach Hause zurück kann. Sie kam in ein Frauenhaus.

Nun hat der Mann über die Akteneinsicht von seinem Anwalt erfahren dass ich ihr geholfen habe und auch gegen ihn ausgesagt hatte, ich habe wahnsinnige Angst!! Seit Tagen klingelt er an meiner Türe, er schreit in seiner Wohnung rum so dass ich es hören kann. Heute klingelte es wieder ich habe durch das "Guckloch" gesehen und er stand mit mehreren Bekannten vor meiner Türe. Mein Sohn war zum Glück im Kindergarten. Sie schlugen gegen meine Türe, beleidigten mich und drohten mir. Ich habe die Polizei gerufen, Fazit: Es besteht anscheinend keine akute Bedrohung gegen mich.

Ich habe Angst!!! Unglaubliche Angst, in was bin ich da hinein geraten!? Was habe ich meinem Kind damit angetan dass diese Menschen es nun auf uns abgesehen haben.. ich würde nicht sagen dass es ein Fehler war dieser Frau zu helfen, ganz im Gegenteil ich würde es sicherlich jederzeit wieder machen, aber nun ist sie in Sicherheit und ich habe mich der Gefahr ausgesetzt.

Was kann ich denn noch tun? Wir wohnen Tür an Tür, irgendwann erwischt er mich oder einer seine Freunde. Habt ihr Tipps wie mit dieser Lage umzugehen ist? Die Polizei sagt ganz klar sie bräuchten Beweise für die Bedrohungen! Ich bin verzweifelt..

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von Dosenrosen, 57

Hast du Zeugen? Aufjedenfall minehmen und da nicht mehr gehen, besteh darauf, den Vorgesetzten zu sprechen. Sowas kann nicht sein! Verweise auch drauf, dass dieser Mann bereits in einem anderen Fall (eben diesem) strafrechtlich verfolgt wird. 

Lass bsp. ein Tonband oder Handy laufen. 

Wenn das nichts hilft, hol dir einen Anwalt.

Eventuell solltest du auch an einen Umzug denken. 

Jaa, das ist erstmal nicht schön und schade, dass dir auf diese Weise deine Hilfsbereitschaft "gedankt wird". Aber sei sicher, das kannst dir auf jedenfall Dick auf die Brust schreiben. ;-)!!

Mit Sicherheit kannst du dich auch mit Pfefferspray verteidigen, ABER, das benötigt für die Mitfuhr den kleinen Waffenschein und ist grundsätzlich erstmal eine schwere Körperverletzung. Das musst du für dich selbst abwägen. 

Kommentar von Yuna2016 ,

Ich habe heute meine Handykamera angemacht, da die Tür nicht geöffnet war sind die Gesichter natürlich nicht erkennbar, aber alles deutlich zu hören. Die Polizei sagte mir da ich diese Aufnahmen ohne Einverständnis aufgenommen habe dürften diese nicht verwendet werden.. ich verstehe dass nicht und fühle mich hilflos! Ich kann doch diese Menschen nicht vorher um ihre Erlaubnis bitten.. es läuft wirklich wie im schlechten Film!

Expertenantwort
von furbo, Community-Experte für Recht, 22

Üble Sache, das Ganze. 

Ich denke, dass deine Tonaufnahmen verwendbar gewesen wären. Grundsätzlich sind Tonaufnahmen zwar verboten, sie können aber auch gerechtfertigt sein, z.B. in notwehrähnlichen Situationen. 

"Demzufolge ist die Antwort einfach: Wird man von demjenigen, mit dem man das Gespräch aufnimmt diskriminiert, beleidigt, bedroht oder genötigt, ist die Aufnahme im Regelfall verwertbar.

Wird man hingegen vom Gesprächspartner bloß „blöd angegangen“ und liegt noch keine Diskriminierung, Nötigung oder Beleidigung oder Bedrohung vor, kann eine Verwertung des Gesprächsmittschnittes ggf. durch das Gericht nicht erfolgen, da dann die Aufnahme eben voraussichtlich nicht durch eine notwehrähnliche Situation gerechtfertigt ist.

Da Gesprächsverlaufe und deren Inhalte im Regelfall nicht vorherbar sind, ist also Vorsicht beim Mitschnitt von Gesprächen weiterhin geboten.

Sieht sich ein Betroffener aber in einer Notwehrsituation, weil ihm im Rahmen von Vieraugengesprächen wiederholt diskriminierende, beleidigende, drohende oder nötigende Verbalattacken drohen, ist der Mitschnitt dieser Gesprächsinhalte ein auch aus Sicht der Rechtsprechung probates Mittel Beweise zu schaffen, die den anderen in einem Rechtstreit überführen können.

Erwischen lassen sollte man sich beim Aufnehmen aber trotzdem nicht, da sonst die Geltendmachung von Unterlassungsansprüchen droht. Auch dem Gegenüber nach erfolgreicher Aufnahme mit der Verwertung des Gesprächsmittschnittes zu drohen, empfiehlt sich nicht.

Man sollte im Gegenteil, den Verlauf eines Prozesses abwarten und sich vorbehalten zusätzliche Beweisanträge zu stellen. Als weiteres Mittel kann schließlich, soweit sich die Gegenseite nicht wahrheitsgemäß im Rechtstreit einlässt, eine spätere Anzeige wegen versuchten Prozessbetruges überdacht werden."

(Quelle: https://www.anwalt.de/rechtstipps/gespraechsmitschnitte-als-beweismittel-ungeeig...)

Du solltest tatsächlich weiterhin die Bedrohungen aufnehmen und die Polizei drauf hinweisen, dass die Aufnahme zwar den TB des § 201 StGB erfüllt, jedoch wegen einer notwehrähnlichen Situation gerechtfertigt war. Ein Beweisverwertungsverbot dürfte daher nicht bestehen. 

Ich finde es gut, dass du deiner Nachbarin geholfen und beigestanden hast. Zivilcourage ist nicht selbstverständlich.  

Antwort
von AterNex, 20

Mein Rat: Such dir Zeugen, lad Verwandte oder Freunde für ein paar Tage zu dir ein. Befrag andere Nachbarn ob sie etwas gehört haben.

Es ist zwar absolut nicht meine Art so etwas an zu raten und ich finde diese Verinigung nicht toll, aber in einigen Orten gibt es mittlerweile Gruppierungen, die sich Bürgerwehr nennen. Die sind nicht sonderlich zimperlich. Ist nicht die feine englische Art, aber es könnte helfen.

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