Frage von MaxNoir, 50

Nach welcher Lebensphilosophie lebt ihr?

Hallo Community,

hat einer oder haben mehrer von euch eine bestimmte Lebensphilosophie und wenn ja, wie sieht die aus?

Viele Grüße!

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von berkersheim, 11

Ich halte mich an Epikur. Epikur hatte die Grundeinstellung, dass Menschen sich sowohl als natürliche wie auch als gesellschaftliche Wesen im Verlauf evolutionärer Prozesse entwickelt haben. Sie sind sich selbst und der Gemeinschaft gegenüber verantwortlich und nicht irgendwelchen Göttern oder idealisierten Tugenden. Er lehnte es ab, sich mit hochgeschraubten Gedankengebilden und abstrakten Konstrukten in den Himmel zu erheben, um dann vom Himmel aus die Erde und unser Treiben dort zu beurteilen und zu maßregeln. Er blieb lieber gleich mit beiden Füßen auf der Erde und war der Meinung, dass sich aus unserem Leben und Zusammenleben heraus gemeinsame Werte und Orientierungen finden lassen.

Der Monismus seiner Vorläufer wie Parmenides, Modifikationen durch Heraklit und die Atomtheorie des Leukipp, weiterentwickelt durch Demokrit erschienen ihm geeignete Hypothesen, ohne von Geschöpfen konstruierte Schöpfergötter auszukommen. Der Monismus, heute weitestgehend unbekannt, ist das Gegenstück zum Dualismus, der die Realität in Materie und Geist unterteilt. Monisten als Materialisten zu bezeichnen, ist daher falsch, weil für sie das Sein keine substantielle Trennung in Materie und Geist darstellt sondern beides nur Formen des sich ewig wandelnden Seins darstellen.

„Jede Lust also, da sie eine uns angemessene Natur hat, ist ein Gut, aber nicht jede ist zu wählen (Das widerspricht der These, dass Lust nach Epikur das höchste Gut sei, denn dann wäre Lust immer zu wählen!); wie auch jeder Schmerz ein Übel ist, aber nicht jeder muss natürlicherweise immer zu fliehen sein." (BRIEF AN MENOIKEUS)

Bis zum Ende der antiken Philosophie (Kaiser Marc Aurel) geht es immer um die Frage, wie soll man leben, um jederzeit auf ein erfülltes Leben zurückschauen zu können. Lebensphilosophie ist keine Spezialität von Epikur, wie hin und wieder zu lesen ist, sondern Epikur unterscheidet sich von den Antworten anderer Philosophen durch seine grundsätzlich rein innerweltliche Einstellung, frei von Maßstäben höherer Mächte wie der Ideen bei Platon, wie des Logos der Stoa.

Wichtigstes Ziel Epikurs ist ein möglichst selbstbestimmtes, freies und autarkes Leben. So ist ihm Naturwissenschaft ein Mittel der Aufklärung, sich von Ängsten vor unverstandenen Naturerscheinungen zu befreien. Zu dem zitierten Satz ist wichtig, dass einer der Vorläufer Epikurs, der Philosoph Parmenides ist, der betont, dass eine vereinfachte (hin und wieder durchaus hilfreiche) Denkweise der Menschen sei, polare Betrachtungen einander gegenüber zu stellen wie: Licht und Dunkel, Gut und Böse, Lust und Schmerz. Zwischen Licht und Dunkel gibt es z.B. im Übergang von einem Extrem ins andere eine ganze Palette von Grauabstufungen. Die Menschen neigen nun dazu, die Extreme als je eigene Entitäten einander gegenüber zu stellen und den gesamten Bereich der Grautöne auszusparen. Das ergibt zwar eine hohe Trennschärfe, verzerrt aber auch die Betrachtung, da der größte Teil der Erscheinungen keine Beachtung findet. Eine ganze Skala von Lichtvarianten wird auf zwei Extreme verkürzt.

In dieser Betrachtungsweise sieht Epikur die Skala der Lebensbefindlichkeiten von der Natur in ihrer Bewertung vorgegeben (auf sie (die Lust) greifen wir zurück, indem wir mit der Empfindung als Maßstab jedes Gut beurteilen. – Brief an Menoikeus) Lust, gute Gefühle, Freude sind auf der Skala ein Zeichen der Natur, dass wir uns in Punkto Überleben auf der richtigen Seite befinden ("eine uns angemessene Natur der Lust"). Schmerzen, Unwohlsein, schlechtes Gefühl sind auf der Skala der Empfindungen Warnsignale der Natur, dass unser Überleben gefährdet ist. Doch anders als Tiere, die rein intuitiv auf diese Natursignale reagieren, durchlaufen beim Menschen die Signale der Empfindungen die Reflexion unseres Verstandes und der Vernunft. Idealer Ort der Lebensempfindungen auf der Skala der Lebensbefindlichkeiten ist für Epikur daher weder das Extrem des Schmerzes noch das Extrem übertriebener Lust sondern ein Bereich der Schmerzfreiheit.

Schauen wir uns noch die Emotionsskala an mit dem Extrem der Ekstase einerseits und der Panik andererseits, finden wir in der Mitte die innere Ruhe und Gelassenheit. Man könnte in der Mitte beider Skalen vom "grünen Bereich" der Lebensempfindungen und Emotionen sprechen, in dem auch mal stärkere Empfindungen von Lust - körperlicher wie geistiger - willkommen sind, aber auch Schmerzen akzeptiert werden können, wenn sie z.B. wie beim Besteigen eines Berggipfels bewusst in Kauf genommen werden, um dann das phantastische Erlebnis des Gipfelblicks zu bekommen. D.h. im "grünen Bereich" wägen wir ab, wieviel "Lust" und Ausgelassenheit uns gut tut, ohne uns z.B. abhängig zu machen, ohne in eine Such zu rutschen (Sucht des Spielers, Sucht des Alkoholikers, Gier als Form der Sucht), wieviel Scherz und Angst uns erträglich erscheint, um ein höheres Ziel zu erreichen. Eigene Erfahrungen und die Erfahrungen anderer Menschen verhelfen uns dabei zu ausgewogenen Urteilen in differenzierender Gelassenheit.

Persönlich komme ich mit dieser Grundeinstellung gut zurecht. Religiös würde ich mich als Agnostiker einordnen, weil zu Fragen „Göttliches oder Nicht-Göttliches“, die unsere Erfahrungsmöglichkeiten überschreiten, nichts Endgültiges gesagt werden kann. Für Epikur war wichtiger, dass im gesellschaftlichen Miteinander Ideen wirken, auch Vorstellungen über Götter. Wichtig ist dabei und darauf wollte er hinwirken, dass diese Ideen nicht die Menschen dazu verführen, sich gegenseitig auszugrenzen und abzuschlachten. Der Königsweg ist nach Epikur die Aufklärung über Phänomene der Natur wie gesellschaftliche Phänomene, die Auflösung von emotional-assoziierten Vorurteilen und Idealvorstellungen zu mehr differenziertem Realismus. Reines funktionales Denken, das den Menschen als Wesen mit Sehnsüchten und Hoffnungen ausklammert, lehnte er ab. In diesem Sinn sehe ich die Betonung von Gehirn und funktionalem Denken in unserer angeblichen Wissenswelt als Fehlentwicklung, weil eine Bildung der Empfindsamkeit vernachlässigt wird. Im Gegenteil, unsere Sensationspresse, die den Hunger nach vor allem negativem Aufgeputschtsein bedient, nichts Schlechtes auslässt um Kasse zu machen, führt zu einer Verrohung unserer emotionalen Einstellungen.

Antwort
von Enzylexikon, 15

Ich bin Buddhist und das bedeutet für mich die Vergänglichkeit aller Dinge zu akzeptieren, die Anhaftung an Wünsche nach Glück, Erfolg usw. zu verringern und ganz im gegenwärtigen Moment zu leben.

Nicht mit dem Kopf, nicht mit dem Herzen, sondern als ganzer Mensch.

Das Hier und Jetzt ist der einzige Moment, in dem wir unsere Realität beeinflussen können. Wir beeinflussen unser Leben und das der Umwelt.

Die Vergangenheit besteht aus Erinnerungen und Schuldgefühlen über Dinge, die nicht mehr ungeschehen zu machen sind und die Zukunft aus Plänen und Ängsten, die wir vielleicht niemals umsetzen oder erleben werden.

John Lennon sagte:

"life is what happens to you while you're busy making other plans"

Manche Menschen schlafen ihr ganzes Leben lang und wachen erst auf, wenn sie sterben. Doch dann ist es zu spät.

Der Buddhismus ist für mich der Weg, ein solches Verhalten zu vermeiden.

Antwort
von JanRuRhe, 33

Meine Lebensweise:
Packe es an- mache es. Es gibt so viel zu tun, beginne mit dem was du kannst und wozu du deine Talente bekommen hast.

Antwort
von Lennister, 14

Ich orientiere mich weitestgehend an Aristoteles: Der Mittelweg ist der richtige Weg. Von nichts zu wenig, aber auch nichts im Übermaß. Und natürlich sollte man seine Fähigkeiten und Anlagen entfalten- das alles zusammen führt zum Glück. 

Außerdem handle ich nach dem Prinzip, dass jedes andere empfindungsfähige Lebewesen genauso ein Recht darauf hat, ein gelungenes Leben führen zu können, wie ich. Ich darf also nach Möglichkeit eines anderes empfindungsfähiges Lebewesen nicht daran hindern, seine natürlichen Anlagen und Fähigkeiten zu entfalten, die für es Grundvoraussetzung für ein gelungenes Leben sind.

Und wenn ich "empfindungsfähige Lebewesen" sage, dann schließt das die meisten Tiere explizit mit ein. Deshalb bin ich z.b. Vegetarier, da es ja die Grundvoraussetzung überhaupt für ein gelungenes Leben ist, überhaupt am Leben zu sein.

Das wäre meine Lebensphilosophie, knapp umrissen. 

Antwort
von pingu72, 20

Lebe DEIN Leben - nicht das der Anderen! 

Tu was dir gefällt und gut tut, und nicht was andere von dir erwarten! Denke nicht darüber nach, was andere denken könnten... Es gibt nur EINE Person die mit deiner Art zu leben glücklich sein muss, und die bist DU! 

Antwort
von Elli002, 33

Das Leben ist nur schön durch den ständigen Wechsel von Anspannung und Entspannung.

Antwort
von Sibylled, 17

Hallo

Ich lebe rein nach meiner Intuition, ich habe mich darauf geschult und weitergebildet. Ich habe gelernt meinen Verstand nur noch als Lebensbegleiter zu nutzen, jedoch nicht als Ratgeber oder Lebensführer. Ich handle ausschliesslich nur nach meiner Intuition und wurde dadurch erfolgreich. Ich bin glücklich, habe ein spannendes und interessantes Leben. 

Mein Plus heute ist, dass ich mein Wissen weitergeben kann.

Sibylle

Antwort
von Sweepstake, 18

Meine Lebensphilosophie lässt sich am besten mit einem Zitat von Mamerto Menapace zusammenfassen: ''Wenn du stirbst, nimmst du nichts von dem mit, was du gehortet hast, aber alles, was du gegeben hast''

Keine passende Antwort gefunden?

Fragen Sie die Community