Frage von MichelleTheCat, 170

Nach Vorfahrtsverletzung mit dem Auto verfolgt und ausgebremst, soll ich ihn anzeigen?

Mir ist gerade etwas sehr merkwürdiges passiert und würde gerne die Meinung von jemanden Außenstehenden dazu hören.

Ich habe gerade eine Freundin in der Stadt abgeholt und habe bei einem Kreisverkehr einen Wagen übersehen und ihm die Vorfahrt genommen. Ich habe mich daraufhin mit einem Handzeichen entschuldigt, wobei der Fahrer ein Hupkonzert zum Besten gab und mir mit den Händen die wildesten Posen gestikulierte. Ich dachte damit wäre es erledigt aber der Fahrer ist mir tatsächlich nachgefahren und mich überholt und dann ausgebremst und mir dabei den Mittelfinger gezeigt. Das ging dann eine Weile bis Ich dann zu einer Bushaltestelle gefahren bin und gewartet habe bis er weg ist.

Meine Freundin hat das ganze mit dem Handy gefilmt und auch das Kennzeichen und sie meint, ich solle in anzeigen. Was würdet ihr sagen?

Expertenantwort
von TheGrow, Community-Experte für Polizei, 79

Hallo MichelleTheCat,

mit dem was Du da beschrieben hast, hat der Fahrer die beiden folgenden Straftatbestände erfüllt:

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§ 185 StGB -  Beleidigung

Die Beleidigung wird mit Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr oder mit Geldstrafe und, wenn die Beleidigung mittels einer Tätlichkeit begangen wird, mit Freiheitsstrafe bis zu zwei Jahren oder mit Geldstrafe bestraft.

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§ 240 StGB - Nötigung

(1) Wer einen Menschen rechtswidrig mit Gewalt oder durch Drohung mit einem empfindlichen Übel zu einer Handlung, Duldung oder Unterlassung nötigt, wird mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder mit Geldstrafe bestraft.

(2) Rechtswidrig ist die Tat, wenn die Anwendung der Gewalt oder die Androhung des Übels zu dem angestrebten Zweck als verwerflich anzusehen ist.

(3) Der Versuch ist strafbar.

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Die Frage ist nur, was Du Dir von der Anzeige / den Strafantrag erhoffst.

Außer einer Genugtuung das der Fahrer für sein Verhalten bestraft wird hast Du nichts von der Anzeige.

Dafür musst Du aber:

  • zur Polizei Anzeige und Strafantrag stellen
  • wahrscheinlich ein zweites Mal zur Polizei zur Vernehmung als Zeuge
  • wahrscheinlich als Zeuge vor Gericht erscheinen

Davon mal ganz abgesehen, zeigst Du Dich ja selber wegen der Vorfahrtsverletzung an.

Bestenfalls kommst Du mit einem Verwarnungsgeld von 25,00 Euro davon, aber möglich wäre laut bundeseinheitlichen Tatbestandskatalog folgender Bußgeldbescheid:

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Tatbestandsnummer: 108606

Tatvorwurf: Sie missachteten die Vorfahrt des bevorrechtigten Fahrzeugs, so dass ein Vorfahrtberechtigter gefährdet +) wurde. Vorfahrtregelung durch Zeichen 205/206 *).

Ordnungswidrigkeit gem. § 8 Abs. 2, § 49 StVO; § 24 StVG; 34 BKat

Bußgeld: 100,00 Euro plus 28,50 Euro an Verwaltungsgebühren

Punkte: 1

Fahrverbot Nein

A - Verstoß

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Du solltest jetzt also abwägen, wie wichtig Dir die Bestrafung des Fahrers ist und dann entscheiden, ob Du ihn anzeigst.

Schöne Grüße
TheGrow

Kommentar von gw15se ,

Der genötigte wird straffrei ausgehen.

Ich habe einmal mein Auto halb auf der Straße halb auf dem Gehweg geparkt. (Verboten ich müßte ganz auf der Straße stehen) Das Auto wurde von hinten gerammt, da ist einer voll aufgefahren. Ich habe nichts bezahlt und meinen Schaden zu 100% erstezt bekommen.

Selbes Beispiel im Taxi: Ich habe einen Gast abkassiert, stand im Halteverbot, wiederrum einer aufgefahren.
Gleiches Spiel wie vorher. Der auffahrende rief die Polizei und beschwerde sich, dass ich im Halteverbot stand. Ich bekam keine Strafe, aber der Auffahrende wegen Verkehrsgefährdung.

Angenommen mein Auto geht genau da kaputt, oder eine Frau geht mit ihrem Kinderwagen da über die Straße, dann ist das noch lange kein Grund für andere einfach drauf zu knallen. Man muss auf Sichtweite stoppen können.

Kommentar von Franz577 ,

Das Eine hat mit dem Anderen aber rein gar nichts zu tun.

Es ist schon ein großer Unterschied, ob man auf ein stehendes Fahrzeug auffährt (da ist man immer irgendwie schuld) oder ob man jemandem im fließenden Verkehr die Vorfahrt nimmt.

Wüßte nicht, warum da jemand straffrei ausgehen sollte. Ein Verkehrsdelikt wird nicht weniger schlimm, nur weil sich ein anderer mit einem noch schlimmeren Delikt dafür "gerächt" hat.

Und daß jemand, der im Halteverbot steht und somit einen Unfall verursacht, nicht zumindest auch eine (geringe) Teilschuld zugesprochen bekommt, kann ich auch nicht so recht nachvollziehen. Denn ein Halteverbot existiert ja nicht umsonst.

Kommentar von TheGrow ,

Der genötigte wird straffrei ausgehen

Warum sollte der genötigte Fahrer Straffrei ausgehen?

Der Fragesteller hat sich beim Einfahren in den Kreisverkehr ordnungswidrig verhalten und die Ordnungswidrigkeit ist wie von mir angeführt zu ahnden.

Wenn sich beide Fahrer rechtswidrig Verhalten haben, müssen auch beide Verkehrsteilnehmer mit der Ahndung der rechtswidrigen Tat rechnen.

Kommentar von peterobm ,

Halteverbot da war doch was mit 3 Minuten zum Ein-Aussteigen

Kommentar von Franz577 ,

Nicht bei einem absoluten Halteverbot, aber das geht hier nicht klar hervor.

Expertenantwort
von machhehniker, Community-Experte für Auto, 76

Ich würde den anzeigen, mal ne unanständige Geste oder ein unanständiger Ausdruck kann schon mal fallen und irgendwie wäre dies ja auch gerechtfertigt (wobei ich nur im Kreisverkehr gehupt hätte, aber nicht Jeder ist so ruhig wie ich), aber überholen und ausbremsen geht da zu weit.

Zwar wirst Du kaum Etwas davon haben und auch der Andere wird wahrscheinlich nicht bestraft werden aber zumindest sollte der bemerken dass nicht jedes Verhalten toleriert wird, er richtig Ärger bekommen kann und künftig ein Wenig anders reagiert.

Kommentar von AssassineConno2 ,

Warum sollte er nicht bestraft werden? Ausbremsen ist eine Nötigung und damit eine Straftat ;)

Kommentar von machhehniker ,

Ich hab schon öfter mit ähnlichen Fällen zu tun und nur ganz selten wird die Ermittlung da nicht eingestellt.

Kommentar von gw15se ,

Das ist vorsätzliche Nötigung. Der Typ wird laufen und haben tun wir alle was davon, nämlich ruhigere Straßen. Caoten gibt da eh schon genung

Kommentar von machhehniker ,

Natürlich ist das Nötigung und nebenher auch noch eine zweite Straftat, eine Beleidigung. Und selbstverständlich kann dies dazu führen dass der Typ dementsprechend verurteilt wird aber ob dies wirklich eintritt sehe ich aufgrund der Erfahrungen als sehr fraglich.

Antwort
von AssassineConno2, 60

Also ich würde ihn ebenfalls wegen Nötigung anzeigen. Klar, das im Kreisverkehr war dein Fehler aber das ist lange kein Grund so zu reagieren und sowas kann schließlich jedem mal passieren (sollte nicht aber kann).

Und das was er macht ist schon extrem gefährlich. Kann ja auch zum Unfall kommen wenn du nicht schnell genug auf sein ausbremsen reagierst.

Antwort
von peterobm, 84

das ist Nötigung und der Mittelfinger eine Beleidigung. Das kannst zur Anzeige bringen.

Eine Vorfahrtsverletzung mit Behinderung kostet auch mal eben 25€

Antwort
von andreablablubb, 85

Hey :)

das ist wirklich das aller letzte, so etwas geht gar nicht. Theoretisch kannst du ihn schon anzeigen, gerade wenn er den Mittelfinger zeigt usw. ist das ja beleidigend und nötigend war das Verhalten auch. Das Problem wird nur sein, ob du was erreichst und ob die Polizei sich wirklich ernsthaft darum kümmern wird. Aber warum nicht einen Versuch wagen...

Ich wünsch dir viel Erfolg !

Kommentar von gw15se ,

Die werden sich drum kümmern oder meinst du wollen solche Deppen auf den Strassen haben?

Kommentar von Franz577 ,

Das wird wohl eher dein Wunschtraum bleiben, denn von "solchen Deppen" gibt es leider mehr als du vielleicht denkst und es kommen immer wieder neue nach.

Sich um alle zu kümmern, dürfte ein Ding der Unmöglichkeit sein.

Denn wäre das das Ziel der Polizei, hätten sie für nichts anderes (und v.a. wichtigeres) mehr Zeit.

Antwort
von gw15se, 28

Definitiv anzeigen! Hier wird zweimal davon gesprochen was "Du" davon hättest. Von deinem "Ego"! ??? Hallo darum gehr es nicht! Es geht viel mehr darum dass solche Vollpfosten nichts auf der Straße zu suchen haben. Bestenfalls zu Fuß oder auf dem Fahrrad und da gehört der Tpy auch hin. Ich würde ihn anzeigen, weil wir alle was davon hätten. Würde jeder so handeln näme auch die Zahl der Vollpfosten auf unseren Straßen ab. Bei der Beweislage bin ich mir recht sicher, dass es zu einem Gerichtsverfahren kommt an dessen Ende der Typ als Fußgänger da steht und das ist richtig so, weil der vorher nicht nachdenkt und den Lappen auch erst nach einer MPU wiederbekommen wird. Ich würde mich freuen zu hören wie das ausgeht. Und ich glaube nicht, dass du eine Strafe zahlen musst. Das liegt im Ermessen der Beamten/Justiz. Auch die drücken mal ein Auge zu. (Fangen und begnügen sich mit dem größeren Fisch!)

Kommentar von Franz577 ,

Ich glaube, du gehst von etwas falschen Voraussetzungen aus.

So funktioniert ein (gerechtes) Rechtssystem jedenfalls nicht (also nur den größeren Fisch fangen, wie du es nennst).

Wenn, dann müssen schon beide ihre angemessene Strafe bekommen, denn die verletzte Vorfahrt war ja letztlich die Ursache für die (wenn auch reichlich überzogene) Reaktion des anderen.

So sicher wäre ich mir an deiner Stelle jedenfalls nicht, daß der Nötiger gleich mit der ganzen Härte bestraft wird (wenn überhaupt) und zu einer MPU muß.

Wenn bisher noch nichts gegen ihn vorliegt, ist das jedenfalls sehr unwahrscheinlich.

Und wie überall gilt auch hier: Solange nichts passiert ist (also kein Unfall) ist das Interesse einer Verfolgung seitens der Staatsanwaltschaft nicht sonderlich groß, da sowas tagtäglich 1000-fach passiert und man sich nicht um alle Idioten im Straßenverkehr kümmern kann.

Kommentar von gw15se ,

Du gehst bei uns von einem gerechten Rechtssystem aus? Naja... mehr oder weniger.

Ich ziehe meine Erkenntnisse / Erfahrungen aus 37 Jahren und 2,5 millionen km (mit Bus Taxi und PKW auf der Straße und ein paar  Gerichtsverhandlungen als Zeuge) und ich bin sicher dass der der nötigt massive Probleme bekommt, denn da steckt ein "Vorsatz" dahinter und jeder Richter wird sagen, dass er mit so einer Einstellung charakterlich nicht zum Führen eines Fahrzeuges geeignet ist!!! UND DAS IST GUT SO

Bei meinen Antworten gehe davon aus, dass der Fahrzeugführer, der dem Anderen die Vorfahrt genommen hat dies nicht absichtlich getan hat, denn dann müßte auch er mit harten Konsequenzen rechnen! An der Bestrafung des Nötigers würde das aber nichts ändern

Kommentar von Franz577 ,

und ich bin sicher dass der der nötigt massive Probleme bekommt

Da bin ich ganz bei dir, aber trotzdem muß differenziert werden, ob der Nötiger schon mal auffällig geworden oder noch ein "Ersttäter" ist, wie schwer die Nötigung war (da gibt es ja auch Abstufungen) und ob diese Nötigung auch noch irgendwelche Folgen hatte.

Nicht bei jeder Nötigung wird ein Richter also gleich zwingend eine MPU anordnen.



Bei meinen Antworten gehe davon aus, dass der Fahrzeugführer, der dem Anderen die Vorfahrt genommen hat dies nicht absichtlich getan hat

Davon gehe ich auch aus, aber das ändert trotzdem nichts daran, daß er nicht straffrei ausgehen kann. Denn daß im Straßenverkehr nur solche Verstöße geahndet werden, die absichtlich begangen wurden, wäre mir neu. Und das sollte dir deine umfangreiche Erfahrung eigentlich auch sagen.

Kommentar von gw15se ,

Die Vorfahrt nehmen war ein Versehen.

Die Nötigung war geplant vorsätzlich! Und deshalb wird die Nötigung mit Sicherheit härter bestraft und die Vorfahrtsverletzung leicht oder gar nicht.

Antwort
von bro5413, 65

Wenn du in der Probezeit bist würde ich dir dringend davon abraten ihn anzuzeigen. Eine Vorfahrtsverletzung KANN ein Fahrverbot zur Folge haben. Ob du es riskieren willst, musst du selber wissen. Einfach nächstes Mal aufmerksamer sein und solche Sachen vergessen.

Antwort
von JonSnoww, 49

Ich hätte nicht lange gefackelt und ihm eine Ansage gemacht, ein bisschen provoziert bis er handgreiflich oder sonstiges wird. Und dann so richtig verhauen. "Notwehr" 😉

Kommentar von Franz577 ,

Super Tipp, v.a. für eine Frau!

Immer schön alles weiter eskalieren lassen, bis es Mord und Totschlag gibt!

Hoffe, du meinst das nicht ernst, ansonsten würde das sehr gut zeigen, welch Geistes Kind du bist.

Und ob du mit einer solchen Einstellung geeignet für die Teilnahme am motorisierten Straßenverkehr bist, ist auch mehr als fraglich.

Nicht zuletzt lass dir gesagt sein, daß du mit so einer "Taktik" auch mal an den Falschen geraten und du derjenige sein könntest, der am Ende so richtig verhauen wird (und vielleicht sogar froh sein kannst, wenn es nur dabei bleibt).

Und, was hast du dann davon gehabt? War es das dann wert?

Außerdem rate ich dir dringend, dich mal mit der Definition von "Notwehr" zu befassen. Jemanden so richtig zu verhauen (was auch immer du darunter verstehst), weil er dir vielleicht nur eine Ohrfeige gegeben hat oder geben wollte, hat mit "Notwehr" jedenfalls nichts mehr zu tun.

Da stehst du dann nämlich am Ende vor Gericht und ziehst spätestens dort den Kürzeren.

Kommentar von JonSnoww ,

Ohhhhhh ich muss weinen...

Kommentar von Franz577 ,

Ja, mach nur, dann mußt du vielleicht wirklich mal weinen.

Wirst schon mal an den Richtigen kommen mit deiner Schlauheit.

Antwort
von PotenzenHilfe, 61

Ist dir der Aufwand wert ihn anzuzeigen ? Ist dir dein Ego wichtig ? 

Musst du selber wissen...

Kommentar von Franz577 ,

Wenn so eine Anzeige mit großer Wahrscheinlichkeit erfolgversprechend wäre und kein so großer Aufwand dahinter stecken würde, dann würde ich es auch machen, weil das nichts mit Ego zu tun hat, sondern weil solche A...löcher einen Denkzettel brauchen.

Allerdings sieht es in der Realität anders aus, weshalb eine Anzeige nur selten Sinn macht.

Was man aber auf jeden Fall mal tun kann:

Den Sachverhalt bei der Polizei schildern und sich dann beraten lassen, ob eine Anzeige erfolgversprechend ist oder eher nicht.

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