Frage von Ladyheike60, 672

Nach Brief von Inkasso an Gläubiger gezahlt. Muß ich trotzdem die Inkassokosten tragen?

Hallo!

Durch Krankeit habe ich eine Rechnung von einem Onlineshop "verschlafen". Vor einiger Zeit bekam ich dann einen Brief von einem Inkassounternehmen wo die Hauptforderung plus Kosten aufgelistet waren. Daraufhin habe ich die HF plus Mahngebühren (10€) an den Shop direkt bezahlt. Heute habe ich Post vom Inkasso bekommen. Mir wurde mitgeteilt, daß die Zahlung an den Gläubiger erfolgt ist. Dieser Betrag wurde aber auf die Kosten des Inkasso angerechnet. Die HF besteht lt. Inkasso immer noch, nur die Gebühren und Zinsen haben sich verringert. Mir wird jetzt mit einem Mahnverfahren gedroht. Nun meine Frage...

Ist die Anrechnung der Zahlung auf die Kosten rechtens? Muß ich die, aus meiner Sicht überhöhten, Kosten für das Inkasso bezahlen, obwohl ich die HF an den Gläubiger gezahlt habe? Was soll ich machen wenn darauf ein Mahnbescheid kommt? Zahlen oder Widerspruch?

Vielen Dank....

Antwort
von kevin1905, 477

Ist die Anrechnung der Zahlung auf die Kosten rechtens?

Theoretisch korrekt (§ 367 Abs. 1 BGB), wenn du nicht bei der Überweisung "nur Hauptforderung und Mahngebühren" dazu geschrieben hast.

Gemäß Treu und Glauben jedoch extrem konstruiert.

Wenn ich nur den Betrag der Hauptforderung und Mahngebühren an den Gläubiger direkt zahle, ist davon auszugehen, dass dies zur Verrechnung mit der Hauptforderung gedacht ist.

Würde ich aber dem Inkassobüro noch schriftlich mitteilen und ferner auch an Absatz 2 des o.g. § erinnern. Wenn man mit der vom Schuldner gewünschten Verrechnung nicht einverstanden ist, hat man das Geld gänzlich zurück zu überweisen.

Antwort
von mepeisen, 563

Dieser Betrag wurde aber auf die Kosten des Inkasso angerechnet.

Üblicher Hütchenspielertrick. Braucht dich nicht zu interessieren.

Bei geschäftserfahrenen Gläubigern und im Masseninkasso sind die Inkassogebühren üblicherweise nicht durchsetzbar.

Ich würde nun einmalig dem Inkasso widersprechen "Wertes Inkasso. Ich weise die Forderung mangels Vorlage einer Vollmacht zurück. Zudem untersage ich ausdrücklich die falsche Verrechnung meiner Überweisung auf irgendwelche Fantasiegebühren. Weitere Bettelbriefe beantworte ich nicht und einem gerichtlichen Mahnverfahren werde ich widersprechen. Ich untersage die Speicherung meiner personenbezogenen Daten und die Meldung an Auskunfteien."

Solange nichts von einem Gericht kommt, passiert auch nichts.

Kommentar von imager761 ,

Bei geschäftserfahrenen Gläubigern und im Masseninkasso sind die Inkassogebühren üblicherweise nicht durchsetzbar.

Rechtsirriger Blödsinn: Das gilt nur, wenn der Gläubiger Forderungen an einen vorgeblich externen Dienstleister vergeben, der aber in Wirklichkeit eine enge Verflechtung, gar eine wirtschaftliche Beteiligung (etwa über Strohmann- oder Treuhandverhältnisse) besteht. Bewußt das Forderungsmanagement an eine Tochtergesellschaft ausgelagert würde, wodurch nur ein künstlicher Schaden erschaffen wird.

Nach inzwischen herrschender Auffassung stellen Inkassogebühren einen adäquaten kausalen Verzugsschaden im Sinne von § 286 BGB dar, wenn sich der Schuldner in Verzug befindet und der Gläubiger im Zeitpunkt der Beauftragung von einer erfolgreichen Tätigkeit des Inkassounternehmens ausgehen konnte.

Kommentar von kevin1905 ,

Rechtsirriger Blödsinn

Unterstellst du der Mehrheit der deutschen Amts- und Landgerichte Rechtsunkenntnis?

Kommentar von mepeisen ,

Rechtsirriger Blödsinn:

Nö. wie Kevin schreibt, ist exakt das nun mal die Situation, mit denen sich Inkassobüros tagtäglich konfrontiert sehen. Deren gebühren werden zusammengestrichen, mindestens auf eine Gebühr für ein Schreiben einfacher Art (0,3 Gebühr) oder noch weniger. Sauber begründet über die Schadensminderungspflicht §254 BGB und nicht angreifbar durch die Gesetzeslage.

Inkassos machen im Masseninkasso außer einem Mahnbriefchen exakt nichts, was sich Rechtsdienstleistung nennen darf. Sie machen ansonsten ausschließlich kaufmännische Dienstleistungen, die aber immer dem Gläubiger selbst zur Last fallen.

Was du als "Das gilt nur" beschreibst, ist die ausdrückliche Ausnahme im RDG, wonach bei entsprechender wirtschaftlicher Verflechtung gar keine Rechtsdienstleistung stattfindet. Siehe beispielsweise Otto und EOS. Das ist eine wiederum völlig andere Baustelle, obgleich natürlich genauso richtig.

Nach inzwischen herrschender Auffassung stellen Inkassogebühren einen adäquaten kausalen Verzugsschaden im Sinne von § 286 BGB dar, wenn sich der Schuldner in Verzug befindet und der Gläubiger im Zeitpunkt der Beauftragung von einer erfolgreichen Tätigkeit des Inkassounternehmens ausgehen konnte.

Das ist Blödsinn, das weißt du aber auch. Es gibt tausende Gerichtsurteile, die dagegen sprechen. Es ist meinetwegen strittig und es gibt einzelne Gerichte, die je nach Einzelfall die Inkassogebühren als erstattungsfähig anerkennen. So fair muss man durchaus sein. Das ändert nichts an einem aber ganz wichtigen Umstand:

Inkassos im Masseninkassobereich arbeiten grundsätzlich kostenlos und auf eigenes Risiko. Sie garantieren dem Auftraggeber vertraglich, dass sie keine Gebühren berechnen. Denn andernfalls würde niemals ein großer Konzern das ganze an ein Inkasso abgeben. Es ist kaufmännischer Wahnsinn, sich beispielsweise bei einer 10€-Forderung einem über 70€ Kostenrisiko ausgesetzt zu sehen. Wenn sie aber keine Gebühren berechnen, kann niemals ein Schaden entstehen. Wo aber kein Schaden entsteht, kann niemals ein Verzugsschaden geltend gemacht werden. Das System krankt also aus rechtlicher Sicht in sich und das ist auch der Grund, warum nach Zahlung der Hauptforderung die Inkassokosten nie erfolgreich eingeklagt werden. Ich kenne keine solche Klage (Versäumnisurteile mal ausgenommen) und trotz mehrfacher Fragen in diversen Foren all den Jahren konnte mir nie irgendjemand ein Aktenzeichen benennen. Warum kann mir wohl nie jemand ein Aktenzeichen benennen?

P.S.: Wir reden von den außergerichtlichen Inkassokosten, nur um das klar zu stellen.

Antwort
von EXInkassoMA, 491

Das Inkasso bzw der Gläubiger kann intern verrechnen wie er Lust und Laune hat

Braucht Dich aber nicht zu interesieren denn wenn der Gläubiger mit der von Dir vorgegebenen Verrechnungsvorgaben nicht einverstanden gewesen wäre dann hätte er das Geld gem BGB § 367.2 zurücküberweisen müssen

ICH würde sicherheitshalber noch ein Fax ans Inkasso nachschieben falls Du dies im Verwendungszweck Deines Überweisungsträgers vergessen haben solltest :

"Der von mir an Ihren Auftraggeber überwiesene Betrag war  zweckgebunden zur Verrechnung mit der Hauptforderung xy € sowie Mahngebühren 10 € "

Wie hoch war die Hauptforderung und wie viel Gebühren wurden vom Inkassoladen verlangt (alles gerundet)

Antwort
von franneck1989, 467

Mit 10€ Mahngebühren ist der Gläubiger bestens bedient.

Widerspreche der Forderung und das ganze schläft nach ein paar Bettelbriefen ein

Expertenantwort
von imager761, Community-Experte für Recht, 416

Muß ich die, aus meiner Sicht überhöhten, Kosten für das Inkasso bezahlen, obwohl ich die HF an den Gläubiger gezahlt habe?

Ja: Befindet sich der Schuldner in Verzug, hat der Gläubiger einen Anspruch auf Ersatz des sog. Verzugsschadens (§§ 280, 286 BGB), zu dem grundsätzlich auch die Inkassokosten zählen.

Nach inzwischen herrschender Auffassung stellen sie dann einen adäquaten
kausalen Verzugsschaden im Sinne von § 286 BGB dar, wenn der
Gläubiger im Zeitpunkt der Beauftragung von einer erfolgreichen
Tätigkeit des Inkassounternehmens ausgehen konnte.

Vor einiger Zeit bekam ich dann einen Brief von einem Inkassounternehmen wo die Hauptforderung plus Kosten aufgelistet waren.

Die da wären? Nicht erstattungsfähig sind besondere Forderungsposten wie die sog. Kontoführungsgebühren oder Adressermittlungskosten.

G imager761

Kommentar von franneck1989 ,

Du schreibst so schön von "herrschender Auffassung". Wie wäre es, mal ein beispielhaftes Urteil zu nennen, bei dem explizit Inkassogebühren in voller Höhe bei inzwischen bezahlter Hauptforderung eingeklagt werden konnten? Deine Ausführungen klingen eher wie aus einer Werbebroschüre von Inkassounternehmen. Bei geschäftserfahrenen Unternehmen verstößt die Einschaltung eines Inkassobüros grundsätzlich gegen §254 BGB, da das Unternehmen auch selbst in der Lage sein dürfte Mahnbriefe zu schreiben. Mehr macht nämlich auch ein Inkassobüro nicht. Und selbst wenn, ziehen einige Gerichte den §4 (5) RDGEG heran und streichen den ganzen Spaß auf 3,- zusammen.

Kommentar von kevin1905 ,

Adressermittlungskosten sind statthaft, wenn der Schuldner im Laufe des Verfahrens verzieht und die Ermittlung der aktuellen ladungsfähigen Anschrift notwendig wird.

Kontoführungsgebühren sind in der Tat Kreditinstituten vorbehalten.

Was Inkassogebühren angeht, gilt neben §§ 280 und 286 BGB auch § 254 BGB und § 4 Abs. 5 RDGEG.

Keine Inkassogebühren im Masseninkasso!

Maximal das Geld für den Brief (3,- €).

Ein Inkassobüro erbringt im Massengeschäft nicht die gleiche Dienstleistung wie ein Rechtsanwalt (Prüfung, Beratung, individuelle fallbezogene Korrespondenz, ggf. Vertretung im streitigen Verfahren), daher sind Inkassokosten stets deutlich niedriger anzusetzen als die eines Rechtsanwalts.

Dass im Masseninkasso auf Flatrate oder Erfolgsbasis gearbeitet wird, trägt ebenfalls dazu bei, dass kein zu ersetzender Schaden durch die Beauftragung des Inkassobüros (warum sonst würde man als Gläubiger ein IB wählen und nicht gleich den RA, der weit mehr Fachkenntnisse und Befugnisse hat) für den Gläubiger entsteht, ergo es nichts zu ersetzen gibt über die Zinsen und Mahngebühren hinaus (Evtl. Rücklastschriften außen vor).

Kommentar von EXInkassoMA ,

imager761

Schön wärs ;) 

Leider sieht es mit der Erstattungsfähigkeit von Inkassogebühren aber eher schlecht aus

Kommentar von mepeisen ,

Ja: Befindet sich der Schuldner in Verzug, hat der Gläubiger einen Anspruch auf Ersatz des sog. Verzugsschadens (§§ 280, 286 BGB), zu dem grundsätzlich auch die Inkassokosten zählen.

Da im Masseninkasso üblicherweise kostenlos gearbeitet wird, entsteht dieser Schaden niemals. Das steht beispielsweise sogar bei großen Konzernen in deren Jahresberichten, dass die da gar kein Kostenrisiko haben. Insofern: Setzen 6. Thema verfehlt.

Da insbesondere Adressermittlungskosten durchaus ihre Berechtigung haben, wenn die aktuelle Adresse unbekannt war (und sie nicht irrsinnig hoch sind), frage ich mal deutlich, wieso du dich Community-Exoerte für Recht nennst. Von Recht scheinst du insbesondere hinsichtlich einiger Grundregeln des Schadensrechts irgendwie keinerlei Ahnung zu haben.

Antwort
von Taimanka, 401

ich würde das zahlen und gut ist, weil es ausufern kann. 

Kommentar von franneck1989 ,

Was soll denn bitte ausufern? Inkassobüros sind überflüssig bei geschäftserfahrenen Unternehmen und brauchen auch nicht bezahlt werden. Eingeklagt wird das üblicherweise auch nicht

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