Frage von Paddex, 176

Nach Ausbildung Versicherungskaufmann machen (Quereinstieg)?

Hallo zusammen :) Mich beschäftigt momentan folgendes Thema:Ich bin 22 Jahre alt und werde Ende des Jahres meine Ausbildung zum Kaufmann für Spedition- und Logistik Dienstleistungen beenden, zuvor habe ich Abitur gemacht und 2 Jahre studiert(ohne Abschluss). Zur Zeit arbeite ich bei einer mittelständischen Spedition (mehrere Niederlassungen national, sowie International). Allerdings erfüllt mich der Beruf nicht, sprich ich gehe nicht wirklich mit einem guten Gefühl nach Hause. Es ist nicht so, dass ich jeden Morgen genervt zur Arbeit gehe und alles doof ist, aber ich weiß, dass ich diesen Beruf nicht mein Leben lang ausführen möchte.Ich bin ein aufgeschlossener und kontaktfreudiger Mensch und arbeite gerne mit Menschen, ich mag es nicht den ganzen Tag im Büro am PC/Telefon zu sitzen.Ich habe mich jetzt seit einem Jahr konkreter mit dem Beruf des Versicherungskaufmann/Versicherungsfachmann im Außendienst beschäftigt und habe durch persönliche Kontakte unverbindlich an 3 oder 4 Seminaren teilgenommen um einfach mal zuzuhören und einen Eindruck zu bekommen was es mit der Materie auf sich hat. Ich habe nun ein Angebot von einem großen deutschen Versicherer vorliegen(kein Struktur-betrieb) für eine Weiterbildung zum Versicherungsfachmann, allerdings auf Basis der Selbstständigkeit. Die Weiterbildung würde bezahlt + ich bekomme jeden Monat fest 1250 Euro bestehend aus Fixum + Kundenstamm. In der Agentur in die ich kommen würde arbeitet ein Freund von mir und ist eine Art „Familien Agentur“. Vater, Mutter und Sohn sind dort beschäftigt, sowie mein Kollege und eine weitere Angestellte. Ich habe mit dem Agentur-Leiter auch schon ein persönliches Gespräch geführt und ich war sehr positiv gestimmt, dieses familiäre Verhältnis weicht ein bisschen ab von dem sonstigen typischen Klischee „Bringst du keine Zahlen bist du raus“. Die Agentur besteht auch schon mehr als 30 Jahre und hat einen dementsprechenden Kundenstamm.

Meine Frage an euch ist nun ob jemand Erfahrung mit dieser Art von Umschulung gemacht hat. Und ob ich mit den 1250 Euro + Provision leben kann (Habe Lebenshaltung-kosten von 1300 Euro im Monat im Durchschnitt). Zumal ich mich ja selbst versichern muss etc. Und was ist realistisch was ein Quereinsteiger im Monat an Provision schreiben kann? (Erfahrungswerte?)

Vielen Dank für eure Hilfe!!!

Antwort
von Apolon, 119

Fangen wir mal bei deiner Frage an:

 Und was ist realistisch was ein Quereinstieger im Monat an Provision schreiben kann? (Erfahrungswerte?)

Kunden beraten, darfst du erst wenn du eine Prüfung bei der IHK bestanden hast und im Vermittler-Register eingetragen bist.

Wenn du als Selbständiger Vermittler geführt wirst, musst du eine eigenen Arbeitnehmer einstellen, denn sonst bist du scheinselbständig um musst Sozialversicherungsbeiträge wie Rentenversicherung und Arbeitslosenversicherung ergänzend zu der Krankenversicherung zahlen.

Außerdem benötigst du eine Vermögensschadenshaftpflichtversicherung, denn ohne diese wirst du bei der IHK nicht eingetragen.

Bedeutet also, dass du vorerst nur von dem Grundgehalt leben kannst.

Daher solltest du hier mal speziell mit deiner Familienagentur ein Gespräch führen.

Außerdem, was bringt es dir wenn die Agentur einen großen Bestand hat. Du selbst musst dir deinen eigenen Bestand aufbauen, denn sonst wirst du sehr wenig an zusätzlicher Provision erhalten.

Und bei den meisten Versicherungsunternehmen muss man das Grundgehalt auch ans Verdienen bringen - bedeutet wird mit den Provisionen verrechnet.

Ergänzend muss man auch noch beachten, dass du bei manchen Vertragsabschlüssen bis zu 8 Jahren in der Provisionshaftung bist. Bedeutet wenn z.B. eine Rentenversicherung in den ersten 8 Jahren vom Kunden gekündigt wird, zahlst du anteilmäßig die Provision zurück.

Als Selbständiger sollte man von einem mtl. Einkommen von mindestens 5.000 € rechnen, denn die Ausgaben die du hast sind nicht so wenig.

Arbeitnehmerkosten, Fahrtkosten, Vermögenshaftpflicht, Gewerbesteuer, Einkommensteuer, Krankenversicherung, Werbegeschenke, Computer (Hardware + Software), Büroeinrichtung, Büromaterial, Porto, evt. sogar Büromiete usw.

Gruß N.U.

Kommentar von DerHans ,

Die Provinzial Rheinland bietet Anfängern an, die ersten 6 Monate mit einem Fixum von 1.500 € anzufangen. Stellt sich nach 6 Monaten heraus, dass der Kandidat für den Beruf weniger geeignet ist, wird das Abkommen für weitere 6 Monate verlängert, oder man trennt sich. 

Dann ist aber NICHTS zurück zu zahlen.

Außerdem verbringt der Kandidat eine von 4 Wochen im Ausbildungszentrum und erlernt die theoretischen Grundlagen des Berufs.

Verschiedene Unternehmen bieten das erste Ausbildungsjahr auch im Angestelltenverhältnis an.

Kommentar von Apolon ,

@DerHans,

ich habe keine Ahnung weshalb du mir dies mitteilst.

Kommentar von DerHans ,

Das ist keine Mitteilung, sondern ein Kommentar zu deiner Antwort

Kommentar von Apolon ,

Und was hast du an meiner Antwort zu beanstanden.

Ok - Wortklauberei - was soll dein Kommentar also bedeuten

Expertenantwort
von siola55, Community-Experte für Versicherung, 92

Ich habe mich jetzt seit einem Jahr konkreter mit dem Beruf des
Versicherungskaufmann/Versicherungsfachmann im Außendienst beschäftigt
und habe durch persönliche Kontakte unverbindlich an 3 oder 4 Seminaren
teilgenommen um einfach mal zuzuhören und einen Eindruck zu bekommen was es mit der Materie auf sich hat...

Bitte Vorsicht mit dem Versich.fachmann - dies ist keine Ausbildung, sondern nur eine Qualifikation um Versicherungsverträge im Aussendienst vermitteln u. abschließen zu können. Achtung, dies ist nur eine kurzfristige Zusatzqualifikation und hilft in der Regel nur dem Strukturvertriebsanbieter!

Dir selbst würde schon eher die Ausbildung zum Kaufmann/Kauffrau für Versicherungen und Finanzen langfristig mehr bringen; allerdings dauert diese Ausbildung eben auch paar Jahre - Infos findest du in der azubi-welt.de


Ich habe nun ein Angebot von einem großen deutschen Versicherer
vorliegen(kein Strukturbetrieb) für eine Weiterbildung zum
Versicherungsfachmann, allerdings auf Basis der Selbstständigkeit.

Noch bist du ledig bzw. Single??? Die Selbstständigkeit bedeutet in erster Linie (wie der Name schon sagt), dass du selbst und ständig unterwegs bist, um Versicherungen im Aussendienst zu vermitteln. Was passiert wohl dann, falls du mal eine Freundin bzw. später mal Familie hast??? Schon mal hierüber Gedanken gemacht???

Und ob ich mit den 1250 Euro + Provision leben kann (Habe Lebenkosten von 1300 Euro im Monat im Durchschnitt).

Als Single wirst du da schon deine Problemchen mit deiner Selbständigkeit haben, denn das erste Jahr bis zur erfolgreichen Qualifikation zum Vesich.fachmann erlaubt dir nur eine zeitlich eingeschränkte Vermittlertätigkeit: dies ist weder eine Umschulung noch eine Ausbildung -  einzige Voraussetzung für diesen Versich.vermittlerjob ist folgendes:

Geprüfte/-r Versicherungsfachmann/-frau IHK

Um eine Gewerbeerlaubnis als Versicherungsvermittler oder
Versicherungsmakler von der Industrie- und Handelskammer (IHK) zu
erhalten, erfüllen Sie folgende Voraussetzungen:

- Sie sind zuverlässig.

- Sie weisen nach, dass Sie schuldenfrei sind.

- Sie haben eine Berufshaftpflichtversicherung abgeschlossen.

- Sie verfügen über das nötige Fachwissen.

Die genauen Voraussetzungen sind in § 34d Absatz 2 der Gewerbeordnung (GewO) geregelt. Ob sie diese erfüllen, prüft Ihre jeweilige IHK vor Ort.

Nachzulesen wiederum in der azubi-welt.de bzw. in dem Link hier:

www.bwv.de/qualifikationen/versicherungsfachmann/voraussetzungen/

Gruß einer ehem. Versich.maklerin

Kommentar von siola55 ,

Ich habe nun ein Angebot von einem großen deutschen Versicherer
vorliegen (kein Strukturbetrieb) für eine Weiterbildung zum
Versicherungsfachmann, allerdings auf Basis der Selbstständigkeit.

Diese Art von "Selbstständigkeit" kann ganz schnell als Schein-Selbstständiger enden...

Siehe hierzu bitte mal diese Info der IHK: www.frankfurt-main.ihk.de/recht/themen/arbeitsrecht/scheinselbstaendigkeit/

Kommentar von siola55 ,

Und ob ich mit den 1250 Euro + Provision leben kann (Habe Lebenkosten von 1300 Euro im Monat im Durchschnitt). Zumal ich mich ja selbst versichern muss etc.

Also 5.000 € monatlich sollten es schon insgesamt sein, um als Single und Selbstständiger über die Runden zu kommen. Mit Familienanhang dementsprechend mehr... wie auch schon von Norbert Uhrig richtig beantwortet!

Expertenantwort
von DerHans, Community-Experte für Versicherung, 91

Du solltest dich im ersten Jahr nicht auf Provisionen verlassen. Betrachte dein Fixum als Grundeinkommen und versuche deine Ausgaben darauf zu reduzieren.

Die Ausbildung beträgt dann je nach Prüfungstermin bis zu 15 Monate. Es ist auch nichts, was man so im Vorbeigehen lernen kann.

Aber der Anschluss an einer gut eingeführten Agentur ist kein schlechter Einstieg.

Allerdings musst du dich damit abfinden, dass der Junior EHER die Rosinen aus dem Kuchen bekommt, als du. Wichtig ist dass das Versicherungsunternehmen die entsprechenden Kurse anbietet,und du auch zielgerichtet darauf vorbereitet wirst.

Nicht dass es heißt, die Arbeit in der Agentur ist wichtiger und wir helfen dann schon bei der Prüfung.

Dann solltest du tatsächlich lieber beim gleichen Unternehmen, aber in einer anderen Agentur anfangen. 

Kommentar von Paddex ,

Vielen Dank für die Antwort.

Also ist 1250€ Fix auch ein faires Angebot?

Wie viel bleiben mir denn übrig wenn ich alles abizehe? (Einkommenssteuern,KV,RV etc.)

Kommentar von DerHans ,

Du kannst diese Ausbildung bei verschiedenen Unternehmen auch im Agestelltenverhältnis absolvieren. Damit wärst du besser abgesichert.

Viele Versicherer bieten jedoch sogar höhere Fixumprovisionen an. dabei ist aber die Crux, dass du sehr schnell "gezwungen" wirst den Vorschussanteil "ins Verdienen" zu bringen. Du musst also entsprechende PROVISIONEN  herein holen. Das ist für einen Anfänger aber fast unmöglich. Daran scheitern sehr viele Anfänger und stehen anschließend mit einem Haufen Schulden da.

Erkundige dich einfach mal über das SIS der Arbeitsagentur über den Beruf des Versicherungskaufmanns. Dort siehst du auch die Ausbildungsgänge der größeren Unternehmen.

Als Versicherungsfachmann machst du FAST die gleiche Arbeit im Außendienst. Du kannst dann aber nach 5 Jahren auch extern die Prüfung zum Versicherungskaufmann ablegen.

Kommentar von DerHans ,

Es gibt ein tariflich ausgehandeltes Mindesteinkommen für einen Mitarbeiter im Außendienst (Dabei ist es unerheblich, ob angestellt oder (schein)selbständig.)

Die Höhe kann ich im Moment nicht mehr sagen, da ich selbst nicht mehr aktiv bin

Tarif für das Versicherungsgewerbe im Außendienst.

Auskunft erhältst du auch im 

BVK (Bundesverband Versicherungskaufleute)

Kommentar von Apolon ,

Wie willst du von einem Brutto-Einkommen von 1.250 € im Monat als Selbständiger überleben ?

Kommentar von siola55 ,

Also ist 1250€ Fix auch ein faires Angebot?
Wie viel bleiben mir denn übrig wenn ich alles abizehe? (Einkommenssteuern,KV,RV etc.)

Also dein erster Schritt zur Selbstständigkeit sollte der zur IHK sein - hier wird dir geholfen mit Infos, Erfahrungen, Vorgaben, Prüfungen, Voraussetzungen usw. usw.

Kommentar von siola55 ,

Die Ausbildung beträgt dann je nach Prüfungstermin bis zu 15 Monate. Es ist auch nichts, was man so im Vorbeigehen lernen kann...

Der Versich.fachmann ist leider keine Ausbildung und berechtigt nur nach der Qualifizierung zur Vermittlung von Versich.verträgen im Aussendienst!
Fatal daran ist, dass während dieser 12 - 15 monatigen Versich.fachmann-Qualifizierung ja noch gar keine Versich.verträge selbstständig vermittelt werden können...

Kommentar von DerHans ,

Wenn er, wie hier beschrieben, in einer Agentur angebunden ist, zeichnet ja der Agenturinhaber. Der "Kandidat" arbeitet dann ja praktisch und angeblich nur unter "Anleitung"

Ich habe selbst diese grüne Karte praktisch noch "geschenkt" bekommen. Ich war selbst im Ausschuss des BVK als die bedingugen erstellt wurden

Kommentar von DerHans ,

Aus eigenem Antrieb habe ich dann extern die Prüfung zum "Versicherungskaufmann" abgelegt, als mein erster Lehrling zur Prüfung ging, habe ich mich einfach mit angemeldet.

Das ist möglich

Kommentar von Apolon ,

@DerHans,

ergänzend noch eine Frage:

wann bist du in deinen verdienten Ruhestand gewechselt  ?

Ich vermute mal, dass du die neuen Richtlinien noch nicht kennst!

Kommentar von Apolon ,

 Wenn er, wie hier beschrieben, in einer Agentur angebunden ist, zeichnet ja der Agenturinhaber. Der "Kandidat" arbeitet dann ja praktisch und angeblich nur unter "Anleitung"

Bedeutet aber auch, dass er selbst keine Beratung beim Kunden durchführen darf, denn dies würde gegen das VVG verstoßen.

Er könnte mit seinem Ausbilder (Agenturinhaber) zusammen den Kunden aufsuchen und die Beratung würde über den Agenturinhaber stattfinden.

Nur wird sich dafür kein Agenturinhaber hergeben.

Ergänzend stellt sich mir auch noch die Frage, ob das IHK den Seiteneinsteiger ohne die erforderliche Ausbildung überhaupt akzeptiert.    

Kommentar von DerHans ,

Der Lehrgang zum "Versicherungsfachwirt" wird ja genau in diesem ersten Jahr durchgeführt und endet mit einer Prüfung bei der IHK.

Sehr genau, scheinst du dich in dem Beruf nicht auszukennen

Kommentar von Apolon ,

Sorry - aber die Weiterbildung zum Versicherungsfachmann ist nicht gleich zu setzen mit dem Versicherungsfachwirt.

da besteht ein großer Unterschied

Aber ein Tipp für dich - hier kannst du dich mal einlesen!

http://www.vermittlerrichtlinie.de/449,19821,1.html

Kommentar von DerHans ,

Sorry, hab mich verschrieben. Soll natürlich Fachmann heißen.

Nach deinem Profil bist du doch genau das: 

"Versicherungsfachmann"

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