Frage von FlouuFlouu, 21

Muss sie mit einer Strafe rechnen?

Hallo ihr lieben, Kennt sich hier jemand in Sachen Recht aus? Folgende Situation: Meine Freundin und ich waren letztens in der Stadt unterwegs und haben dabei leider die Zeit vergessen, sodass meine Freundin noch zum Bahnhof sprinten musste, um ihren Zug noch zu bekommen. Vor unserem Bahnhof ist ein Zebrastreifen, über den sie ohne auf den Verkehr zu achten (ja war blöd. Ist ihr im Nachhinein auch bewusst) drüber gerannt ist. Ein Autofahrer hat zwar noch eine Vollbremsung gemacht, war aber schon so nah, dass er meine Freundin noch erwischte und dabei verletzte. Jetzt meine Frage: Hat sich meine Freundin strafbar gemacht? Mit welcher Strafe muss sie rechnen? Hat das auch irgendwie Auswirkungen auf ihren Führerschein? Und vor allem: Falls ihr eine Strafe droht, übernimmt dann die (Unfall-/Kranken-)Versicherung überhaupt noch ihre Behandlungskosten? Meine Freundin zieht bald einen Anwalt hinzu, würde aber jetzt schon gerne wissen, was da so ungefähr auf sie zukommen wird. Ich hoffe, ihr könnt helfen. Vielen Dank schonmal.

Antwort
von nobytree2, 19

Eine Strafbarkeit sehe ich nicht: § 315b StGB ist wohl kaum erfüllt, eine Sachbeschädigung am Auto ist genauso wenig denkbar.

Eine Ordnungswidrigkeit sehe ich auch nicht, denn sie lief über einen Zebrastreifen. Nur wenn es dem Auto trotz ausreichender Verlangsamung und Beobachtung aufgrund des Zebrastreifens (§ 26 StVO) ein rechtzeitiges Anhalten unmöglich war, war ihr Verhalten StVO-widrig.

Versicherung: Bei vorsätzlicher Selbstverletzung gibt es Einschränkungen, die liegt hier aber nicht vor. Bei Fahrlässigkeit gibt es selbstverständlich keine Leistungsverweigerungsrechte des Versicherers.Bei vorsätzlich verursachten Obliegenheitsverletzungen kann die Leistung im Verhältnis zur Ursache entsprechend gekürzt werden. Insgesamt würde ich das aber noch als Fahrlässigkeit einstufen, ich bin nicht sicher, gehe aber von einer vollen Leistungspflicht des Versicherers aus.

Mehr hierzu bei: http://www.finanztip.de/versicherung-grobe-fahrlaessigkeit/#ixzz4JkVcAyDp

Expertenantwort
von Crack, Community-Experte für Verkehrsrecht, 13


§ 26 StVO Fußgängerüberwege sagt aus:

(1) An Fußgängerüberwegen haben Fahrzeuge mit Ausnahme von Schienenfahrzeugen den zu Fuß Gehenden sowie Fahrenden von Krankenfahrstühlen oder Rollstühlen, welche den Überweg erkennbar benutzen wollen, das Überqueren der Fahrbahn zu ermöglichen. Dann dürfen sie nur mit mäßiger Geschwindigkeit heranfahren; wenn nötig, müssen sie warten.



Soweit, so gut. Oder nicht?

Die Betonung liegt hier auf erkennbar benutzen.
Erkennbar ist es wenn der Fußgänger auf den Fußgängerüberweg zu geht oder sich diesem zuwendet. Wer über den Fußgängerüberweg sprintet der macht das plötzlich - und das ist für einen KFZ-Führer in der Regel nicht erkennbar.

Die Schuld wird hier also geteilt, Deine Freundin muss aber nur mit einem geringem Verwarnungsgeld rechnen.


Kommentar von FlouuFlouu ,

Vielen Dank für die Antwort. Bis auf das Verwarnungsgeld werden also die Kosten (ihre Behandlung und Schäden am Auto) von der Versicherung übernommen?

Kommentar von Crack ,

Ja, ich sehe nichts das dem entgegen steht.

Antwort
von schelm1, 9

Autofahrer haben im Bereich eines gut sichtbaren Zebrastreifens besondere Vorsicht walten zu lassen, da hier auch mit dem unvermittelten Queren der Straße durch Fußgänger zu rechnen ist; folglich hat er das Tempo so anzupassen, dass er sein Fahrezug im Zweifel auch jederzeit ohne Vollbremsung vor dem Zebrastreifen zum Stand bringen kann.

Ob es da eine Mitschuld der Dame gibt, muß ein Richter ggfs. wegen der ohnehin vorliegenden Körperverletzung entscheiden.


Kommentar von lavre1 ,

ja sorry aber wenn dir jemand genau in den Wagen rennt kannst du sogar mit 20 kmh nicht mehr bremsen.

ist halt ein witz, und in der wahrheit fährt jeder deutsche bei grün mit mindestens der erlaubten geschwindigkeit durch

Kommentar von Menuett ,

Also ich schaue auf alle Fälle, ob da jemand auf den Zebrastreifen zumaschiert. Und fahre entsprechend. Wie die meisten anderen auch.

Kommentar von schelm1 ,

@lavre1 - Dann wären vor Schulen, Kindergärten, Altenheimen und vor Zebrastreifen eben auch schon 20 kmH zu viel!

Da muß jeder sein eigenes Reaktionsvermögen sehr gut einschätzen können und ohne sich zu überschätzen, angepaßt fahren.

Kommentar von fuji415 ,

Der Zebrastreifen ist keine grüne Ampel

Kommentar von schelm1 ,

...viel schlimmer! - Den Meisten geht wenigstens bei der Ampel "ein Licht auf"!

Beim Zebrastreifen ist wesentlich mehr Vorausschau geboten!

Antwort
von BenniXYZ, 5

Nu mal langsam, deine Freundin ist von einem Auto erwischt worden? Auf dem Zebrastreifen? Und wieso sollte sie sich schuldig fühlen?

Der Autofahrer hat wohl gepennt, an einem Zebrastreifen muß er besonders sorgfältig fahren! Da rennt immer mal wer rüber, der es eilig hat.

Deine Freundin wird von ihrer KK einen Fragebogen erhalten. Ob es ein Unfall mit einem KFZ war und ob die KK vom Verursacher die Arztkosten zurück holen könnte. Darf sie nämlich.

Deine Freundin sollte einen Anwalt beauftragen, welcher ihr Schmerzensgeld ausrechnet. Die Kosten trägt die KFZ Versicherung. Deine Freundin hat alle Rechte auf ihrer Seite. Auch evtl. beschädigte Bekleidung muß ersetzt werden.


Kommentar von 19Michael69 ,

Ein Fußgängerüberweg ist kein Freibrief zum bekloppten über die Straße Rennen.

Natürlich hat jeder Autofahrer an einem Fußgängerüberweg besondere Vorsicht walten zu lassen.

Wenn aber wie hier beschrieben ohne auf den Verkehr zu achten einfach drüber gerannt wird, dann hat der Fahrer überhaupt keine Chance und er kann einem echt leidtun.

Bei Unfällen mit Fußgängern und Radfahrern sind immer die PKW-Fahrer die Dummen, selbst wenn sich die anderen noch dümmer verhalten haben.

Sie hat an dem Unfall mindestens eine Teilschuld und somit weder alle Rechte auf ihrer Seite noch ein Anrecht auf Schmerzensgeld.

Gruß Michael

Kommentar von BenniXYZ ,

Du hast vergessen, daß es sich hier um Gefährdungshaftung handelt. Das Auto stellt die höhere Gefahr dar. Aber gefühlt hast du Recht.

Antwort
von fuji415, 5

Wer so kopflos durch die Gegend rennt sollte sich nicht darüber wundern wen man dann unter dem Auto liegt Sie trift die volle Schuld für den Unfall 

Wir kennen das alle: Fußgänger rennen mit gesenktem Blick auf ihr Handy über die weißen Streifen auf der Fahrbahn, Radfahrer radeln munter über den Zebrastreifen, ohne nach links oder rechts zu schauen. Der Autofahrer ist dann meist der Dumme. Oder nicht?…

Der Zebrastreifen ist keine grüne Ampel

Außerdem haben Fußgänger gegenüber Autos kein absolutes Narrenrecht und müssen Regeln einhalten. 

So verklagte eine Frau den Fahrer, der sie auf einem Zebrastreifen erfasst und schwer verletzt hatte, auf Schadensersatz - und verlor. 

Denn die Frau, die auf dem Bürgersteig lief, war auf der Höhe des Zebrastreifens plötzlich und ohne Vorwarnung auf die Straße getreten und so vom überraschten Fahrer angefahren worden.

Wenn ein Auto kommt, heißt es: Warten, bis das Auto anhält. Und dann erst rüber auf die andere Straßenseite. 

Doch im Laufe des Lebens ändert sich das Verhalten auf der Straße. 

Ohne auf den Verkehr zu achten wird über die Straße gerannt mit der Erwartung, das Auto muss und wird schon anhalten. 

Textbezogene Paragraphen / Urteile:

Oberlandesgericht (OLG) Hamm, Urteil vom 14. Juli 2003, Az.: 6 U 39/03

Das Gleiche gilt übrigens auch für Radfahrer. 

Denn auch sie müssen vorsichtig sein und dürfen nicht auf dem Fahrrad über den Zebrastreifen fahren, sondern müssen das Rad schieben. 

Tun sie das nicht und fahren, gelten sie nicht als Fußgänger und verlieren somit ihre Vorfahrtsberechtigung.

http://www.advopedia.de/news/aktuell/regeln-und-haftungsfrage-auf-zebrastreifen

Antwort
von Lumpazi77, 6

Keine Sorge ! Das gibt allenfalls ein Bußgeld. Der Führerschein ist nicht betroffen. Auch die Versicherung wird zahlen!

Kommentar von Menuett ,

Mit welcher Begründung sollte sie ein Bußgeld bekommen?

Kommentar von Lumpazi77 ,



wenn es dem Auto trotz ausreichender Verlangsamung und Beobachtung aufgrund des Zebrastreifens (§ 26 StVO) ein rechtzeitiges Anhalten unmöglich war, war ihr Verhalten StVO-widrig und hat ein Bußgeld zur Folge


Kommentar von BlackApache ,

Dazu ist entscheidend ob seine Freundin schon auf den Zebrastreifen zugelaufen kam oder unmittelbar vor dem Fahrzeug angefangen hat zu rennen.

Kommentar von Lumpazi77 ,

Den genauen Sachverhalt kennen wir nicht

Kommentar von FlouuFlouu ,

Sie ist ungefähr 200m vor dem Zebrastreifen losgesprintet.

Kommentar von fuji415 ,

Der Zebrastreifen ist keine grüne Ampel

Antwort
von Soucier, 8

Wenn es auf einem Zebrastreifen passiert ist ist kann ihr nicht viel passieren, denn die Autofahrer müssen an einen Zebrastreifen vorsichtig heranfahren, etwas Schuld trifft ihm also auch..

Kommentar von lavre1 ,

ja und das ist mega unfair!

eigentlich gibts (in der schweiz) für missachten eines Rotlichts 200 Franken Busse.

Kommentar von Menuett ,

Sie ist aber nicht bei rot über die Ampel.

Sie ist über einen Zebrastreifen gerannt.

Kommentar von lavre1 ,

ja stimmt, dafür gibts keine busse, aber es ist trotzdem auch vorsicht vom fussgänger verlangt

für den fussgänger wirds wohl nicht so teuer, armer autofahrer

Kommentar von Soucier ,

Vorsicht wird vom Autofahrer verlangt, wozu gibt es wohl einen Zebrastreifen?

Kommentar von BlackApache ,

Auf einem Zebrastreifen hat der Fußgänger Vorrang! Ob er jetzt läuft oder im Handstand drüber geht. Die Geschwindigkeit der Autofahrer ist beim Anfahren an einen Zebrastreifen zu verringern.

Meine Frage: Ist sie unmittelbar vor dem Zebrastreifen losgesprintet oder schon laufend darauf zu. Wenn sie laufend darauf zu ist hatte der Autofahrer genug Zeit die Situation zu erkennen und zu bremsen.

Sachbeschädigung kommt hier nicht in Frage, da sie es nicht vorsätzlich getan hat.

Kommentar von FlouuFlouu ,

Sie ist sprintend auf den Zebrastreifen zu gerannt. Also so ungefähr 200m vor dem Zebrastreifen losgesprintet.

Kommentar von fuji415 ,
Der Zebrastreifen ist keine grüne Ampel

Außerdem haben Fußgänger gegenüber Autos kein absolutes Narrenrecht und müssen Regeln einhalten. 

So verklagte eine Frau den Fahrer, der sie auf einem Zebrastreifen erfasst und schwer verletzt hatte, auf Schadensersatz - und verlor. 

Denn die Frau, die auf dem Bürgersteig lief, war auf der Höhe des Zebrastreifens plötzlich und ohne Vorwarnung auf die Straße getreten und so vom überraschten Fahrer angefahren worden.

Kommentar von fuji415 ,
Der Zebrastreifen ist keine grüne Ampel

Außerdem haben Fußgänger gegenüber Autos kein absolutes Narrenrecht und müssen Regeln einhalten. 

Antwort
von wilees, 6

Führerschein auf Probe? Kann zu einem Aufbauseminar führen.

Kommentar von Menuett ,

Weil sie über einen Zebrastreifen gerannt ist?

Das ist keine Ordnungwidrigkeit, das ist nicht mal verboten.

Sie hat "Vorfahrt" auf dem Zebrastreifen. Der Autofahrer hätte da besser aufpassen müssen.

Kommentar von wilees ,

Ein Zebrastreifen stellt keinen Freifahrtschein dar. Auch ein Fußgänger hat die StVO zu beachten und nicht blindlings über die Straße zu sprinten. Also hat diese Fußgängerin mindestens eine Teilschuld am Unfall.

Kommentar von FlouuFlouu ,

Also selbst wenn sie Teilschuld am Unfall bekommt, wäre mir neu, dass man deshalb ein Aufbauseminar besuchen müsste.

Antwort
von ErsterSchnee, 2

Strafe nein - Kosten ja.

Kommentar von FlouuFlouu ,

Also muss sie ihre Behandlung selber zahlen? Oder welche Kosten meinst du?

Kommentar von ErsterSchnee ,

Nein, ich meine u.a. die Kosten für den Anwalt.

Kommentar von Menuett ,

Nein, die Behandlung zahlt die Krankenkasse.

Ich wüsste jetzt nicht, wofür sie einen Anwalt brauchen sollte.

Antwort
von Muttimussweg, 5

Zebrastreifen ist Zebrastreifen, egal ob Deine Freundin darüber kriecht, rollt, rennt . . . . . . .der Fahrzeugführer hat jederzeit bremsbereit zu sein und muss anhalten, und das schon BEVOR der Fußgänger, Kriecher, Roller etc. den Zebrastreifen erreicht hat. Dabei ist es absolut unerheblich, welche Geschwindigkeit Deine Freundin auf's Parkett gelegt hat. 

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