Frage von Stellamister, 76

Muss oder sollte ich eine Psychotherapie machen?

Hallo:)) ich beschäftige mich gerade in der Schule mit der Psychoanalyse und dadurch habe ich mich gefragt, ob ich eventuell zu einem Therapeuten gehen sollte, oder ob ich evt die Gründe für meine fast panische Angst vor Nähe kennt? Ich bin 18 und war als Kind relativ dick, weshalb ich mich noch aktiv an Beleidigungen aus der Grundschule erinnern kann (teilweise kenne ich die Sätze 1:1) die mich sehr verletzten weshalb ich dann mit 12 Magersüchtig wurde. Ich habe da dann selber herausfinden können und mit der Zeit meinen Körper akzeptiert, habe Normalgewicht und ein völlig normales Essverhalten. Ich hatte bisher erst eine richtige Beziehung (2 Jahre lang), in der ich leider auch fast nur schlechte Erfahrungen gemacht habe. Einerseits war er fast meine einzige Bezugsperson eine lange Zeit lang, da ich ja unter Depressionen litt und ich zu meinen Eltern nur einen geringen emotionalen Bezug habe, da sie sich sehr oft streiten. Jedenfalls hat mein Ex mich irgendwann dann für eine andere verlassen und ich fiel in ein sehr tiefes Loch, musste eine Therapie machen. Ich bin ein sehr offener Mensch und brauchte deshalb nicht sehr viele Sitzungen, mir ging es relativ schnell besser und ich habe mich ständig und andauernd selber mit meiner Vergangenheit auseinandergesetzt. Viel Musik gehört, nachgedacht und vor allem Gefühle zugelassen. Ich habe meinen Ex über ein Jahr lang sehr stark vermisst. Andererseits bin ich an all dem seeeehr gewachsen und nun glücklich mit mir selber. Mein einziges Problem ist, dass ich mich manchmal etwas verloren bzw betäubt fühle und am schlimmsten ist für mich die Angst vor körperlicher Nähe. Wie gesagt ich bin sehr glücklich, äußerst aktiv, lache viel, unternehme viel etc aber diese Angst vor Nähe ist da, ich kann Menschen nur schwer in die Augen schauen, fühle ein leicht drückendes Gefühl wenn ich in unbekannter Runde rede und verspreche mich dann auch manchmal. Kann man daran arbeiten? Zudem ist meine Belastungsgrenze nicht sehr hoch, in meiner Familie wird kaum gesprochen. Manchmal weiß ich nicht ganz was meine Identität genau ist. Ich verspüre des Öfteren gegenüber gewaltigen Gefühlen eine Art Gleichgültigkeit.

Antwort
von SamOthy, 14

Hier gab es ja schon ein paar Antworten, da dein Text und die Situation mich stark an mich erinnert möchte ich trotzdem noch was zu schreiben.

Ich habe vor einem Jahr in einer Therapie genau das erlebt was du auch gerade erlebst: Selbstreflektion

Das ist einerseits mega gut, wirklich sehr wenige Menschen sind wahrhaft in der Lage sich selbst und ihr Verhalten zu Spiegeln und zu analysieren. Es hilft bei moralischen Entscheidungen und pusht das Selbstbewusstsein.

Die negativen Folgen (nun nach einem Jahr) für mich sind ziemlich schwerwiegend. Auch wenn ich das nicht rückgängig machen wollte, selbst wenn ich könnte, Selbstreflektion kann zu einer umgedrehten egozentrischen Sichtweise führen, die das Grübeln verstärkt und damit Depressionsphasen schnell einleiten kann und dann sogar dafür sorgt das sie länger dauert und tiefer geht.

Ein Beispiel dafür ist das Gefühl jeden Menschen und seine Geschichte zu 'verstehen' und auch schlimme Taten (weil sie ja aus einer Vergangenheit entstehen, die 'Verstanden' werden kann) fürs erste nicht direkt zu verurteilen. Das gibt den riesen Vorteil einer neutralen Sichtweise, unterdrückt aber auch automatisch Wut/Hass , oder auch auf der Gegenseite Freude/ Liebe.

Dadurch das ich mich damals so verändert hab (von unbeschwerter witziger Mauer in nullMauer in neue VerständnisMauer) und das natürlich auch die Menschen in meiner Umgebung mitbekommen hatten, entstanden dadurch Situationen die ich mit der neuen Mauer (gläsern) bestreiten konnte, mich kurzfristig besser fühlte nur um dann zu merken, dass kaum einer so ist wie ich jetzt und ich mich durch fehlendem Selbstbewusstsein (bzw. fehlerhafter Motivation von Außen) selber unbewusst von den "anderen Menschen" distanziert habe.
Bedeutet nun bin ich ein freundlicher intelligenter selbstsicher Auftretender Mensch, dessen Sehnsucht nach Anerkennung von Aussen keinen Anfang und kein Ende kennt, gleichzeitig durch die Selbstreflektionen innerlich verpönt wird (du bist besser , brauchst keine Anerkennung von Aussen, du brauchst nichts, andere haben noch weniger als du, also sei zufrieden, wäre ich ja wenn die anderen Menschen in meiner Umgebung auch zufrieden wären mit dem was sie haben und haben könnten. .. usw).

Im Großen und Ganzen ist meine Welt nun nicht mehr schwarz, aber auch nicht weiß. Sie ist melancholisch Grau und durchs Grübeln gibt es weder Ausweg noch Eingang, eine Handlung zieht immer eine andere Handlung nach sich und alle bedachten Taten führen zu keiner weißen Zukunft, wenn du verstehst.

Ich möchte hier keine Predigt halten, bitte Pass nur auf wie weit du dich in die Materie Psychologie einarbeitest, sie ist Fluch und Segen zugleich und in lebensunerfahrenen Händen absolut selbstzerstörerisch!

Aber ich verstehe die Faszination so sehr. Ich wünsch dir alles gute, je weniger Zeit du damit verbringst etwas zu analysieren desto mehr zeit hast du es zu erleben

Kommentar von Stellamister ,

Hallo:))

Vielen lieben Dank für deine so ausführliche Antwort! Ich habe leider ein paar Verständnisprobleme:( könntest du mir die Kernaussagen nochmal erläutern?

Vielen lieben Dank

Kommentar von SamOthy ,

Sehr gerne, du möchtest Kernaussagen nochmal erläutert haben? Welche denn genau? :3 oder anders was ist unverständlich?

Antwort
von Lavendelelf, 37

Wenn ich mir deine Frage durchlese fällt auf, dass du viel Gesprächsbedarf hast, was ja eher positiv ist. 

Es ist ja fast schon eine Mode geworden (z. B. unter Sportlern) regelmässig einen Psychologen aufzusuchen, um ein auf Psychologie basierendes Gespräch zu führen. Ich würde es für dich für sinnvoll und richtig halten. Du würdest von aussen reflektiert werden, das kann nur gut sein. Und das halte ich übrigens für jeden Menschen für empfehlenswert..

Antwort
von 4nn4l3n4, 12

Also ich würde es dir ans Herz legen... Vorallem deshalb weil er dich zum sex geswungen hat

Antwort
von Dianaartem, 20

Du bist total normal, was du da schreibst kenne ich auch total, du hast das ja auch ganz richtig gemacht, das du dir selber weitergeholfen, klar es ist total interessant sich mit solchen Therapeuten zu unterhalten, da lernst du viel dazu, aber auf der anderen seite behaupten die auch viel Mist, der sich meiner Meinung nach nicht beweisen lässt, also lass dir da dann nichts erzählen, aber du kannst da schon hingehen, wenn du total kritisch bist und eben das, was dir nützt von denen lrnst du bist schon viel weiter als die mesiten anderen in deiner lage, die alles glauben, was ihnen erzählt wird, und noch freiwillig irgendwelche schädlichen Pillen schlucken, du hast dir schon viel selber erarbeiete das finde ich voll cool, Vielleicht bist du auch hochbegabt in Wirklichkeit, wie oft bei Leuten die ,,auffällig" sind, wie die das sagen.

Antwort
von Stellamister, 28

Außerdem hat mein Ex mich in unserer Beziehung manchmal zum Sex gezwungen.

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