Frage von Schreiberlilli,

Muss man zwangsläufig gläubig sein, wenn man einer Religionsgemeinschaft angehört?

Es gibt doch auch Traditionen, die nicht unbedingt mit dem Glauben zusammenhängen müssen!

Hilfreichste Antwort von Sonnenschnauz,
1 Mitglied fand diese Antwort hilfreich

Selbstverständlich muss sich jemand zu den Inhalten einer religiösen Gemeinschaft bekennen, der er angehört.

Die Frage ist aber, wie man dieses "Bekenntnis" messen will. Beim Eintritt eines Erwachsenen in eine solche Gemeinschaft legt er ein Bekenntnis ab. Aber wie sieht es aus, wenn jemand schon lange dabei ist und manches nach Routine aussieht? Soll man ihm den Glauben absprechen?

Jemand, der sich zur Kirche hält (um nur diese Variante einer Religionsgemeinschaft zu nennen), auch wenn das ein gelegentlicher Besuch oder eine gelegentlich praktizierte Aktivität ist, würde ich als Mitglied betrachten. Ich denke, man sollte auch die Kirchensteuerzahler auch nicht so verächtlich behandeln, wie es hier auf GF geschieht. Oftmals gibt es Glauben, der neu erweckt werden muss. Es gibt, nach biblischer Aussage, sogar "toten Glauben", der neu lebendig werden muss. Wer will das denn alles richtig beurteilen?

Kommentar von Schreiberlilli,

Sonnenschnauz, was für Dich selbstverständlich ist, muss nicht für jeden so gelten. Schön, dass Du es für Dich so sagen kannst. Ich entnehme Deiner Antwort, dass eine Religionszugehörigkeit aus Traditionsbewusstsein nicht in Frage kommt, wenn hier der Glaube fehlt. Habe ich Dich so richtig verstanden? Ansonsten korrigiere mich bitte.

Kommentar von Sonnenschnauz,

Nein, Missverständnis (wegen meiner Kürze).

Zugehörigkeit durch Bekehrung, also bewusster Neubeginn, dazu bedarf es keines Kommentars.

Aber wenn jemand in einer Tradition groß wird (nennen wir es mal so), wenn er alles "mitmacht" und es bejaht, dann bekennt er sich doch praktisch (und theoretisch) dazu. "Traditionsbewusstsein" hat ja immerhin auch ein Bewusstsein.

Sagen wir mal, ein ganz "normaler Kirchenchrist", der sich zur Kirche hält, dessen Eltern und Großeltern dabei waren, und der für seine Zugehörigkeit praktisch einsteht, den würde ich beileibe nicht ausschließen wollen. Im Gegenteil!

Ich hätte allerdings etwas dagegen, wenn die Traditionellen mich ausschließen wollen, weil ich ganz bestimmte Rituale, die zu den "Adiaphora" ("Mitteldinge")gehören, nicht so wichtig finde. Oder weil mein Stammbaum nicht weit genug reicht.

Kommentar von Schreiberlilli,

Meine ursprüngliche Frage bezieht sich ja auf die Verbindung Glaube-Religionsgemeinschaft. Der "normale Kirchenchrist" kann gläubig sein oder auch nicht. Deine Antwort heißt demnach: "Nein! Glaube ist keine Voraussetzung oder Bedingung für eine Zugehörigkeit zur Religionsgemeinschaft, weil es ausreicht und in Ordnung ist, wenn die Traditionen gepflegt werden. Ich will nur abklären, ob ich Dich jetzt richtig verstanden habe(keine Wertung)!

Das:"Adiaphora" ("Mitteldinge") habe ich allerdings nicht verstanden! Was meinst Du damit?

Kommentar von Sonnenschnauz,

Nehmen wir einen Mann wie Dietrich Bonhoeffer. Der wächst in einem traditionellen protestantischen Elternhaius auf. Der Glaube ist sozusagen eine Selbstverständlichkeit. Wie soll man das jetzt messen? Ist da Glaube oder nicht? Meine Antwort: Auch dieser "selbstverständliche" Glaube ist Glaube.

Dann wird aus diesem hochbegabten Protestanten traditioneller Art ein Wissenschaftler, Theologe. Der hätte alle möglichen Disziplinen studieren können, er wäre überall ein As gewesen. Dann wird er, allmählich, ohne jeden Bruch, ein bekennender christlicher Lehrer, Märtyrer. Wo ist da die Grenze zwischen "Tradition" und "wahrem Glauben"? Ich wage es nicht, eine solche zu ziehen.

Der andere Gewährsmann (den ich persönlich besser verstehe) ist Kierkegaard. Lauter "Brüche", oder "Wiederholungen". Von der Ästhetik zur Ethik und dann zum bewussten Christen. Es gibt verschiedene Glaubensweisen.

Kommentar von Sonnenschnauz,

Adiaphora sind unbedeutende Dinge. In der Reformationszeit nannte man diese Dinge so, die man (Luther) als nicht kirchentrennend ansah.

Leider werden Äußerlichkeiten oft zu Hauptsachen. So war es für mndie Orthodoxen im Mittelalter wichtig, dass Jesus einen Bart hatte, für die westlichen Christen nicht.

Kommentar von Schreiberlilli,

Du hast einen sehr interessanten Beitrag zu meiner Frage geschrieben. Deshalb ein DH von mir und die "hilfreichste Antwort" Danke.

Kommentar von Sonnenschnauz,

Danke für Gh und Stern! (War mir eine Freude!)

Antwort von Peter96,
6 Mitglieder fanden diese Antwort hilfreich

Man kann dazu stehen wie man will. Heute ist es so, dass ein großer Teil nur noch Kirchensteuer zahlt und sonst mit der Kirche wenig am Hut hat. Lediglich an Weihnachten sind die Kirchen voll. Warum?, es ist halt Tradition.

Kommentar von Monty45,

Wahrscheinlich nicht mehr lange.....

Antwort von Dummie42,
6 Mitglieder fanden diese Antwort hilfreich

Nö, man muss auch nicht ungläubig sein, nur weil man keiner Religionsgemeinschaft angehört.

Antwort von Nowka,
5 Mitglieder fanden diese Antwort hilfreich

in vereinen gibt es nichtaktive zahlende miotglieder.


in der religion ist das ähnlich. ich war zahlendes mitglied (kirchensteuer), bis ich entlaufen bin.


Kommentar von Schreiberlilli,

So kann man es auch sehen!

Kommentar von Nowka,

wer ist: MAN?

Antwort von dreadnought,
4 Mitglieder fanden diese Antwort hilfreich

Da die Kirche, die Du anscheinend mit "Religionsgemeinschaft" meinst, auf dieser Erde existiert, hat sie eine Form. Das kann eine KdöR sein oder ein e.V. oder sonstwas, aber auf jeden Fall eine Gemeinschaft eigenen Rechts. Das wäre sie selbst da, wo sie verboten wäre und nur im Untergrund existiert, wie z.B. in manchen islamischen Ländern (und vielleicht in mittlerer Zukunft bei uns?).

Zu dieser äußeren Form gehören Menschen, aus verschiedensten Gründen. Das können auch Gründe sein, die mit dem Glauben wenig zu tun haben. Ich kenne sogar Atheisten, die bewußt in der Kirche bleiben, weil sie finden, daß ihre Kirchensteuer gut angelegt sei, echt. Oder aus Tradition, oder so. Deswegen bleibt die Kirche aber eine Glaubensgemeinschaft. Ein Fußballverein bleibt auch ein Fußballverein, auch wenn einer nur deswegen Mitglied ist, weil er der örtliche Getränkehändler ist.

Die Alternative wäre ein Glaubens-TÜV. Das wäre aber unchristlich und würde uns bald zur unduldsamen Sekte machen. Also lassen wir den lieben Gott selber sortieren. Steht ihm ja auch zu und nicht uns.

Kommentar von Schreiberlilli,

Toller Beitrag!

Antwort von Kampy,
4 Mitglieder fanden diese Antwort hilfreich

Nein, viele Menschen sind nicht gläubig auch wenn sie irgendwie zu einer Religion gerechnet werden. Das liegt daran, dass man in eine Religion hineingeboren wird und es sich erst mal nicht aussuchen kann. Da ein Austritt aus einer Religion einem Gesellschaftsaustritt gleichkommt, bleiben die meisten Leute einfach offiziell der Religion angehörig, selbst wenn sie mit den jeweiligen Dogmen nichts am Hut haben.

Kommentar von Schreiberlilli,

Das ist es, was ich meine. Religonszugehörigkeit aus Tradition aufgrund einer gesellschaftlichen Verpflichtung. Das hat mit Glaube nichts zu tun. Deshalb dachte ich bisher immer, Glaubensgemeinschaft hat nichts mit Religionsgemeinschaft gemeinsam. Jedenfalls heute nicht mehr. Früher mag das anders gewesen sein.

Kommentar von Kampy,

Nein, das war immer so und wird immer so sein. Die erste Generation tritt bei, aber alle zukünftigen werden unfreiwillig hineingeboren und bleiben aus Gruppendruck, Bequemlichkeit oder übernehmen den Glauben irgendwann, weil sie es nicht anders gewohnt sind.

Kommentar von Schreiberlilli,

Aus Beqemlichkeit wird der GLAUBEN übernommen?

Kommentar von Kampy,

Das habe ich nicht gesagt. Man bleibt in der Religionsgemeinschaft aus Bequemlichkeit. Lies nochmal nach, was ich geschrieben habe.

Kommentar von Schreiberlilli,

Ach ja, stimmt. Dann "übernehmen sie den Glauben irgendwann, weil sie es nicht anders gewohnt sind". Also GLAUBE aus GEWOHNHEIT. Meinst Du das? Ich frage mich, ob das in der Form möglich ist. Kirchenzugehörigkeit aus Gewohnheit kann ich mir vorstellen, aber Glaube?

Kommentar von Kampy,

Ja, überleg doch mal, wenn dir jeden Tag alle Leute etwas sagen würden, dann würdest du es irgendwann glauben. Wenn alle Leute davon überzeugt wären, dass eine unsichtbar kleine Teekanne durchs All fliegt, dann würdest du das irgendwann als Wahrheit ansehen, vor allem dann, wenn du das schon als Kind von allen gesagt bekommst.

Kommentar von Schreiberlilli,

Das stimmt schon! Obwohl es auch Menschen gibt, die irgendwann einmal im All fliegende Teekannen in Frage stellen und dann selber anfangen zu denken und sich eine eigene Meinung bilden.

Antwort von rubicon66,
3 Mitglieder fanden diese Antwort hilfreich

...deine frage implantiert eigentlich schon die antwort. jede religionszugehörigkeit, zumindest die ,durch die jeweilige geburt,ist immer mit massivem gesellschaftlichen druck verbunden... will sagen, dass es immer noch von der geburt abhängig ist, wo man/frau mehr oder weniger zufällig geboren worden ist, und in welcher gesellschaft man/frau aufgewachsen und wie erzogen worden ist. ob das aber eine gläubigkeit erklärt, halte ich für gläubiges unwissen, und wird aus gesellschaftlichen gründen immer noch massiv erzwungen, und immer noch bis zur letzten konsequenz. deshalb halte ich die meissten "dahinein-geborenen" ,für stark opportunistisch!! da jede religion sich immer recht leicht vor den karren der macht spannen lässt, und religiöse viel leichter zu beeinflussen sind, ein feindbild gegenüber anders-oder gar ungläubigen, auzubauen, und, na sage ich mal, die leichtgläubigen einfach nicht aussterben, wird es noch lange,lange religionen geben!!und eine tradition bleiben, die den fortschritt der menschheit sehr stark behindert....

Kommentar von Schreiberlilli,

Danke für Deinen interessanten Beitrag @rubincon! Ist es gläubiges Unwissen oder unwissender Glauben? Das wäre noch mal ein Fragestellung für sich. Ebenso wie diese, ob ein Fortbestand der Religionen den Fortschritt der Menschen behindert oder nicht eher der fanatische Glaube.

Antwort von coeleste,
3 Mitglieder fanden diese Antwort hilfreich

du musst gar nichts

Antwort von Schreiberlilli,
3 Mitglieder fanden diese Antwort hilfreich

Ich habe das hier im Netz (Wiki) gefunden:

Als Religion (lat: religio, zurückgeführt auf religere = immer wieder lesen; oder religare = zurückbinden) bezeichnet man eine Vielzahl unterschiedlicher kultureller Phänomene, die menschliches Verhalten, Handeln, Denken und Fühlen prägen und Wertvorstellungen normativ beeinflussen. Es gibt keine wissenschaftlich allgemein anerkannte Definition des Begriffs Religion

Für Christen ist Glaube keine antike oder mittelalterliche Vorstufe vom Wissen (etwa also eine verminderte Form der Naturwissenschaft), die entschwinden muss, wenn das „echte“ Wissen kommt, sondern etwas vom Wesen her anderes. Es ist kein bloßes Für-wahr-Halten, auch keine Vermutungsäußerung damit gemeint, etwa wie im deutschen Satz: ‚Ich glaube, dass es morgen regnet.‘ Dann bedeutet glauben so viel wie meinen. Dieses „glauben, dass“ entspricht nicht dem Sinn des griechischen Wortes - im Gegensatz zum ‚ich glaube an‘ oder ‚ich glaube dir‘, was dem griechischen Wortstamm entspricht. Dann heißt es so viel wie: ‚Ich traue dir, ich vertraue dir, ich kann auf dich bauen. Ich habe eine Gewissheit, die weniger aus Berechnungen und Experimenten kommt.

Daraus ergab sich meine Fragestellung, weil ich von der Logik ausging, dass eine "Mitgliedschaft" in dem "Verein" Kirche durch die Kindstaufe zu Stande gekommen ist, die in der Regel von den Eltern veranlasst wird. Sie bestimmen, dass überhaupt eine Taufe stattfindet und auch in welcher Religion und auch die Konfession. Zu dem Zeitpunkt kann ein Kind, meist ein Baby oder Kleinkind doch noch gar nichts von Glaube oder Nichtglaube wissen und sich weder dafür noch dagegen entscheiden.

Antwort von schelm1,
3 Mitglieder fanden diese Antwort hilfreich

Absolut nicht!

Antwort von freto,
2 Mitglieder fanden diese Antwort hilfreich

Zwangsläufig natürlich nicht. Die grossen Kirchen sind auch so froh wenn nur einer ihre Kirchensteuern bezahlt.

Gläubig zu sein ist angebracht, sonst ist man ja eine MOGELPACKUNG.

Die Statistiken der Kirchenmitglieder sind voll mit Leuten, die sich ihr eigenes Gottesbild zurechtgezimmert haben. Die meisten haben doch irgendeinen Patchwork-Glauben aus verschiedensten Einflüssen.

Kommentar von Schreiberlilli,

@freto

Bei Deinem Beitrag gefallen mir Deine fettgedruckten Worte besonders gut! Sie haben die Hervorhebung verdient! Ich schätze, Du bringst es auf den Punkt, was das Gros der Mitglieder in den beiden großen Hauptkirchen ausmacht. Danke.

Antwort von angy2001,
2 Mitglieder fanden diese Antwort hilfreich

Um in eine Religionsgemeinschaft aufgenommen zu werden, muss man ein Glaubensbekenntnis ablegen - also ohne geht es nicht.

Kommentar von Dummie42,

Klar geht das, denn normalerweise wird man in eine Religionsgemeinschaft rein geboren und die Eltern bestimmen für einen.

Kommentar von Schreiberlilli,

Gibts hier nicht einen Unterschied zwischen Glaubensgemeinschaft und Religionsgemeinschaft?

Kommentar von Dummie42,

@schreiberlilli. Nein, da gibt es keinen Unterschied

http://de.wikipedia.org/wiki/Glaubensgemeinschaft

Kommentar von angy2001,

Nein, stimtm so nicht (bei en Protestanten) und für die kann ich das genau sagen. Die Taufe: ist der Ritus der Aufnahme in die Glaubensgemeinschaft, die Eltern können ein Kind nur taufen lassen, wenn sie selbst Mitgleid dieser Gemeinschaft sind. das Kind kann ja noch nicht für sich sprechen zu der Zeit. Später im Alter von 13 -15 Jahren kann es das aber und legt deshalb vor der Gemeinde im Gottesdienst das Glaubensbekenntnis ab (Konfirmation). So kann man getauft sein, aber nicht konfirmiert. Eine KOnfirmation setzt aber immer eine Taufe voraus. Erwachsene werden in einem Gottesdienst dann wschon mal erst getauft und dann konfirmiert. Ohne Konfirmation kein Mitglied der Glaubensgemeinschaft.

Kommentar von angy2001,

oh manno - sry für die Tippfehler, war zu schnell abgespeichert.

Kommentar von Dummie42,

@angi2001. Ich weiß jetzt nicht genau, wem du geantwortet hast und warum.

Theoretisch bestätigt ein jugendlicher Evangele mit der Konfirmation aus freien Stücken seinen Glauben. Praktisch ist es so:

Man wird mit 12 zum Konfirmandenunterricht zwangsverpflichtet, sitzt dann dort 2 Jahre seine Zeit ab und lässt sich mit 14, bestochen durch Geld und Geschenke, eben konfirmieren. Die wenigsten 14jährigen, werden sich auf eine echte Glaubensdiskussion mit ihren Eltern einlassen, auch weil es sie meist gar nicht interssiert.

Der eigentliche Moment der Entscheidung kommt mit den ersten Gehaltsabrechnungen, auf denen einem immer wieder der Posten "Kirchensteuer" ins Auge sticht und man sich fragt, was man für seinen teuren Vereinsbeitrag eigentlich bekommt. Die traurigen Sonntagvormittagvorstellungen können es ja wohl nicht sein, denn besonders in der evangelischen Kirche entbehrt der Gottesdienst ja schon lange jeglicher Spiritualität. Eine Ahnung von etwas größerem und ein Gefühl der Festlichkeit vermittelt einem höchstens der Weihnachtsgottesdienst.

Aber auch dann bleiben viele eigentlich Ungläubige noch in der Kirche, entweder aus Bequemlichkeit oder - und den Wunsch finde ich besonders verwerflich - weil sie später unbedingt, für ein sahnebaiserartiges Brautkleid einen romantischen Rahmen wollen.

Kommentar von Schreiberlilli,

@angie @Dummie

Theoretisch ist es wohl so vorgesehen, dass die Konfirmation die Bestätigung des dann religionsmündigen Kindes sein soll. Doch die Bestätigung wofür? Für die Mitgliedschaft Kirche? Für die Zustimmung zur Religions- und Konfessionszugehörigkeit? DAS Glaubensbekenntnis versteht nich jeder und/oder leiert es einfach runter, WEIL man das so macht!

Kommentar von angy2001,

Glaube wird viel früher als mit 12 vermittelt oder eben nicht - ich selbst empfinde es nicht so, dass einem evangelischen Gottesdienst jegliche Spiritualität fehlt. Um nochmal auf die Frage des Fragestellers zurück zu kommen: Man muss nicht glauben um einer Religionsgemeinschaft anzugehören, nur ein Bekenntnis abgeben, dass man es tut. Das kann/ muss jede(r) für sich entscheiden, ob und warum er/sie es macht oder nicht. Und zur Steuerfrage: Auch da kann/ muss jede(r) entscheiden, ob er eine Mitgliedschaft in einer Kirche auf der Lohnsteuerkarte angibt oder eben nicht. --- Das Alles hat aber letztlich mit dem Glauben selbst nicht mehr viel zu tun, sonder damit, dass der Staat für die Kirche die Steuer "eintreibt" und das finde ich zuviel Nähe zwischen Staat und Kirche.

Kommentar von Schreiberlilli,

@angy!

Demnach wäre es eine "Lüge", wenn jemand ein Glaubensbekenntnis abgibt, ohne gläubig zu sein. Also hat es demnach keinen Wert. Ist also nur ein pro-Forma-Aufnahmeritual, und keiner weiß, ob der Glauben Bekennende es ernst meint (sprich: die Wahrheit sagt) oder nicht. Auf jeden Fall hast Du meine Frage so gesehen treffend beantwortet. Formal muss man nicht gläubig sein, um Mitglied in einer Religionsgemeinschaft zu sein. Der Vergleich ist ja wie der, dass niemand Schwimmen können muss, der Mitglied eines Schwimmvereins ist. Auch das ist möglich, aber macht es Sinn? Verrückte Welt. DANKE für Deine informative Antwort. Sie hat mich sehr nachdenklich gemacht.

Kommentar von schelm1,
Was haben Sie denn so bei Ihrer Taufe dahergebrabbelt?

Immerhin gehört man durch die Taufe einer der christlichen Relionsgemeinschaften, zumindest in Deutschland, an.

Kommentar von Schreiberlilli,

Also die Taufe wäre dann die "Mitgliedschaft" in der jeweiligen Kirchengemeinde?

Kommentar von Hauer20,

Der Religionsgemeinschaft ist es egal was du Glaubst, Bist du getauft, bist du Steuer technisch erfasst Und must Zahlen. Alles andere zählt nicht und du kommst auch nur raus wenn du zum Amt gehst. Super eingefädelt von den Kirchen in Deutschland.

Kommentar von Schreiberlilli,

Die getauften Kinder zahlen ja zunächst einmal nichts. Und die Taufe selber ist den Kirchen gegenüber auch nicht gebührenpflichtig. Aber der Austritt aus der Kirche kostet Gebühren beim Amtsgericht.

Antwort von frettlein,
1 Mitglied fand diese Antwort hilfreich

Zumindest ist es sonst inkonsequente Heuchelei.

Kommentar von Schreiberlilli,

Warum?

Antwort von TheoMueller,
1 Mitglied fand diese Antwort hilfreich

NEIN, das ist zumindest in er Praxis quatsch. Ich kenne viele Katholen und Evangelen die sind ich würde Sagen frei denkende Menschen. Sind trotzdem in der Kirche. Im allegemeinen finden die das mit dem lieben Gott etwas naiv. Also nichts mit "Glaubensbekenntnis" an das man auch glaubt...

Ach da fällt mir ein: Was meinst Du welches Kind überhaupt weiß was bei der Taufe passiert. Es glaubt noch nicht an das was Ihm beim Rabbi, Pastor, Pfarrer, Religionsunterricht alles beigebarcht wird. Kann es gar nicht...

Und die Gedanken sind frei!

Kommentar von Schreiberlilli,

@Theo!

Kinder, besonders wenn sie noch klein oder sogar Babies sind, haben natürlich keinen Durchblick, was die Taufe bezweckt. Aber irgendwann gibt es dann die Kommunion und später die Firmung bei den Katholiken und die Konfirmation bei den Protestanten. Spätestens dann wissen sie es und können sich entscheiden, ob sie die Taufe bekräftigen wollen oder lieber nicht, weil ihnen der Glaube fehlt. Konseqenterweise müssten sie in letzt genannten Fall ihren Austritt aus der Religionsgemeinschaft bekanntgeben. Darauf zielt meine Frage ab, ob sich der Nichtglaube und die Zugehörigkeit vereinbaren lassen. Ich vermute auch, dass viele nur pro Forma in der Kirche sind, aber ich weiß es nicht. Spricht man mit den Menschen, dann wird meist von Tradition gesprochen, selten von Glaube.

Antwort von Spaghettus,
1 Mitglied fand diese Antwort hilfreich

Nein, muss man nicht. Wert wollte das prüfen und wie?

Auch in der Praxis ist es nicht so. Nach einer Allensbachumfrage haben sich 8% der Mitglieder der Katholischen Kirche als Atheisten bezeichnet.

Bei den evangelischen Pfarrern glauben über 30% nicht mehr an die Göttlichkeit Jesu oder an die unbefleckte Empfängnis.

Man kann also genau so als Ungläubiger einer Religionsgemeinschaft angehören wie umgekehrt auch ohne Kirche gläubig sein.

Kommentar von Schreiberlilli,

Danke @Spaghettus für Deinen Beitrag. Stand in den Ergebnissen der Allensbachumfrage auch der Grund für eine Verbleib als zahlendes Mitglied einer Religionsgemeinschaft ohne Glaube.

Ich würde ja gerne einmal die Atheisten nach deren Beweggründen fragen.

Ebenso würde mich interessieren, warum selbst Pfarrer ungläubig sind.

Kommentar von Spaghettus,

Tschuldigung, da hat was mit der Mailbenachrichtigung nicht geklappt und ich habe erst jetzt deine Nachfrage entdeckt.

Ein ganz wesentlicher Punkt wird das kirchliche Sonderarbeitsrecht sein. Nur der Kirche und ihren Betrieben ist es gestattet, ihre Mitarbeiter nach der Weltanschauung auszuwählen. Deshalb habe in vielen Gegenden, in denen die Kirchen mit ihren oft zu 100%, im Schnitt zu 98% vom Staat und anderen finanzierten Sozialeinrichtungen nahezu Monopolstellung haben, Atheisten mit solchen Berufsbildern praktisch keine Arbeitsmöglichkeit. Weshalb sie sich dann einfach konfessioniell angeben.

Zum Anderen denken viele Leute noch, mit den Kirchensteueren werden eben dies Sozialeinrichtungen gefördert. Was auch falsch ist, nur etwa 2% davon landen wirklich im sozialen Sektor.

Warum das selbst bei Pfarrern so ist, kann ich schlecht abschätzen. Aber viele machen wohl einfach automatisch weiter weil sie sich nun mal dort eingegliedert und noch nichts besseres gefunden haben.

Markantes Beispiel dafür ist die gerade wieder durch die Medien geisternde Mutter Theresa, der Todesengel von Kalkutta. Auch sie hatte längst ihren Glauben verloren, aber weiterhin den schwerstleidenden Kranken schmerzlindernde Medikamente verweigert, weil Schmerz angeblich die Nähe zu Christus bringe oder so.

Antwort von freschdax,
1 Mitglied fand diese Antwort hilfreich

welchen sinn soll denn dann ein glaubensbekenntnis deiner meinung nach haben?

Kommentar von Schreiberlilli,

Und welchen Sinn ergibt jetzt Deine Gegenfrage auf meine Frage?

Keine passende Antwort gefunden?

Verwandte Fragen

Fragen Sie die Community