Frage von Irmin1588, 57

Muss man sich beim Meditieren unbedingt auf den Atem konzentrieren?

Ich konzentriere mich am liebsten darauf eine Stille im Kopf zu erzeugen und diese zu halten. Sprich darauf zu achten, dass keine Gedanken aufkommen. Ich kann mich nebenbei auch auf meinen Atem konzentrieren. Aber eigentlich finde ich es schöner mich auf diese Stille zu konzentrieren.

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von Enzylexikon, Community-Experte für Buddhismus, 45

Ich bin Zen-Buddhist der Soto-Tradition und werde sehen, ob ich dir bei dieser Frage vielleicht etwas weiterhelfen kann.

Solltest du Zazen üben (du hast ja den Themen-Tag "Zen" für diese Frage gewählt), stellt sich diese Frage eigentlich gar nicht.

Dann sollte es dir schließlich darum gehen, die Zazen-Haltung zu bewahren und idealerweise shikantaza zu üben bzw. mit dem Koan zu sitzen (je nachdem was du erlernt hast, bzw. dir vermittelt wurde).

Ansonsten ist Achtsamkeitsmeditation auf den Atem eine sehr sinnvolle Form der Meditation, da der Geist dabei wach bleibt.

Wenn man nämlich nur "geistige Leere" anstrebt, kann es nämlich leicht passieren, dass man gar nicht mehr achtsam ist, sondern stattdessen in eine Trance gerät und einen "weiße Wand Effekt" in seinem Geist etabliert.

Man spricht dann von einer "Leerhypnose" - nach der Einleitung des Trancezustands wird keine bewusste geistige Aktivität mehr geübt und man dämmert entspannt vor sich hin.

Das mag sehr entspannend und stressreduzierend wirken - mit Achtsamkeit, einem der entscheidenden Elemente der buddhistischen Geistesschulung, hat das dann aber nichts mehr zu tun.

Eine Gedankenleere durch Konzentration zu "erzwingen" entspräche auch nicht dem "mittleren Weg" des Buddha Shakyamuni.

Der lehrte nämlich, man solle Geist und Körper weder zu nachlässig, noch zu streng behandeln, weder in schläfriger Trance, noch überspannter Konzentration verweilen, sondern die Mitte zwischen diesen extremen wählen.

Natürlich mag es lästig sein, wenn der bewusste Verstand in die Beobachtung der Atemzüge eingreift - aber es verhindert auch die Trance.

Wenn dir das Zählen der Atemzüge Probleme bereitet, dann kannst du entweder die Zählung ändern, oder aber aus der Atemzählung eine reine Atembeobachtung machen.

Dann richtest du deine Aufmerksamkeit einfach auf die Stelle zwischen Nase und Oberlippe und spürst dort die Atemzüge entlangstreichen, ohne sie zu zählen. Die Achtsamkeit gilt dann ausschließlich der Atembeobachtung.

Haltung zur Umgebung

Gerade Anfänger bewerten Außengeräusche als Störung und versuchen, sich möglichst von diesen zu isolieren.

Ich halte das nicht für sinnvoll, denn in einer lebendigen Stille gibt es immer Geräusche, die man während der Meditation höchstens bewusster wahrnimmt.

Das Gluckern der Heizung, Knacken der Möbel...vorbeifahrender Verkehr, das Zwitschern der Vögel und das Rauschen der Blätter...

Absolute Stille findet sich nur an sehr wenigen Orten in der Natur - meist gibt es Nebengeräusche und das ist ganz normal.

Wenn dich ein Gedanke oder Geräusch wirklich geistig beschäftigt, dann benenne es spontan mit dem Begriff der dir einfällt..."Auto"...."Vogel"....und lasse diesen etikettierten Gedanken los...

Es soll eine interessante Studie geben, bei der die neurologischen Reaktionen auf Schussgeräusche während der Meditation untersucht wurden.

Dabei wurde während der Stille ein Schussgeräusch eingespielt.

Mönche und Nicht-Meditierer erschraken zunächst gleichermaßen - doch die Gehirnströme der Mönche gingen schneller wieder in den Ruhemodus über.

Das interessante ist jedoch, dass bei der regelmäßigen Wiederholung der Schüsse die Nicht-Meditierer irgendwann nur noch schwach auf das Geräusch reagierten - sie stumpften gewissermaßen ab.

Die Mönche zeigten dagegen jedes mal aufs neue das Erregungsmuster, genau wie beim ersten Mal, bevor sich ihre Frequenten wieder normalisierten.

Das zeigt auch, dass buddhistische Meditation eben keine Abschottung ist, sondern im Gegenteil die Achtsamkeit fördert.

Mein Ratschlag

Vielleicht kapselst du dich während der Meditation zu sehr ab - das ist ein Fehler, den ich am Anfang meiner Praxis lange gemacht habe, bis man mich auf das Problem dieser isolierenden Geisteshaltung hinwies.

Mein Tipp wäre daher, dass du dich wie gewohnt zur Meditation hinsetzt - und dann ganz dem Moment öffnest...dem Gefühl dieser Körper zu sein, ganz hier, in diesem Augenblick weilst, das Gefühl spürst, am Leben zu sein....

Dadurch weitet sich der Geist und bleibt gleichzeitig gesammelt, weil man eben nicht den einzelnen Eindrücken geistig hinterherläuft...sondern sie einfach als Teil des Moments wahrnimmt...

Die Beobachtung des Atems ist dann nur ein Teil der Gesamtübung, die darin besteht, sich ganz in diesem Moment zu erfahren.

Zoketsu Norman Fischer, ein amerikanischer Zen-Lehrer formulierte es auf Englisch so: "...feeling the feeling of being alive..."

Hier ist eine moderne, lustige Einführung in Zazen auf Englisch

Vielleicht hilft es dir ja weiter. Ich finde das Video immer wieder sinnvoll, um nicht zu sehr in traditionellen Formalismen zu verfallen.

Alles Gute. :-)

Kommentar von Irmin1588 ,

Ich muss aber, offen gesagt, sehr achtsam sein, um die Leere in meinem Kopf zu halten, da sich sonst sofort Gedanken auftun. Und das passiert mir auch. Dann muss ich meinen Geist wieder zu dieser Stille zurück führen.

Kommentar von Enzylexikon ,

Wenn ich fragen darf:

Was willst du denn eigentlich in dieser Leere bzw. Stille? Versprichst du dir etwas bestimmtes davon?

Kommentar von Irmin1588 ,

Ich denke, dass diese Leere bzw. Stille den Ursprung darstellt und einem dabei hilft auch im Alltag zu begreifen, dass die Dinge eigentlich leer sind und von sich aus keinen Wert haben. Das erlaubt mir einen gelasseneren Umgang mit Menschen und auch meinem eigenen Leben. Wozu meditierst du?

Kommentar von Enzylexikon ,

Ich habe ehrlich gesagt weitgehend damit aufgehört, mit meiner Praxis etwas bestimmtes erreichen zu wollen.

Alles was sich dadurch vielleicht entwickelt - mehr Verständnis für sich selbst und andere, weniger Anhaftung - sind Nebeneffekte.

Für mich bedeutet Zazen, sich ganz der Erfahrung des Moments zu öffnen und die Gegenwart so zu akzeptieren wie sie nun einmal ist.

Ich bin dieser Körper, an diesem Ort, in diesem Moment - und ich versuche, einfach Teil dieser Erfahrung zu sein.

Das mir das nicht immer bewusst gelingt, dürfte jedem klar sein. ;-)

Ich glaube aber daran, dass es eigentlich nichts zu erreichen gibt.

Selbst wenn wir es nicht wahrnehmen, weil wir zu sehr mit unseren Gedanken beschäftigt sind, ändert das nichts daran, dass wir Teil dieses Moments sind.

Dann sind wir es eben unbewusst.

Deshalb gibt es auch keine "schlechte" Meditation.

Ich habe früher immer sehr versucht, mich geistig sammeln, meine Achtsamkeit auf das Hara zu richten, oder den Punkt, an dem sich beide Daumen berühren.

Wenn ich dann 45 Minuten mit Rückenschmerzen, Knieschmerzen und Gedankenkarusell saß, dachte ich schließlich "So ein Sch...das war doch jetzt was für den Ar..."

Heutzutage bin ich natürlich alles andere als schmerzresistent - aber ich habe eine andere Haltung zu diesen Dingen.

Schon dadurch dass ich sitze und dem Moment öffne, hat das Sitzen seinen Sinn erfüllt - egal wie zerstreut sich es sich angefühlt haben mag, oder welche Schmerzen ich hatte.

Kommentar von Irmin1588 ,

Ich glaube nicht, dass ich mein Körper bin. Ich denke, dass wir alle Teil einer Alleinheit sind, zu der wir nach dem Tod wieder zurück kehren, bzw. die wir nie verlassen haben, nur erkennen wir das momentan nicht und darum halt ich das Ego für eine Illusion. Auch weil alles natürlich in Abhängigkeit von einander existiert und nicht alleine aus sich heraus. Aber es haben nicht alle Zen-Buddhisten diese Anschauung wie du. Diese Doku find ich sehr interessant. Wenn du etwas vorschaltest, kommt da ein interessanter Herr namens Genro Koudela. https://www.youtube.com/watch?v=T2Zai0SuIvU

Kommentar von Enzylexikon ,

Ich glaube nicht, dass ich mein Körper bin. Ich denke, dass wir alle Teil einer Alleinheit sind[...] und darum halt ich das Ego für eine Illusion

Das schließt sich nicht aus.

Innerhalb dieses Körpers definiere ich mich über mein Ego zB als "Paul". In einem größeren Zusammenhang bin ich als Mensch lediglich Teil einer Umwelt.

Natürlich ist das "Ego" etwas, das lediglich durch unsere Gehirnaktivität geschaffen und durch Konditionierungen geprägt wird. Dennoch ist diese Simulation für mich genau so ein Teil von uns, wie unser linker großer Zeh.

Im Alltag nutzt mir der Umstand, ein Teil der Umwelt zu sein, nichts. Wenn ich zum Bäcker gehe, muss ich mich von meiner Umwelt abgrenzen und ganz egoistisch sagen "Ich möchte ein Brot".

Ich sehe kein Problem im Ego, sondern nur darin, sich zu absolut damit zu identifizieren, von der Umwelt abzugrenzen und irgendwelchen Bedürfnissen hinterherzulaufen. Das Ego an sich ist notwendig, um zu existieren.

Wenn wir sterben, erlischt die Gehirnaktivität und damit auch das Bewusstsein. Damit ist das "Ich" endgültig weg. Das ist meine Ansicht.

Was danach möglicherweise kommen mag, weiß kein Mensch und ist Frage des persönlichen Glaubens.

Ich persönlich mag Begriffe wie "nach Hause kommen" oder "zum Ursprung zurückkehren" nicht, weil sie suggerieren, es gäbe einen Ort, eine Bewusstseinsebene oder sonst etwas fassbares.

Natürlich ist es aber definitiv tröstlicher es so zu formulieren, anstatt zu sagen "danach fressen dich die Würmer" - auch wenn beides letztlich auf das gleiche hinausläuft.

Aber es haben nicht alle Zen-Buddhisten diese Anschauung wie du

Nein, natürlich nicht.

Zum einen gehört man unterschiedlichen Traditionslinien an, deren Lehren voneinander abweichen. Zum anderen haben wir eben doch unser Ego und damit einen persönlichen Standpunkt zu den gleichen Dingen.

Kommentar von Irmin1588 ,

Es ist einerseits für viele sicher tröstlicher, ich glaube aber, ich könnte mich auch darauf einstellen, zu denken, nachher kommt nichts mehr. Bzw. habe ich das lange geglaubt. Das Thema Nahtoderfahrungen ist hier interessant und auch die Quantenphysik (hab ich schon einmal erwähnt). Darum hab ich natürlich einen anderen Ansatz hier, warum das Ego eine Illusion ist, weil ich denke das wir Teil einer Alleinheit sind und unser Bewusstsein nach unserem Tod dorthin wieder zurück kehrt bzw. sie nie verlassen hat. Das Video ist dazu sehr interessant, zum Thema Nahtoderfahrungen: https://www.youtube.com/watch?v=xlKZQuhfgbs

Kommentar von Enzylexikon ,

Ich hatte selber schon mehrfach Nahtoderfahrungen. Von der Existenz einer Seele, oder eines Jenseits bin ich dennoch nicht überzeugt.

Kommentar von Irmin1588 ,

Warum hattest du mehrfach Nahtoderfahrungen (vielleicht ist die Frage zu persönlich)? Normalerweise gibt es wenig Menschen, die eine Nahtoderfahrung hatten und für einen Vorgang im Gehirn halten, also die Leute sind sich dann normalerweise sicher, dass es mehr gibt.

Kommentar von Enzylexikon ,

Ja die Frage ist mir in der Tat zu persönlich. Ich war jedenfalls dreimal klinisch tot und musste mehrfach reanimiert werden.

Ich hatte dabei auch die typischen Elemente - Tunnel, helles Licht, Friedensgefühl, verstorbene Angehörige - aber das ist eben für mich nichts, was nicht auch als mentale Simulation eines Gehirns denkbar wäre.

Direkte Angst vor dem Tod habe ich allerdings seitdem tatsächlich nicht mehr. Ich wünsche mir lediglich angenehmere Umstände.

Kommentar von Irmin1588 ,

Und findest du es nicht komisch, dass da verstorbene Angehörige auftauchen? Also in vielen Berichten kannte die Person diese Angehörigen nicht einmal. 

Kommentar von Enzylexikon ,

Ja natürlich mag das seltsam sein.

Andererseits sehe ich auch keinen besonderen Sinn für mich darin, sich jetzt intensiv damit zu befassen, da die Frage ohnehin nicht zu beantworten ist.

Was tatsächlich nach dem endgültigen Tod geschieht, erfahren wir schon früh genug, da habe ich es nicht eilig.

Ich bemühe mich dann stattdessen eben um die buddhistische Praxis, da ich sie als etwas konkretes erlebe. Ich bin kein Freund großer Theorien.

Kommentar von Enzylexikon ,

Vielen Dank für den Stern. :-)

Antwort
von derMannohnePlan, 37

Eine einfache Frage und hohe Qualität der Antworten.

Meditation ist das völlige Gegenteil von Konzentration. Konzentration schließt alles aus. Meditation dagegen umfasst das ganze. Sie schließt nichts aus.

„Meditation heißt, seiner Gedanken und Gefühle gewahr zu sein“

In der Meditation wird der Mensch seiner Vergangenheit ledig. Dieses ganze Problem zu erforschen ist Meditation. 

Man ist mit diesem Wort sowohl im Osten wie im Westen in einer höchst unglücklichen Weise umgegangen. 

Es gibt verschiedene Meditationsschulen, verschiedene Methoden und Systeme. 

Es gibt Systeme, die sagen, „Beobachte die Bewegung Deiner großen Zehe, beobachte sie, beobachte sie, beobachte sie.“ 

Es gibt andere Systeme, die empfehlen in einer ganz bestimmten Haltung zu sitzen, regelmässig zu atmen oder Bewusstheit zu üben. Das alles ist äusserst mechanisch. 

Eine andere Methode gibt Ihnen ein bestimmtes Wort mit dem Hinweis, dass Sie eine ungewöhnliche transzendentale Erfahrung werden, wenn Sie es ständig wiederholen. Das ist reiner Unsinn. Es ist eine Art von Selbsthypnose. Wenn Sie das Wort Amen oder Om oder Coca-Cola unaufhörlich wiederholen, werden Sie gewiss eine bestimmte Erfahrung haben, weil Ihr Geist durch die Wiederholung ruhig wird.

Es ist ein wohlbekanntes Phänomen, das seit Jahrtausenden in Indien praktiziert worden ist – Mantra-Yoga wird es genannt. Durch Wiederholung können Sie bewirken, dass der Geist freundlich und sanft wird, aber er bleibt ein kleinlicher, minderwertiger, unbedeutender Geist. 

Sie mögen ebensogut einen Zweig, den Sie im Garten aufgelesen haben, auf den Kaminsims legen und ihm jeden Tag eine Blume opfern. Nach einem Monat werden Sie ihn anbeten, und wenn Sie es versäumen, eine Blume davor niederzulegen, wird es zu einer Sünde werden.

Meditation heisst nicht, einem System zu folgen; sie besteht nicht in ständiger Wiederholung und Nachahmung. 

Meditation ist keine Konzentration. Es ist eine der Lieblingsmethoden einiger Meditationslehrer, darauf zu bestehen, dass ihre Schüler zunächst Konzentration erlernen – das bedeutet, den Geist auf einen Gedanken zu fixieren und alle anderen Gedanken zu vertreiben. 

Das ist höchst stumpfsinnig und hässlich; jeder Schuljunge kann das, weil er dazu gezwungen wird. Es bedeutet, dass Sie sich ständig im Kampf befinden zwischen der Beharrlichkeit einerseits, mit der Sie sich konzentrieren müssen, und Ihrem Geist andererseits, der zu allen möglichen Dingen abirrt. 

Worauf es allein ankommt, ist, dass Sie vor jeglicher Regung Ihres Geistes achtsam sein sollten, wo immer er auch herumwandern mag. Wenn sich Ihr Geist verliert, bedeutet es, dass Sie an etwas anderem interessiert sind.

Meditation verlangt einen erstaunlich wachen Geist. 

Meditation ist das Verstehen des Lebens in seiner Ganzheit; jede Art der Zersplitterung hat in diesem Zustand aufgehört. 

Meditation ist keine Gedankenkontrolle, denn wenn das Denken kontrolliert wird, erzeugt es im Menschen Konflikt. 

Aber wenn Sie die Struktur und den Ursprung des Denkens verstehen, dann wird sich das Denken nicht einmischen. Dieses Verstehen der Denkstruktur ist an sich Disziplin, und das ist Meditation.

Meditation bedeutet, eines jeden Gedankens, eines jeden Gefühls gewahr zu sein, niemals zu sagen, sie seien richtig oder falsch, sondern sie einfach zu beobachten und ihnen nachzugehen. 

In diesem Betrachten beginnen Sie alle Regungen des Denkens und Fühlens zu verstehen. Und aus diesem Gewahrsein erwächst das Schweigen. 

Ein Schweigen, das vom Denken zustande gebracht wurde, ist Stagnation, ist unfruchtbar; aber das Schweigen, das entsteht, wenn das Denken seinen eigenen Anfang, sein eigentliches Wesen verstanden hat, wenn es begriffen hat, daß alles Denken niemals ungebunden ist, sondern immer mit der Vergangenheit beladen ist – dieses Schweigen ist Meditation, in der es keinen Meditierenden gibt. Der Mensch hat in diesem Zustand der Vergangenheit aus cih entlassen.

Wenn Sie diesen Text eine Stunde lang aufmerksam gelesen haben, ist das Meditation. 

Wenn Sie nur ein paar Worte mitgenommen haben und ein paar Ideen gesammelt haben, um darüber später nachzudenken, dann ist das keine Meditation mehr. 

Meditation ist ein Zustand des Geistes, der auf alles mit vollkommener Aufmerksamkeit schaut, der das Ganze betrachtet und nicht nur Teile. 

Meditation ist eine der größten Lebenskünste, vielleicht die größte, und man kann sie unmöglich von jemanden erlernen; darin liegt ihre Schönheit. 

Sie hat keine Technik und daher keine Autorität. Wenn Sie sich selbst kennenlernen, sich selbst beobachten, sich betrachten, wie sie gehen, wie sie essen, was sie sagen, das Geschwätz, den Haß, die Eifersucht – wenn Sie das alles in sich ohne jede Rangfolge wahrnehmen, ist das Teil der Meditation.

Sie können meditieren, wenn Sie in einem Bus sitzen oder durch einen Wald gehen voller Licht und Schatten wandern oder dem Gesang der Vögel zuhören oder in das Gesicht Ihrer Frau (ihres Mannes) oder Ihres Kindes blicken.

Meditation zu verstehen, heißt zu lieben, und Liebe ist nicht das Produkt von Systemen, von Gewohnheiten; sie wird nicht durch das Befolgen einer Methode erzeugt. 

Liebe kann nicht durch Denken entwickelt werden. Liebe kann vielleicht im vollkommenen Schweigen entstehen, in einer Stille, in der der Meditierende gänzlich fehlt. 

Und der Geist kann nur still sein, wenn er die Regungen seines Denkens und Fühlens versteht. 

Um diese Regungen zu verstehen, dürfen wir sie nicht verurteilen, während wir sie beobachten. In dieser Weise zu betrachten, ist wahre Disziplin, und diese Art der Disziplin ist beweglich, frei, es ist nicht die Disziplin der Gleichförmigkeit.“

(Es ist die Disziplin der Freiheit)

Antwort
von BelaFarinRod300, 32

Das "auf den Atem konzentrieren" wird oft als Anfänger Übung empfohlen. Ich hatte es am Anfang ausprobiert und jetzt auch immer mal wieder. Mein Problem ist nur das sich für mich Meditation und das stetige "ein und aus" nicht zusammen passen. Wenn ich mich auf das Atmen konzentriere dann denke ich ja schon wieder ... Und ich möchte ja an nichts denken, das wirkliche erfahren ohne mich auf etwas zu konzentrieren. Für mich persönlich widerspricht es sich. Für andere ist es aber sicherlich auch der perfekte Einstieg in die Meditation. Es gibt ganz viele Wege zu meditieren. Ich habe meinen Weg durch viel ausprobieren gefunden. Um zu meditieren musst du dich nicht steif auf deinen Atem konzentrieren. Probiere verschiedene Techniken aus dann findest du sicherlich auch deine perfekte Meditation :)

Kommentar von Irmin1588 ,

Ich möchte eigentlich während der Meditation im Nichts sein. Aber wenn ich mich auf den Atem konzentriere, hab ich das Gefühl an meinem Ich anzuhaften. Ich denke, wenn ich mir ein Meditationsobjekt wähle, dann hafte ich ja schon wieder an der Vorstellung an, dass das vor mir ein Tisch ist. Aber eigentlich ist er das ja nicht. Es sind Atome(?) die in Bewegung sind und mein Körper ist mir ja auch ein Objekt und durch das konzentrieren auf den Atem werde ich indirekt darauf zurück geworfen. Sprich ich Atme (aber das ist ja auch schon wieder eine Wertung). Keine Ahnung, schwer das zu erklären ...

Kommentar von BelaFarinRod300 ,

Ich verstehe dich schon, ich gebe dir recht, sehr schwer zu beschreiben. Aber ich denke wir haben beide das selbe "Problem". Genau, im Grunde ist alles eine Masse aus Atomen, wir, der Tisch, der Schrank. Die Form das Aussehen ... das der Schrank ein Schrank ist wird ja nur von uns projeziert. Im Grunde ist es ein Haufen von etwas festeren Atomen. Wobei fest natürlich auch wieder eine Wertung ist. Deinen Nachbar erkennst du ja auch nur weil du weiß das der Haarschnitt, der Gang usw. Dein Nachbar ist. Ansonsten wäre er einfach nur da. Ohne jede Wertung. Alles ist im Grunde nur "da". Wieso sollte man bei der Meditation jetzt Anfang einen Stein vor sich zu stellen und den zu betrachten. Das wichtige für mich bei der Meditation ist ja das nichts zu bemerken. Das einfach nichts von Dauer ist. Wenn ich jetzt aber nur mit einem Stein meditieren kann dann fällt es einem sehr schwer irgendwann ohne zu meditieren. Bei der Meditation geht es ja darum an nichts anzuhaften. Nur wenn der Stein vor dir liegt kommt irgendwann ein Gedanke wie: der ist schön rund und glatt, liegt aber ein bisschen schief, sollte ich für das nächste mal einen Teller holen damit er irgendwo drauf liegt!? ... Ich finde Meditation sollte nicht von Gegenständen oder Gewohnheiten abhängig sein.

Wie gesagt nur meine Meinung, die sich vielleicht irgendwann noch mal änder!? ☺️

Kommentar von Irmin1588 ,

Vor allem kommt der Gedanke "Stein" und das ist ja auch wieder eine Wertung.

Antwort
von Radyschen, 51

Ich würde darauf aufpassen, weiterzuatmen. Ich vergesse das nämlich manchmal 😅. Du kannst dich auf den Atem konzentrieren, aber mach es, wie du willst. Wenn dich das Konzentrieren auf den Atem stört, mach es nicht, wenn es OK ist, mach es

Antwort
von purushajan, 13

das achten auf den atem ist eine der methoden, die buddhistische mönche praktizieren. der atem ist mit der körperlichen aktivität verbunden. darauf zu achten hilft zwar, zur ruhe zu kommen, aber eine effektivere methode ist es, über den klang zu meditieren, denn der klang kann immer feiner und feiner werden, bis er völlig verschwindet. wenn du eine glocke anschlägst und zuhörst, wirst du erleben, wie der anfangs laute klang immer feiner wird, bis die schwingungen so leise sind, dass sie in vollkommene stille übergehen.

genau dieses prinzip nutzt auch die technik der transzendentalen meditation. du verwendest ein mantra, ein traditionelles meditationswort, das deinen geist nach innen zieht und die tendenz hat, immer feiner und leiser zu werden, bis es dich in völlige stille geführt hat und verschwindet.

auf diese weise kannst du gedankenstille erfahren, ohne dich anzustrengen, in die stille zu kommen. denn das bewusste ausschalten von gedanken ist, wie du selber schon erfahren hast, keine einfache und mühelose sache. weil es der natur des geistes widerspricht. wenn du gedanken ausschalten willst, hältst du deinen geist im bereich des denkens fest, und das ist ein widerspruch in sich selbst.

die tiefste stille ist das feld der transzendenz, und transzendieren kannst du nur, wenn du die gedankliche aktivität immer feiner werden lässt, indem dein geist in feinere ebenen des denkens eintaucht, bis er die quelle des denkens, die reine transzendenz, erreicht hat.

allein die beschreibung hilft dir aber wenig. sobald du die erfahrung gemacht hast, wie mühelos und leicht dein geist transzendieren kann, wenn er die richtige technik dazu gelernt hat, dann weißt du, wovon ich spreche.

näheres dazu siehe: http://meditation.de/transzendieren-die-hoechste-menschliche-erfahrung/

Antwort
von Aengstlicher, 39

Ja das Atmen ist sehr wichtig. Die Ruhe kommt von alleine.

Kommentar von Irmin1588 ,

Es geht hier aber nicht (nur) um Ruhe, sondern um das nicht vorhanden sein von Gedanken. Gerade wenn man den Atem zählt, hat man ja dauernd die Stimme im Kopf, die einem die Zahlen vorplappert.

Antwort
von NewKemroy, 17

Du solltes ein Meditationsobjekt haben. Das kann der Atem sein, das kann ein Konzept sein, wie z.B. Liebende Güte, das kann eine Farbscheibe sein, ein Erdhaufen, ein Berg voller Leichen oder auch das leise Piepen, das man hört wenn es ganz still ist.

Darauf sich auf ein bestimmtes Tun als Meditationsobjekt auszurichten, das kenne ich jetzt ausschließlich von der Gehmeditation. Ich würde an Deiner Stelle keine aktive Handlung als Meditationsobjekt wählen. Aber das worauf die Handlung abzielt z.B. Stille (wenn das für Dich etwas Greifbares ist), ja, warum nicht.

Mittels einem Meditationsobjekt hast Du Dich für eine konzentrations-basierte Meditation entschieden. Das sind die sogenannten Jahnas (Vertiefungen). Hiervon gibt es 8 oder 9 Zustands-Tiefen oder Stufen. Dieser Meditations-Typ heißt in der Sprechweise des Theravada-Buddhismus Samatha-Meditation.

Im Gegensatz hierzu gibt es noch die achtsamkeits-basierte Meditation, oder schlicht Achtsamkeitsmeditation oder Vipassana-Meditation. Die funktioniert ein bisschen anders.


Antwort
von Yannie3, 23

You must feel the force around you; here, between you, me, the tree, the rock, everywhere, yes. Even between the land and the ship.

-Yoda

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