Muss man sein Coming Out unbedingt haben?

... komplette Frage anzeigen

6 Antworten

Ich denke, er ist einfach noch nicht soweit. Ich weiß ja nicht, wie lange es her ist, dass er bemerkt hat, dass er schwul ist, aber manchmal braucht man bei solchen Dingen einfach erstmal Zeit, um mit sich selbst darüber völlig im Reinen zu sein. Hoffe, das klang jetzt nicht doof und der folgende Vergleich ist nicht unpassend, aber ich kenne das nur von mir selbst – ich habe selbst fast drei Jahre lang meine SvV-Narben versteckt. Irgendwann habe ich mich dann so sicher mit ihnen gefühlt, dass ich sie auch an der Öffentlichkeit immer mehr gezeigt habe. Er sollte sich selbst einfach so viel Zeit geben, wie er braucht und bis er sicherer damit ist, dann klappt as mit dem Coming Out sicher auch. Solange er jetzt nicht im Alltag riesen Schwierigkeiten hat, das zu verheimlichen, kann er sich diese Zeit ja noch nehmen. Sollte es aber z. B. seinen Eltern gegenüber sehr schwierig sein, wäre es vielleicht tatsächlich eine Option, dass du mal mit ihnen redest. Aber nicht, ohne das vorher mit deinem Cousin abgesprochen zu haben. Wie ist denn sein Verhältnis zu seinen Eltern?

Alles Gute und ich hoffe, ich habe hier keine unpassenden Vergleiche gezogen oder mich sonst irgendwie unglücklich ausgedrückt. :)

Antwort bewerten Vielen Dank für Deine Bewertung
Kommentar von GrayF
22.05.2016, 00:01

Danke und keine Sorge, die Vergleiche sind stichfest. :)

Das Verhältnis ist im Prinzip gut, aber die beiden sind schon sehr konservative Zeitgenossen. Ich nehme mal an, dass das einer der Gründe ist, dass er so viel Angst hat.

- "Die Lobby der Schwulen wird immer schlimmer."

-"Mir ist es egal ob jemand schwul ist, aber das hat in der Öffentlichkeit nichts zu suchen."

Solche Sachen sagen die z.B. und mich stört es nicht, ich lächle das einfach weg. Außerdem wissen die beiden, dass wenn sie mich direkt herausfordern ich ziemlich böse werde und dann ein Coming Out ihrer Geheimnisse erzwinge. xD

Aber grundsätzlich hätte ich bei solchen Eltern auch nicht gerade Verlangen nach einem Coming Out.

1
Kommentar von schokorosine
23.05.2016, 19:51

Danke für den Stern ^-^ Hat sich denn noch was getan zwischenzeitlich?

0

Es gibt erst mal zwei grundlegende Unterschiede für ein Coming out.

Nämlich zum einen das innere Coming out, wo man sich selbst erst mal über seine Gefühle klar werden muss und diese auch akzeptieren sollte.
Das ist auf jeden Fall gut, da es immer gut ist etwas über sich selbst zu erfahren.

Dann gibt es das Coming out, dass man sich anderen gegenüber offenbart, das ist wahrscheinlich das was du meinst, wo bei bei der Reaktion deines Vetters sollte er vielleicht auch noch etwas über das innere Coming out nachdenken.

Dieses äußere Coming out, ist jedem seine Privatangelegenheit, genauso wie die Sexualität an sich. Es geht niemanden etwas an und man muss es nicht herum erzählen. Der Punkt ist hier einfach, dass es als befreiend empfunden wird, weil man sich nicht mehr verstellen muss. Aber man muss sich gar nicht speziell outen, wenn man sich einfach von vornherein nicht verstellt. Entweder es entstehen dann Situationen bei denen man sich outet oder nicht.

Auch wenn man sich speziell verbal outen möchte, sollte man sich immer fragen, aus welchen Grund. Hat man diesen Grund kann man normaler Weise leicht abschätzen, ob man jemandem anderen sagt, dass man schwul ist oder nicht. Hat man zum Beispiel einen Freund und möchte den seiner Familie vorstellen, dann hat man einen handfesten Grund, es der Familie zu sagen. Arbeitskollegen hingegen müsste man es nicht unbedingt sagen, wenn diese mit dem Freund ohnehin nicht viel zu tun haben.

So ein Grund ist nicht nur für denjenigen gut, der sich Outen will, auch für die Personen, die es erfahren sollen ist es einfach das Outing nachzuvollziehen. Bei der bloßen Feststellung "ich bin schwul" kommen immer wieder Bedenken, ist es nur eine Phase, kann man nichts dagegen machen, ect., sagt man aber, das ist mein Freund, wir sind seit 2 Monaten zusammen und wir lieben uns" wird es schon schwerer das als Phase abzutun. Eine Ablehnung wird dann mämlich direkt persönlich und man tut sich nicht so leicht damit. Das ist das gleiche Prinzip, wie wenn man jemanden Siezt oder Duzt. Du ArschIoch wird wesentlich häufiger gesagt als Sie ArschIoch.

Also, dein Vetter muss ich nicht outen, und wenn seine Eltern so eine ablehnende Haltung haben, haben sie es vielleicht auch noch gar nicht verdient, dass man ihnen so viel Vertrauen entgegen bringt. Er kann sich immer noch outen, wenn er einen Freund hat, oder sonst ein Grund vorliegt, dass seine Eltern es erfahren müssen.

Antwort bewerten Vielen Dank für Deine Bewertung

Erstens, dein PS ist sehr gut! Es ist am Besten, wenn seine Eltern es von ihm erfahren und nicht von einer außenstehenden Person...

Zweitens, hast du ihn mal gefragt, wovor er konkret Angst hat bei dem Outing? Also Sorge vor schlechten Reaktionen? Angst vor Missverständnissen?

Sollte es Ersteres sein, wäre es vielleicht eine Möglichkeit, erstmal vorsichtig zu schauen, wie seine Eltern überhaupt dazu stehen...da du selbst schwul bist, sie also "Erfahrung" und Bekanntschaft mit einem Schwulen haben, sollte das nicht allzu schwierig sein...

Du wirst vermutlich aus eigener Erfahrung, so wie ich auch, berichten können, wie schwer ein Outing ist. Es ist also ganz normal, dass man davor aufgeregt ist. Soweit so logisch. Die Aufregung deines Großcousins ist aber offensichtlich stark ausgeprägt...natürlich besteht an sich nicht die Notwendigkeit sich zu outen, aber da er es offenbar schon des Öfteren versucht hat, ist ja scheinbar der Wille da.

Ich könnte mir vorstellen, dass es hilfreich wäre, wenn du bei seinem Outing dabei wärest...dann hat er Halt bei dir, wobei du nur daneben sitzen musst.

Die Angst wirst du ihm direkt kaum nehmen können, aber ich könnte mir vorstellen, dass es für ihn einfacher wäre, sich erstmal bei einem Elternteil zu outen. Die Reaktion kann dann motivieren für den zweiten Teil...

Wie wichtig er sein Outing einschätzt kann nur er sagen...ich kann nur aus Erfahrung sagen, dass man sich danach erleichtert fühlt und auch irgendwie befreit...als würde man erst dann richtig anfangen zu leben. Aber dies kann auch unterschiedlich sein, von person zu Person.

Ich denke nicht, dass ein Psychologe jetzt schon notwendig ist, schließlich ist dein Cousin erst 17 und ist damit noch in der Pubertät. Er hat also auch noch Zeit, um Selbstbewusstsein zu entwickeln und dann auch den Mut zu entwickeln, sich zu outen. 

Ich hoffe ich habe alles verständlich erklärt...solltest du dennoch nachfragen haben, stehe ich gerne zur Verfügung ;)

Grüße

Antwort bewerten Vielen Dank für Deine Bewertung
Kommentar von GrayF
22.05.2016, 00:09

Also, das Verhältnis zu seinen Eltern ist gut. Aber die beiden sind schon recht konservativ. Sie können sich Seitenhiebe gegen Schwule nicht verkneifen, selbst wenn ich dabei bin.

Sie akzeptieren mich und lassen mich auch in Ruhe, weil ich selbst auch nicht Teil der Gay-Community bin und das alles auch nicht so auslebe, wie man das -stereotypisch- aus dem TV kennt.

Aber das ist eben ihr Bild von der homosexuellen Welt. Lauter Tunten die eigentlich lieber Frauen wären und an sich eigentlich auch nicht wirklich dazu gehören. Etwas das man dulden, aber nicht gut finden muss.

Ich nehme mal an, dass er sehr große Angst vor der Reaktion beider Eltern hat, weil sie halt auch beide mit ihrer Meinung dazu nicht hinterm Berg halten. Er meinte zu mir, er hat Angst dass sie ihn wegschicken, rausschmeissen oder vielleicht sogar hauen würden.

Ich würde natürlich mit ihm zusammen hingehen, nur er kneift halt wirklich. Ich hatte es ihm ja auch schon angeboten und dann hat er sofort wieder eine halbe Panikattacke bekommen, weil es auf einmal "ernst wurde".

Danke auf jeden Fall für deine Antwort. Ich denke ich werde ihm erstmal mehr Selbstbewusstsein einflössen müssen, bis er bereit ist diese Dinge zu entscheiden.

0

Hallo. Eine so heftige Reaktion vor seinem Outing ist gar nicht so ungewöhnlich. Erst recht vor seinen Eltern, denn es besteht schließlich die Gefahr, sie dadurch zu verlieren oder einen Konflikt auszulösen, bei dem man ganz allein dasteht. Ich zweifle nicht daran, dass er weiß, schwul zu sein. Und nein, man muss niemandem erzählen, dass man auf das selbe Geschlecht steht. Aber was für ein Leben soll das werden? Seine Triebe kann auch Dein Cousin nicht abstellen. Er müsste sie also stets heimlich und in Angst ausleben oder allen anderen vortäuschen, hetero zu sein. Du kannst sein Outing vor seinen Eltern natürlich für ihn übernehmen, aber nur, wenn er Dich darum bittet. Du könntest ihm stattdessen anbieten, ihn zu begleiten. Dann muss er sich der extremen Situation nicht allein stellen. Überlegt auch eine Perspektive für den Fall, dass es schiefgeht. Kann er bei Dir unterkommen? Wofür er sich auch entscheidet, ich wünsche viel Erfolg!!

Antwort bewerten Vielen Dank für Deine Bewertung

Ja, du hast recht - jemanden outen geht gar nicht, jeder hat erstmal das Recht seine sexuelle Identität auch für sich zu behalten.

Ich denke, es ist so: der Junge ist grad mal 17, der braucht noch Zeit, in sein Schwulsein "reinzuwachsen". Erst wenn er über längere Jahre darunter leiden sollte, dass er sich zwar outen will aber sich zugleich absolut nicht traut, sollte man über psychologische Hilfe nachdenken.

Er sollte erstmal reifen, Anschluss an die Community finden, erkennen dass er nicht allein ist (hat ja z.B. dich als Ansprechpartner), und auch nach Herzenslust "du-weißt-schon-was" tun...

Antwort bewerten Vielen Dank für Deine Bewertung

Du hast recht, er ist noch nicht so weit, dazu muss man innerlich soweit gefestigt sein das man es selbstsicher sagen kann. 

Im Grunde ist ein Outing nicht notwendig wenn man keine Beziehung haben will, wenn man allerdings einen Partner sucht hat man bessere Chancen wenn man in seinem Umfeld geoutet ist, dann weiß zum einen der potenzielle Partner das man nicht den Schwanz einziehen wird wenn es darum geht Familie und Freunde des anderen kennen zulernen und es erhöht die Chancen bei der Partnersuche wenn die Bekannten  auch Homosexuelle kennen die zu haben sind und sie können einen besser unterstützen wenn sie es wissen. 

Antwort bewerten Vielen Dank für Deine Bewertung