Frage von 86imlih, 128

"Muss" man nach Bachelor einen Master machen?

Ich habe mit meinem Freund über Studiengänge gesprochen und dabei Lehramt mit naturwissenschaftlichen Fächern verglichen

Dabei habe ich gesagt, dass bei gefragten Fächern wie Elektrotechnik, Informatik man schon nach 3 Jahren gutes Geld verdient(Bachelor) im Gegensatz zu Lehramt, wo man noch länger studieren muss und noch das Referendiat machen muss

Er hat mir gesagt, dass man auch bei Informatik, Elektrotechnik oder Maschinenbau den Master machen muss, da sonst - den Bachelor keiner Ernst nimmt(Wenn ich jemanden sage, ich habe den Bachelor oder Master mache einen Riesenunterschied bei Menschen) - ich mit dem Master jeden "fic.en" könne - ich ein Diplom habe

Der Bachelor sei also wesentlich wertloser

Ein Bekannter sagt mir auch, dass man den Master machen müsse und nur der Bachelor ein Riesenfehler sei

Wie seht ihr das? Dank im Voraus

Antwort
von NoHumanBeing, 32

Also ich habe die Erfahrung gemacht, dass man mit einem Bachelorabschluss in den Natur- oder Ingenieurswissenschaften tatsächlich keine Chance hat.

Hatte es selbst versucht mit einem sehr guten Bachelor in Informatik. Habe zudem jahrelange Programmiererfahrung, sogar ein wenig Berufserfahrung, alle Zeugnisse sehr gut. Dennoch hatte ich keine Chance auf das, was ich mir vorgestellt hätte. Ich wurde (bis auf einen Job, auf den ich mich allerdings nicht ernsthaft, sondern eher "spaßeshalber" bewarb, weil ein Kollege von mir wissen wollte, ob ich dafür zu einem Vorstellungsgespräch eingeladen würde) zu keinem einzigen Gespräch eingeladen. Es gab sofort (oft nach längerer Wartezeit) eine Absage wegen "mangelnder Qualifikation", selbst bei Stellen, in denen nur ein "abgeschlossenes Informatikstudium" (ohne nähere Angabe des gewünschten Abschlusses) gefordert war. Ich gehe davon aus, dass sie einfach Masterabsolventen als Bewerber bekommen haben und sich dann dachten: "Wozu sollen wir einen Bachelor einstellen, wenn wir jemanden mit Master bekommen können?"

Ich muss allerdings auch zugeben, dass ich ziemlich ambitionierte Ziele habe und mich daher auch nicht auf "alles" beworben habe. Diese Ambitionen decken sich allerdings auch mit meinen Fähigkeiten und Qualifikationen. Vermutlich hätte ich nach einiger Zeit und mit vielen Abstrichen durchaus einen Job bekommen, vielleicht sogar mit halbwegs guter Bezahlung. Das kann ich nicht beurteilen. Auf jeden Fall ging es in die Richtung, in die ich eigentlich wollte, nicht weiter, sodass ich lieber das Masterstudium aufgenommen habe. Damit stehen einem dann im Grunde alle Türen offen.

Expertenantwort
von Ansegisel, Community-Experte für Studium, 35

Den Master muss man nicht um jeden Preis machen, ich kenne Fälle, die tatsächlich auch schon mit einem Bachelor in einem naturwissenschaftlichen Bereich untergekommen sind.

Die Regel ist aber tatsächlich der Master. Denn die Ausbildung im Bachelor bewegt sich eher auf Grundlagenniveau und die Vertiefung findet meist im Master statt.

Dass der Bachelor deswegen aber ein "Riesenfehler" ist, sehe ich nicht so. Denn vor der Umstellung auf Bachelor/Master, hat man vier/fünf Jahre studiert, ohne zählbare Zwischenschritte. Scheiterte man in der Abschlussprüfung, war das ganze Studium futsch. Heute hat man mit dem Bachelor eine Zwischenstation, die offiziell ein berufsbefähigender Hochschulabschluss ist. Außerdem ermöglicht die große Wahlfreiheit in den Masterstudiengängen nach dem Bachelor eine wesentlich zielgenauere Spezialisierung. Nicht jeder ist sich bei Studienantritt schon völlig im Klaren, wohin die Reise mal gehen soll und da ist eine Neuorientierung vor dem Master durchaus manchmal sehr hilfreich.

Im Lehramt sieht das ganze aber nochmal anders aus, weil man da ohne Master gar nicht das Erste Staatsexamen machen kann. Aber nicht jeder, der einen Bachelor bzw. Master of Education macht, will auch wirklich mal vor einer Klasse stehen.

Kommentar von Jerne79 ,

Heute hat man mit dem Bachelor eine Zwischenstation, die offiziell ein berufsbefähigender Hochschulabschluss ist.

Ehrlicherweise muss man aber dazusagen, dass das in der Praxis nach wie vor in den meisten Fächern anders aussieht.

Antwort
von Jerne79, 26

Er hat mir gesagt, dass man auch bei Informatik, Elektrotechnik oder
Maschinenbau den Master machen muss, da sonst - den Bachelor keiner
Ernst nimmt(Wenn ich jemanden sage, ich habe den Bachelor oder Master
mache einen Riesenunterschied bei Menschen) - ich mit dem Master jeden
"fic.en" könne - ich ein Diplom habe

Hierzu fällt es mir sehr schwer, etwas zu sagen, ehrlich gesagt ist das sprachlich auf einem Niveau, das an einer Studierfähigkeit zweifeln lässt. 

Ob man mit einem Bachelor im gewählten Studienfach eine Stelle findet, Aufstiegschancen hat oder mit einem tollen Gehalt rechnen kann, ist nicht nur von Naturwissenschaft oder Lehramt abhängig, sondern kommt immer auf das Fach selbst an. Auch in den Naturwissenschaften gibt es genug Fächer, in denen man mit einem Bachelor keinen Blumentopf gewinnt.

Die Frage ist auch immer, was "gutes Geld" tatsächlich ist, und ob das "gute Geld" beim Arbeitseinstieg nach einem Jahrzehnt immer noch so bewertet wird.

Fakt ist: Der Master ist der höhere Studienabschluss, egal in welchem Fach. Wer ernsthaft wissenschaftlich arbeiten will, kommt mit einem Bachelor nicht weit. Hierzulande ist der Arbeitsmarkt bislang nur bedingt auf Bachelor vorbereitet, was nicht heißt, dass es nicht einige Fächer gibt, in denen man damit einen erfolgreichen Berufseinstieg hinlegen kann.

Kurz und gut: Pauschale Antworten auf diese Frage gibt es nicht.

Antwort
von wictor, 29

Der Master entspricht dem früheren Diplom. Bachelor gibt es erst seit einigen Jahren und bildet nur eine Vorstufe zum Diplom, deswegen hat er einen eher schlechten Ruf, da es in Augen der alten Hasen die nur das frühere Diplom kennen nur ein "halber Abschluss" ist. Master zu machen lohnt sich insofern auf jeden Fall.

Mit dem Bachelor kann man aber auch ne Anstellung finden, nur sind es die wenigsten, die es beim Bachelor belassen. Das ist vergleichbar mit Gymnasium nach der 10 abbrechen - man hat zwar einen anerkannten Abschluss, aber jeder Personaler fragt dich warum du es nicht bis zum Ende durchgezogen hat.

Kommentar von NoHumanBeing ,

Der Master entspricht dem früheren Diplom.

Nein.

Der Master ist formal ein höherer Abschluss, als das Diplom. Du kannst als Diplomabsolvent ein Masterstudium aufnehmen. In Deutschland wurde zudem festgelegt, dass das Niveau eines Masterstudiengangs mindestens dem eines universitären Diplomstudiengangs entsprechen muss. Das ist, wie gesagt, eine Mindestanforderung, d. h. das Niveau kann im Masterstudiengang höher ausfallen und wird es in der Regle auch.

Zudem gibt es ja das Diplom und das Diplom (FH). Das Diplom ist mit dem Master insofern vergleichbar, dass beide die selbe Regelstudienzeit aufweisen. Das Diplom (FH) ist von der Regelstudienzeit her mit dem Bachelor vergleichbar.

Das ist vergleichbar mit Gymnasium nach der 10 abbrechen - man hat zwar einen anerkannten Abschluss, aber jeder Personaler fragt dich warum du es nicht bis zum Ende durchgezogen hat.

Ja, die Wirtschaft sieht das so. Das ist natürlich auch irgendwie verständlich. Das Qualifikationsniveau steigt natürlicherweise, weil in Zeiten fortschreitender Technisierung einfache Tätigkeiten zunehmend automatisiert werden können und dafür immer komplexere Tätigkeiten anfallen, für die eben eine bessere Ausbildung erforderlich ist.

Menschen werden immer länger lernen und studieren, auch einfach weil es schlicht immer mehr Wissen gibt. Dieser Trend ist unverkennbar und lässt sich auch demographisch nachweisen.

Antwort
von WelleErdball, 16

Ich finde solche Denkweisen komisch. Bei einem Bachelor zu sagen, der sei "wertlos".. verkehrte Welt. Es herrscht nur das Prinzip, schneller-höher-weiter. Ich würde dazu raten einfach mal auf dem Teppich zu bleiben.

Kommentar von NoHumanBeing ,

Diese Ansicht wird leider von der Wirtschaft (und natürlich auch der Wissenschaft) vertreten. Da kann der Absolvent "auf dem Teppich bleiben" wie er möchte.

Faktisch sieht es so aus, dass selbst bei Stellen, die sich an Absolventen von Studiengängen mit akutem "Absolventenmangel" richten und bei denen laut Stellenbeschreibung nur ein "abgeschlossenes Hochschulstudium" (ohne nähere Angabe des Abschlusses) gefordert wird, lieber gewartet wird, bis sich ein Masterabsolvent bewirbt und die Stelle so lange unbesetzt bleibt, anstatt einen Bachelorabsolventen einzustellen.

Wenn die Stelle interessant, herausfordernd, gut bezahlt oder alles zusammen ist, wird sie sogar oft direkt für Masterabsolventen ausgeschrieben.

Kommentar von WelleErdball ,

Klar.... jemand der nicht 25 Jahre alt ist, garantiert niemals eine Familie gründet, einen Dr.Dr. mitbringt und 5 Sprachen fließend kann wird NIEMALS irgendwo eine ordentliche Arbeitsstelle bekommen. Auch Leute ohne Studium können gut bis sehr gut verdienen. Ein Masterabschluss alleine und Hornhaut auf den Ellenbogen bürgt nicht für eine gute Stelle.... das ist zumindest meine Erfahrung.

Kommentar von NoHumanBeing ,

Ein Masterabschluss alleine und Hornhaut auf den Ellenbogen bürgt nicht für eine gute Stelle.... das ist zumindest meine Erfahrung.

Nein, der Masterabschluss sollte natürlich noch einen möglichst guten Schnitt aufweisen, die geforderte fachliche Spezialisierung aufweisen und eventuell noch an der "richtigen" Uni erworben worden sein.

Die meisten Personaler sehen sich eingehende Bewerbungen allerhöchstens ein paar Minuten lang an. Da wird auf die äußere Form geachtet, auf das Foto (sofern vorhanden), auf den Lebenslauf, dort speziell die höchsten erworbenen Bildungsabschlüsse.

... und dann ist die Zeit auch schon bald um und er legt sie beiseite.

Formale Qualifikation ist in Deutschland nach wie vor das A und O. Darüber kann man schimpfen, muss man aber nicht, schließlich bekommt man einen solchen Abschluss ja auch nicht unbedingt "hinterher geworfen". Das ist also durchaus ein Prädikat. Eines, das Du nicht einfach durch "gute Argumente" ersetzen kannst.

Auch Leute ohne Studium können gut bis sehr gut verdienen.

Gewiss, aber mit abgeschlossenem Studium ist es sehr viel einfacher und wahrscheinlicher.

Antwort
von Ruffy5286, 22

Deshalb studiere ich Diplom Informatik^^. Naja eigentlich hat das andere Gründe, aber das sei mal so dahin gestellt.

Ja Bachelor ist weniger Wert als Master, weshalb auch viele einen Master noch machen. Das ganze System ist meiner Meinung nach schlecht. Es ist sicher schwerer mit nur dem Bachelor eine gute Stelle zu bekommen, da noch die richtige spezialisierung fehlt. Im Diplom kann man das als Nebenfach machen, was im Bachelor nicht so schön möglich ist.

Antwort
von Borgler94, 18

kommt drauf an

ich studier grad Informatik im 3ten Semester und habe bereits 6 Stellenangebote die alle >2400€ Brutto sind, damit wird man zwar nicht reich, kann aber doch ganz gut leben (und dass obwohl ich noch nichtmal den Bachelor habe)

also ein muss ist der Master sicherlich nicht ... es kann sogar sein dass er dir schadet "überqualifizierung" (ist aber eher unwahrscheinlich)

Antwort
von Suboptimierer, 30

Man muss gar nichts.

Was soll man dazu sagen? Höhere Qualifikationen sind fast immer besser.

Es gibt immer eine natürliche Grenze bezüglich des Leistungsvermögens, dann wie viel Zeit und Geduld man bereit ist, zu investieren. Es gibt finanzielle Gründe, keinen Master zu machen.

Dein Freund sieht das etwas zu pessimistisch, dass alle Abschlüsse unterm Master nichts wert sind, z. B. auch Ausbildungen usw., denn dass wird dadurch impliziert, denn der Bachelor liegt genau unterm Master und folglich alle anderen Abschlüsse auf gleicher Ebene oder noch weiter darunter.

Was soll man machen? 

Man muss sich überlegen, was man kann und selbst wenn man es sich zutrauen würde, ob man bereit dazu ist, den Weg zu gehen und das Opfer zu bringen.

Antwort
von KeinName2606, 17

Also machen musst du ihn nicht, sinnvoll ist es aber, zwecks Gehalt, Ansehen in der Wirtschaft und Weiterentwicklungsmöglichkeiten.

Antwort
von JoachimF, 11

Ich kenne jede Menge Leute, die erfolgreich mit Bachelor sind!

Aber: Die haben ein duales, praxisorientiertes Studium und Berufserfahrung. So jemand stellt man gerne ein. Ohne Praxis musst Du halt noch nen Master machen, damit der Einsteller das gute Gefühl hat, du bist sicher OK.

Tipp: Mach nen Bachelor, arbeite ein, zwei Jahre und mach dann ggf. den Master. Wenn du ohne Master Karriere machen kannst - wunderbar. Wenn Du einen Master brauchst, dann kannst du nach Berufspraxis einen für Dich besseren Master machen!

Antwort
von grtgrt, 28

Der Bachelor wurde eingeführt, damit auch die Leute, die sich - aus welchen Gründen auch immer - nicht in der Lage sehen, ein 10-semestriges Studium durchzustehen, dennoch die Chance auf einen anerkannten Abschluss haben.

Wie viel der wert ist, hängt sehr davon ab, welchen Arbeitgeber du nach dem Studium finden möchtest.

Grundsätzlich gilt: 

Je höher der Studienabschluss, desto besser sind die Chancen, einen wirklich interessanten, gut bezahlten Beruf ausüben zu können.

Expertenantwort
von chog77, Community-Experte für Schule, 26

Ein guter Freund von mir schreibt gerade an seiner Bachelorarbeit in Elektrotechnik und er ist erfolgreich in seinem Fach, einen Master zu machen wär also kein Problem:

Zitat seines Professors:

" Wenn Sie den Master machen wollen, dann machen Sie diesen nur für Ihr eigenes Ego. Für 95 % der Berufseinsteigerstellen ist der Bachlor absolut ausreichend"

Kommentar von grtgrt ,

Ob dieser Professor wirklich weiß, was er sagt?

Meine Ansicht: Wenn jemand das Zeug dazu hat, einen höheren Abschluss zu erwerben, es aber nicht tut, wird er das irgend wann mal bereuen.

Antwort
von Brieftasche1982, 21

Wenn du eine gesuchte Schulform und gesuchte Fächer hast, winkt die dicke Kohle bei Lehramt.

Aber ja, mit Info gehts auch schneller. Wer länger arbeitet, hat am Ende mehr verdient.

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