Frage von julialilli, 46

Muss man mit schwerer Depression in die Geschlossene?

Hallo, eine meiner besten Freundinnen hat schwere Depression, ritzt sich und hat Selbstmordgedanken. Sie will nicht zu einem vernünftigen Psychologen da sie Angst hat in die Geschlossene Klinik zu kommen. Kann das passieren?

Antwort
von RoteTraene98, 46

Hey julialilli,

wer in eine psychiatrische Klinik muss, kann meistens keinen normalen Alltag mehr führen bzw. muss vor sich selbst beschützt werden, was bei deiner Freundin wahrscheinlich zutreffen würde.

Versuche,deiner Freundin diese Angst zu nehmen. Erstmal wird sie ein Gespräch mit einem Psychologen haben, der mit ihr gemeinsam überlegt, wie es weitergeht und welche Therapieform die richtige ist. Jedoch wenn sie akute Suizidgedanken hat, wird es nicht unwahrscheinlich sein, dass ihr eine stationäre Therapie geraten wird, ja.

Aber auch das ist kein Grund zur Sorge. In der Regel ist es ziemlich unwichtig, ob sie auf die offene oder auf die geschlossene Station kommt, wir hatten damals auch Suizidgefährdete auf der offenen. Und auch auf der geschlossenen Station bekommt man irgendwann Ausgang. Also bitte nicht von dem Wort einschüchtern lassen;)

...Wahrscheinlich stellt sich deine Freundin jedoch Zwangsjacken, strenge Ärzte und andere gestörte Mitpatienten vor..oder? Klar, jeder kennt Begriffe wie Klapsmühle oder Irrenhaus.
Dabei ist es in der heutigen Zeit komplett anders, besonders auf Stationen mit Kinder und Jugendlichen. Ich selbst war 4 Monate in solch einer Klinik und ich hatte eine sehr schöne Zeit. Man kann es sich ein wenig wie eine Klassenfahrt vorstellen. Man teilt sich meistens zu zweit ein Zimmer und ist den ganzen Tag mit ca. 15 anderen, gleichgesinnten zusammen. Die Stimmung ist locker, man lacht viel und hat viel Spaß zusammen, auch die Krankheiten werden untereinander mit Humor behandelt, was man im privaten Kreis oft vermisst.

Wenn es einem schlecht geht, ist immer jemand zur Stelle. Gemeinsam mit den Betreuern und Ärzten versucht man, an seiner Krankheit zu arbeiten. Klar ist das nicht immer einfach, aber man bekommt viel Unterstützung. Ausflüge werden gemacht und man knüpft meistens auch Freundschaften.
Die Vorstellungen übertreffen da meistens die Realität, in negativer Hinsicht.

Oft bieten Psychologen auch an, dass man sich eine solche Station einfach mal ansehen kann und danach entscheidet, ob man dort hingeht oder nicht. Auch Besuch darf man empfangen und nach einigen Wochen spätestend darf man auch alleine oder mit Freunden das Klinikgebäude komplett verlassen.

Am besten, du versuchst so, deiner Freundin die Angst zu nehmen. Stehe ihr bei, rede ihr gut zu und gib ihr das Gefühl, du brauchst sie und du willst nur das Beste für sie. Bestimmt würde es ihr helfen, wenn du sie zum Psychologen begleitest.

Bei Fragen kannst du mir gerne schreiben:) - Viel Glück und alles Gute✨

Antwort
von missluna28, 40

Hi, ich hab momentan auch schwere Depressionen und selbstmordgedanken, ritzen tu ich mich nicht mehr.
Ich war anfangs auch bei meiner Heilpraktikerin, welche mir dann geraten hat eine Therapie zu machen.
Dem Rat bin ich gefolgt und bin aktuell einmal die Woche bei meiner Therapeutin, die über meine Gedanken Bescheid weiß. Also nein, man wird nicht zwangsläufig eingewiesen. Sie hat mir den Vorschlag in ne klinik zu gehen gemacht, ich kanns mir aber selbst raussuchen.

Wie alt ist denn deine beste Freundin? Ich weiß nämlich nicht genau wies dann ist wenn man noch minderjährig ist, da haben die Eltern eben schon Mitspracherecht, andererseits müssen die nicht mal zwangsläufig wissen wenn sie ne Therapie macht. (ärztliche schweigepflicht)

Aber du kannst ihr auf jeden Fall ruhigen Gewissens sagen, dass sie mal nen Psychologen aufsuchen sollte. Er hat immer noch ne ärztliche Schweigepflicht und wenns ihr überhaupt nicht gefällt muss sie ja auch nicht mehr hin. Aber ich denke dass es ne positive Erfahrung sein wird.

Falls sie das nicht weiß: Man hat immer ein Erstgespräch und 5 weitere "kennenlern Termine" die praktisch unverbindlich sind und nach denen man entscheidet ob die chemie stimmt und das vertrauen da ist.

Wenn du noch fragen hast kannst du sie gern hier stellen oder mir ne PN schreiben.

Liebe grüße und viel Glück
Missluna28

Antwort
von Suboptimierer, 44

Also deine Freundin hat mehr Angst vor einer geschlossenen Anstalt als davor, sich durch Depressionen über das Ritzen in den Suizid zu stürzen? Sie ist lieber aufgrund ihrer Krankheit des Lebens nicht mehr froh, als sich dorthin zu begeben, wo man ihr Leid lindern könnte?

Puh, da ist es wirklich schwer, sich hinein zu versetzen.

Sie scheint ein sehr grauenhaftes Bild einer psychatrischen Anstalt zu haben. Man sollte ihr zuerst versuchen, diese Angst zu nehmen, indem man ihr vor Augen führt, dass man ihr da nur helfen will und nicht kaputter machen will, als sie eh schon ist (geht das überhaupt?).

Es ist noch nicht einmal sicher, dass sie überhaupt irgendwo eingewiesen wird und solange sie zurechnungsfähig ist, kann sie selbst (mit-)bestimmen, ob sie irgendwo eine Therapie machen möchte oder nicht.

Kommentar von julialilli ,

Danke für die Antwort. Sie will ja Hilfe aber sie geht nur zu Heilpraktiker nicht zu richtigen Psychologen. Sie meint zwar immer es verheimlichen zu müssen aber man merkt es ihr halt an wenn sie sich ritzt. Sie hat mir auch schon mehrmals genau erklärt wie sie sich umbringen will. Ich habe mega Angst um sie und bin total überfordert. Außerdem interessiert sich ihr Mutter null dafür dass meine Freundin sich ritzt etcm

Kommentar von Suboptimierer ,

Der Heilpraktiker ist ein schlechter, wenn er nicht erkennt, dass er mit dem Problem überfordert ist. Okey, das musste gesagt werden, bringt uns aber nicht weiter.

Sag ihr ganz deutlich, dass dich nicht interessiert, wie sie sich umbringen will.

Genauso wie der Heilpraktiker überfordert ist, fühlst du dich überfordert. Sag ihr das. Sag dass du ihr bei stehst, lass den Kontakt nicht abbrechen und unternimm etwas mit ihr, aber boten immer und immer wieder, dass weder du noch der Heilpraktiker für sie die beste Hilfe sein könnt.

Kommentar von RoteTraene98 ,

Also deine Freundin hat mehr Angst vor einer geschlossenen Anstalt als davor, sich durch Depressionen über das Ritzen in den Suizid zu stürzen?

Betroffene, die suizidgefährdet sind, haben keine Angst vor dem Tod.. man gewöhnt sich an den Gedanken, bald nicht mehr da zu sein. Es wird zur Normalität, Suizid scheint nichts Absurdes mehr zu sein. Außenstehende können das schwer nachvollziehen.

Hier noch ein Zitat von Franz Kafka, der ebenfalls unter Depressionen litt: Nur wer keine Angst vor dem Tod hat, hat das Leben wirklich begriffen.

Des weiteren kann ich deiner Antwort nur eine positive Bewertung geben, aber bitte - es heißt Klinik, nicht Anstalt;)

MfG

Kommentar von Suboptimierer ,

Hmm, dass sie keine Angst vor dem Tod hat, kann ich nur halb glauben. 

Vielleicht macht es den Unterschied aus, sich zu überwinden, sich selbst zu töten im Gegensatz dazu, einfach zu sterben.

Aber irgendwie denke ich immer, dass jeden, der lebt, irgendetwas noch am leben hält, etwas, das man nicht bereit ist, los zu lassen. Denn, so hart es klingen mag, wenn da wirklich gar nichts mehr ist und auch nicht die Angst, sich zu töten und nicht die Angst vor dem Tod, dann hätte sich so jemand doch schon längst umgebracht?!

Und dann würde man auch nicht eine große Runde machen und sich von allen möglichen Leuten verabschieden und Ankündigungen machen, denn das würde ja bedeuten, dass diese Menschen dem Suizidgefährdeten etwas bedeuten.

"Nur wer keine Angst vor dem Tod hat, hat das Leben wirklich begriffen."

Die Aussage mag ich nicht. Sie stellt Suizidgefährdete und jene, die es vollbracht haben, als besonders Weise dar. Quasi muss man bereit sein, sich umzubringen, um sagen zu können, dass man das Leben verstanden hat.

Eine Depression verhilft zu einer Weisheit - eine aus meiner Sicht aber äußerst traurige Weisheit.

Kommentar von Suboptimierer ,

"Nur wer keine Angst vor dem Tod hat, hat das Leben wirklich begriffen."

Das erinnert mich an einen Freund, der gesagt hat, dass ihm durch Drogen die Augen geöffnet wurden.

Was soll ich dazu sagen? Ich glaube ihm. Schön, aber zu welchem Preis?

Oder relativiert sich der Preis durch die neue Erkenntnis?

Kommentar von RoteTraene98 ,

Natürlich wissen wir es nicht, jeder Betroffene reagiert anders. Nur meine Erfahrungen laufen darauf hinaus, dass der Tod meist legitimiert wird von den Betroffenen und keine wirkliche Angst mehr hervorruft.

Ich beispielsweise hatte immer Angst, wenn mein Vater an einer bestimmten gefährlichen Stelle zu schnell Auto gefahren ist. Klar, ich hatte Angst verletzt zu werden oder noch schlimmer, zu sterben. Als es mir schlecht ging, war diese Angst weg, an manchen Tag habe ich mir sogar gewünscht, wir würden einen Unfall bauen, damit mir diese Entscheidung, ob zu sterben oder nicht, abgenommen wird. So absurd das gerade auch für mich selbst klingt...

Das mit dem Abschiedsbrief usw.. stimmt natürlich, letztendlich möchte man eigentlich gar nicht sterben, nur gerettet werden. Aber mit einem Abschiedsbrief klammert man sich an die Hoffnung, er würde den Angehörigen nach dem Tod helfen, als eine Art Entschuldigung. Somit ergibt das (für mich) Sinn.

Und natürlich ist das Zitat sehr negativ .. ich nehme auch keine Stellung dazu. Nur verdeutlicht es eben, wie Betroffene denken.

Viele Grüße:)

Kommentar von Suboptimierer ,

Um meinen zu können, das Leben verstanden zu haben, braucht man keine Depression und keine Drogen. Selbst Kinder sind schon "eingebildet" genug, zu meinen, das Leben verstanden zu haben.

Wer will ihnen das absprechen? Wer will ihnen das Gegenteil beweisen?

Antwort
von Wonnepoppen, 46

Ja, das kann es, wenn sie eine Gefahr für sich u. die Umwelt ist!

vor allem muß es auch medikamentös behandelt werden!

Kommentar von RoteTraene98 ,

Gefahr für die Umwelt? Was meinst du damit?

Kommentar von Wonnepoppen ,

Überleg mal, es kommt darauf an, ob man die Gedanken in die Tat umsetzt u. dann auf welche Weise?

Ist bei schweren Depressionen nicht ausgeschlossen!

Kommentar von RoteTraene98 ,

Wenn man die Gedanken in die Tat umsetzt und sich umbringt, fügt man den Angehörigen großes Leid zu, keine Frage.
Aber eine Gefahr geht in diesem Fall für die Angehörigen nicht aus.

Kommentar von Wonnepoppen ,

Da hast du sicher recht, vielleicht war "Gefahr" nicht der richtige Ausdruck?

ich meinte auch nicht unbedingt die Angehörigen, sondern z.B. einen Lokführer!

Menschen mit starken Depressionen denken nicht mehr an andere, ob sie denen Leid zufügen, sie wollen nur noch, daß es vorbei ist, ok?

Antwort
von daCypher, 46

Wenn sie freiwillig hingeht, kann sie normalerweise auch wieder freiwillig gehen. Anders wäre es, wenn ihr sie zwangseinweisen lässt.

Kommentar von RoteTraene98 ,

Wenn sie minderjährig ist, müssen die Eltern ihrer freiwilligen Entlassung zustimmen. Tun sie dies nicht, darf sie auch nicht freiwillig gehen.

Antwort
von Kandahar, 41

Nein, da muss sie keine Angst haben. Sie wird therapiert, aber nicht weggesperrt.

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