Frage von DillyMean, 81

Muss man bei Brauchtumspflege seine Waffe in einem Behältnis führen?

Im WaffG heißt es ja nur, dass man bei einem berechtigten Interesse (Brauchtumspflege) eine Waffe (konkret geht es um Blankwaffen, also Schwerter, Speere usw.) auch führen darf. Es kam die Diskussion um scharfe Waffen auf, und dass man diese nur in einem Behältnis führen darf, also einer Scheide. Stimmt es also, dass man bei Festzügen ein scharfes Schwert nur in der Scheide bei sich haben darf?

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von furbo, Community-Experte für Recht, 48

Du schmeisst hier was durcheinander.

Es gibt einerseits das waffenscheinfreie Führen von Schusswaffen zum Zwecke des Transportes zwischen zwei waffenscheinfreien Orten. Die Waffe muss während des Transportes nicht zugriffsbereit (in einem Behältnis) und ungeladen sein. Zuwiderhabdlungen stellen eine Straftat dar!

Das Führen des Schwertes in der Öffentlichkeit ist ne andere Baustelle. Solche Gegenstände darf man nur zugriffsbereit führen, wenn ein berechtigtes Interesse vorliegt. Auch das Schwert in der Scheide ist zugriffsbereit. Allerdings könnte man die Brauchtumspflege als berechtigtes Interesse ansehen, so dass das Führen rechtmäßig wäre.

Kommentar von DillyMean ,

Also dürfte man das Schwert oder meinetwegen auch eine scharfe Hellebarde bei solch einem Festzug auch ganz ohne Scheide führen, obwohl sie scharf geschliffen ist? 

Kommentar von furbo ,

Ja. Wobei ich mich schon frage, warum denn eine Brauchtumswaffe scharf geschlffen sein muss.

Kommentar von DillyMean ,

Tja, in einem Mittelalterverein geht es halt drum, so authentisch wie möglich zu sein. Manche nehmen das ernster, manche weniger, deswegen haben Manche eine bis auf die Unterhose (also eine Bruche in dem Fall) authentische Kleidung und nähen sogar ihre gesamte Kleidung per Hand, und manche handhaben das eben etwas flapsiger.

Ich für meinen Teil nehme keine scharf geschliffenen Waffen mit zu einem Festzug, es kann halt einfach immer dumm laufen und dann hat gleich mal jemand eine tiefere Wunde oder Schlimmeres. Ab ein oder zwei Meter Abstand erkennt man meist ohnehin keinen Unterschied mehr ob die Hellebarde scharf oder stumpf ist.

Es ging nur rein um den juristischen Ansatz ob es erlaubt ist oder eben nicht.

Antwort
von PatrickLassan, 50

Das Waffengesetz unterscheidet zwischen Führen und Transportieren. Während Transportieren ein verschlossenes Behältnis voraussetzt, bedeutet Führen, dass man den betreffenden Gegenstand unverschlossen mit sich führen darf.

Antwort
von Ninombre, 59

Der Begriff "scharfe Waffe" heißt hier nicht unbedingt Schwert und eine Schwertscheide ist kein Behältnis.

Kommentar von DillyMean ,

Ich weis, war etwas unglücklich formuliert, ich meinte einfach nur scharfe Blankwaffen. Ein anderer behauptete, dass man bei einem Festzug (=Brauchtumspflege) diese Waffen nur führen darf, wenn die scharfe Klinge in einer Scheide oder ähnliches ist. Hab aber im Gesetz nichts konkretes dazu lesen können, also war ich skeptisch. 

Kommentar von Ninombre ,

Ok, dann müsste Dein Vereinskollege etwas genauer lesen. Das steht zwar alles im gleichen Paragraphen (§42a), aber zu unterschiedlichen Vorschriften:

Wenn die Schwerter etc. scharf sind, dann sind sie Hieb- und Stoßwaffen. Damit fallen sie unter diesen Paragraphen und dürfen nicht geführt werden, außer (und jetzt kommt der Unterschied), wenn man entweder sie im verschlossenen Behältnis transportiert ODER aber ein berechtigtes Interesse vorliegt. Dazu zählt Brauchtumspflege.

Beim berechtigten Interesse steht eben nichts vom verschlossenen Behältnis mehr. Also kann der Ritterdarsteller beim Umzug ein Schwert am Gürtel tragen oder eine Hellebarde.


(1) Es ist verboten

1.Anscheinswaffen,2.Hieb- und Stoßwaffen nach Anlage 1 Abschnitt 1 Unterabschnitt 2 Nr. 1.1 oder3.Messer mit einhändig feststellbarer Klinge (Einhandmesser) oder feststehende Messer mit einer Klingenlänge über 12 cm

zu führen.

(2) Absatz 1 gilt nicht

1.für die Verwendung bei Foto-, Film- oder Fernsehaufnahmen oder Theateraufführungen,2.für den Transport in einem verschlossenen Behältnis,3.für das Führen der Gegenstände nach Absatz 1 Nr. 2 und 3, sofern ein berechtigtes Interesse vorliegt.

Weitergehende Regelungen bleiben unberührt.

(3) Ein berechtigtes Interesse nach Absatz 2 Nr. 3 liegt
insbesondere vor, wenn das Führen der Gegenstände im Zusammenhang mit
der Berufsausübung erfolgt, der Brauchtumspflege, dem Sport oder einem
allgemein anerkannten Zweck dient.

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