Frage von mychrissie, 106

Muss man als Theologe eigentlich an die Existenz eines Gottes glauben?

Ein Wissenschaftler, der Aberglauben, Sektenwesen, Voodoo usw. erforscht, muss doch auch nicht an die Richtigkeit dieser Dinge glauben. Vielleicht ist es nicht die Richtigkeit der Sache, die für den Wissenschaftler wichtig ist, sondern lediglich die forscherische und gedankliche Durchdringung der Sache.

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von rolfmengert, 19

Schon die Aussage: "Ich glaube an Gott" ist überaus interpretationsbedürftig. Daher kann Deine Frage redlicherweise nicht beantwortet sondern nur andiskutiert werden. 

Es gibt bei vielen Menschen immer noch die völlig naive Vorstellung eines Gottes, der mit menschlichen Gefühlen, menschlicher Gedankenführung und Einsichtsfähigkeit und vor allem einer menschlichen Wertewelt autonom agiert und sich damit in das Weltgeschehen einbringt.

Andererseits gibt es sehr viele irgendwie gläubige Menschen, die mehr an sog. göttliche Prinzipien glauben. Sie halten das Weltganze von bestimmten strukturgebenden und lenkenden Wirkprinzipien durchdrungen, die sie dann als "Emanationen des Göttlichen" interpretieren. Manche definieren Gott auch als "Urgrund des Seins". Der bekannte Theologe Paul Tillich brachte die Gottesvorstellung auf die Formel: "Gott ist Ursache, innere Struktur und Ziel allen Seins".

Wenn man sich diese zuletzt aufgeführten sehr abstrakten Gottesvorstellungen vor Augen führt, dann läßt sich hier kaum noch ein möglicher Konflikt ausmachen, wie Du ihn in Deiner Frage formuliert hast.

Es ist ja fast unvermeidbar nicht an irgend welche ursächliche Zusammenhänge zwischen bestimmten Potenzen und den davon abgeleiteten Weltphänomenen zu glauben. Wir sind evolutionsbiologisch in unserem Denken einfach auf das kausale Denken programmiert. Der Mensch kann sich schlicht nicht vorstellen, dass es Objekte oder Geschehnisse gibt, für die es keine Ursache geben könnte. Und eben diese letzte Ursache wird von sehr vielen Menschen mit "Gott" oder "dem Göttlichen" gleich gesetzt. 

Da nun jeder Theologe mindestens so eine diffuse letzte Ursächlichkeit mit Gottescharakter in sein Denken integriert hat, wäre Deine Frage nach dem "muss man?" überflüssig.

Ganz anders wäre Deine Frage anzugehen, wenn Du geschrieben hättest, ob man als Theologe an den Gott der Bibel, an Jahwe, so wie ihn uns die Apostel und Propheten des alten und des neuen Testaments vor Augen geführt haben, glauben müsse. Da würde ich dann antworten, dass ein Theologe nach kirchlicher Definition diesen Glauben haben müsste, da er anderenfalls als Religionsphänomenologe oder Religionswissenschaftler zu bezeichnen wäre.

Du siehst bereits an diesen wenigen Sätzen, wie überaus schwierig doch so leicht zu formulierende Fragen eine Beantwortung zugeführt werden können.

Kommentar von mychrissie ,

Mir ist nicht ganz klar, wie ein Theologe, der als Akademiker doch des Nachdenkens fähig sein müsste, für das "Sein" vor dem Hintergrund der Evolution ein Ziel postulieren kann.

Wie kann die Evolution ein Ziel haben?! Sie bedient sich doch seit Jahrmillionen des bewährten Instrumentes der Ziellosigkeit. Angesicht der Vielzahl von Ressourcen eigentlich ziemlich clever.

An einem Ziel anzukommen, bedeutet doch nicht zwangsläufig, es anvisiert zu haben.

Antwort
von Eselspur, 41

Die bzw, eine klassische Definition stammt von Anselm von Canterbury und beschriebt Theologie als "Glaube, der das Verstehen sucht." Insofern ist ein atheistischer Theologe ein Widerspruch in sich.

Für Teilbereiche der Theologie waren Erkenntnisse von Atheisten hingegen immer wieder wichtig. Natürlich können auch Atheisten Theologie studieren und auch Positives in der Theologie leisten. Ob sie es allerdings je schaffen, in einen Kernbereich vorzustoßen, glaube ich persönlich nicht.

Antwort
von Chaoist, 31

Ich denke nicht, dass man wirklich glauben muss um Theologie zu studieren und zu betreiben. Man muss aber die Fähigkeit mitbringen den Glauben zu simulieren. Wer bei jedem Satz denkt, dass das alles reiner Humbug ist, wird zu keinem wissenschaftlichen Ergebnis gelangen; da das Ergebnis der Nachforschung bereits im Vorhinein fest steht = Humbug.

Ich bezweifle auch, dass man mit dieser Einstellung überhaupt den Stoff richtig lernen kann.

Antwort
von dompfeifer, 29

Die Gedanken sind frei. Glaubensbekenntnisse lassen sich erzwingen, z.B. im Islamischen Staat. Beim Studium bekenntnisgebundener Theologien (z.B. katholische oder evangelische Theologie) unterstellt man stillschweigend das jeweilige persönliche Bekenntnis. Das ist als Gedankengut nicht prüfbar. Atheistische Pfarrer outen sich selten als solche (Das kommt aber durchaus vor!).

Fachleute der vergleichenden Religionswissenschaften dagegen, der Völkerkunde, der Volkskunde (incl. Aberglauben), Kulturwissenschaften, Kulturantropologie, Altertumskunde (mit allen antiken Göttern), Geschichte, Judaistik, Regionalwissenschaften, Islamwissenschaften (Die sind gesucht bei Geheimdiensten!) und dergl. befassen sich mit Kulturen, Philosophien und Religionen in verschiedenen historischen Epochen in allen möglichen Weltregionen. Sollen die in ihrem Studium und ihrer wissenschaftlichen Forschung und Lehre wohl alle paar Minuten ein neues Glaubensbekenntnis ablegen, zu Zeus, Prometheus, Aphrodite oder Thor? Da kämen die ja in ihrer geistigen Verwirrung gar nicht mehr zum Arbeiten! Deren Studenten würden sich totlachen oder überlebend den Hörsaal verlassen!

Kommentar von dompfeifer ,

Ein Orientalist, Arabist oder Islamwissenschaftler, der im Bewerbungsgespräch beim Bundesnachrichtendienst (BND) oder Bundesverfassungsschutz (BVS) ständig Glaubensbekenntnisse zu Allah und seinem Propheten vortragen würde, fernab von der deutschen freiheitlich-demokratischen Grundordnung, der hätte sich wohl etwas verlaufen. Der könnte sich vielleicht umschulen lassen zum Iman zwecks Glaubensverkündung.

Antwort
von joergbauer, 19

Wer seinen Christenstand nur als Hobby oder Beruf ansieht, der eben für den Lebensunterhalt seinen Ertrag abwirft oder der reinen Unterhaltung und Beschäftigung dient, hat definitiv die falsche Einstellung und gleicht eher einem Pharisäer als einen Kind Gottes. Im Grunde wäre das geheuchelt und widersinnig. Aber leider gibt es das heute, daß jemand Theologie studiert und doch nicht an Gott glaubt. Dann dient man eben nur dem Buchstaben und hat den Sinn und die Tiefe der Bibel nie begriffen. Glaube ohne den Heiligen Geist (der allen echten Christen als Beweis gegeben wird) ist nur Selbstbetrug und ebenso Betrug an anderen, die vielleicht tatsächlich gläubig sind und von jemandem belehrt werden, der nicht hinter dem steht, was er verkündet.

Kommentar von mychrissie ,

Ich habe von Theologen gesprochen nicht von "Verkündern". Muss denn z.B. auch jeder an die Thesen des Kreationismus glauben, der sich wissenschaftlich damit beschäftigt? Und zwar weder aus Gewinnsucht noch aus Hobby noch aus reiner Unterhaltung, sondern vielleicht, um genug Insiderwissen zu gewinnen, damit er diesen Aberwitz besser bekämpfen kann.

Jemand, der Chemie studiert, ist doch auch kein Chemie-Verkünder!

Kommentar von joergbauer ,

Das geht aber an der Realität vorbei - jemand der Theologie studiert als Grundlage oder Weiterführung seiner Arbeit für die er bezahlt werden will, wird auch auf irgendeine Art und Weise das Studierte nach außen tragen und weitergeben - wie auch immer. Einer der Chemie studiert kann sowohl Lehrer, Buchautor, Forscher etc. werden und wird dann eben auch sein Wissen publik machen und "verkünden". Aber da dies alles für dich nur ein "Aberwitz" ist, kann ich mir schon denken, daß du nur das lesen willst, was dir in den Kram passt...es gibt auch Leute die die Bibel als Unsinn entlarven wollten und letztlich vom Gegenteil überzeugt wurden!

Antwort
von nowka20, 10

unbedingt,l den theologie fußt auf gefühlen

wissenschaft fußt auf denken

Antwort
von Whitekliffs, 26

Zum Studieren nicht, aber ich würde jetzt keinen Pfarrer wollen, der nicht an Gott glaubt.

Kommentar von mychrissie ,

Ich habe nicht von Pfarrern gesprochen, sondern von Theologen, z.B. im universitären Bereich.

Kommentar von Whitekliffs ,

Als Dozent würde ich auch keinen ungläubigen Theologen wollen.

Aber jedem jungen Menschen steht es ja frei, zu studieren was er will.

Kommentar von mychrissie ,

Ich würde einen siolchen Pfarrer begrüßen. Denn eine Duiskussion mit ihm wäre tausendmal interessanter als das Abrufen von Salbaderei.

Kommentar von Whitekliffs ,

Was für einen Sinn hat es, wenn ein atheistischer Theologe mit seinen atheistischen Studenten diskutiert?

Was für einen Sinn hat es, wenn eine geistlich hungrige Person, die Gott sucht, bei einem atheistischen Pfarrer landet?

Was ist denn Salbaderei?

Kommentar von mychrissie ,

Ich bin kein atheistischer Student sondern ein 77-jähriger erfahrener Mann, der vor 55 Jahren aus der Kirche ausgetreten ist.

Und Salbaderei? Du warst doch sicher schon mal in einem Gottesdienst und hast selbst erlebt, dass man dort nur bekannte Sprüche zu hören bekommt und das in einem albernen Tonfall, der nichts mehr mit dem normalen Leben zu tun hat (so wenig wie das Gelabere des Grafen von "Unheilig").

Eine lebendige Diskussion, das würde mich auch in die Kirche locken. Aber wie man ein sozial akzeptierbares Leben führt, brauch' ich mir von einem verlogenen Pfaffen nicht erklären zu lassen.

Kommentar von Whitekliffs ,

Danke für deine Antwort, mychrissie

Ehrlich gesagt ärgert es mich auch, wenn ich (ebenfalls vor vielen Jahren aus einer der Grosskirchen ausgetreten und nicht in Deutschland lebend) mal in diesem Land zu einem Begräbnis muss. Tatsächlich, dieser alberne Tonfall, das Ableiern, ..... die Menschen sind leer gekommen und gehen leer wieder, was das Geistliche angeht.

Es gibt aber auch andere. Vielleicht hast du die nur noch nie 'getroffen'?

Neulich bin ich auf den Inder Zac Poonen gestossen. Gewaltig!

https://www.youtube.com/watch?v=VQT8lPkAL0Y

Aber es gibt ja auch wirklich lebendige (und ich spreche jetzt nicht von lauter halleluja-Musik und Hände hoch) Freikirchen, in denen ganz normale Menschen Gottes Wort verkündigen.

Kommentar von Whitekliffs ,

Ergänzung:

hier hätte ich noch einen Apologeten: Ravi Zacharias

https://www.youtube.com/user/rzimmedia

Und hier noch was für Intellektuelle, Dr.Peter Hammond:

http://www.frontline.org.za/index.php?option=com_content&id=1266:the-directo...

Antwort
von aicas771, 28

Wer in seinem Beruf oder in seinem Tätigkeitsfeld etwas erreichen will, der muss Interesse und Einsatzwille für diesen Beruf mitbringen.

Wer nicht an die Existenz Gottes glaubt, wird kaum Interesse für Theologie haben. Es sei denn, er will unbedingt "beweisen", dass es trotz aller religiöser Schriften Gott nicht gibt.

Jeder Forscher oder Wissenschaftler braucht eine Antriebskraft für sein Tun. Für Theologen ist dies das Interesse an Gott.

Kommentar von mychrissie ,

Versteh ich nicht! Wenn einer z.B. über Sektenunwesen wie Scientology forscht, muss er doch auch nicht an die Ideen dieser Sekte glauben, um Interesse zu haben, darüber zu forschen.

Kommentar von aicas771 ,

Wer über Scientology forschen will, der muss in irgendeiner Form ein (persönliches) Interesse an dieser Forschung haben, z.B. weil er jemanden kennt, der bei Scientology war oder ist.

Antwort
von Xpomul, 49

Muss man als Evolutionsbiologe an die Evolution glauben?

Kommentar von Ryuuk ,

Nope. Ein Evolutionsbiologe weiß generell, das Evolution funktioniert, wie sie funktioniert und warum sie funktioniert. Da ist nicht viel übrig, an was er nur glauben müsste.

Antwort
von kolmappierkolle, 51

Nein, es gibt durchaus Theologen, die atheistisch sind.

Antwort
von grtgrt, 1

Ein Wissenschaftler, der Aberglauben, Sektenwesen, Voodoo usw. erforscht, 
ist ein Religionswissenschaftler, aber noch kein Theologe:

Theologie ist die Lehre von Gott.

Jedem, der forscht, also auf der Suche nach Wahrheit ist, muss erlaubt sein, zu zweifeln und solchen Zweifeln nachzugehen (er könnte sonst ja gar nicht mehr in Anspruch nehmen, objektiv zu denken).

Dennoch gilt: Sofern ein Theologe mit kirchlicher Autorität versehen lehrt, wird jene Kirche ihm die Lehrbefugnis mit Sicherheit entziehen, sobald er seine Zweifel an der Existenz Gottes öffentlich macht. 

Antwort
von Ryuuk, 33

Daran glauben muss er nicht, nein.

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