Frage von evi1948, 94

Muss man alles entschuldigen, wenn jemand alt ist?

Mein Vater ist 90 und lebt seit 1 Jahr in einem Pflegeheim. Dement ist er laut Aussage seiner Ärzte nicht. Er sitzt seit dem Zeitpunkt seines Umzuges im Rollstuhl. Eine medizinische Begründung gibt es nach eingehenden Untersuchungen dafür nicht. Er hat nach langwierigen Anträgen und Telefonaten endlich einen Spezialrollator bekommen, mit dem er laufen soll. Er hat jedoch immer eine andere Ausrede parat. Entweder ist ihm angeblich schlecht, oder er will schlicht und ergreifend nicht. Außerdem trägt er seit neuestem Windeln, nur weil er nicht rechtzeitig sagt, dass er zur Toilette muss. Wenn jemand aber erwiesenermaßen nicht dement ist - wozu braucht er dann sowas? Er kann und will uns diese Fragen nicht beantworten. Uns macht das oft wütend, weil wir vermuten, dass es reine Bequemlichkeit ist. Was meint Ihr zu dem ganzen Sachverhalt?

Antwort
von derhandkuss, 36

Bedenke bitte das stolze Alter Deines Vaters! Das tägliche Leben bedeutet mit zunehmendem Alter die Aufwendung von Kraft. Möglicherweise ist Dein Vater nun in ein Alter gekommen, in dem Kraft und Lebenswille so langsam schwinden. Er sagt sich möglicherweise (instinktiv), er hat ein stolzes Alter erreicht, nun gehen Kraft und Lebenswille so langsam zu Ende, möchte eventuell auch gar nicht weiter "ankämpfen".

Antwort
von wilees, 38

Was führte dazu, dass er in ein Seniorenheim zog? War dies sein eigener Wunsch?

Kommentar von evi1948 ,

Was dazu geführt hat?? Wie soll man da noch jemanden alleine in der Wohnung lassen? 

Kommentar von wilees ,

Ich kenne mehrere alte Menschen dieses Alters, die mit Hilfe eines Pflegedienstes und Haushaltshilfe selbstbestimmt in ihren Wohnungen leben.

Kommentar von evi1948 ,

Ein Pflegedienst, der 24 Std., rund um die Uhr, dort ist? Wie sollte das gehen? Und außerdem wohnte er in einer ganz anderen Stadt als wir. Wir können nicht jedesmal angefahren kommen, wenn etwas ist. Und als Rollstuhlfahrer in einer gemieteten Etagenwohnung ist wohl auch mehr als schwierig!

Kommentar von wilees ,

Aber interessanter ist wohl, dass der Vater sich erst nach ! dem Umzug ins Pflegeheim in den Rollstuhl zurückgezogen hat. Und er hat wohl auch in der eigenen Wohnung noch keine Inkontinenzprodukte benötigt. Und 1000%ig hält ihm auch im Pflegeheim niemand 24 Stunden täglich das Händchen.

Antwort
von Fragender0000, 50

Ziemlich eindeutig ein Zeichen von Depression, welche oft mit Demenz einhergeht. Antidepressiva können hier sehr gut helfen.

Kommentar von evi1948 ,

Er bekommt Antidepressiva! 

Antwort
von knox21, 42

Windeln trägt keiner aus Bequemlichkeit. Im Alter können viele das nicht mehr so kontrollieren. Das hat nichts mit Demenz zu tun.

Kommentar von evi1948 ,

Laut Aussage seines Hausarztes schon! 

Antwort
von piadina, 29

Ich bin der Meinung, dass man einem Menschen in diesem Alter jede Freiheit lassen sollte, die er möchte.

Er hat ein langes Leben lang etwas geleistet, war für "seine" Menschen da, hat seinen Mann gestanden. Jetzt ist er da gelandet, wo er vllt. nicht wirklich gerne sein will.

In seinem Alter hat man wahrscheinlich keine große Motivation mehr, es noch irgend jemanden recht zu machen, man entwickelt vllt. einen gesunden Egoismus.

Er muß es nun niemadem mehr recht machen, er mag halt einfach nicht. Die Zeit, die noch vor ihm liegt, sollte er so gestalten dürfen, wie er will. Seine Wünsche sollten geachtet werden.

Kommentar von evi1948 ,

Wie Du meinst! ICH muss ja nicht in meinem "Unrat" sitzen! 

Antwort
von Repwf, 28

Bequemlichkeit? Also ich finde Rollstuhl und Windeln am Hintern alles andere als bequem!

Für mich hört sich das eher so an als wenn dein Vater nach Aufmerksamkeit bettelt 

Kommentar von evi1948 ,

Er kriegt mehr Besuch, als so manch anderer im Heim. Leider ist er nunmal nicht der einzige auf der Station. Und Pflegepersonal ist heutzutage überlastet. Was soll man da machen? 

Kommentar von Repwf ,

Wollte er ins Heim? 

Kommentar von evi1948 ,

Das spielt leider in dem Fall keine Rolle. Es blieb nichts anderes mehr übrig!!

Kommentar von Repwf ,

Das glaub ich dir ja!

Aber, das könnte seinen "Trotz/Gleichgültigkeit" erklären? Nach dem Motto "wenn ihr meint ich kann nichts mehr alleine - dann zeig ich euch mal was ich alles nicht mehr kann!" Verstehst du was ich meine?

Antwort
von NameInUse, 27

Vielleicht hat er auf das Heim keinen Bock und es ist die einzige Form von Rebellion, die ihm bleibt

Kommentar von evi1948 ,

Für jemanden, der sich nicht mehr allein von der Stelle rühren kann und auch nicht mehr weiß/wissen will, wann er auf Toilette muss, bleibt wohl nicht mehr viel anderes übrig. Auch wenn hier öfter von häuslichen Pflegediensten die Rede ist, kam das nicht in Frage, da er in einer ganz anderen Stadt wohnt, als wir und diese Pflegekraft dann rund um die Uhr bei ihm hätte sein müssen. Das aber wollte er erstens auch nicht und zweitens wäre es nicht durchführbar gewesen in seiner Mietwohnung. Also Rebellion hin oder her - dafür habe ich kein Verständnis mehr, zumal er über 90% seines Lebens in seiner Heimatstadt verbringen konnte. Und Heime sind überall gleich! 

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