Frage von gundaluch,

Muss ich meinen 400€ Job kündigen weil ich eine Festanstellung bekomme?

Ich über derzeit eine Tätigkeit in Form eines 400€ Jobs aus. Nun habe ich endlich eine sozialversicherungspflichtige Stelle in einer anderen Firma bekommen. Leider kann ich die Kündigungsfrist von 4 Wochen nicht einhalten, da ich die Stelle schon im nächsten Monat (=nächste Woche) antreten soll. Mein jetziger Chef meint, dass ich das aber nicht kann, weil meine jetzige Stelle noch nicht ordnungsgemäß gekündigt sei. Ich stelle mir die Frage, ob ICH diese Stelle überhaupt  kündigen muss, da ein 400€ Job doch als steuerfreier Zusatzverdienst zum sozialversicherungspflichtigen Job ausgeübt werden darf. Kann mein Chef so verhindern, dass ich meine neue Stelle antreten kann? Oder kann ich den 400€ Job sogar einfach stillschweigend, in der Hoffnung, dass mein Chef mich von selbst nach einiger Zeit entlässt, weiterlaufen lassen? Und kann ich ein Arbeitszeugnis von ihm verlangen?

Antwort von Kleinsorge,
3 Mitglieder fanden diese Antwort hilfreich

Oder kann ich den 400€ Job sogar einfach stillschweigend, in der Hoffnung, dass mein Chef mich von selbst nach einiger Zeit entlässt, weiterlaufen lassen?  Schlagen Sie sich solche Ideen aus dem Kopf, dies ist vertragswidriges Verhalten. Stellen Sie sich vor Ihr neuer Arbeitgeber würde sich Ihnen gegenüber so verhalten. Ich vermute sehr stark, Sie hätten wenig Verständnis für ein solches Verhalten.

Ein 400 Euro-Job ist arbeitsrechtlich wie ein sozialversicherungspflichtiges Arbeitsverhältnis zu betrachten. Sowohl der Arbeitgeber, als auch der Arbeitnehmer müssen sich an die vertraglich vereinbarten bzw. die gesetzlichen Regelungen halten.

Für die Kündigung eines 400 Euro-Jobs bedeutet das:

1. Schriftliche Kündigung, gemäß §623 BGB, zwingend erforderlich.

2. Die vereinbarten Kündigungsfristen müssen eingehalten werden, sonst kann der Arbeitgeber Schadensersatz von Ihnen fordern, wenn er nachweisen kann, dass ihm ein Schaden aus Ihrem vertragswidrigen Verhalten entstanden ist.

3. Wurden keine Kündigungsfristen vereinbart, gelten die gesetzlichen Kündigungsfristen, gemäß §622 BGB. Wollen Sie kündigen, gelten die Kündigungsfristen, gemäß §622 Absatz 1 BGB. Ihre Kündigungsfrist beträgt dann vier Wochen zum fünfzehnten oder zum Ende eines Kalendermonats.

4. Die Kündigungsfrist läuft ab dem Zeitpunkt, an dem die schriftliche Kündigung in den Einflußbereich des zu kündigenden Vertragspartners gelangt.

Was tun?

Bitten Sie den Arbeitgeber um die vorzeitige Auflösung des Arbeitsverhältnisses. Stimmt der Arbeitgeber nicht zu, dann kündigen Sie schriftlich, unter Einhaltung der Kündigungsfrist.

Sie müssen dann mit Ihrem neuen Arbeitgeber reden und diesen um einen späteren Eintrittstermin bitten. Üblicherweise hat ein neuer Arbeitgeber Verständnis dafür, dass der neue Arbeitnehmer Kündigungsfristen zu beachten hat.

Arbeitszeugnis:

Gemäß §109 Gewerbeordnung, haben Sie anrecht auf ein einfaches Arbeitszeugnis, auf Verlangen auch auf ein qualifiziertes Arbeitszeugnis.

Sie können sich aber sicher vorstellen, dass das Arbeitszeugnis nicht sehr gut ausfällt, wenn Sie sich vertragswidrig verhalten.

Sie sollten auch bedenken, dass Ihr neuer Arbeitgeber seine Schlüsse zieht, sollte er erfahren dass sich sein neuer Arbeitnehmer beim alten Arbeitgeber vertragswidrig verhalten hat, deshalb mein Appell an Sie: Beenden Sie das alte Arbeitsverhältnis mit Anstand.

Hier der Link zum BGB.

http://dejure.org/gesetze/BGB/622.html

Peter Kleinsorge

Kommentar von Kleinsorge,

Hier ein hilfreicher Link zum Thema Arbeitszeugnis.

http://www.hensche.de/Rechtsanwalt_Arbeitsrecht_Handbuch_Zeugnis.html

Peter Kleinsorge

Kommentar von gundaluch,

Vielen dank für die Ausführung! Das klitzekleine Problem an der ganzen Sache ist eigentlich nur, dass ich den 400€ Job eigentlich gern behalten wollte, um damit den sozialversicherungspflichtigen aufzustocken. Mein neuer Arbeitgeber hätte damit auch kein Problem. Ich habe das Gefühl, dass mein alter Chef nicht nicht gehen lassen möchte, aber eine Festanstellung will er mir auch nicht geben. Er vertröstet mich seit 8 Monaten immer wieder mit seltsamen Argumenten, wie " Ich muss erst mal sehen, wie sich alles entwickelt." ect

Antwort von bitmap,
2 Mitglieder fanden diese Antwort hilfreich

Auch ein 400-€-Job muss ordentlich (mit Einhaltung der Kündigungsfrist) gekündigt werden. Der zählt rechtlich als Arbeitsverhältnis genau wie eine sozialversicherungspflichtige Stelle.

Wenn es zeitlich geht, kannst du ja versuchen beide zeitgleich zu machen.

 

Und ja, auch ein Arbeitszeugnis steht dir für den 400-€-Job zu.

Antwort von zureus,
1 Mitglied fand diese Antwort hilfreich

Du musst dein 400€ Job nicht kündigen. Du darfst neben deinem Vollzeitjob noch bis 400€ steuerfrei dazu verdienen.

Antwort von Kitty831988,
1 Mitglied fand diese Antwort hilfreich

kündige doch einfach und wenn du die andere stelle anfängst kannst du ja versuchen den 400 euro job weiter auszuüben. wen das nicht geht und du gehst nicht mehr hin, kann er ja nicht mehr machen als dir kündigen. er kann auf jeden fall nicht verhindern dass du den anderen job antrittst. in deutschland haben wir ja zum glück das recht uns unseren arbeitsplatz selbst auszusuchen =)

Antwort von annokrat,

früher waren diese 400€-jobs nichts anderes als nebenjobs, um den lohn vom vollzeitjob etwas aufzubessern. deshalb schliessen die sich vom prinzip her nicht aus.

wenn sich allerdings die arbeitszeiten so überschneiden, dass eine konkurrenzsituation entsteht, musst du dich entscheiden.

ausserdem: du weisst noch nicht was in der neuen firma auf dich zu kommt. vielleicht bist du noch mal froh, den 400€-job zu haben.

annokrat

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