Frage von Cny2456, 82

Muss ich meine sehr geringe Behinderung dem Arbeitgeber mitteilen?

Ich habe nach unendlich vielen geschriebenen Bewerbungen endlich einen Ausbildungsplatz gefunden. Jetzt gibt's das nächste Problem! Und zwar habe ich eine Behinderung ( ;-) Das ist eigentlich kein Problem), die nur auffällt, wenn man während ich ruhig sitze mich beobachtet. Denn mein Körper zuckt dann etwas. Jetzt habe ich eine Ausbildung als Kauffrau für Büromanagement gefunden. Die Behinderung schränkt mich in diesem Beruf NICHT ein. Während des Vorstellungsgesprächs wurde auch NICHT danach gefragt, weil es eben so unauffällig ist. Ich habe vielleicht höchstens, wenn überhaupt, einen Grad von 20. Genau weiß ich das nicht, weil die Untersuchung viele Jahre zurück liegt. Damals hatte ich Grad 60! Aber in der Zwischenzeit hat sich vieles verändert und verbesssert. Die Sache ist jetzt, dass dieser Ausweis mit Grad 60 unbefristet gültig ist. Ich möchte auch keine Ansprüche oder Sonderbehandlung haben, weil ich während meiner Schulzeit auch keine gestellt habe. Jetzt bin ich unsicher, ob ich die Behinderung angeben soll oder nicht? Denn der Arbeitgeber kann mich ja meines Wissens nach wenn er es nicht weiß kündigen. Ich hab jetzt einfach Angst, dass ich den lang ersehnten Ausbildungsplatz wieder verliere..... :(

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von AndiRat, 34

Nein. Es besteht keine Pflicht das anzugeben. Anders wäre es nur, wenn das mit dem Beruf etwas zu tun hätte (zB, Pilotin gibt nicht an, dass sie auf einem Auge blind ist).

Bei dir ist das aber kein Problem.

Es ist aber so, dass wenn du in einem größeren Betrieb arbeitest, und du deine Behinderung angibst, der Betreib einen Vorteil daraus hat. Größere  Betriebe müssen nämlich eine bestimmte Mindestzahl an Menschen mit einer Behinderung beschäftigen. Da würdest du dem Betreib einen Gefallen tun, wenn du es angeben würdest. (Bei mehr als 20 Beschäftigte; sonst muss der Betrieb eine Abgabe bezahlen, wenn er keine Behinderte beschäftigt!).

Und: In größeren Betreiben gibt es einen besonderen Kündigungsschutz für Behinderte!


Antwort
von Konrad Huber, 14

Hallo Cny2456,

Sie schreiben unter anderem:

Muss ich meine sehr geringe Behinderung dem Arbeitgeber mitteilen?

Antwort:

Ein GDB 20 bringt in der Regel so gute wie keine Nachteilsausgleiche, diese greifen in der Regel erst ab einem GDB 30 und mehr!

http://www.betanet.de/download/tab3-gdb-nachteilsausgl4.pdf

Wenn Sie natürlich einen unbefristeten Schwerbehindertenausweis mit GDB 60 haben, dann verzichten Sie auf die Ihnen zustehenden Nachteilsausgleiche!

Ein unbefristeter Schwerbehindertenausweis mit GDB 60 setzt in der Regel gravierende, dauerhafte, gesundheitliche Schädigungen voraus, oft im Bereich der Psyche! Solche Beschwerden sind sehr heimtükisch und verschwinden nicht so einfach!

Wollen Sie diese Nachteilsausgleiche aber in Anspruch nehmen, müßen Sie die Karten (sprich Ihren Schwerbehindertenausweis) Ihrem Arbeitgeber präsentieren und könnten ggf. in Erklärungsnot kommen!

Langfristig gesehen kann sich das Verschweigen der Schwerbehinderung für Sie als Bumerang (als Zwickmühle) erweisen, sollte sich Ihre Gesundheitszustand mit zunehmendem Alter verschlechtern! 

Niemand hier kennt Ihr Vertrauensverhältnis zu Ihrem Arbeitgeber und niemand hier kann einschätzen, wie dieser auf die nachträgliche Bekanntmachung der Schwerbehinderung reagieren wird!

Versetzen Sie sich am Besten selbst in die Lage Ihres Arbeitgebers und bedenken Sie, wie Sie im umgekehrten Fall reagieren würden, wenn aus dem vorgelegten Ausweis ersichtlich ist, daß die Schwerbehinderung bereits vor Einstellung vorgelegen hat!

Beste Grüße, viel Erfolg und bestmögliche Gesundheit

Konrad

Antwort
von MeinHobbie, 26

Du musst du deine Behinderung nicht melden.
Du bekommst allerdings ab 50% einige vorteile wie z.B mehr freie Tage

aber es gibt auch Arbeitgeber ,die das nicht so toll finden

Kommentar von Heidrun1962a ,

Der Arbeitgeber spart dann aber auch die Ausgleichsabgabe wenn er nicht alle Pflichtarbeitsplätze besetzt hat. 

Antwort
von Denso95, 41

Ich glaub du musst ihn nicht mitteilen, erst ab 30 % (wenn gleichgestellt) oder spätestens 50 % musst du es melden, weil du dann anders behandelt wirst. :)

Kommentar von Cny2456 ,

Das Problem ist dass auf dem Ausweis 60 steht. Ich würde es ja auch nicht sagen.nur wenn die sehen, dass ich leicht zittere und nachfragen, dann muss ich denen das ja irgendwie erklären :) und wenn dann auf dem Ausweis 60 steht....

Kommentar von Denso95 ,

Naja, ich glaub dann musst du das denen auch so mitteilen. Sag halt dasselbe wie hier - eigentlich sind es nur noch 20 %. Niemand wird dich dafür loswerden wollen, im Gegenteil, die Firma muss weniger Ausgleichsabgabe zahlen und man wird dich gerne behalten. Sind ja rechtlich 60 und wirklich 20 wenn ich das richtig verstehe. ^^

Kommentar von Familiengerd ,

dann muss ich denen das ja irgendwie erklären :) und wenn dann auf dem Ausweis 60 steht....

Du musst auch dann niemandem erzählen, Du hättest eine anerkannte Behinderung mit deinem GdB 60, kannst "irgend etwas erfinden" und musst auch niemandem Deinen Ausweis zeigen, wenn Du das nicht willst.

Kommentar von Familiengerd ,

Auch eine Behinderung von 50 GdB oder mehr muss nicht angegeben werden, wenn sie für die auszuübende Tätigkeit nicht von Bedeutung ist (AniRat hat dafür ja schon ein Beispiel genannt) und der Betroffene nicht die Vergünstigungen in solchen Fällen (z.B. ein höherer Urlaubsanspruch) in Anspruch nehmen will.

Antwort
von altgenug60, 10

Nein, musst du nicht. Und der Arbeitgeber darf dich auch deswegen nicht kündigen. Aber wenn du einen unbefristeten Ausweis mit 60 GdB hast, dann schmeiss den mal nicht weg. Man weiss nie, was das Leben noch so bringt. Und dann kannst du immer noch zur Erlangung deiner Nachteilsausgleiche diesen Ausweis aus dem Hut zaubern. Alles Gute für dich!

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