Frage von seconds, 146

Muss ich den Unterhalt des Kindes nachzahlen?

Hallo an Alle ! Ich hoffe, Ihr könnt mir helfen.

Seit 2 1/2 Jahren ist mein nun 15 jähriger Sohn beim Vater.

Da ich kaum mehr meinen Sohn sehen konnte und ich zusätzlich viele andere Sorgen hatte, war es mir nur möglich, einer Teilzeitstelle nachzugehen, bei welcher ich 800 Euro netto erhalten habe.

Ich legte dem Jugendamt die Gehaltsabrechnung sowie 2 x einen Arzt-Attest ordnungsgemäß vor.

Seit Ende letzten Jahres wollte dies dann die Rechtsanwältin meines Ex-Mannes übernehmen.

Sie fordert jetzt den kompletten Unterhalt dieser 2 1/2 Jahre zurück, da ich nun einen Erlös von einer Versteigerung bekomme.

Meine Frage, ist dies zulässig oder muss ich aufgrund meiner oben genannten Situation nichts mehr nachträglich zurückbezahlen?

Ich danke herzlich !

Antwort
von DFgen, 43

Entscheidend ist hier, ob der Unterhalt für die zurückliegende Zeit tituliert war oder nicht:

Seit der Junge bei seinem Vater gemeldet ist, wärst du ihm zwar unterhaltspflichtig gewesen, der Vater hätte über diesen Unterhalt von dir aber erst einmal einen Titel erstellen lassen müssen, um ihn - damals oder jetzt - ggf. einfordern bzw. einklagen zu können.

Hat der Vater 

  • entweder keinen solchen Titel ausstellen lassen 
  • oder war eine Titelerstellung nicht möglich, weil du zu der Zeit nachweislich unverschuldet "nicht leistungsfähig" warst, 

so kann für die zurückliegende Zeit nun nachträglich nichts mehr von dir gefordert werden.

Wenn der Unterhalt für die zurückliegenden Zeit aber "tituliert" war, 

  • sich durch Nichtzahlung daraus Unterhaltsschulden angehäuft haben
  • und diese Schulden regelmäßig von dir gefordert/ angemahnt wurden (mind. einmal jährlich)...

könnten diese Schulden auch jetzt noch nachträglich von dir gefordert werden (Verjährungsfrist 30 Jahre).

____________

Für die Berechnung (und Titulierung) von laufendem Unterhalt kann nur das regelmäßige "unterhaltsrelevante Einkommen" des Unterhaltspflichtigen herangezogen werden, jedoch nicht sein Vermögen, Besitz, Ersparnisse etc. 

Nur für die Einforderung titulierter Unterhaltsschulden kann auf das Vermögen, Ersparnisse, Erbe des Unterhaltsschuldners zurückgegriffen werden.

_____________

Ich legte dem Jugendamt die Gehaltsabrechnung sowie 2 x einen Arzt-Attest ordnungsgemäß vor.

Dann hätte demnach also auch kein Titel gegen dich erstellt werden können  - und somit könnte auch nichts für die zurückliegende Zeit nachgefordert werden.

Der Vater bzw. die Beistandschaft des Jugendamtes (oder auch seine Anwältin) sind berechtigt, dein Einkommen hinsichtlich deiner "Leistungsfähigkeit" zu "laufendem Unterhalt" alle zwei Jahre prüfen zu lassen, bei berechtigtem Anlass (z.B. wenn du kürzlich einen Vollzeit-Job begonnen hast o.ä. ...) auch schon vor Ablauf der zwei Jahre...

Kommentar von seconds ,

Herzlichen Dank für ihre ausführliche Schilderung ! 

Kommentar von momo150570 ,

Super Erklärung! Das habe sogar ich verstanden, danke

Antwort
von Othetaler, 60

Bei entsprechendem Einkommen bist du natürlich unterhaltspflichtig.

Sofern das Jugendamt in Vorleistung getreten ist, kann die auch rückwirkend eingefordert werden.

Konkret solltest du dich da aber anwaltlich beraten lassen.

Kommentar von seconds ,

Entsprechendes Einkommen war nicht vorhanden 

Kommentar von Elfi96 ,

Aber der Erlös aus der Versteigerung ist auch Einkommen!  Bist mir echt eine feine Mutter! Es gibt halt nicht nur Väter, die sich um die Unterhaltszahlungen drücken. 

Antwort
von rasperling1, 28

Unterhalt kann rückwirkend ab demjenigen Zeitpunkt verlangt werden, als erstmals eine Aufforderung zur Unterhaltszahlung kam.

Antwort
von momo150570, 55

Und was sollst du dann zurückbezahlen?

Antwort
von aloisff, 40

Dein ganzes Posting versucht uns zu vermitteln wie schlecht es Dir geht und nur in einem Nebensatz erwähnst Du den Erlös einer Versteigerung; einen Erlös in einer Höhe der es möglich macht den Kindesunterhalt für 2 1/2 Jahre in einem Schlag zahlen zu können. 

Das macht (nicht nur) mich stutzig, welcher 'wirklich Mittellose' hat denn solche Werte zu Hause rumliegen (bzw. Immobilien in einem solchen Wert). Das liest sich so, als ob Du Dein Einkommen (z.B. als Geschäftsführerin eines Unternehmens welches indirekt auch Dir gehört) wegen des Kindesunterhalt  bewusst klein gerechnet hast, dann ist es doch schön, dass sie Dich doch noch gekriegt haben....

Kommentar von DFgen ,

Für "laufende Uunterhaltszahlungen" ist nur das Einkommen eines Unterhaltspflichtigen relevant, nicht sein Vermögen, Ersparnisse o.ä.

Wenn die Frau zum damaligen Zeitpunkt nachgewiesen hat, dass sie unverschuldet (z.B. wegen Krankheit o.ä....) nicht in der Lage war, ein Einkommen über dem Selbstbehalt zu erzielen, so dass kein Unterhaltstitel gegen sie erstellt wurde, kann jetzt auch nichts mehr nachgefordert werden.....

Kommentar von aloisff ,

...eben....die Rückforderung vom Anwalt deutet doch auch darauf hin, dass ein Unterhaltstitel in entsprechender Höhe existiert, das Einkommen zu Beginn der Unterhaltszahlungen entsprechend höher war...

Kommentar von DFgen ,

Vermögen, Ersparnisse, Eigentum... werden nicht auf das regelmäßige Einkommen eines Unterhaltspflichtigen angerechnet.

Die Fragestellerin hat dem Jugendamt ihr Einkommen und die aus Krankheitsgründen fehlende Leistungsfähigkeit nachgewiesen, somit dürfte eigentlich kein Titel erstellt worden sein.

Die Anwältin ist gehalten, für ihren Mandanten das "Höchstmögliche" rauszuholen, wird also möglicherweise den Versuch unternehmen, auf einen Topf zuzugreifen, dessen Deckel sie eigentlich nicht mal anheben dürfte....

Kommentar von aloisff ,

Naja, ich spekuliere nur, dass die Situation anders ist als die Fragestellerin hier zugibt und Du versuchst mir die Situation aus der Position zu erklären in der Du sie siehst (also auch nur spekulierst)...da können wir stundenlang Posten, das bringt nix...

Kommentar von Kathyli88 ,

Ich kenne jemanden der 4 villen besitzt, in einer davon wohnt er selbst, hat insgesamt 13 kinder, und die villen sind alle vermietet. Aber, er hat keinen mietvertrag gemacht und ein bekannter von ihm nimmt auf einem geheimen auslandskonto die gelder entgegen. Er bekommt pro vermietung zwischen 2000-4000€ monatlich. Sein monatliches einkommen beläuft sich somit auf etwa 10.000€

Er arbeitet nicht und verdient nichts, versteuert wird auch nichts. Er hat noch keinen cent kindesunterhalt bezahlt und bei den behörden kommt ihm keiner drauf. Der scheißt sich nichts um irgendein kind. 

Und nein, ich persönlich habe damit rein gar nichts zu tun, ich bin verheiratet und wir ziehen unsere kinder gemeinsam groß. 

Ich meine mal der anstand sagt einem eigentlich, wenn man geld hat, sollte man es auch nutzen um seinen verpflichtungen nachzukommen egal ob man von gesetzlicher seite her nun belangt werden kann oder nicht. Ansonsten ist man nur ein ganz armseeliger mensch, der sich auch nicht wundern braucht wenn im alter keiner da ist um einen zu pflegen oder man im altersheim hockt. Die kinder suchen oft das altersheim aus. Ich persönlich tue mein möglichstes für meine kinder, immer. 

Antwort
von MancheAntwort, 49

Also.... die gegnerische Anwältin kann vieles.... aber nicht fordern !

Das kann höchstens das Gericht oder das Jugendamt !

Ich würde es drauf ankommen lassen !

Antwort
von momo150570, 48

Wenn du den Unterhalt zu Unrecht bekommen hast, weil dein Sohn schon gar nicht mehr bei dir gelebt hat, kann er zurückgefordert werden.

Kommentar von seconds ,

Hast du falsch verstanden. Ich habe keinen Unterhalt bekommen

Kommentar von Kathyli88 ,

Wenn du damals keinen unterhalt bezahlen konntest, weil dein einkommen zu gering war oder du gar kein einkommen hattest, geht das jugendamt evtl. zwar in vorleistung und bezahlt kindesunterhalt, denn die zahlungsunfähigkeit eines elternteils soll schließlich kein nachteil für das kind sein, aber deine unterhaltsverpflichtung bleibt trotzdem bestehen. Entweder an das jugendamt oder an den anderen elternteil welcher die fürsorge, aufsichtspflicht und erziehung des kindes übernimmt. Solltest du dann nachträglich zu einer höheren summe geld kommen, muss dies natürlich nachbezahlt werden. Du fändest es doch auch frech, wenn du das kind mit allem nötigen versorgen müsstest was es braucht sowohl noch erziehen, aufpassen usw. aber du jahrelang keinen unterhalt brkommst....und dann würde dein ex-partner eine größere summe bekommen (erbe,verkauf, sonstiges) und könnte dann alles für sich verbrauchen und welche kosten du die letzten jahre gehabt hast wären scheißegal. Das würdest du doch ungerecht empfinden oder?

Antwort
von playst45, 39

Ja das geht, denn normalerweise hättest du ja den Unterhalt der 2 1/2 Jahre gezahlt, dar dies aber nicht möglich war musst du diesen aber wenn es dir wieder finanziell möglich ist nachzahlen. Und eins kann ich aus Erfahrung sagen, da kommt einiges zusammen.

Kommentar von DFgen ,

Nur, wenn der Unterhalt tituliert worden wäre, müsste er später zurückgezahlt werden.

Wurde zum damaligen Zeitpunkt kein Titel erstellt, kann nun auch nichts mehr eingeklagt werden für die zurückliegende Zeit.

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