Frage von Ruth67, 82

Muss ich den Erben meines Stiefvaters Nachweise vorlegen, wie er zu Lebzeiten sein Geld ausgegeben hat?

Mein verstorbener Stiefvater hatte zu Lebzeiten eine größere Versicherungszahlung auf mein Konto zahlen lassen. Etwa die Hälfte des Geldes habe ich ihm wunschgemäß nach Bedarf bar ausgezahlt, der Rest ist noch auf meinem Konto. Nun ist er leider verstorben und seine (5 Jahre verschollene) Familie aufgetaucht, welche natürlich erbberechtigt ist. Selbstverständlich werde ich die verbleibende Summe den Erben auszahlen. Jedoch fordern die Erben von mir auch Nachweise, wann, wieviel und wofür ich meinem Stiefvater Geld von der Versicherungssumme gegeben habe. Aber zu der Zeit lebte er doch noch und es war sein Geld! Muss ich die geforderten Nachweise tatsächlich erbringen? Und: kann ich die verbleibende Summe einfach auszahlen, oder müsste ich mir irgendeine Art von Erb-Berechtigung vorlegen lassen? Schließlich ist es ja nicht mein Geld

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von juergen63225, 39

Ich denke in den bisherigen Antworten sind noch ein paar Sachen nicht berücksichtigt: man muss da ein paar Fragen stellen, und die Konsequenzen überlegen.

War hat er dir das Geld zukommen lassen ? Und wie ?

Hat er die Versicherung zu Deinen Gunsten abgeschlossen, und die ist dann bei Fälligkeit Dir von der Versicherung ausgezahlt worden ? Dann hättest du möglicherweise eine (steuerlich nicht relevante) Versicherungsauszahlung bekommen. Und IHM dann Geldgeschenke gemacht. 

Oder war es ein Versicherung die auf Ihn selbst als Begünstigten lief, er hat aber als Auszahlungskonto Dein Konto angegeben, dann hast du erst mal eine Schenkung bekommen. (20.000 Euro Freibetrag bei Nicht Verwandten .. es sein denn du wurdest adoptiert) .. könnte also Steuerliche Konsequenzen haben wenn ihr das per Streit vor Gericht behandelt. 
Schlimmstenfalls ist zwar nachweisbar, dass Du das Geld bekommen hast (Steuerpflichtige Schenkung) aber nicht die Rückzahlungen .. dann zahlst du auf alles Schenkungssteuer.

Wenn du einen Vertrag hattest - Verträge brauchen keine Schriftform,  mündliche Verträge gelten auch, nur .. wie nachweisen ?  .. könnte aber problematisch sein, wenn du das Bank und Finanzamt gegenüber verschwiegen hast ... und überall angegeben: ich handle für eigene Rechnung.

Aber es gibt noch eine üblere Variante: WARUM hat der Stiefvater dass dir übertragen, wenn er es dir gar nicht schenken wollte ? .. Wenn dahinter Steuer oder - Sozialbetrug steht, er z.B. Hartz IV bekommen hatte, dann hast du Beihilfe geleistet .. gegen den Verstorbenen wird kein Strafverfahren gemacht, nur das Geld zurückgefordert .. aber auf dich würden die zugreifen können. 

In diesem Fall sollten weder Du noch die Erben ein Interesse daran haben, irgendwas dazu vor Gericht zu bringen ... 

+++

Nächster Punkt wäre das Erbrecht: Wer sind denn "Die verschollene Familie" ? Kinder, Exfrau, Geschwister, Enkel ? ... Wenn Sie die Erbschaft beanspruchen und zugesprochen bekommen, haben aber nur die Kinder einen Pflichtteilsanspruch, bzw 
Pflichtteilsergänzungsanspruch

Nur darauf könnten Sich Erben berufen, wenn Sie was von dir wollten.

+++

Fazit

Ich würde keinesfalls schnell Geld rausrücken,solange die Rechtslage nicht klar ist, und solange du nicht sicher bist, dass keine Forderung vom Finanzamt auf Dich zukommen könnten. Im Zweifel würde ich Rat eher beim Steuerberater als beim Anwalt anfragen .. Wenn die Hälfte noch da ist, kannst du den Pflichtteil auszahlen und musst sowieso keinen Nachweis führen was du mit Deinem Geld gemacht hast.

Kommentar von Ruth67 ,

Es handelte sich um eine Betriebs-Rentenversicherung, die ihm persönlich zustand. Er hat diese auf mein Konto überweisen lassen, weil er "nicht mit Geld umgehen" konnte und sein Girokonto überzogen war. Es war niemals als Schenkung gedacht - eigentlich sollte ich es lediglich "verwalten". Das (beleglos) ausgezahlte Bargeld hat er benutzt, um zunächst private Schulden zu bezahlen.

Ich wollte eigentlich nur helfen und bin jetzt total entsetzt, was daraus werden kann!!!

Kommentar von FordPrefect ,

Es handelte sich um eine Betriebs-Rentenversicherung, die ihm persönlich zustand.

Also eine Einmalzahlung; das kann dann eigentlich nur eine Versicherung in Form einer KLV gewesen sein (bei der bAV ist eine Einmalzahlung WIMRE ausgeschlossen).

Er hat diese auf mein Konto überweisen lassen, weil er "nicht mit Geld umgehen" konnte und sein Girokonto überzogen war

Das ist schlecht. Sogar sehr schlecht. Denn hier handelt es sich um eine Schenkung, verbunden möglicherweise mit dem Ziel der Gläubigerschädigung.

Es war niemals als Schenkung gedacht - eigentlich sollte ich es
lediglich "verwalten".

Dann hätte das Geld nie auf ein nur auf dich laufendes Konto eingezahlt werden dürfen.

Das (beleglos) ausgezahlte Bargeld hat er
benutzt, um zunächst private Schulden zu bezahlen. 

Das könnte je nach Falllage sogar strafrechtlich relevant sein, und - sofern keine Verjährung eingetreten ist - zur Rückabwicklung der gesamten Schenkung führen. Bitte unverzüglich einen Anwalt aufsuchen.

Antwort
von FordPrefect, 41

Mein verstorbener Stiefvater hatte zu Lebzeiten eine größere Versicherungszahlung auf mein Konto zahlen lassen.

Warum macht man sowas?

Etwa die Hälfte des Geldes habe ich ihm wunschgemäß nach Bedarf bar ausgezahlt, der Rest ist noch auf meinem Konto.

Dann kann ich nur hoffen, du hast dir die Auszahlungen quittieren lassen.

Selbstverständlich werde ich die verbleibende Summe den Erben auszahlen.

Gut so.

Jedoch fordern die Erben von mir auch Nachweise, wann, wieviel und
wofür ich meinem Stiefvater Geld von der Versicherungssumme gegeben
habe.

Es ist dir dringend anzuraten, dir hier juristische Unterstützung zu holen.

Aber zu der Zeit lebte er doch noch und es war sein Geld!

Nein. genau das ist dein Problem. Mit der Überweisung / Auszahlung auf dein Konto ist die Gesamtsumme als Schenkung zu qualifizieren, weil durch den Eingang auf ein Bankkonto auf deinen Namen zunächst ein Besitzübergang erfolgt ist. Und bei Schenkungen zu Lebzeiten gilt das Abschmelzungsprinzip; für 10 Jahre nach erfolgter Schenkung wird die Schenkungssumme vom Pflichtteil der anderen Erbberechtigten um je 1/10 reduziert. Nach 5 Jahren steht den Miterben somit ein Pflichtteilsergänzungsanspruch aus der Hälfte der Schenkungssumme zu. Abzuziehen wären ggfs. Versorgungsleistungen an den Schenker, aber das ist ein komplexes Feld, und ohne juristischen Beistand kaum schadlos zu queren.

Muss ich die geforderten Nachweise tatsächlich erbringen?

Wofür du dein Geld (und das ist es ) ausgegeben hast, ist deine Sache. Allerdings läge es in deinem eigenen Interesse, nachzueisen, welche Beträge an den Schenker zurückgezahlt wurden.

Antwort
von BarbaraAndree, 49


"Jedermann ist bis zu seinem Tod dem Grunde nach berechtigt, frei über sein

Vermögen zu verfügen. Mit den Vermögenswerten, die einem gehören, kann
man machen was man will. Wenn man sein Vermögen aber zu Lebzeiten an einen Dritten verschenkt, kann es Komplikationen mit dem Erbrecht geben."


Quelle :http://www.erbrecht-ratgeber.de/erbrecht/vorweggenommene-erbfolge/vermoegen-vers...

Wenn du aber so einer Front von Erben gegenüberstehst, dann würde ich empfehlen, dir Rat und Unterstützung bei einem Rechtsanwalt für Erbrecht einzuholen. Der kann dir oder vielmehr den Erben mitteilen, ob sie das Recht haben, auch zu den Lebzeiten deines Stiefvaters über dessen Lebensunterhaltskosten nachträglich informiert zu werden. Und dann ist auch noch die Antwort von tuedelbuex richtig, sie werden "ausgezahlte Summe "verbraten" hast und sie komplett einfordern....."


Antwort
von akkurat01, 27

Auf jeden Fall einen guten Fachanwalt in Erbrecht einschalten. Vielleicht ist es ganz einfach aber vielleicht ist es auch ganz kompliziert.

Und dann gehst du dir noch eine Zweitmeinung bei einen weiteren Anwalt einholen. Wenn du großes Glück hast sagen die Anwälte annähernd das gleiche. Das würde sicher weiterhelfen.

Aber ohne Anwalt geht gar nichts.

Antwort
von tuedelbuex, 38

Die Aasgeier kreisen also......Nimm Dir einen Anwalt! Sie werden Dir unterstellen, dass Du die an Deinen Stiefvater ausgezahlte Summe "verbraten" hast und sie komplett einfordern.....

Kommentar von FordPrefect ,

Die Summe erhielt der OP, nicht der Stiefvater. Es handelt sich steuerrechtlich um eine Schenkung.

Kommentar von tuedelbuex ,

Der OP? 

Kommentar von FordPrefect ,

Original Poster.

Man kann auch TE schreiben (Thread Ersteller bzw. Thema Ersteller), aber gängig ist das nicht.

Kommentar von tuedelbuex ,

O.K.! Danke....wobei TE mir durchaus geläufig war, OP allerdings nicht.

Antwort
von jimpo, 19

Da stellt man sich doch die Frage, warum wurde das Geld auf dein Konto überwiesen. Nur um den Schein zu wahren, daß Dein Stiefvater bedürftig war? Irgendwas war da nicht in Ordnung. Da kann man sich keinen Reim draus machen.

Kommentar von jimpo ,

P.s. Oder sollte die Verwandtschaft nicht erfahren daß da was zu holen ist und das Geld deshalb auf Dein Konto überwiesen wurde?

Antwort
von DrDralle, 22

An deiner Geschichte ist einiges faul, bzw unglaubwürdig. Ein Fachanwalt kann dir helfen.

Kommentar von Ruth67 ,

Was bitte ist unglaubwürdig, oder was erscheint "faul"???

Kommentar von DrDralle ,

Das fängt schon damit an, dass sich jemand eine Versicherungssumme auf ein Fremdkonto auszahlen lässt. Er wird doch wohl ein eigenes Konto gehabt haben. Oder wie ist er zu seiner Rente gekommen?

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