Frage von evelino619, 234

Muss ich Anwaltskosten zahlen, auch wenn ich keinen eingeschaltet habe?

Hallo ich brauche Eure Hilfe zu einer sehr dummen Lage. Hier erstmal die Sachlage: Wir sind zum 1. August 2015 hier in die Wohnung gezogen. Wir zahlen Warmmiete mit Wasser-/Heizkosten (steht genauso im Mietvertrag mit 30€ pauschal). Bei der Übergabe hat mein Freund die Vermieterin gefragt, ob wir noch etwas anmelden müssen, da ihm die Nebenkosten niedrig vorkamen. Sie meinte nein, wir müssten nur Strom anmelden. Auch ein Blick in den Mietvertrag sagte mir, dass wir ja schon monatlich für Wasser und Heizung zahlen und als Heizungsart steht auch im Mietvertrag Gasheizung. Jetzt wurde unsere Vermieterin vom Gasanbieter verklagt, weil sie bzw. wir kein Gas gezahlt haben. So kam jetzt raus, dass wir das hätten anmelden müssen. Uns war das aufgrund ihrer Aussage bei der Wohnungsübergabe und wegen dem was im Mietvertrag steht nicht bewusst. Unwissenheit schützt vor Strafe nicht - ja das ist uns bewusst und auch, dass wir natürlich das Gas nachzahlen müssen. Jetzt kommt aber der Oberhammer: Unsere Vermieterin hat uns einen Brief zukommen lassen (siehe unten), dass wir für das ganze Jahr 2015 Gas zahlen sollen, Plus noch IHRE Anwaltskosten, den Sie aber eingeschaltet hat und NICHT WIR. Die Frage: Was machen wir jetzt? Das kann doch unmöglich rechtens sein, dass wir Gas für 7 Monate Gas zahlen sollen, obwohl wir hier gar nicht gewohnt haben UND noch einen Anwalt bezahlen müssen, den SIE eingeschalten hat!? Ich bin über jede Antwort sehr sehr dankbar!!!

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von LoeweLips, 81

Die Sache muss für die Klarheit, etwas geordnet werden.

Ihr habt eine Wohnung mit eigener Gasheizung angemietet. Wegen eines Missverständnisses habt ihr vergessen, euch beim Gaslieferanten anzumelden und einen Liefervertrag abzuschließen.

Das kann passieren. Der Vermieter hätte sicher hier schon hilfreicher mitwirken können.

Irgendwann lesen die Versorger turnusmäßig ab und stellen nun einen Verbrauch fest. Denn Versorger interessiert ja die Vermietungssituation nicht, der schickt seine Rechnung an den zuvor angemeldeten Kunden (Vermieter), mit dem er auch einen Vertrag hat. Auch der Vermieter hätte hier die Ummeldung vornehmen können.

Setzt euch mit dem Gasanbieter (Rechnung) in Verbindung. Ihr habt wegen einem Missverständnis, die zeitnahe Anmeldung versäumt. Das ist bei den örtlichen Versorgern Tagesgeschäft, weil es häufig vorkommt.

Ihr übermittelt eure Daten (Datum Einzug, Zählerstand) und bittet um eine Korrektur der Abrechnung, sowie um nachträglichen Abschluss eines Versorgungsvertrages. 

Das machen die, darauf habt ihr auch Anspruch. Die jetzige, streitgegenständliche Rechnung wird damit hinfällig.

Die Anwaltskosten muss der Vermieter verauslagen .

Er bekommt vom Gasversorger die Rechnung und geht zum Anwalt. Es ist ganz klar ein Sachverhalt zwischen Vermieter und Gasversorger, somit seit ihr gar nicht Partei des Verfahrens, das ist das Eine.

Wenn der Vermieter etwas unbedarft ist, darf er gerne (gleich) zum Anwalt gehen, sollte diesen dann aber auch bezahlen wollen. 

Zweitens. Ihr seit auch nicht in Verzug (§286 BGB), da euch eine Mahnung bisher nicht erreicht hat. Die wird der Vermieter wohl in seiner Ablage gesammelt haben.

Somit seit ihr auch nicht verpflichtet die Kosten für die anwaltliche Mahnung zu übernehmen, die im übrigen nur nach öffentlichen Gebührenrecht (RVG) verlangt werden kann.

Diese Mahnung ist somit als erste Mahnung zu werten und kann ggf. erst den Verzug auslösen.

Aber es ist nicht die Sache des Vermieters Inkasso für den Gasanbieter zu betreiben.

Auch fehlt es, soweit man auf einen sachkundigen und besonnenen Vermieter abstellt, an der Notwendigkeit anwaltlicher Hilfe. 

















Kommentar von evelino619 ,

Hammer Antwort! Vielen vielen lieben Dank!!!!!

Antwort
von FordPrefect, 114

Hier kommt es auf den genauen Wortlaut des Mietvertrages an. Wenn dort expressis verbis eine Warmmiete mit einer pauschalen Anrechnung in Höhe von € xy monatlich genannt wird, ist die Nebenkostenabrechnung per se hinfällig und ebenso die Rechnung der Vermieterin.
Selbst gesetzt den Fall, im MV wäre nur eine Vorauszahlung in der genannten Höhe vereinbart, kann die NK Abrechnung euch betreffend erst ab 08/2015 greifen. Schon allein deswegen ist die Abrechnung ungültig. Bitte umgehend der Abrechnung schriftlich widersprechen und die gesamte Angelegenheit einem Anwalt übergeben, ggfs. via Mieterbund.

Antwort
von Schokolinda, 113

nach meiner meinung brauchst du das nicht zu bezahlen.

die vermieterin wurde verklagt, nicht du - das zeigt nach meiner ansicht, wer der wirklich schuldige in der angelegenheit ist, denn dich hätten sie ja leicht ermitteln und dich verklagen können. mit der anzeige wird man wohl an der richtigen adresse gewesen sein.

außerdem kannst du nicht wissen, wie die heizung geregelt ist. es könnte eine holzheizung im keller stehen, die der vermieter mit dem holz aus dem eigenen wald betreibt. da ist vieles möglich. du musst nicht wissen, dass "dein" haus einen vertrag mit dem gaswerk hat - darauf hätte dich die vermieterin hinweisen müssen.

es steht ja auch so in deinem mietvertrag. warmmiete - inklusive wasser und heizkosten.

es sieht für mich aber NICHT so aus, als würde sie die heizkosten für das ganze jahr verlangen. der abrechnungszeitraum ist immer ein jahr. da steht aber was vorn vormieter, der auch was zu zahlen hat. schau nochmal genau, was da steht. auch in den mietvertrag - nicht dass da doch noch was von gaswerk steht.

ich würde nur die heizkosten zahlen, den rest nicht.

möglicherweise kann euch der mieterverein beraten.

Antwort
von LoeweLips, 39

Die (Betriebskosten) Abrechnung solltet ihr mal in Ruhe, sorgfältig prüfen.

Sofern im Mietvertrag wirklich eine Betriebskostenpauschale vereinbart worden ist, kann gar keine Nachzahlung  verlangt werden. Das ist der Sinn einer Pauschale, dass man beiderseitig auf eine Abrechnung verzichtet und ein Anspruch auf Nachforderung oder Rückzahlung  ausgeschlossen wird. 

Sofern auch die Heizkosten ausdrücklich eingeschlossen sind, müssten auch die Gaskosten hier mit abgegolten sein.

Zunächst müsste also der Mietvertrag nochmals genau geprüft werden.

Falls doch  eine Vorauszahlung vereinbart wurde müsste man die Abrechnung prüfen.

Die Saldenaufstellung ist für eine Abrechnung schon sehr abenteuerlich und rechnerisch auch falsch. Sachlich, ist die offensichtichl auch nicht in Ordnung. Es wird auf den Saldo, des ganzen Jahres, ein anteiliger Betrag addiert und dann aufgeteilt. 

Für die Anwaltstätigkeit werden ja über 230 Euro gefordert. Ich halte den Grund und die Notwendigkeit für nicht glaubhaft. Wenn, doch, dann kann bestenfalls Schadenersatz verlangen werden, dass setzt aber voraus das ein Verzug bestand und die Kosten notwendig waren. Ebenfalls muss die Vermieterin sich ein Mitverschulden zurechnen lassen, was überwiegen dürfte. Weitere Zahlungen an die Vermieterin, sollten nur nach sorgfältiger Prüfung erfolgen.

Für den seltsamen Fall, dass ihr "anwaltlicher Freund" Ärger machen möchte, könnte man ihm die Möglichkeit unterbreiten, die Sache mal als Beschwerde, bei der zuständigen Anwaltskammer vorzutragen. Wenn er wirklich Anwalt ist, wird er das verstehen.   

Antwort
von danino29, 102

Das Ganze ist alles seltsam irgendwie. Als Erstes würde ich mich beim deutschen Mieterbund anmelden. Kostet zwar bisserl, aber Ihr seid doch recht gut auf der sicheren Seite.

Zahlen für die Monate, für die ihr dort gar nicht gewohnt habt, geht natürlich nichtf!

Bevor geklagt wird, hat der "Gaslieferant" wo auch immer erst mal Mahnungen hingeschickt, nur wenn man auf diese nicht reagiert, dann kommt irgendwann vielleicht die Klage.

Also 30€ für Wasser und Heizung hätte euch auffalen müssen, dass das sehr wenig ist .... heizen ist nicht so günstig!

Den Anwalt, den Eure Vermieterin bestellt hat, müsst Ihr natürlich nicht zahlen!

Also, erst mal ab zum Mieterbund und alles überprüfen lassen!

Kommentar von evelino619 ,

Lieben Dank für deinen Tipp und deine Hilfe! Mahnschreiben haben wir nie bekommen und sie behauptet, dass sie auch nie welche bekommen hat. Finden das auch sehr seltsam. Aber nochmals danke für deine Hilfe jetzt wissen wir was zutun ist :)

Kommentar von danino29 ,

Ihr könnt bei der Badenova erfahren, wo Rechnungen und Mahnungen hingeschickt wurden! Notfalls über Mieterbund oder Anwalt, falls Ihr keine Auskunft bekommen solltet ....

Kommentar von danino29 ,

Sorry, habe gerade erst den Brief von Eurer Vermieterin gelesen. Scheint so, als sei sie für Euch in Vorleistung getreten bzgl. Gas.

Wenn das wirklich so im Mietvertrag steht, dass Ihr für Wasser/Heizung 30 € bezahlt, dann sieht es für Eure Vermieterin übel aus, denke ich, sollte es aber so sein, dass Ihr nicht reagiert habt, auf Schreiben von Eurer Vermieterin bzgl. Erstattung von ihr verauslagten Gas-Abschlägen, könnte es passieren, dass Ihr sämtliche Kosten dieser Angelegenheit übernehmen müsst ....

Ominös finde ich, dass Ihr nach nicht einmal 1 Jahr die Wohnung schon wieder gekündigt habt! ? Was ist der Grund?

Antwort
von BenniXYZ, 73

Nein, mußt du nicht. Es bezahlt den Anwalt, wer ihn bestellt. Der Gasanbieter weiß garnicht, daß es euch gibt. Er hat sich an die Vermieterin gewendet, sie ist Vertragspartner. Und sie hat auch die Mahnschreiben bekommen. Sehr löblich, wenn ihr das Gas bezahlen wollt. Da sollen sie mal die Monate auseinander rechnen.

Was du zeigst, ist eine Betriebskostenabrechnung. Damit geh mal zu einer Verbraucherzentrale oder zum Mieterschutzbund.

Deine Vermieterin hält dich wohl für ein wenig (ich sag nicht blöd) minderbemittelt.

Kommentar von evelino619 ,

Das hast du richtig erkannt danke Benni! Ich glaube auch nicht, dass die Mahnschreiben einfach verloren gegangen sind. Und kann keiner erzählen, dass die erst nach einem Jahr die neue Adresse der Vermieterin herausgefunden haben. Finde auch die hält und für blöd. Morgen gehen wir mit Mietvertrag, dem Schreiben und der Abrechnung zu einem befreundeten Versicherungskaufmann der sich da bestens auskennt. Dann werden wir auf jeden Fall Widerspruch einlegen. Vielen Dank für deine Infos und deinen Rat! LG

Antwort
von LoeweLips, 55

Gern geschehen.

Ich hatte, dass nette Schreiben der Vermieterin übersehen. 

Ich glaube die "Story" der Vermieterin hakt etwas. Das beigeschlossene Anwaltsschreiben und die  Korrespondenz mit  der "Badenova" solltet ihr euch noch mal ganz genau (!) angucken.  

Kommentar von evelino619 ,

Ja im Anwaltsschreiben sind die zwei per du und er schreibt ihr, dass sie von uns ruhig 100€ verlangen kann. Die Mahngebühren stehen auf der Abrechnung mit drauf - sind aber eigentlich an sie gerichtet. Ich verstehe auch nicht warum die Badenova erst nach einem Jahr ihre Adresse herausgefunden hat.

Kommentar von LoeweLips ,

Ja, dann verdichtet sich mein Verdacht noch mehr. Da möchte die Gute euch veralbern, wenn man es ganz höflich formuliert.

Seit da vorsichtig. 

Ich habe das Schreiben erst gar nicht gesehen. Ich hatte da eine bestimmte Vorstellung. Jetzt wo ich das Schreiben gelesen habe, passt dieses Bild gar nicht mehr.  

Und auch sachlich gibt das Ganze kein stimmiges Bild. "Einstweilige Verfügung"? Ein locker verhandeltes Anwaltshonorar. Wenn das bei Gericht anhängig war und das schreibt sie ja, geht das gar nicht. Die Gebühr ist gesetzlich vorgeschrieben, da darf er nicht weniger nehmen. Die Gute, meldet sich auf Mahnungen (monatelang) nicht. Hat auch sonst keine Ahnung. Es wird eine Verhandlung vom Gericht terminiert. Selbst da ist sie noch still. Nimmt dann extra Urlaub und fährt persönlich zu Gericht, um "Rede und Antwort zu stehen".

Glaubwürdig ist das nicht. 

Antwort
von Repwf, 118

Das wäre rechtens wenn Sie recht bekàme! Dann müsste sie ihn ja quasi einschalten wegen euch, dann hat sie auch das Recht das Geld von euch wieder zu firdern!

Ich würde allerdings erstmal prüfen lassen ob ihr wirklich zahlen musst! Incl heizkosten ist incl! 

Expertenantwort
von albatros, Community-Experte für Mietrecht, 2

Die Vermieterin musste keinen Anwalt für solch simplen Sachverhalt bemühen, es war ihr Privatvergnügen. Die Sache wäre auch auf dem sog. "kurzen Dienstweg" zu klären gewesen. Man muss nicht immer gleich zum Kadi rennen, es sei denn man hat zuviel Geld.

Letzten Endes entscheidet erst das Gericht, wer welche und wessen Anwaltskosten zu bezahlen sind, Das aber erst, wenn es zu einem Prozess käme.

Expertenantwort
von DerHans, Community-Experte für Recht, 65

Wenn ihr bereit über ein Jahr dort wohnt, müssen doch vorher längst Mahnungen bis hin zum Lieferstop gekommen sein.

dass jetzt ein Anwalt eingeschaltet wurde, ist eure eigene schuld. Den werdet ihr auch zahlen müssen

Kommentar von evelino619 ,

Tja wir haben aber nie Mahnungen bekommen ;) die Badenova sagt sie haben alle Mahnungen zu meiner Vermieterin geschickt :) also können wir nichts dafür weil wir DAVON nie etwas mitbekommen haben - sie uns das vllt auch verschwiegen hat

Kommentar von DerHans ,

Trotzdem werdet ihr die Kosten tragen müssen. Dass ihr das nicht gewusst habt, kauft euch niemand ab.

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