Frage von sleezie, 45

Muss ich als Freelancer immer gewerblich kaufen?

Ich habe als Privatperson von meinem privaten Konto mit meiner privaten Adresse einen Artikel gekauft. Da dieser Artikel nicht passt, wollte ich von meinem Widerrufsrecht Gebrauch machen.

Der Verkäufer meldet sich und meint, er hätte nach Recherchen herausgefunden, dass ich Freelancer bin und ex ante bewertet, dass ich diesen Artikel auch geschäftlich einsetze, mir also kein Widerrufsrecht zusteht.

Es stimmt soweit, ich setze diesen Artikel zu 70% zwar privat ein, aber zu 30% auch gewerblich, also für meine Arbeit als Freelancer. Dennoch erscheint der Artikel, bzw. dessen Rechnung nicht in der Buchhaltung, sprich ich erschleiche mir nicht den Vorteil der Abschreibung, der längeren Garantie und des Widerrufsrechtes (das würden mein Steuerberater und das Finanzamt auch gar nicht mitmachen, wenn Zahlungen vom privaten Konto abgehen und Rechnungen nicht auf meine GbR ausgestellt sind).

Widerrufsrecht und Garantie sind für mich essenziell wichtig, zum einen kann ich nie 100% genau sagen, ob der Artikel passt oder das tut, was er soll, zum anderen wegen der immer stärker zunehmenden sog. "geplanten Obsoleszenz", bei der Geräte immer häufiger nach einem Jahr Schaden nehmen. Beides kann ich mir schlicht und ergreifend nicht leisten...auch nicht als Freelancer.

Nun las ich aber von sog. "Scheinverbrauchern" und bin mir nicht mehr sicher, ob ich richtig handele.

Nennt mich naiv, aber ich ging bis dato immer davon aus, dass es nur vorzubeugen galt, einem Privatmann nicht die Möglichkeit zu geben, Gerätschaften abzusetzen, wenngleich diese privat gekauft wurden und auf der anderen Seite gewerblichen Verkäufern keine steuerlichen Vorteile einzuräumen, wenn sie als Privatmann vekaufen.

Wie verhält es sich also richtig?

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Antwort
von sodoura, 16

Ich würde erneut vom Recht auf Widerruf Gebrauch machen. Dann aber schriftlich mit Einschreiben als Rückschein und gleichzeitig mit juristischen Mitteln drohen. 

Im Zweifel vorher nochmal einen Fachanwalt fragen. Muss die teure Erstberatung sein, sondern geht schon ab 20 € bei Frag einen Anwalt & Co.

Kommentar von sleezie ,

Ja, das werde ich nun auf jeden Fall machen, allerdings kommt es mir etwas komisch vor, denn er hat mir einen Retourenschein übersendet, auf dem er als Adressat und Empfänger steht.
Wir hatten bis zu diesem Zeitpunkt eine "hitzige" Diskussion, aber als ich ihn darauf ansprach---> kein Wort mehr.

Das einzige, was mir noch quer im Magen hängt, ist die Frage nach dem "Scheinverbrauch".
Ich bestelle sehr viel Elektronik-Gedöhns, bei dem u.U. nahe läge, dass ich das auch sehr gut für meinen Beruf einsetzen kann, was in einigen Fällen auch so ist.
Für die Zukunft wäre halt noch zu klären: muss ich generell diese Ausgaben besser als Gewerblicher tätigen?

Antwort
von GoodbyeKitty1, 23

Kann er Dir den geschäftlichen Einsatz denn nachweisen? Im Zweifelsfall liegt die Beweislast doch bei ihm, nicht bei Dir (?)

Kommentar von sleezie ,

Sein Nachweis sollte dürftig ausfallen, da u.a. die Rechnungen, die ich für geschäftlich getätigten Käufe bekomme, immer auf meinen Firmennamen und meine Firmenadresse ausstellen lasse und diese von meinem Geschäftskonto bezahle. Ich unterscheide immer strikt zwischen Geschäfts- und persönlicher Ausgabe, wenn es um Abschreibungsmöglichkeiten geht. Er war auf meiner Internetseite und leitet durch meinen Beruf, einfach einen gewerblichen Einsatz ab. Im Zweifelsfall könnte aber die Beweislast bei mir liegen (was natürlich kein Problem ist). Soweit ich gelesen habe, hat er auch das Recht dazu, den Einsatz zu hinterfragen. Dies tat er allerdings nicht, sondern wies die Anfrage auf Widerruf direkt ab.


Kommentar von GoodbyeKitty1 ,

Also - ich würde mir eine solche, pauschale Unterstellung nicht bieten lassen und ihm einen Rechtsstreit anbieten wenn er es darauf anlegen möchte. Natürlich mit dem Hinweis darauf, dass Du das Gerät ja sonst über Dein Gewerbe angeschafft hättest. Die bloße Tatsache, dass Du Gewerbetreibend bist, heisst ja noch lange nicht, dass jede (!) Deiner Ausgaben gewerblich ist.

Kommentar von sleezie ,

Das habe ich ihm angeboten, aber mir scheint leider, als hätte er eben nicht ganz unrecht, denn wenn der "Verdacht ex ante" nahe läge (also "früher schonmal" oder ..."absehbar, dass..."), kann er diese Recherchen anstellen und mich zu einem Beweis zwingen, nur bin ich mir noch nicht im Klaren, ob ich nun generell ein "Scheinverbraucher" bin....

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