Frage von Spockyle, 72

Muss ein Züchter ein Fohlen direkt nach der Geburt aufheben?

Mir wurde von einem Bekannten erklärt, dass der Züchter persönlich bei der Geburt eines Pferdes anwesend sein müsse, um es sofort nach der Geburt einmal hochzuheben. Das Fohlen sei dann sein ganzes Leben davon überzeugt, dass der Züchter sehr viel stärker sei und gehorcht sehr viel leichter. Ferner sei nur so sicherzustellen, dass das Pferd später einen Reiter akzeptieren würde, weil es gerne "für den König" arbeite. Ich habe keine Ahung von Pferden, aber mir kommt das komisch vor. In freier Wildbahn kommt doch auch nicht der Leithengst und hebt das Fohlen auf... oder irre ich mich? Außerdem werden Pferde doch verkauft, muss der neue Besitzer sein (womöglich bereits erwachsenes) Pferd auch einmal hochheben? Ich freue mich über jeden, der meine Unwissenheit beendet :)

Expertenantwort
von friesennarr, Community-Experte für Pferde, 50

Wo hast du den diesen Schwachsinn gehört? Also, nein zur Frage.

Wenn man ein Fohlen aufhebt (was recht schwierig ist in anbetracht des Geburtsgewichtes von rd. 60 kg beim WB) dann nur, weil es Wasser in der Lunge hat und nicht richtig schnaufen will. Also rein Notfallmäßig.

Sehr wenige Züchter haben überhaupt die Ehre bei einer Geburt dabei zu sein, viele Stuten manchen das ganz alleine und wenn man morgens in den Stall kommt stehen da eben 2 Pferde in der Abfohlbox. Also wieder nix.

Ich bin immer bei der Geburt meiner Fohlen dabei gewesen weil meine Stuten das so wollen.

Was dir vermutlich erzählt wurde, war die Fohlenprägung auf den Menschen. In den ersten Stunden seines Lebens sind die Fohlen instinktiv bemüht, das ihnen am nächsten gelegene Lebewesen als seinesgleichen und somit ungefährlich einzustufen. In den allermeisten Fällen ist das immer die Mutterstute (andere Pferde ziehen sich, wenn eine Stute fohlt, zurück).

Nach der Prägung die nur wenige Stunden dauert, erkennt dieses Fohlen seine Mutter immer sofort wieder und die Stute auch ihr Fohlen an Geruch, Geschmack und Silouette. Wenn der Mensch in dieser Zeit seine Finger im Spiel hat, dann gewöhnt sich das Kleine auch gleich an den Menschen.

Eine normle mitprägung auf den Menschen finde ich nicht schlecht. (Das das Fohlen weis was Mensch ist und das er ungefährlich ist). Manche übertreiben diese Prägung aber und machen das Fohlen mehr auf den Menschen eingeprägt, als auf die eigene Mutter. Da aber das Fohlen später 23 Stunden am Tag mit anderen Pferden und nicht mit Menschen zusammen ist halte ich diese Art der Prägung absolut nicht gut.

Pferde sind keine Tierart, die überzeugt werden müsste, die fügen sich gerne in Ranghirarchien, das ist deren Natur. Ein Wildpferd das noch nie einen Menschen gesehen hat wird sich innerhalb kurzer Zeit in diese neue Hirarchie einfügen.

Kommentar von ponyfliege ,

tip top antwort. besser gehts nicht.

noch mal zur "freien wildbahn". bei artgerechtem leben in gruppen nimmt das ranghöchste männliche tier bereits 14 tage vor der geburt des fohlens zum ersten mal kontakt zu diesem auf, indem es seinen kopf gegen den leib der stute drückt und dort minutenlang verharrt. interessant dabei sind ohrenspiel und gesichtsbewegungen.

die stute grast dabei in aller ruhe weiter. das männliche tier ist in der regel das allererste fremde pferd, zu dem das fohlen nach der geburt von allein kontakt aufnimmt. 

wie gesagt - bei artgerechter haltung.

es steht in keinem buch und auch nicht bei wiki. ich hab das mehrmals selber so beobachtet und auch fotografiert. muss bei gelegenheit mal die bilder vom alten pc aufarbeiten zum zeigen...

Kommentar von WesternCalimero ,

Hier kann ich mich nur anschließen.

Ich kenne selbst einen Fall, in dem das Imprinting übertrieben wurde. Das Pferd wollte immer nur zum Menschen, aber nicht mehr zur Herde - dumm gelaufen -

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