Frage von Alien3ware, 107

Muss ein Azubi Überstunden leisten?

Also ich bin über 18 und in der Ausbildung in einen Verkehrsbetrieb. Laut Ausbildungsvertrag haben wir eine 38 Stunden Woche. Aber im August Dienstplan sehe ich jetzt schon das überall Überstunden sind.

Laut der IHK Website und einigen anderen Ausbildungsseiten steht drin das ein Azubi über-stunden NICHT Leisten muss (außer es besteht ein akuter Notfall, Personalmangel zählt nicht)

Beispiel:

https://www.duesseldorf.ihk.de/Ausbildung/ausbildung/Ausbildung_von_A-Z/Ueberstu...

Ich habe jetzt bei meinen Arbeitgeber angerufen und der meinte das stimmt nicht was auf irgendwelchen IHK Seiten steht und ich solle ihm ein Paragraph vorzeigen...

Weiß einer von euch ein solchen Paragraph wo das explizit drinnen steht?

Antwort
von Maximus68, 48

Nach meiner Kenntnis und Erfahrung gelten folgende Punkte:

  1. Das Jugendarbeitsschutzgesetz trifft auf dich nicht zu, da du bereits volljährig bist.
  2. Die max. Wochenarbeitszeit beträgt damit 48 Stunden (bei einer 6-Tagewoche = 8 Std./Tag).
  3. Da im Ausbildungsvertrag eine 38-Stundenwoche vereinbart ist, gilt dieses.
  4. Zu prüfen wäre, ob es anderweitige z.B. tarifliche Bestimmungen gibt, die Überstunden zulassen.
  5. Auszubildende müssen grundsätzlich keine Überstunden leisten, außer in zwingenden Notfällen. Aber auch dann gilt die wöchentliche maximale Arbeitszeit von 48 Stunden.
  6. Überstunden sind zu vergüten.

Quellen:
http://www.azubi-azubine.de/mein-recht-als-azubi/arbeitszeit.html#Arbeitszeit für Volljährige

https://www.igmetall.de/recht-so-ueberstunden-waehrend-der-ausbildung-10509.htm

https://www.duesseldorf.ihk.de/Ausbildung/ausbildung/Ausbildung_von_A-Z/Ueberstu...

Letztendlich musst nicht du nachweisen, dass Überstunden nicht zu leisten sind, sondern dein Arbeitgeber.
Bitte also deinen Arbeitgeber, dir zu zeigen, warum und unter welchen Voraussetzungen er dich als Azubi zu Überstunden verpflichten kann.

Kommentar von SmartTim98 ,

„Die max. Wochenarbeitszeit beträgt damit 48 Stunden (bei einer 6-Tagewoche = 8 Std./Tag).“

Die max. durchschnittliche Wochenarbeitszeit darf 48 Stunden betragen. Die maximale Wochenarbeitszeit kann (wenn keine andere Abmachung gilt) 60 Stunden betragen.

Antwort
von dadamat, 57

Überstunden dürfen für Auszubildene nicht geplant werden (wenn sie einen Tag / 8 Stunden erreichen oder sogar überschreiten). Bei akuten Personalengpässen kann ein "Einspringen" (aber immer mit Zustimmung des Azubis) möglich sein.

Antwort
von Kleckerfrau, 43

Im Jugendarbeitsschutzgesetz steht es aber auch.

§ 21 des Jugendarbeitsschutzgesetzes besagt, dass minderjährige Auszubildende nur dann Überstunden machen dürfen, wenn vorübergehende und unaufschiebbare „Arbeiten in Notfällen“ anstehen, „soweit erwachsene Beschäftigte nicht zur Verfügung stehen“. Wenn eine solche Mehrarbeit geleistet wird, ist sie jedoch durch entsprechende Verkürzung der Arbeitszeit innerhalb der folgenden drei Wochen auszugleichen.

Kommentar von Alien3ware ,

ich bin leider über 18

Kommentar von Kleckerfrau ,

Arbeitszeit
täglich und wöchentlich
(§ 3 ArbZG)

Volljährige
dürfen acht Stunden täglich und an sechs Tagen in der Woche beschäftigt werden,
insgesamt also 48 Stunden wöchentlich. Die Arbeitszeit kann sogar auf zehn
Stunden täglich und 60 Stunden wöchentlich verlängert werden, wenn innerhalb von
sechs Monaten im Schnitt nicht mehr als acht Stunden gearbeitet wird.
Im
Arbeitsvertrag darf bei Volljährigen, die Vollzeit arbeiten, also nur eine
tägliche Arbeitszeit von acht Stunden und eine wöchentliche Arbeitszeit von 48
Stunden vermerkt werden.
Auch wenn Überstunden geleistet werden, dürfen die
maximalen Arbeitszeiten auf keinen Fall überschritten werden - das wäre ein
Verstoß gegen das Arbeitsrecht!

Wenn im Ausbildungsvertrag eine geringere
Arbeitszeit als 48 Stunden und eine Fünf-Tage-Woche angegeben sind, gilt laut
Günstigkeitsprinzip diese Regelung.

Antwort
von Rheinflip, 27

Alles, was du tust soll der Ausbildung dienen. Das wird in deiner Arbeitszeit geschehen. In den Überstunden wirst du also nicht lernen können, du kannst diese also verweigern. Verboten sind Ü-Stunden bei Minderjährigen Azubis. Deine Arbeitszeit darf auch 48 Std/Wo nicht überschreiten.

Im BBIG https://www.gesetze-im-internet.de/bbig_2005/BJNR093110005.html steht nicht explizit, dass Ü Stunden verboten sind. Da steht aber drin: 

"Ausbildende haben

1.
dafür zu sorgen, dass den Auszubildenden die berufliche Handlungsfähigkeit vermittelt wird, die zum Erreichen des Ausbildungsziels erforderlich ist, und die Berufsausbildung in einer durch ihren Zweck gebotenen Form planmäßig, zeitlich und sachlich gegliedert so durchzuführen, dass das Ausbildungsziel in der vorgesehenen Ausbildungszeit erreicht werden kann,
2.
selbst auszubilden oder einen Ausbilder oder eine Ausbilderin ausdrücklich damit zu beauftragen"

Die vereinbarte Zeit sind eben 39 Std in 3 Jahren. Mehrarbeit ist damit klar freiwillig. Bei Beschwerden einmal den Ausbildungsberater der IHKL anrufen. 

Antwort
von KnusperPudding, 57

Wenn es dir um § geht, dann hätte ich nur das hier:

Berufsbildungsgesetz § 17

(1) Ausbildende haben Auszubildenden eine angemessene Vergütung zu gewähren. Sie ist nach dem Lebensalter der Auszubildenden so zu bemessen, dass sie mit fortschreitender Berufsausbildung, mindestens jährlich, ansteigt.

(2) Sachleistungen können in Höhe der nach § 17 Abs. 1 Satz 1 Nr. 4 des Vierten Buches Sozialgesetzbuch festgesetzten Sachbezugswerte angerechnet werden, jedoch nicht über 75 Prozent der Bruttovergütung hinaus.

(3) Eine über die vereinbarte regelmäßige tägliche Ausbildungszeit hinausgehende Beschäftigung ist besonders zu vergüten oder durch entsprechende Freizeit auszugleichen.

Dass Überstunden in einer Ausbildung nicht vorzusehen sind, ist fakt aber nicht in einem Gesetzbuch verankert.

Kommentar von Alien3ware ,

Schade, dann kann man da nichts machen?

Kommentar von KnusperPudding ,

Naja, was heißt "nichts":

  1. Freizeitausgleich
  2. Besondere Vergütung
Kommentar von Alien3ware ,

Beides nützt nicht viel :(

Wenn man 4 tage lang hart arbeiten muss, muss man am 5 Tag auch wieder alles mit Schlaf nachholen und die besondere Vergütung sind am ende ende eh nur ein paar Cent

Kommentar von KnusperPudding ,

ein paar Cent sind keine 'besondere Vergütung'. 

Dann verweise auf den Paragraphen in Hinsicht auf den Freizeitausgleich.

Antwort
von blueIibelle, 8

Mach deine angesagten Überstunden und gut ist. Entweder du bekommst sie vergütet oder du kannst die Stunden "abfeiern". Also was soll das Gemurre? Macht einen schlechten Eindruck auf deinen Chef. Meckere nicht rum, es sei denn, du willst nach Abschluss deiner Prüfung nicht übernommen und arbeitslos werden!

Antwort
von Capo94, 44

Dann arbeitest du eben mal ein paar Stunden mehr und an anderer Stelle bummelst du die Stunden wieder ab.

Antwort
von blackforestlady, 31

Du darfst sogar sechzig Stunden in der Woche arbeiten und hast dadurch noch keine Überstunden geleistet. Also sind das keine Überstunden, sondern normale Arbeitszeiten.

Kommentar von Alien3ware ,

Doch da im Ausbildungsvertrag steht das ich eine 38 Stunden Woche hab

Kommentar von Rheinflip ,

Fail. 60 Stunden sind sicher nicht zulässig. Maximale Arbeitszeit in D sind 48 Stunden. 

Kommentar von SmartTim98 ,

Nein. 60 Stunden sind zulässig. 48 Stunden sind durchschnittlich maximal zulässig. Vereinzelt sind maximal 60 Stunden rechtlich möglich.

Kommentar von AalFred2 ,

So ein Quatsch. jede Stunde mehr als im Arbeitsvertrag vereinbart ist ein Überstunde.

Antwort
von ErsterSchnee, 37

Zitat aus deinem Link:

Eine Pflicht zur Leistung von Überstunden besteht nur, wenn das im Tarifvertrag, in einer Betriebsvereinbarung oder im Ausbildungsvertrag ausdrücklich geregelt ist.

Ich gehe mal davon aus, dass du schon überprüft hast,  ob das da irgendwo festgeschrieben ist?

Wieso machst du dir selbst das Leben so schwer?

Kommentar von Alien3ware ,

Im Vertrag steht nichts dazu drin...

Kommentar von ErsterSchnee ,

Kannst du nicht lesen?

Tarifvertrag, Betriebsvereinbarung,  Ausbildungsvertrag

DREI Quellen, die zu prüfen sind, nicht nur eine..

Kommentar von Alien3ware ,

Es geht darum das mein Arbeitgeber sagt er dar mir Überstunden geben aber im Internet steht halt was anderes und ich muss jetzt irgendwie belegen was da im Netz steht

Kommentar von ErsterSchnee ,

Deshalb sollst du im Tarifvertrag UND in der Betriebsvereinbarung UND im Ausbildungsvertrag nachsehen, ob das da geregelt ist.

Das ist doch jetzt nicht wirklich schwer zu verstehen!

Antwort
von jimpo, 7

Wenn das nicht zur Gewohnheit wird und Not am Mann ist, mach doch.

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