Frage von wernerloock, 45

Muss diese Rechnung (Barverkauf) in die Buchführung meines Freundes?

Ich bezahlte etwas bar, die Rechnung lief aber auf die FA. meines Freundes...Sein Steuerberater sagte er müsse diese in seiner Buchführung nehmen und mir dann eine Rechnung erstellen... stimmt das?

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von Dirk-D. Hansmann, 26

Müssen muss man gar nichts. Nur wenn Du konkreter geschrieben hättest, dann wäre die Absicht des Steuerberaters klarer.

Formal hat er sowieso schon recht: Da ist eine Rechnung an Deinen Freund gegangen. Damit gehört diese Rechnung erst einmal zum unternehmerischen Umfeld. Dann kommt die Frage: Was hat das Unternehmen getan? Weiter verkauft. Das wäre dann eine neue Rechnung.

Dieses kann den Kopf kosten, wenn man es nicht tut und vielleicht sogar häufiger. Wenn nämlich das Finanzamt einen Kontoauszug beim Rechnungssteller anfordert. Also darüber, was Dein Freund bei dem Lieferanten gekauft hat.

Da ist 'Dein' Kauf auch mit drin. Handelt es sich dabei um Waren für Deinen Freund, dann passiert da jetzt im Hintergrund eine ganze Menge. Zum Beispiel fragt sich der geneigte Finanzbeamte: Warum hat jemand einen Wareneinsatz von 90% gegenüber den Ausgangsrechnungen vom Lieferanten?

Hat er die 10% etwa schwarz verkauft?

Es hängen ganz viele Folgen an dieser so einfachen Geschichte. Da geht es insbesondere bei unterschiedlichen Umsatzsteuersätzen ganz schnell um Geld - belastend für den freundlichen Freund. Besonders dann, wenn fast nur 7%-er gekauft wurden.

Ich persönlich bin der Auffassung man kann es auch anders lösen, aber ich kenne den Sachverhalt nicht genug und bin auch nicht zur Rechtsberatung befugt.

Deshalb hier nur einige mögliche Folgen und die nicht einmal im Ansatz vollständig.

Und dann hat der Steuerberater nämlich richtig beraten, wenn er möglichst alle Risiken von seinem Mandanten weghalten will. Dafür sollte man einem Steuerberater auch drei Sternchen geben.

Kommentar von wernerloock ,

Also mein Freund hat eine KFZ Werkstatt. Ich habe mir beim Reifenhändler Reifen gekauft und den Vorteil gehabt da es über seine Firma lief diese direkt ohne Wartezeit zu bekommen. Mein Freund wollte keinen Gewinn daraus schlagen, hat jetzt aber die Rechnung in seiner Buchführung und mir darüber eine Rechnung erstellt. Ich fand es nur komisch und kompliziert da ich die Mehrwertsteuer ja bezahlt hätte. So ist doch alles doppelt gemoppelt.... aber vielen Dank für die Antwort.Es ist immer besser auch andere Meinungen zu hören. 

Kommentar von Dirk-D. Hansmann ,

Doppelt ist da nichts. Es wird nur das schriftlich fixiert, was gewollt war.

Mit der Ausstellung der Rechnung auf Deinen Freund gehörtem dem die Reifen. Man sagt auch für eine technische Sekunde.

Weil er wollte die ja eigentlich nicht, sondern der Kauf war für Dich bestimmt. Deshalb hattet Ihr (Du und Dein Freund) einen zweiten mündlichen Kaufvertrag geschlossen.

Der Kaufvertrag war: Du kaufst von Deinem Freund die Reifen. Zahlungsbedingung war, dass Du die beim Händler bezahlst. Das nennt sich abgekürzter Zahlungsweg.

Durch die Rechnungserstellung habt Ihr nur ein Dokument darüber geschaffen, was eigentlich gewollt war.

Damit ist jetzt jederzeit nachvollziehbar geworden, dass die Reifen an Dich gingen.

Ohne die zweite Rechnung hätte auch anderes vereinbart sein können. Du kaufst für Deinen Freund und hättest das Geld nur ausgelegt.

Aber für diesen Kreditvertrag hättest Du keinen Beweis gehabt. Es ging also auch um Schaffung von Klarheit. Eben durch diese zweite Rechnung.

Man macht viele Dinge, bei denen man eine Menge Verträge abschließt, ohne es sich überhaupt bewusst zu machen. Und die haben auch Folgen.

Ganz einfaches Beispiel: Eine Gruppe von Leuten sitzt in der Kneipe, einer sagt der Bedienung, sie soll noch einmal eine Runde Getränke bringen.

Jetzt gibt es mit der Aussage aber bereits drei Mögliche Auslegungen: Die erste bedeutet, dass die eine Person diese Runde bezahlen will. Variante zwei ist jetzt rechtlich richtig eigenartig, nämlich wir bestellen zusammen und jeder bezahlt nachher sein Getränk oder der Preis wird einfach auf die anwesenden nach Köpfen verteilt.

Oder die dritte Möglichkeit ist, dass der Besteller nur der Bote ist und überbringt nur die Bestellung für sich und jede beteiligte Person.

Bei Variante zwei wäre die Folge sogar, dass wenn einer sein Geld vergessen hätte, dass jeder aus dieser Gruppe zur Zahlung verpflichtet wäre. Also Wirt sagt: Die eine Person aus der Gruppe kenne ich und diese Person zahlt jetzt für alle. Teilt nachher das Geld unter Euch. Wie interessiert mich nicht. Da hätte er eben unterstellt, dass die Gruppe bestellt hätte. Was wiederum bedeutet: Die Kumpels wären eine GbR.

Alles hat dann irgendwelche Folgen, wenn es einen Streit gibt. Dabei geht es nicht nur um die Bezahlung. Sondern auch darum, wenn beispielsweise eine falsche Lieferung kommt. Bier statt Wasser.

Nur macht man sich eben wegen ein paar Euro nicht ins Hemd. Aber es gibt ja auch den vorsichtigen Menschen, der gleich sagt: Bring bitte allen noch ein Getränk wie gehabt. Da will noch jeder ein Getränk und es zahlt auch jeder für sich selber.

Hat jetzt einer sein Geld zu Hause vergessen, dann muss der Wirt mit dieser Person eine Einigung finden.

Bei Euch war jetzt auch noch die Umsatzsteuer betroffen. Es kann auch noch ein Garantiefall eintreten. Weil der Reifenhändler hat vielleicht gar keine Garantie zu geben.

Weil er eben an einen 'Wiederverkäufer' verkauft hat. Dann ist jetzt Dein Freund derjenige der Dir Garantie leisten muss.

Alle diese Regelungen haben einen ganz guten Grund. Wenn was schief geht, dann ist man mit der Kenntnis der Hintergründe das ohne Streit zu regeln.

Streit entsteht dann ja nur: Weil man die einzelnen Folgen eines Vertrages nicht kannte und nicht akzeptieren will. Dabei sind die gesetzlichen Vorgaben nur so lange das Maß der Dinge, wenn es keine erlaubte individuelle Vereinbarung gibt.

Dein Freund kann Dir als Privatperson zum Beispiel das Garantie-Recht nicht streichen. Lösen die Reifen sich also in der Sonne auf, dann muss er für Ersatz sorgen. Niemand sonst.

Ich will das gar nicht weiter ausführen, was alles passieren könnte und wie dann das Ergebnis aussieht. Es sind auch so viele Details, dass man dann jeweils im Gesetz gucken muss, wie das eigentlich zu machen ist. Hier wollte ich einfach mal so den Verlauf ohne wenn und aber darstellen.

Also zeigen, was da alles so im Hintergrund sich regelt. Ohne das man darüber überhaupt gesprochen hat. Wie gesagt: Hinter jedem Schritt folgen dann andere Konsequenzen für die Beteiligten.

Schönen Dank noch für den Stern.

Antwort
von Meandor, 26

Warum sollte er Dir eine Rechnung stellen?

Dein Freund nimmt die Rechnung in seine Buchhaltung und bucht es gegen Kasse und gibt Dir das Geld in bar.

Warum soll er Dir eine Rechnung stellen? Dann müsstest Du ihm ja was bezahlen.

Kommentar von wernerloock ,

Ich möchte ja nicht das Geld sondern die Ware... Der Steuerberater meint das mein Freund dies erst in seine Buchführung, mir dann eine Rechnung plus Ware gibt...

Kommentar von Meandor ,

Ach so.

Gut, entweder Dein Freund schreibt Dir jetzt tatsächlich eine Rechnung, oder er verbucht die Sache als Privatentnahme. Umsatzsteuerlich wirkt es sich für ihn gleich aus.

Einkommensteuerlich wäre es mit der Rechnung besser, aber er müsste das Geld im Betrieb lassen, als Entnahme wäre das Geld gleich privat.

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