Frage von jimi5, 55

Muss der Begriff Unternehmenserfolg immer mit Geld zusammenhängen?

Hallo alle zusammen!

Ich bin gerade dabei für den Gegenstand Betriebswirtschaft eine Präsentation darüber zu gestalten, ob Fair Trade und Unternehmenserfolg ein Gegensatz sind. Da ich finde, dass dies nicht so sein sollte hab ich mir gedacht darauf einzugehen, dass Erfolg nicht immer Geld bedeuten muss und das ein Unternehmen auch eerfolgreich sein kann wenn es sich gerade über Wasser halten kann aber dafür ethnisch richtig agiert und Menschen nicht ausbeutet. Meiner persönlichen Meinung nach ist das ein viel größerer Erfolg. Jedoch ist das hier eine Schule und es geht um Betriebswirtschaft und diese Präsentation hat einen sehr hohen Einfluss auf die Jahresendnote. Hier also meine Frage: soll ich um eine gute Note in Betriebswirtschaft zu bekommen sachlich einfach Vor- und Nachteile von Fair Trade in einem Unternehmen aufzählen oder soll ich meine ehrliche Meinung sagen und darauf eingehen, dass es nicht nur ums Geld gehen kann sondern um viel wichtigere Sachen?

Antwort
von berkersheim, 18
Sachlich bleiben und Pro und Contra aufzählen

Dein Problem ist ein gestörtes Verhältnis zu Geld. Auch ein Fair-Trade-Unternehmen steht im Austausch mit vielen Lieferanten und Kunden und kann dann nicht mit Kühen handeln. Es braucht ein Tausch- und Wertspeichergut, das flexibel in seine unterschiedlichsten Bedürfnisse umzuwandeln ist. Es braucht einen Maßstab, den eigenen Erfolg zu messen, der es mit anderen Unternehmen vergleichbar macht. Ein solches Tausch- und Wertspeichergut (z.B. für Rücklagen für kommende Reparaturen oder Investitionen) nennen wir Geld, egal wie es konkret ausfällt. Weil Geld eine so zentrale Rolle in einer modernen Produktions- und Tauschwirtschaft spielt, wäre es besser, wenn die Menschen dieses Medium besser verstehen und den Politikern mehr auf die Finger schauen würden, dass Geld als wichtiges Gut nicht missbraucht wird. Aber sich am Missbrauch aufzuhängen um dann eine zentrale Funktion zu streichen wirft uns in die Steinzeit zurück.

Als nächstes, wenn ein Fair-Trade-Unternehmen seine Wirtschaftlichkeit der Vergleichbarkeit wegen in Geld bewertet, dann ist das in Geldeinheiten ausgedrückte Ergebnis ja noch lange kein Wert an sich. Das Maß der Wirtschaftlichkeit in Geldwerten bedarf dann immer noch einer eigenen Beurteilung. Ist man gut eigenfinanziert kann man sich Beurteilungen Deiner Art durchaus leisten. Das ist ja auch der Vorteil von Familienunternehmen gegenüber Aktiengesellschaften, die sich immer einer öffentlichen Bewertung am Aktienmarkt stellen müssen, was langfristig angelegte Strategien sehr schwer macht. Muss sich aber ein Fair-Trade-Unternehmen am Kreditmarkt finanzieren, muss es künftige Kreditgeber überzeugen und nicht idealistische Vorstellungen bedienen. Wenn ein Fair-Trade-Unternehmen keine ausreichend über den Kosten liegenden Preise erzielen kann, dann gibt es zwei Möglichkeiten: Die Kosten durchforsten oder seine Kundenstruktur analysieren, woran es liegt, dass die Bereitschaft für höhere Preise nicht da ist. Alle diese Vergleiche lassen sich ohne Verrechnung in Geldeinheiten nicht sinnvoll durchführen.

Antwort
von Kuhlmann26, 21

Das eine (Geld zu verdienen) schließt doch das andere (fair zu sein) nicht aus. Warum willst Du das als gegensätzlich darstellen?

Nimm als Beispiel die Firma

http://www.coffeecircle.com/die-bewegung/coffee-circle-konzept/

Natürlich wollen sie Geld verdienen. Und nur wenn sie das tun, können sie für faire Beziehungen zu ihren Handelspartnern einstehen.

Es gibt erfolgreiche Unternehmen, deren Ziel ist es, dass zu tun, was dem Unternehmensgründer Spaß macht und dabei zu überleben. Naturgemäß sind das kleinere lokale Unternehmen. Man wird schließlich nur größer, wenn man immer mehr Geld verdient.

In diesem Zusammenhang fällt mir der englische Begriff "Hidden Champions" ein. Den kannst Du ja mal googeln.

Gruß Matti

Kommentar von jimi5 ,

Danke für die Antwort!

Ich möchte es nicht als gegensätzlich darstellen. Aber das ist hier die Frage: ob diese zwei Faktoren Gegensätze sind. In einer gewissen Weise bedeutet es schon, dass man durch den fairen Handel weniger Gewinn erzielt, da sich der Einkaufspreis und die Verarbeitungskosten dadurch, dass die Produzenten in den Drittländern höhere Löhne bekommen, erhöhen. Durch erhöhte Kosten sinkt der Gewinn.

Natürlich kommt es dann auf viel mehr an und ich kann auch nicht glauben, dass ein erfolgreiches Unternehmen, welches eine gute Strategie, interessante Produkte und zufriedene Kunden besitzt durch die Umstellung auf Fair Trade plötzlich keinen Erfolg mehr hat.

Schlussendlich denke ich also nicht, dass der faire Handel den Unternehmenserfolg maßgeblich beeinflusst.

Antwort
von Bluestory, 24

Es gibt betriebswirtschaftliche Kennzahlen die Erfolg oder Misserfolg bedeuten. Aber es kommt meiner Meinung nach auf die Unternehmensziele an. Wenn ein Unternehmen seine selbst gesteckten Ziele erreicht ist es auch erfolgreich. Und die Ziele können auch ethischer oder sozialer oder sonstiger Natur sein.

Antwort
von Traveller24, 14
Darauf eingehen, dass Unternehmenserfolg nicht immer Geld sein muss

Was Unternehmenserfolg ist, definiert das Unternehmen immer selbst. Genauso wie Du für Dich bestimmst, was Du als Erfolg ansiehst. Was bei einem Unternehmen als Erfolg angesehen wird, bestimmen letzten Endes die Inhaber eines Unternehmens. Die geben die Linie vor und die bezahlen oder entlassen auch die Chefs, wenn sie nicht das erreichen, was ihnen vorschwebt.

Die weitgehende Anzahl der Unternehmen wird den wirtschaftlichen Ertrag als Erfolg ansehen. Allerdings wird ein modernes Unternehmen nicht nur über das geldmässige Ergebnis gesteuert. Das rächt sich nämlich irgenwann. Normalerweise wird ein Unternehmen über eine ganze Anzahl von Kennzahlen gesteuert, die das langfristige Bestehen des Unternehmens sichern sollen und auch die Aspkete Mitarbeiter, Kunden oder Zukunftsfähigkeit berücksichtigen. Google in diesem Zusammenhang mal den Begriff "Balanced Scorecard". Es nützt mir als Inhaber eines Unternehmens ja gar nichts, wenn ich momentan ganz viel Geld verdiene, aber die Belegschaft unzufireden ist, meine Ressourcen vernichtet werden und so weiter. Dann hab ich in zehn Jahren gar nix mehr.

Eines der Unternehmensziele meines Arbeitgebers ist z.B. die ständige Senkung der Umweltbelastung und die permanente Fortbildung der Mitarbeiter. Wenn am Jahresende die Unternehmensergebnisse den Inhabern vorgestellt werden, dann schauen die auch auf diese Werte und nicht nur auf den Nachsteuergewinn.

In Sonderfällen gibt es auch Unternehmen, denen der geldmässige Erfolg tatsächlich zweitrangig ist. In dem Geschäfstfeld in dem ich seit Jahren arbeite, existiert ein Unternehmen, dass einem Kloster gehört. Die haben als Unternehmensziel, möglichst viel Mitarbeiter zu beschäftigen, weil die damit gar kein Geld verdienen wollen.

Antwort
von Cokedose, 7
Darauf eingehen, dass Unternehmenserfolg nicht immer Geld sein muss

Erfolg definiert sich nicht ausschließlich über die erzielten Gewinne.

Erfolg definiert jeder für sich selbst und jeder anders. So auch Unternehmen. Sicherlich ist es notwendig wirtschaftlich zu handeln um den Fortbestand des Unternehmens zu sichern, aber viele Unternehmen haben auch noch viel mehr Ziele. Und jedes erreichtes Ziel ist ein Erfolg.

So kann es beispielsweise sein, dass ein Unternehmen das Geschäftsjahr mit einem fetten roten Minus beendet, was aber nicht daran liegt, dass es defizitär gewirtschaftet hat, sondern viele Investitionen getätigt hat. Es kann z.B. neue Standorte eröffnet haben, alte Standorte umweltfreundlicher und nachhaltiger Umgerüstet haben oder viel in Werbung und Kampagnen investiert haben. Dadurch hat das Unternehmen viele finanzielle "Verluste" gehabt, schaut aber dennoch auf ein sehr erfolgreiches Geschäftsjahr zurück.

Umgekehrt geht es genauso. Ein Unternehmen schließt einen unwirtschaftlichen Standort und schreibt dadurch wieder schwarze Zahlen. Das Unternehmen sieht diesen Verlust des Standortes aber sicher nicht als Erfolg an.

Es kommt halt, wie gesagt, immer darauf an wie jeder für sich selbst Erfolg definiert. Wenn also auch ein Unternehmen mit Fairtrade Produkten handelt und sich damit über Wasser halten kann, dann ist das auch ein Erfolg für das Unternehmen.

Oder nimm als Beispiel kirchliche Krankenhäuser. Diese dürfen keine Gewinne erzielen oder besser gesagt behalten. Das Geld was sie erwirtschaften müssen sie auch wieder ausgeben, z.B. in neue Geräte usw. Somit haben diese Krankenhäuser keinen finanziellen Überschuss, sind aber dennoch sehr erfolgreich (von der Arbeit die sie dort leisten und den Menschen denen sie damit helfen mal ganz abgesehen, was ein wesentlich größer Erfolg ist).

Antwort
von siebentausend, 12
Darauf eingehen, dass Unternehmenserfolg nicht immer Geld sein muss

Es gibt nämlich Unternehmen, wie z. B überfüllte Bäder, da wird auf Kundenwohl nicht geachtet, sondern auf Kohle. Unter Unternehmenserfolg verstehe ich, wenn ich bei den Kunden einen hohen Status durch Zuverlässigkeit, Freundlichkeit, Innovation habe. Klar brauch man Geld, um alles zu finanzieren. Wenn man aber Betreiber einer Sache ist, dann sollte man in ihr leidenschaftlich vertieft sein und überlegen, was den Kunden überzeugen könnte bzw. den Kunden weitere extras bieten. Geld solte nur im Hinterkopf stehen, auch wenn es wichtig ist.

Antwort
von Schrader, 18
unter Unternehmenserfolg versteht man fachlich IMMER einen hohen Gewinn

Für die Schule kannst du durchaus am Ende deine Theorie als eigene Meinung darstellen. Das kommt im schulischen Umfeld gut an.

 In der Realität ist der Unternehmenserfolg leider rein an Zahlen gekoppelt. Fair Trade wird nur genutzt wenn es der Kunde nachfragt und da durch mehr Umsatz generiert wird. 


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