Frage von meli0, 64

Muskulatur beim Pferd richtig aufbauen?

Hi(mal im vorhinaus bitte ich um ernste Antworten, ich bin noch nicht so erfahren) Ich habe jetzt genau vor einem Jahr einen 12. Jährigen Wallach aus dem Schulbetrieb bei uns im Stall bekommen. Er hat einen starken Satteldruck bekommen und ich habe dann beschlossen eine Sattlerin kommen zu lassen und ihn in der zwischenzeit mit einem longierseil zu longieren, ich habe num erfahren dass er einen zu dicken unterhals und einen koplett eingefallenen Trapezmuskel hat, ausserdem darf er am Po etwas zulegen. Ich wollte nun von euch wissen wie ich ihn richtig longieren muss( mit welchen hilfsmitteln usw.) um die muskulatur schön langsam wieder aufzubauen, (dass das alles seine Zeit dauert ist mit bewusst) ich wäre euch sehr dankbar wenn ihr mir helfen und übungen für die bodenarbeit sagen könntet. danke schon im vorraus.

Antwort
von WinniePou23, 55

Huhu,

sinnvolle, muskelaufbauende Bodenarbeit, viel freie Bewegung, Ruhetage und eine gute Fütterung.

Ich kann euch da nur ganz dringend den Longenkurs (longenkurs.de) mit an die Hand geben. Die meisten Pferde profitieren unheimlich von der Arbeit am Kappzaum, welche sich später für den weiteren Muskelaufbau super mit Equikinetic kombinieren lässt.

Super für den Muskelaufbau und ein allgemein gesundes und trainiertes Pferd ist gute Longenarbeit. Dabei muss sich das Pferd korrekt biegen und Gewicht auf die Hinterhand verlagern um davon zu profitieren. Das Pferd kann das nicht von Natur aus, es ist ein neues Bewegungsmuster, dass es erst lernen muss.

Das heißt Stellung erarbeiten, Schulter mobilisieren, Biegung erreichen und mit langsamen Übertreten lassen an der Hand die langen Muskeln dehnen, das Gewicht mit der Zeit durch aktive HH und etwas Aufrichtung etwas nach hinten verschieben und die Hüfte mobilisieren. Sehr wichtig ist auch, dass ihr die Schulter frei kriegt. Das heißt Übungen wie korrektes Rückwärtsrichten, Hinterhandwendung, Slalom, in der Biegung die Schulter anheben, Führen in Stellung und Biegung. Dem Pferd und dir können visuelle Begrenzungen (dafür sind die Gassen unschlagbar!) dabei sehr helfen und einiges verbessern.  Es ist für das Pferd am besten und am verständlichsten, das am Boden zu erarbeiten. Dafür eignet sich wunderbar der Kappzaum. Die beste Literatur zu dem Thema ist der Longenkurs (longenkurs.de) und ergänzend das Buch “Gymnastizierende Arbeit an der Hand“.

Hat das Pferd durch diese Übungen verstanden, dass es die innere Schulter anheben soll um sich zu biegen, aktiv unterzutreten und den Rücken etwas anzuheben, können sich die richtigen Muskeln aufbauen. Dafür eigenen sich wunderbar die weiter fortgeschrittenen Übungen im Longenkurs und das dort beschriebene Longieren. Zum Longieren brauchst du dann nicht mehr als eine Longe, einen gut passenden Kappzaum und eine Gerte/Peitsche in der richtigen Länge. Ganz toll ist auch Equikinetic, ich habe damit schon sehr große Erfolge erzielen können. Mein Pony hat durch Equikinetic ein bis zweimal in der Woche innerhalb von ca. vier Monaten wirklich toll Rücken, Hinterhand, Bauch und auch Halsmuskulatur aufgebaut. Das Buch zum Thema Equikinetic ist kürzlich erschienen und auf Kursen der Trainer oder auch im Internet z.B. in den Facebook-Gruppen gibt es viele Infos dazu.

Gute Erfahrungen habe ich bei Pferden, die Muskeln aufbauen sollen um besser zu laufen oder um geritten werden zu können, auch mit Stangen und Gymnastikreihen beim Freispringen gemacht. Um die Stangen und Cavalettis an der Longe mit dazu zu nehmen, sollte das Pferd dort schon gut fortgeschritten sein, daher empefhle ich lieber das Freispringen. Einfach mit einem Absperrband und zwei Sprungständern oder auch Quaderballen einen Gang an der langen Seite abtrennen und das Pferd selbstständig hindurch schicken. Das hat man auch alleine in max fünfzehn Minuten aufgebaut. Das hat den Vorteil, dass die Pferde selber ihren Takt und die für sie vorteilhafteste Haltung finden. Dabei aber nicht in die Höhe ziehen lassen, sondern eher auf Gymnastikreihen setzten. Da können auch Höhen von maximal 50 cm völlig ausreichen. Dabei mit den Abständen variieren und anfangs mit nur einem und zwei Mini-Sprüngen mit einem Galoppsprung dazwischen, anfangen. Später können solche Reihen auch aus bis zu sechs oder mehr Hindernissen mit verschiedenen Höhen und Abständen bestehen. Dabei ist es wichtig das Pferd in einem ruhigen Tempo durch die Gasse zu schicken, damit es seinen Takt finden kann und dann locker über die Hindernisse setzt und beim Absprung den Rücken aufwölbt und den Kopf dadurch tief nimmt.

Auch Klettern an der Hand im Gelände oder auch am Hof auf Podeste stärkt die richtigen Muskeln sehr gut und vielseitig.

Zirkuslektionen wie die Bergziege, das Knien, das Kompliment oder der spanische Gruß helfen in guter Ausführung zum Muskelaufbau, da sie das ganze Pferd und vor allem die Oberlinie Dehnen und Schulter und Hüfte mobilisieren.

Leichtes Ziehen mit passendem Geschirr kann in guter Ausführung auch sehr hilfreich sein.

Unter dem Sattel auf eine gute Traghaltung mit aktiver Hinterhand und schwingendem Rücken achten und die Phasen der vollständigen Dehnung, des Vorwärts-Abwärts und der Aufrichtung sowie die Hand und die Gangarten dabei häufig wechseln. Ob du dabei hauptsächlich im Schritt, im Trab oder im Galopp arbeitest ist nicht so wichtig, dein Hauptaugenmerk sollte nicht auf die Gangart, sondern auf die Korrektheit der Bewegungen gerichtet sein - ein gut gelaufener Schritt trainiert besser als ein fest gesprungener Galopp. 

[ Teil 1]

Kommentar von WinniePou23 ,

[Teil 2]

Beim Muskelaufbau darauf achten, dem Pferd genügend Ruhetage zu geben, da die Muskeln nur in den Pausen zwischen dem Training richtig wachsen können. Auch die Trainingsdauer kurz halten um eine Übersäuerung und Überanstrengung der Muskeln und somit eine kontraproduktive Auswirkung auf den Muskelaufbau zu verhindern.

Bei den Symptomen, die du beschreibst, dem Satteldruck, dem starken Unterhals und der allgemeinen falschen Bemuskelung wird das Tier vermutlich auch einige Verspannungen haben, die dann einen Muskelaufbau verhindern. Daher wäre es sehr ratsam, das Pferd mal einem Osteo, Physio oder sonst eurem Tierarzt vorzustellen. Ein Sattler ist wirklich wichtig, es ist sehr lobenswert von dir sie zu bestellen, denn vermutlich wird der Sattel momentan nicht passen und selbst wenn er im Moment passt, passt er nach dem Muskelaufbau definitiv nicht. Du wirst in ein paar Monaten ein ganz anderes Pferd vor dir haben, wenn ihr fleißig dran bleibt :)

Liebe Grüße

Kommentar von Punkgirl512 ,

Dem ist absolut nichts mehr hinzuzufügen - wow, du hast einen Wahnsinns-Text geschrieben. Hut ab - und ich hoffe, für dich gibt es einen verdienten Stern!

Kommentar von WinniePou23 ,

Ganz großes Dankeschön für das Kompliment, Punkgirl :)

Kommentar von meli0 ,

Ein rießengroßes Dankeschön meinerseits, danke dass du dir die Zeit genommen hast mir das so ausführlich zu erklären, Ich werde mein Bestes geben die Übungen so auszuführen wie du es hier beschrieben hast! Ein neuer Sattel ist mittlerweile zusammen mit einer Gesundheitsschabracke angepasst und ausgesucht :)

Kommentar von ponyfliege ,

fehlt nur noch das sternchen vom fragesteller. das wäre das einzige, was dem hinzuzufügen ist. ;-))

Expertenantwort
von NanaHu, Community-Experte für Pferde, 27

Wenn du dein Pferd korrekt Aufbauen willst, dann versuche es doch mal über Hangbahntrainig, Stangenarbeit, korrektes Reiten und Arbeit an der Doppellonge.

Bitte experimentiere nicht einfach drauf los, sondern erstelle in Zusammenarbeit mit deinem RL einen Trainigsplan und lasse dir zeigen wie du korrekt mit der Doppellonge umgehst und wie korrektes Hangbahtraining ausgeführt wird.



Kommentar von meli0 ,

danke für deine Hilfe ich werde mich mit meinem RL zusammensprechen

Antwort
von sosowa, 64

Hi

Also ich hatte ein ähnliches Problem mit meiner Stute. Uns wurde vorgeschlagen sie ausgebunden(ausbinder) zu longieren und natürlich um den Po auzubauen viel Berg auf und ab laufen. Hast du denn Unterricht wenn nein solltest du dein Pferd von ,, hinten nach vorne" reiten, das heißt viel treiben und schauen das er am Zügel läuft( durch das vorwärts wird der Rücken nach oben gewölbt und er kann schwingen). Ich hoffe ich konnte ein bisschen weiter helfen. 

Kommentar von meli0 ,

danke ich werde es versuchen

Kommentar von LyciaKarma ,

Ausbinder bringen das Pferd in eine unnatürliche, erzwungene Haltung. Das hat nichts damit zu tun, dass es reell über den Rücken läuft, wenn man den Kopf mit Gewalt runterzieht! Außerdem longiert man nicht am Gebiss, weil die Einwirkung einfach die falsche ist.  

Reitet würde ich so ein Pferd auch nicht, denn eingefallener Trapezmuskel heißt, dass der Sattel einfach zu lange nicht gepasst hat - der Muskel muss sich erst wieder aufbauen. 

Kommentar von WinniePou23 ,

Du reitest korrekt von vorne nach hinten, wie es sich gehört, das kann man dir nur positiv anrechnen. Aber wenn du verstanden hast, warum du das so tust, dann verstehe ich nicht, warum du mit Ausbindern longierst. Mit Ausbindern zuppelst/ziehst du vorne den Kopf runter, longierst also von vorne nach hinten, was gesund schlicht weg nicht funktionieren kann.

Kommentar von Punkgirl512 ,

Von hinten nach vorne reiten bedeutet nicht, dass man hinten "viel treiben muss", sondern, dass man sich z.B. über Seitengänge, Übergänge und Wendungen die Hinterhand holt und die Schulter auf die Hinterhand einspurt. Und das macht man eben nicht vorne übers Maul, sondern über den Sitz - wer über den Sitz sein Pferd in Seitengänge reitet, die dem Pferd wirklich dnan etwas nutzen, dann reitet man auch von hinten nach vorne - denn durch diese Mobilität über Wendungen, Übergänge und Seitengänge kann die Hinterhand fast nur lockerer werden und eine lockere Hinterhand bedeutet meistens auch ein lockeres Genick. Umgekehrt ebenso. Ist eins vom beiden verspannt, wirkt sich das aufs andere aus. 

Antwort
von LyciaKarma, 36

Erste Frage: Wie kannst du erfahren, dass er einen Unterhals und kaum Trapezmuskel hat?? Das sieht man doch.  

Wieso hast du ein Pferd, wenn du so wenig Erfahrung hast? Damit tust du dem Pferd keinen Gefallen.  

Was ist ein Longierseil? Ist das dieses starre Baumwollseil, mit dem man den Kopf runterbindet?  

Wie sollst du longieren.. Besorg dir einen passenden Kappzaum und den Longenkurs von Babette Teschen.  

Reite nicht.  

Geh viel spazieren, in zügigem Schritt, Berge und Hügel rauf und runter, wenn ihr habt.  

Arbeite an der Doppellonge, wenn du das kannst und dem Pferd zeigen kannst.  

Wenn du generell noch mehr Fragen hast, kannst du mich auch gerne mal anschreiben. 

Kommentar von meli0 ,

es ging ihm im Schulbetrieb mega schlecht, ich hab dann den sattel gleich dazu gekauft weil mir gesagt wurde ( von meiner reitlehrerin und der besitzerin des stalls) dass der sattel für ihn angepasst wurde (war natürlich dumm von mir das zu glauben) danke für die hilfe :) ich werde es versuchem

Kommentar von LyciaKarma ,

Das mag ja sein, aber wenn du selbst wenig Ahnung hast, dann hilft es dem Pferd doch nicht weiter..  

Du schreibst unter jede Antwort, dass du es versuchen wirst, egal ob einer Ausbinder vorschlägt oder ich einen Kappzaum.  

Da wirst du dich schon entscheiden müssen..  

Allerdings ist ein Kappzaum die einzige Art, ein Pferd korrekt zu longieren. Ausbinder ziehen das Pferd in eine Position, in der er sich nicht mehr bewegen kann - deswegen kriegen die auch einen Unterhals, weil sie versuchen, gegen den Ausbinder anzugehen.  

Mit einem Gebiss wirkst du seitlich ein, weil es auf den Unterkiefer wirkt. Das Pferd verwirft sich so gut wie immer im Genick.  

Ein Kappzaum dagegen wirkt auf die Nase ein, die fest mit dem Genick verbunden ist. Nur so kann man Stellung und Biegung erarbeiten.  

Antwort
von pipepipepip, 42

Ich longiere meine Stute viel über Stangen, das hilft ungemein.

Kommentar von meli0 ,

danke dir :)

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