Musik Mehrstimmigkeit , was ist jetzt genau was?

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2 Antworten

Im Abstand einer Quinte oder Quarte parallelgeführt nennt man das ein Parallelorganum. Dieses gilt als die früheste Mehrstimmigkeit. Der wichtige Traktat, der das Parallelorganum behandelt, ist die Musica Enchiriadis mit der Dasia-Notation. Von Organum spricht man aber auch im Zusammenhang mit der Notre-Dame-Zeit.

Kontrapunkt und Polyphonie ist ziemlich dasselbe und bezeichnet eine Mehrstimmigkeit, bei der alle Stimmen rhythmisch und melodisch unabhängig voneinander verlaufen. Polyphonie ist der häufigste Satztyp der Musikgeschichte. Typische Beispiele sind z.B. die Musik der Frankflämischen Vokalpolyphonie, der Palestrinastil und die Musik von J.S. Bach. Homophonie ist für die mittelalterliche Mehrstimmigkeit im Grunde nicht relevant und bezeichnet eine Mehrstimmigkeit, bei der die Stimmen weitgehend den gleichen Rhythmus haben und eine größere Abhängigkeit von der Harmonie haben. Bei Homophonie gibt es in der Regel eine führende Hauptstimme (meist Sopran). Typisches Beispiel für strenge Homophonie ist ein vierstimmiger Kirchenchoral im 17. Jahrhundert.
Heterophonie beschreibt eine Art von Mehrstimmigkeit, die in starker Abhängigkeit von einer übergeordneten Harmonie oder einer führenden Stimme ist. Beispiele für Hereophonie sind, neben dem Parallelorganum, das nur manchmal als heterophon beschrieben wird, in der Gamelan-Musik und in der Minimal-Music zu finden.

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Hallo VoiceProblem!

Polyphonie: Es gibt rhythmisch und in der Bewegungsrichtung unabhängige Stimmen, die zusammengesetzt, den musikalischen Satz ergeben. Das Wort bedeutet wörtlich Viel-Stimmigkeit, wird aber nur auf unabhängige Stimmen angewandt.

Kontrapunkt: Das ist keineswegs dasselbe, wie Polyphonie, sondern es bezeichnet ein spezielles Kompositionsverfahren, das polyphone Musik erzeugt. Das Wort kommt von der lateinischen Bezeichnung "punctum contra punctum", also Punkt gegen Punkt = Note gegen Note. Bei dem Verfahren wird ein musikalischer Satz nicht aus Gesamtklängen, bzw. -akkorden gearbeitet, sondern Stimme für Stimme und Note für Note, die nach bestimmten Regeln, die vor allem die Behandlung von Dissonanzen betrifft, zusammengesetzt wird. Dabei ist "Note gegen Note" nur der erste Schritt: Es werden dann auch zwei, drei, vier usw. Noten gegen eine gesetzt, so dass mit dem Verfahren ein ganzer polyphoner Satz geregelt wird.

Homophonie: Im Grunde das Gegenstück zu Polyphonie und natürlich keineswegs irrelevant im Mittelalter! Die gesamte Tanz- und Volksmusik des Mittelalters ist homophon. Hier bewegt sich der musikalische Satz in Akkorden, überwiegend im gleichen Rhythmus und häufig auch in der gleichen Richtung. Bereits vor der Entwicklung der Kunstmusik hat es in der Volksmusik Mehrstimmigkeit gegeben und der Fauxbourdon etwa, eine Satzweise in parallelen Sextakkorden geht dem Organum historisch voraus.

Heterophonie: Das ist ein sehr spezieller Begriff für eine Technik von zwei oder mehreren im Grunde gleich geführten Stimmen, die allerdings unterschiedlich verziert sind, so dass sie im Einzelnen immer wieder differieren. Das gibt es traditionell sehr häufig in der indischen und arabischen Musik.

Gruß Friedemann

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