Frage von Rosenblad, 147

Müssten Christen nicht mit aller Stringenz Pazifisten sein?

Ausgehend der biblischen Jesus- Aussage, "....denn alle, die zum Schwert greifen, werden durch das Schwert umkommen" (Matthäus 26:52) erlaube ich mir diese Frage in den virtuellen Raum zu stellen.

Antwort
von Hamburger02, 62

Friedlich zu sein ist Teil der Lehre Jesu. Jesus wollte mit seiner Lehre das Judentum reformieren. Jesus hat sich selber nie als Christus bezeichnet und er wollte auch keine neue Religion gründen.
Theologisch und geschichtlich gesehen ist Paulus der Gründer des katholischen Christentums. Auf seine Theologie berufen sich die christlichen Kirchen. In der chrsitlichen Theologie des Paulus spielt Lehre und Leben Jsu fast keine Rolle, stattdessen steht hier im Mittelpunkt das Heilsgeschehen, welches wiederum in der Lehre Jesu praktisch keine Rolle spielt. Paulus hat aus dem Verkünder einer Lehre den Verkündigten einer neuen Lehre gemacht.
Bei Jesus steht richtiges Handeln im Vordergrund, bei Paulus steht richtiger Glauben im Vordergrund.
So schreibt Pauls z.B.
Römer 4:
"Was hat denn bei unserem Stammvater Abraham - von dem wir Juden ja abstammen - dazu geführt, dass er für gerecht erklärt wurde? Etwa seine eigenen Leistungen? Dann hätte er Grund, stolz auf sich zu sein. Aber das zählt nichts vor Gott, denn die Schrift sagt: "Abraham glaubte Gott, und das ist ihm als Gerechtigkeit angerechnet worden."
Im 1. Korintherbrief bestätigt Paulus:
"Wenn es nämlich keine Auferstehung der Toten gibt, dann ist auch Christus nicht auferweckt worden. Ist aber Christus nicht auferweckt worden, dann ist auch unsere Predigt sinnlos und euer Glaube ist ohne Inhalt."
Also: wer sich an die Lehre Jesus hält, aber nicht an die Auferstehung glaubt, ist kein Christ. Ohne Auferstehungsglauben ist auch die Lehre Jesu ohne Inhalt.
Um deine Frage zu beantworten: Christen müssen keine Pazifisten sein. Das fordert Jesu als jüdischer Wanderrabbi, das fordert aber nicht Paulus als Begründer des Christentums.
Das sind auch nicht nur Worte, die Lehre des Paulus wurde geschichtliche Wirklichkeit. Kaiser Konstantin machte aus einem Friedensapostel einen Kriegsgott (unter diesem Zeichen wirst du siegen) und genau das blieb Christus bis heute. Noch heute werden im Namen des Christus Waffen gesegnet und im Namen des Christus wurden jahrtausende lang Kriege geführt und Morde gerechtfertigt. Christen müssen also keine Pazifisten sein. Die gesamte Geschichte des Christentums hatte nie etwas mit Frieden sondern immer mit Gewalt zu tun. Wer der Lehre Jesu nacheifern möchte, müsste allerdings schon Pazifist sein. 

Ich behaupte sogar, wer im Sinne Jesu Frieden will, muss sich vom Christentum distanzieren.

Kommentar von Hooks ,

Von den Kirchen, würde ich sagen.

Christsein hat mit der Kriche nichts zu tun.

Von daher müßte man vielelicht mal den Begriff Christentum exakt definieren. Hier schmückt sich so mancher mit falschen Federn.

Kommentar von Hamburger02 ,

Im Prinzip hast du nicht völlig unrecht. Mit dem Satz "Christsein hat mit der Kriche nichts zu tun." habe ich allerdings ähnliche Schwierigkeiten wie mit dem Satz "Der IS hat mit dem Islam nichts zu tun".

Für mich ist das Christentum das, was die Kirche lehrt und hat mit der Lehre Jesu absolut nichts zu tun.

Laut Bibel ist Christ, wer an die Auferstehung Jesu von den Toten und der damit einhergehenden Befreiung aller Sünden glaubt. Anders würde der Begriff "Christus" = der Gesalbte auch keinen Sinn machen. Ich spreche daher auch nie von Jesus Christus sondern von Jesus von Nazareth, wenn ich seine Lehre meine. 

Das "Christentum" ist für mich eine Sammelbezeichnung für all die Taten und Untaten, die die Christen in den letzten Jahrhunderten so alles angestellt haben. Sehe das als eine "kulturelle" Bezeichnung, die die Lehre und die (geschichtliche) Praxis umfasst.

Kommentar von Hooks ,

Nun gut, aber wer sind die Christen? Doch Christus-Nachfolger, würde das Wort vermuten lassen.

Christentum ist dann halt etwas anderes als Christsein.

Kommentar von Hamburger02 ,

Christusnachfolger sind für mich Nachfolger der Kunstfigur des Christus, die Paulus geschaffen hat.

Davon unterscheide ich Nachfolger des Jesus von Nazareth..

Kommentar von Rosenblad ,

Das klingt für mich nach einer gewissen Ambivalenz - gibt es denn den Christen außerhalb der Gemeinschaft ? Im Kontext zu Matth. 18:20 augenscheinlich nicht. Vielleicht erklärt mir jemand dieses Aspekt.

Kommentar von Skeletor ,

Ergänzend: Friedlich sein ist nicht "nur" Teil der Lehre Jesu. Selbst im AT lassen sich pazifistische Gebote finden:

The innocent and righteous slay thou not. Exodus 23:7

http://skepticsannotatedbible.com/ex/23.html#7

Alles eine Frage des 'Cherrypickings'. xD

Antwort
von dandy100, 70

Pazifist sein, bedeutet grundsätzlich friedfertig zu sein und nicht als Aggressor Kriege zu provozieren - es heißt nicht, dass man sich nicht verteidigen darf.

Kommentar von Halbammi ,

Das hat auch niemand behauptet.

Kommentar von dandy100 ,

Das Wort "müssten" statt "müssen" unterstellt aber direkt, dass Christen eben keine bedingungslosen Pazifisten sind - deshalb meine Antwort

Antwort
von alexander329, 9

Habe gerade einen interessanten Vortrag gehört. Dort heißt es unter bestimmten umständen gestattet die Kirche eine bewaffnete kriegerischen Intervention - sozusagen als humanitäre Intervention.Es muß allerdings immer das geringste Mittel angewendet werden - also Krieg als letztes Mittel, wenn alle anderen versagen. Kein Christ darf zur Waffe gezwungen werden es ist aber nicht verboten. So kamen auch die Kreuzzüge zustande - die dann leider ausuferten.

http://www.horeb.org/xyz/podcast/credo/20150611cr.mp3

Antwort
von Halbammi, 76

Meiner Meinung nach müssten alle Christen Pazifisten sein. aber nicht ausgehend von deiner Aussage ( denn nirgendwo steht geschrieben das man nicht durch das Schwert umkommen darf) sondern weil Jesus sagte: " und wenn dir jemand auf die linke Wange schlägt, so halte ihm auch die Rechte hin" und "Liebe deinen nächsten wie dich selbst".

Die Bedingungslose Liebe zum Menschen verbietet kriege ausdrücklich.

Kommentar von Rosenblad ,

Altruismus in seiner reinsten Ausformung?

Antwort
von Jogi57L, 49

praktisch ja !.. sind sie auch... 

Allerdings darf man nicht von der namentlichen Zugehörigkeit ausgehen.

ich schätze, es sind vielleicht 5-10 % der Namenschristen... die sich wirklich ernstlich darum bemühen... Christen im neutestamentarischen Sinne zu sein.

Wenn man eines der beiden wichtigsten Gebote von Jesus zugrunde legt....

"Liebe Deinen Mitmenschen wie Dich selbst"

ergänzt um die Ausführung:

"So, wie Du mit Deinen Mitmenschen umgehst, so wird der Herr am jüngsten Tag mit Dir umgehen..."

...erkennt man, von welch unglaublicher Weisheit und Klarheit dieses Gebot ist....

... und auch, dass es nahezu unmöglich ist, diesem Gebot vollumfänglich gerecht zu werden.

Aber, wer sich redlichen Herzens bemüht, sich dieser Vorgabe bestmöglich anzunähern... wird durch die Gnade des Opfers Jesu erlöst werden (können)

_______________________________________________________________

Man könnte da so "Einfügungssätze" bilden, wenn man es sich verdeutlichen will....

quasi: 

"Gehst Du "soundso" mit Deinen Mitmenschen um, wird auch der Herr "soundso" mit Dir umgehen...

z.B. :

Bist Du gütig und verzeihend zu Deinen Mitmenschen... wird auch der Herr gütig und verzeihend zu Dir sein...

Verachtest Du Deine Mitmenschen... wird auch der Herr Dich verachten....

Hilfst Du Deinen Mitmenschen... wird auch der Herr Dir helfen....

usw.....

_______________________________________________________________

Es ist sicherlich von allen Religionen das Schwierigste... "wahrer Christ" zu sein

Es gibt keine "Ersatzhandlungen"... keine Rituale.. keinen anderen Maßstab... als der Umgang mit den Mitmenschen....

.. wer seine Mitmenschen liebt, liebt Gott, denn alle Menschen gehören zur Schöpfung Gottes... ( entsprechend übertragen gilt dies wohl für die gesamte Schöpfung...)

______________________________________________________________

ein ( mögliches) Beispiel von "Vergebung"...in diesem Video.. wo evtl. deutlich wird, was "Namenschristen".. von wahren Christen unterscheidet:

Antwort
von aicas771, 35

JA, müssten sie, aber nicht wegen Mt. 26,52; sondern wegen Mt. 5,38-42.

Zusätzlich müssten sie auch Kommunisten sein (also ohne eigenen Besitz leben) und sich vorrangig für die Verbreitung des Evangeliums einsetzen (z.B. Mk.6,7-13; Mk.8,34-38).

Wer kann das und wer tut das?

Das läuft dem Wesen und den Zielen der "normalen" Menschen so sehr entgegen, dass nur ganz wenige so leben.

Diejenigen, die das tun, leben sehr eindrucksvoll ohne das zu wollen, wie z.B. Mutter Theresa.

Als Ideal, als Ziel, das es anzustreben gilt, ist das jedenfalls sehr gut geeignet. Der Beweggrund dafür wird auch mehrfach genannt: erfülltes Leben und seelische Gesundheit. Das ist heute vielleicht aktueller denn je.

Antwort
von OnkelSchorsch, 60

Lies mal im Neuen Testament.

"Glaubet nicht, ich sei gekommen, Frieden auf die Erde zu bringen. Ich
bin nicht gekommen, Frieden zu bringen, sondern das Schwert." (Mt 10:34 ...)

Kommentar von Hooks ,

Das ist ein völlig anderer Zusammenhang. Hier geht es darum, daß Familienbande kaputtgehen, weil einer Christus nachfolgt und der andere nicht. Dann ist keine Gemeinschaft mehr möglich.

In den Paulusbriefen wird dann beschrieben, in Epheser 6, wie die Waffenrüstung des Christen aussehen soll (weil wir nicht gegen Fleisch und Blut kämpfen). Ist ganz interessant, lies das mal nach.

Kommentar von Zicke52 ,

Ich stehe allen Religionen kritisch gegenüber, aber diese Bibelstelle als Beispiel für eine angeblichliche Gewaltaufforderung Jesu zu zitieren, ist unlauter. Da braucht es auch keine Verrenkungen und Kontexualisation, um sie richtig auszulegen, Jesus liefert die Erklärung nämlich gleich dazu: das Schwert schneidet bildlich die Familienbande durch ("ich bin gekommen, um den Sohn mit dem Vater zu entzweien und die Tochter mit der Mutter...") - ist zwar auch verwerflich, denn so machen es heute noch Sekten, und die werden zu Recht dafür kritisiert. Aber daraus einen Aufruf abzuleiten, den Glauben mit dem Schwert zu verteidigen, zeugt von intellektueller Unehrlichkeit. 

Soviel Objektivität muss sein.

Kommentar von OnkelSchorsch ,

Immer dasselbe bei den Religiösen: hält man ihnen ganz klare, eindeutige und unmissverständlcihe Belege für Gewaltaufforderungen  in ihren religiösen Texten hin, fangen sie an, was von "muss man symbolisch verstehen", "ist ja ganz anders gemeint" und so weiter zu erzählen. Ist immer so,.

Und deshalb hat es keinen Sinn, mit solchen Leuten zu diskutieren, denn diese Leute sind nicht diskussionsfähig. Egal, ob Christen, Moslems, Buddhisten oder sonst eine Glaubensgruppe.

Kommentar von Zicke52 ,

@OnkelSchorsch: Wenn du mich mit den "Religiösen" meinst, muss ich dich enttäuschen: ich bin Atheist und gehöre keiner Religion an, auch keiner esoterischen Richtung.

Wie gesagt, ich bin religionskritsch, aber bleibe bei meiner Kritik sachlich. Was du offenbar nicht tust.

Kommentar von Rosenblad ,

Der angeführte Text von Matth. 10:34 dürfte im Kontext auf die christliche Eschatologie ausgerichtet sein ("Endgericht") - auf das alle Christen in ihren "Mustergebet" intendieren (Matt. 6:10)

Kommentar von GFBen ,

Du verwechselst schlicht und einfach eine (prophetische) Feststellung mit einer Aufforderung. Soviel zum Thema "unmissverständliche Belege". Die Feststellung ist: Die Menschen werden sich nicht friedlich auf eine Koexistenz von Christgläubigen und Christungläubigen einigen können, sondern werden zum Schwert greifen. Das ist alles.

Antwort
von warehouse14, 49

Alle Christen sind Pazifisten. Nicht unbedingt, weil sie es sein müssen, sondern weil sie es sein wollen.

Es gibt aber immer mal ein paar minderbemittelte Leutchen, die sich selbst als etwas bezeichnen, dessen Definition sie nicht mal ansatzweise begreifen.

Und dann gibt es noch Leutchen, die mit Begriffen um sich werfen ohne deren Bedeutung überhaupt mal erforscht zu haben.

Nur so kann man verstehen, wieso Kreuzritter von gewissen Leutchen als Christen verstanden werden.

Kann ja nicht jeder 'ne große Leuchte sein. ;)

warehouse14

Kommentar von dandy100 ,

Hätte es keine Kreuzzüge und keine grundätzliche Verteidigung des christliche Glaubens gegeben, dann gäbe es heute in Europa das Christentum schon lange nicht mehr, immerhin war im Laufe der Jahrhunderte der Vormarsch islamischer Mächte schon bis zu den Stadttoren Wiens vorgedrungen; die Kreuzritter wußten zu ihrer Zeit schon sehr genau, was sie taten und sie als Nichtchristen zu bezeichnen, ist eine mehr als oberflächliche Sichtweise - das Christentum war nur - im Unterschied zu heute -  wehrhaft, und das aus guten Grund

Kommentar von Rosenblad ,

Gut das es immer wieder kausale Hintergründe gibt - für mich bleibt dann aber die Frage: Waren sich die Christen dem allen allein überlassen, wo blieb die Führung Gottes, wo sein Schutz, wo seine "Allmacht". Muß eine Glaube, eine Religion, ein Gott somit wie im AT mit Waffengewalt verteidigt und missioniert werden?

Kommentar von dandy100 ,

Die Allmacht Gottes bedeutet nicht gleichzeitig die Unfreiheit des Menschen, jeder ist frei zu entscheiden, an was er glauben will, und ob er Gutes oder Böses tut.

Wer an christliche Werte und Gebote glaubt, sollte sich für sie einsetzen; wenn es niemand tun will, geht das Christentum eben unter - Gott wird die Menschen nicht dazu zwingen, das widerspricht der Botschaft von Jesus, der jedem Menschen die freie Wahl lässt.

Die Botschaft ist den Menschen gegeben, ob sie ihr folgen und dafür leben, kämpfen und sterben bleibt ihnen allein überlassen.

Antwort
von Hooks, 36

Natürlich.

Antwort
von Sturmwolke, 17

Richtig.

Schau Dir hier einmal die hilfreichste Antwort an:

https://www.gutefrage.net/frage/was-bedeuten-die-namen-christentum-oder-christen...

Antwort
von sandrik700, 63

Ja eigendlich schon

Weil wir uns an Gottes Gebot halten. Denn in der Bibel steht: „Sie werden ihre Schwerter zu Pflugscharen schmieden müssen ..., auch werden sie den Krieg nicht mehr lernen“ jesaja2:4

Jesus wies Petrus an: „Stecke dein Schwert wieder an seinen Platz, denn alle, die zum Schwert greifen, werden durch das Schwert umkommen“ (Matthäus 26:52). Damit machte Jesus deutlich, dass seine Nachfolger nicht zu den Waffen greifen.
Jesus gab seinen Jüngern außerdem das Gebot, „kein Teil der Welt“ zu sein. Christen halten sich also aus politischen Angelegenheiten völlig heraus (Johannes 17:16). Sie protestieren zum Beispiel nicht gegen Militäreinsätze. Sie mischen sich aber auch nicht ein, wenn sich andere für den Wehrdienst entscheiden.

Jesus gebot seinen Jüngern, einander zu lieben (Johannes 13:34, 35). Sie würden also eine internationale Gemeinschaft von Brüdern und Schwestern sein, in der keiner jemals gegen den anderen in den Krieg zieht




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