Frage von hvladi, 58

Müsste eine wohlwollende Regierung nicht vieles verstaatlichen?

Die obige Frage klingt vielleicht etwas unklar, hier der eigentliche Gedanke: Unsere Regierungen reden von freier Marktwirtschaft, so als müsste sich der Markt selbst regulieren durch Angebot und Nachfrage. Gleichzeitig rettet die Regierung aber manche Industrien durch Subventionen mit Steuergeldern vor einer Pleite (Abwrackprämie, Bankenrettung). Dies entspricht nicht der freien Marktwirtschaft, sondern macht die Reichen noch reicher. Ich hatte deshalb folgende Idee: wenn eine Regierung es gut meinen würde mit dem Volk, und den armen helfen wollte, müsste sie doch eigentlich folgendes tun. Sie könnte in verschiedenen Branchen, zB Internetanbieter, ein eigenes Monopol aufbauen. Dazu würde sie einige Steuergelder nutzen, um einen staatlichen Internetanbieter aufzubauen, der ganz billig Internet anbieten würde (oder sogar kostenlos). Dann müssten nicht alle so viel Geld dafür bezahlen. Das selbe könnte die Regierung zB mit Wohungen machen. In jeder Stadt einige Häuser bauen, die staatlich sind und armen Menschen für ganz wenig Geld zu mieten/kaufen bereitstehen. Oder Lebenmittelkonzerne, die für billige Lebensmittelpreise sorgen. Somit würde nicht ein privater Konzern auf Kosten des Volkes Profit machen, sondern die Regierung würde den ärmeren unter die Arme greifen, damit sie sich alles leisten könnten. Bitte nicht einfach als Antwort angeben, dies sei Kommunismus und der hätte nicht geklappt. Bitte sagt mir, was an meinem Gedanken schlecht wäre, oder warum unsere Regierung so etwas nicht macht. Danke.

Antwort
von voayager, 27

Du gehst von falschen Voraussetzungen aus, übersiehst geflissentlich, dass ein bürgerlicher Staat nicht zum Wohl der breiten Masse da ist, sondern vielmehr zum Wohl des Kapitals allgemein, dass der Konzerne insbesondere. So jedenfalls ist es in einem Staatsmonopolkapitalismus, den wir hier haben. Der bürgerliche Staat an sich, ist der ideelle Gesamtkapitalist, seine jeweiligen Regierungen, die geschäftsausführenden Organe. Die jeweiligen Regierungen vertreten also bestimmte Interessen und das sind nicht die von "Krause", sondern es sind die von "Krupp", also die der Konzerne. Es wundert daher nicht, dass es seit der Ära Willi Brandt keine allgemeinen Verbesserungen für die Mehrheit des Volkes mehr gegeben hat. Gibt es die doch, dann sind sie teils in harten Klassenkämpfen von den Werktätigen durch Streiks errungen, oder ein Systwemwettbewerb hat den Kapitalismus und seine Regierungen zu Zugeständnissen bewogen. Als es noch die DDR gab, ging es in der Tat sozialer zu als heutzutage, wo der Systemwettbewerb flach fällt. Weiterhin wird das Volkswohl auch durch eine nachlassende Konjunktur negativ beeinflußt. In Zeiten eines wirtschaftlichen Booms ist es einfacher, dem Kapital was abzutrotzen seitens der Lohnabhängigen, als bei nachlassender Konjunktur. Doch das sind dann Dinge, die nichts mit den Regierungen zu tun haben. So lange wir keine linke Regierung an der Macht haben, können die Lohnabhängigen nichts Gutes vom Staat und seinen Regierungen erwarten, erst recht nicht die prekarisierten Menschen, also Arbeitslose und Armutsrentner.

Es gab übrigens vor der Wende einige Staatsbetriebe in der alten BRD, so z.B. die Post sowie die Fernmeldeämter. Das waren durchaus eine soziale Einrichtung, die viele Vorteile gegenüber dem heutigen Postdiensten und Telediensten hatten.

Fazit. du wirst ohne Machtübernahme durch eine sozialistische Regierung nie wieder Wohltaten einer sonstigen Exekutive hierzulande erleben. Du wirst aber erleben, dass alles nur schlechter wird.


Kommentar von Madmoisele ,

Ich stimme grösstenteils Ihrer Antwort zu.

Nur in einem nicht: Den Streiks. So, wie es sich für mich darstellt, erhalten nach einem Streik einige Menschen mehr Geld, aber viele Sachen verteuern sich für alle anderen. Sodass oft den ärmeren Menschen das Geld aus den Taschen gezogen wird, anstatt den Bonzen. BEISPIEIL: Letzteren tut es nicht weh, wenn das Brot 50 ct teurer wird. Der alleinerziehenden Sozialhilfeempfängerin aber sehr.

Es müsste irgendeinen anderen Ansatz geben.

LG

MADMOISELE

Kommentar von voayager ,

So einfach läuft es nicht, wie du das sagst. Die bürgerlichen Medien ggaukeln uns das vor, dass bei einer Lohnerhöhung automatisch die Preise dan nanziehen. Mit diesem Popanz sollen die Lohnabhängigen vom Streik abgehalten werden, dabei ist dies die einzige Waffe, die sie haben.  Bereits da sollte man sich fragen, warum Privatzeitungen dies so stark hervorheben! Heben die etwa auch besorgt ihre Mahnungen, wenn ein Sozialabbau erfolgt, wenn H-4 Leute wieder mal erneut schikaniert werden - nicht das ich wüßte. Doch zurück zu der sogenannten Lohn-Preis-Spirale. Wenn die Kapitaleigner so einfach Lohnerhöhungen auf Preise abwälzen könnten, warum wehren sie sich dann so heftig gegen Streiks. Warum setzen sie alle Hebel in Bewwegung diese zu verhindern? Und warum lassen sie die Preise nicht auch ohne Lohnerhöhung ansteigen. Weil sie so anständig sind, wirst du vielleicht sagen. Wenn du das akllerdings denken solltest, dann biste wirklich auf einem völlig falschen Dampfer. Es sei dir auch gesagt, dass die Lohn-Preis-Spirale auch deshalb nicht stimmt, weil bei Preiserhöhungen nicht bestreikte Betriebe billiger auf dem Markt einspringen. Das wirkliche Geheimnis warum Arbeitgeber und deren Staat so heftig gegen Streiks hetzen, ist die Tatsache, dass durch jeden Streik der Profit geschmälert wird. Dies der Grund warum das Schreckgespenst der Lohn-Preis-Spirale uns aufgetischt wird. Es sollen einfach die Profite nicht angetastet werden.

Dann noch was, es gibt Länder wo ausgeprochen viel gestreikt wird und die Preise um einiges niedriger sind, als hier, wo recht selten gestreikt wird. Es sei auch erwähnt, dass z.B. ein streik in der Stahlindustrie doch garnicht sagen wir mal die Lebensmittelpreise anziehen lassen kann, was wäre denn das für eine Logik.

Und was ist mit all den zurückliegenden Streiks, z.B. jene für mehr Arbeitsschutz, für kürzere Arbeitszeiten, dann jene in den 70-er Jahren des letzten Jhdts, wo Lohnerhöhungen im zweistelligen bereich erkämpft wurden und die Preise dennoch stabil blieben.

Antwort
von hansmann1, 31

Wir haben auch gar keine freie Marktwirtschaft. Die wäre nämlich frei von staatlichen Regulierungen und somit sich selbst überlassen. Wir haben eine soziale Marktwirtschaft.
Weil der Staat Förderungen für mehr Arbeitsplätze sorgt, subventioniert und vor allem schafft der Staat einen rechtlichen Rahmen, in der sich die Wirtschaft bewegen darf.
So fällt auch der Mindestlohn etwa in diesen Bereich.
Natürlich kommt der Staat dem Begriff "sozial" nicht so ganz hinterher. Etwa die Bevorzugung von Banken oder der Vernachlässigung einkommensschwacher Menschen oder erwerbslosen Leuten. Denn in der sozialen Marktwirtschaft gehört es auch dazu, soziale Verhältnisse zu schaffen, um sich eben genau der Nachteile der freien Marktwirtschaft zu entledigen. Und genau das wird zunehmend vernachlässigt. Arme werden Ärmer, Reiche werden Reicher. Manager können nahezu unbegrenzt verdienen, manche dagegen gerade so viel dass sie über die Runden kommen, und sich dann aber schon fragen müssen, wie sie die Klassenfahrt des Kindes zahlen sollen. Auch beugt sich die Regierung zunehmend dem Willen großer Milliarden Konzerne. Auch eher das Gegenteil davon was die soziale Marktwirtschaft sein soll.

Antwort
von PapaVon2Teenies, 32

Gute Frage.

Einiges davon gibt es, z.B. "Stichwort Sozialen Wohnungsbau", der kostengünstig Wohnungen vermietet an Bedürftige, die vom Amt einen Wohnberechtigungsschein erhalten. Einige andere Betriebe dienen der "Stichwort Daseinsvorsorge" und waren daher z.T. bis in die 1990er staatlich: Energieversorger, Wasserwerke, Post, Telekommunikation, Bahn. Gründe dafür waren einerseits, eine flächendeckende Versorgung sicherzustellen und nicht nur attraktive (gut bevölkerte) Gebiete zu versorgen, und andererseits, sozialverträgliche Preise sicherzustellen. Die in den 90ern erfolgte "Stichwort Privatisierung" der Betriebe (ein Teil, wie die Bahn, noch mittelbar im Staatseigentum) hat Vorteile, aber auch massive Nachteile. Hier gibt es durchaus Bestrebungen, solche Privatisierungen auch wieder rückgängig zu machen. Eine "kleine Privatisierung" sind die kommunalen Auslagerungen von z.B. Stadtwerken, die die öffentliche Hand bezahlt hat, in den freien Markt unter Beteiligung der Kommune als Eigentümer.

Kleineres Beispiel ist z.B. die Stichwort "Buchpreisbindung", mit der der Zugang der Bevölkerung zu Literatur und Wissen gesichert werden soll.

Der Grundgedanke hinter der Privatisierung ist, daß Wettbewerb für bessere Qualität und Vielfalt bei geringeren Preisen sorgt. Ob es stimmt, kann man lange diskutieren...




Antwort
von Omikron6, 35

Und wie soll der "Staat" das alles finanzieren? Steuereinnahmen erzielt der Staat doch dadurch, dass ,Menschen arbeiten und von ihrem Lohn Steuern zahlen. Ebenso zahlen "Firmen" von ihren Gewinnen Steuern.

Kommentar von hvladi ,

Der Staat hat sich Geld genommen, Banken zu retten.

Der Staat hätte auch Geld nehmen können, Bürgern zu helfen.

Kommentar von Omikron6 ,

Von wirtschaftlichen Zusammenhängen scheinst du nicht  viel zu verstehen...

Kommentar von rolfmartin ,

Dem kann ich mich nur anschließen. Es wurde von dem Kommentie-renden die Finanzkrise, von Amerika ausgehend, nicht in Betracht gezogen.

Antwort
von archibaldesel, 27

Staatliche Monopole funktionieren nicht. Sie sind, wie alle Monopole, nicht leistungsfähig. Was nützen dem Bürger ein staatlich kontrolliertes Telekommunikationsunternehmen, das weder Leistung noch Service bietet? Sowas gab es jahrzehntelang. 

Kommentar von voayager ,

unsubstantiierte Äußerung

Kommentar von archibaldesel ,

Substanzloser Kommentar.

Kommentar von atzef ,

Jahrzehntelang gab es eigentlich eine ausgesprochen leistungsfähige und sehr serviceorientierte Post einschließlich Telekommunikation. Die hat sogar noch den SMS-Standard entwickelt.

Demgegenüber gehen die Privatisierungen bei Bahn und Post einher mit einem drastischen Leistungs- und Serviceabfall für die Endkonsumenten.

Insofern referierst du hier lediglich die etwas scheuklappige offizielle Ideologieverkündigung. Als Kunde, der alt genug ist, um zu vergleichen, kann ich die nur als Ausgeburt einer Fabelwelt zurückweisen.

Andererseits halte ich staatliche Monopolunternehmen auch nicht wirklich für der Weisheit letzter Schluss. Aber in Punkto Leistung, Service oder auch Preis-Leistungsverhältnis hast du dir da denkwürdig miese Bsp. GEGEN staatliche Monoole ausgesucht...:-)

Kommentar von archibaldesel ,

Dann war unsere Wahrnehmung wohl sehr unterschiedlich. Wenn ich an die Telekom als Staatsmonol denke, fallen mir mieser Service, Regulierung bis ins Kleinste, schlechte, vorgegebene Technik bis zum Telefon ein.

Ein weiteres gutes Beispiel dafür, dass staatlich kontrollierte Unternehmen oft schlechter funktionieren, als Private, sind gerade die oft kritisierten Banken. Während und nach der Finanzmarktkrise waren es insbesondere die Landesbanken, die staatliche Hilfe benötigten. Als Beispiele seien genannt: WESTLB, HSH Nordbank, SachsenLB, Bremer Landesbank, BayernLB. Die HSH existiert heute nur noch, weil die Länder Schleswig-Holstein und Hamburg einen Großteil der faulen Kredite übernommen haben und zusätzlich eine Garantie i. H. V. 10 Mrd. EUR gegeben haben. Und das ganze Elend trotz oder gerade, weil die Aufsichtsorgane mit Politikern besetzt sind.

Antwort
von atzef, 30

Denk doch einfach deinen eigenen Gedanken konsequent zu Ende... Dann kommst du schon selber darauf, warum deine "Idee" nicht funktionieren kann. :-)

Kommentar von hvladi ,

Es ist keine "wohlwollende" Regierung.

Kommentar von atzef ,

Falsch. Denk länger und intensiver nach.

Antwort
von lesterb42, 18

Meinst du wirklich, dass der Staat mit seinen Beamten effektiver ist, als Unternehmer, die mit ihrem eigenen Kapital unterwegs sind?

Antwort
von Madmoisele, 11

Doch, ich komme mit Kommunismus. Er wäre mein Traum! Er wäre die beste Staatsform, wenn die Menschen dazu fähig wären. Heisst, die einen nicht Lumpen wären, die ihre Mitmenschen unterdrücken und ausbeuten. Und die anderen nicht so gutmütig und vertrauensseelig, dass sie sich  unterdrücken und ausbeuten lassen.
Ich bin aber sicher, will die Menschheit überleben, wird sie sich eine solche oder ähnliche Form des Zusammenlebens, wie Sie beschreiben, einfallen lassen müssen.

LG

MADMOISELE

Kommentar von palzbu ,

Ich bin aber sicher, will die Menschheit überleben, wird sie sich eine solche oder ähnliche Form des Zusammenlebens, wie Sie beschreiben, einfallen lassen müssen.

Genau so ist es. Leider steuern wir im Moment auf den Abgrund zu und ich denke, dass der Egoismus der Menschen die Lebensgrundlage der Spezies Mensch zerstört. Leider.  

Kommentar von Madmoisele ,

Ja, ich muss Ihnen recht geben. Wir, die Spezies Mensch steht am Abgrund und nichts wird ihren Fall verhindern. Sie hat es nicht anders verdient.

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