Frage von Unnutzer, 99

Müsste Alexis Tsipras nicht mittlerweile eine Krawatte tragen?

Er hat schließlich seine ursprüngliche Linie aufgegeben und ist auch nur noch ein Teil des Establishments. Die Frage ist ernst gemeint...

Antwort
von MrHilfestellung, 57

Er hat ja nicht gesagt, dass er eine Krawatte trägt, wenn er von seinem Kurs abweicht, sondern dann, wenn die Krise in Griechenland beendet ist.

Kommentar von Unnutzer ,

Aber trotzdem reiht er sich seit seiner Kehrtwende perfekt in die Krawattenträger ein.

Kommentar von MrHilfestellung ,

Ja. 

Antwort
von veritas55, 31

Es gibt weltweit kaum ein Land (ausgenommen vielleicht Bhutan und/oder Nord Korea - wobei letzteres auch nicht die allerbeste Lebensqualität bietet ;)) und somit auch keinen Regierenden das/der von wirtschaftlichen Interessen (man kann es auch Erpressungen nennen...) unabhängig ist.

Deshalb ist es zu kurzsichtig oder einseitig gesehen, einen Politiker für solche Anpassungen (wie sie nicht nur von Griechenland verlangt werden) verantwortlich zu machen.

Nicht umsonst hat Varoufakis das Handtuch geschmissen - er ist intelligent genug um zu realisieren, dass die Macht nicht bei einer demokratisch gewählten Regierung sondern bei Banken und Konzernen liegt - solange sich die Politiker der meisten Staaten deren Interessen unterordnen wird sich daran auch nichts ändern und ein kleines, dazu noch wirtschaftlich desolates Land wie Griechenland ist, samt seiner Regierung, völlig machtlos/ohnmächtig.

Deshalb tätest du besser daran, dich z.B. bei Attac zu engagieren als dir Gedanken über eine Krawatte für Tsipras zu machen ;).

Aber wenn dich das Thema Krawatte so beschäftigt, dann schick ihm doch einfach eine - die findest du in jedem Sozialkaufhaus schon für 20 ct. ;).


Kommentar von Unnutzer ,

Ich kann mir schon denken, dass er unter enormem Druck von allen Seiten stand. Trotzdem hätte ich an seiner Stelle lieber eine emotionale Rede gehalten, die ganze Idiotie der Verhandlungen angeprangert und wäre dann zurückgetreten. Sein tatsächliches Handeln finde ich schlicht untragbar.

Kommentar von veritas55 ,

Und was wäre deiner Meinung nach bei Neuwahlen die Alternative gewesen ?

- Die Typen wieder zu wählen, die Jahrzehnte davor den ganzen Schlamassel verursacht haben ?

- Oder die "Goldene Morgenröte" der sich aus Frust immer mehr (meist politisch unbedarfte) verarmte Leute zuwenden ?

- Oder ein Militärputsch den die Gläubiger sicher begrüßen (vielleicht sogar unterstützen) würden wenn ein Bürgerkrieg zwischen Linken und Rechten droht ?

- Oder würdest du "ganz einfach" den Gläubigern den Mittelfinger zeigen und dann, wenn es keine weiteren Kredite gibt den Rentnern erklären, dass sie auf ihre Rente samt Ersparnisse  leider komplett verzichten müssen weil kein Geld mehr da ist ?

Und würdest du einen Grexit verantworten können der ein unkalkulierbares Chaos und noch viel mehr Elend als jetzt, eventuell sogar einen Bürgerkrieg verursachen würde ?

Für Außernstehende ist es immer einfach sich ein Urteil zu bilden - wenn man für das (Über-)Leben von über 11 Millionen Menschen (davon 1 Million Flüchtlinge) die Verantwortung hat, sieht die Sache ganz anders aus...

Also nochmal meine Frage:

Wie würde deine Alternative aussehen wenn du vermeintlich das Sagen hättest ?

Kommentar von Unnutzer ,

Anarchie. Und wer das nicht will, soll sich ruhig weiter mit dem ständigen Wechsel von enttäuschenden Marionetten herumquälen. Aber wer sich diesem Unsinn nicht unterordnen will, sollte doch bitte in Freiheit leben können. Eine Koexistenz ist möglich... Und trotzdem: Grexit.

Kommentar von veritas55 ,

Als sattes Wohlstandsbürgerkind kannst du leicht von Anarchie und Freiheit reden - ich wette, du hast in deinem Leben noch kein einziges Mal Hunger gehabt und was es heißt, mit Kind und Kegel auf der Straße leben zu müssen oder bei Krankheit nicht behandelt zu werden, gehört sicher auch nicht zu deinem Erfahrungsschatz !?

Dein Kommentar zeigt keine Alternativen auf, nicht mal andeutungsweise eine Idee wie du deine Vorstellungen umsetzen würdest - deshalb lässt sich damit leider auch nichts anfangen.

Solidarität und klare Forderungen sind da überzeugender:

http://griechenlandsoli.com/2016/02/04/attac-fluechtlingselend-in-griechenland-e...

Kommentar von Unnutzer ,

Das mag jetzt erstmal nicht wirklich ehrlich klingen, aber doch, ich habe so einige dieser Situationen fast selbst erlebt (das heißt, ich konnte zeitweise nicht behandelt werden, war aber nicht krank und auch Nahrung war manchmal sehr knapp) und bin im Grunde ein Teil der "oberen" Unterschicht. Außerdem habe ich 2 Verwandte in Griechenland, die Zustände dort sind mir nicht unbekannt. Und gerade dort ist die anarchistische Szene relativ groß...

Aber ich versuche nochmal, meinen Vorschlag etwas deutlicher auszudrücken; Jeder Grieche soll die freie Wahl zwischen zwei Parallelgesellschaften haben, die miteinander koexistieren.

Einerseits Anarchie, andererseits eine Fortführung des kapitalistischen Systems. Die räumliche Separation kann sich längerfristig herausbilden. Meine Visionen für die hierarchische Gesellschaft: Vollständiger Schuldenerlass, Grexit, neue Währung mit Kursbindung an den Euro, wirksame Verhinderung der Korruption durch permanente Überwachung der Beamten (ja, das meine ich ernst), Demilitarisierung, Wiederverstaatlichung der privatisierten Unternehmen, bedingungsloses Grundeinkommen (finanziert durch eine Vermögensobergrenze) sowie allgemein eine finanzielle Umverteilung von oben nach unten.

Ob das Populismus oder eine umsetzbare Alternative ist, musst du selbst beurteilen.

Kommentar von veritas55 ,

Und gerade dort ist die anarchistische Szene relativ groß...

Das stimmt.

Und deshalb liegt den Interessensvertretern von Wirtschaft und Politik ganz besonders viel daran, dass die Syriza baden geht - die Aufmüpfigkeit vieler Griechen stört die Wirtschaftsinteressen bzw. deren Lobbyisten und politischen Strategen schon lange - die warten doch nur darauf ein Zeichen zu setzen, dass linke Ideen und Regierungen keine Chance in Europa haben.

Eine anarchistische Parallelgesellschaft gibt es in Griechenland schon seit hundert Jahren - wenn du mal den Athener Stadtteil Exarchia besuchst, wirst du dich mit deiner Einstellung ganz wie Zuhause fühlen ;).

Bislang war die Koexistenz ja auch einigermaßen gut möglich - abgesehen von gelegentlichen Straßenschlachten mit der Polizei....

Ganz anders sieht es aber aus wenn es zu einem Bürgerkrieg zwischen den Linken und den Ultra-Rechten kommen sollte: die Neo-Nazis haben zunehmenden Zulauf (ca. 10% der Wähler - 18 Sitze im Parlament), die machen jetzt schon Jagd auf Linke, haben bereits einen Rapper erschossen und es ist nicht auszudenken was passiert, falls die an die Macht kommen sollten was nicht auszuschließen ist wenn die Syriza scheitert !

Vollständiger Schuldenerlass, Grexit, neue Währung mit Kursbindung an
den Euro, wirksame Verhinderung der Korruption durch permanente
Überwachung der Beamten (ja, das meine ich ernst), Demilitarisierung,
Wiederverstaatlichung der privatisierten Unternehmen, bedingungsloses
Grundeinkommen (finanziert durch eine Vermögensobergrenze) sowie
allgemein eine finanzielle Umverteilung von oben nach unten.

Einige deiner Ideen klingen gut - standen teilweise auch im Parteiprogramm der Syriza, aber du hast offenbar nicht verstanden, dass die griechische Regierung überhaupt keine Entscheidungsfreiheit mehr hat weil jeder Gesetzesentwurf von den "Institutionen" abgesegnet werden muss...

Eine Weigerung bedeutet zwangsläufig, dass es schlagartig kein Geld mehr für öffentliche Ausgaben (Gesundheit, Bildung, Gehälter, Renten etc.) gibt und sämtliche Ersparnisse aller mittelständischen Bürger im digitalen Schuldensumpf verschwunden wären - das würde den absoluten Kollaps bedeuten !

Soweit ich das beurteilen kann, ist das deshalb nicht umsetzbar weil Griechenland mittlerweile viel zu sehr in das kapitalistische Wirtschaftssystem eingebunden und damit von lebenswichtigen Importen (Lebensmittel, Medikamente und Energie) abhängig ist.

Sich da auszuklinken würde vor allem für Alte, Kranke und Kinder eine unvorstellbare Not bedeuten die Niemand verantworten kann !

Deine Vorschläge sind also keine umsetzbare Alternative, auch kein Populismus, sondern schlicht ein wenig naiv - leider...

Kommentar von Unnutzer ,

Den Vorwurf der Naivität muss ich mir als Anarchist ständig anhören. Aber wenn man sein Gehirn weiter wie in eine Gefängniszelle behält und keine gedanklichen Grenzen überschreitet, können einige (auf den ersten Blick) absurde, letztendlich aber eventuell ganz gute Vorschläge verloren gehen.

Und ich habe eine weitere derartige Ansicht: Ein Aufstand wäre ganz praktisch. Nein, Gewalt ist dafür nicht notwendig. Trotzdem werden die Nazis wohl kaum die Initiative übernehmen. Vor der goldenen Morgenröte des Atompilzes kommt eine entspannte Nacht der Anarchie.

Jedenfalls kann man den derzeitigen Zustand nicht mit "rechtsstaatlichen" Mitteln (beides nach EU-Interpretation) verändern. Insofern müssten sich Parteien wie Syriza schon mal darüber hinwegsetzen... Denn wenn die neue Währung an den Euro gekoppelt wird und gleichzeitig alle Schulden annulliert werden, wird die NATO wohl kaum militärisch den Geldeintreiber spielen. Griechenland müsste sich "einfach nur" dem Druck wiedersetzen und autark handeln.

Kommentar von veritas55 ,

Ein Aufstand wäre ganz praktisch. Nein, Gewalt ist dafür nicht notwendig

Was meinst du denn wie schnell ein gewaltloser Aufstand mittels militärischer Gewalt zerschlagen würde !?!

Denn wenn die neue Währung an den Euro gekoppelt wird und gleichzeitig alle Schulden annulliert werden,

Das können doch nicht die Schuldner sondern nur die Gläubiger bestimmen ob Schulden annulliert werden... Genau darum, dass ein Großteil der Schulden gestrichen wird, bemüht sich Tsipras ja indem er den Anpassungswilligen gibt - dabei beißt er bislang bei Schäuble und Konsorten allerdings auf Granit...

wird die NATO wohl kaum militärisch den Geldeintreiber spielen.

... welches Geld ???

Ohne weitere Kredite ist doch gar keins mehr da - für Niemanden !

Außer nat. für die Reichen, die ihr Geld im Ausland gebunkert haben - die tangiert das Ganze sowieso nicht.

Um autark (über)leben zu können müssten die übrigen Griechen (und zwar alle Betroffenen) erstmal ein entsprechendes solidarisches Netz entwickeln damit sie komplett ohne Geld bzw. mit einer Alternativwährung über die Runden kommen, z.B. durch regionale Vermarktung,Tauschsysteme, Nachbarschaftshilfen etc.. - sowas braucht Zeit und klappt gewöhnlich nur bei kleineren Bevölkerungsgruppen, z.B. mit einer regionalen Währung die alle Beteiligten anerkennen müssen.

Ein ganzes Volk von Geld unabhängig zu machen ist eine ganz andere Hausnummer und wenn in Griechenland die Familien nicht so zusammenhalten würden, dann hätte es schon längst Hungertote gegeben. "Ganz einfach" ist da nichts !

Genau das meine ich mit "naiv" ;).

Deine Ansichten sind zwar sympathisch aber leider wegen der Verflechtungen innerhalb des kapitalistischen Wirtschaftssystems dem Griechenland nunmal ausgeliefert ist nicht realisierbar...

Selbst Che hätte in Europa keine Chance gehabt - auch wenn die Nato mit "Geldeintreiben" rein garnix zu tun hat ;).

Kommentar von veritas55 ,

aber doch, ich habe so einige dieser Situationen fast selbst erlebt (dasheißt, ich konnte zeitweise nicht behandelt werden, war aber nicht krank und auch Nahrung war manchmal sehr knapp)

Es ist ein himmelweiter Unterschied ob du ohne Krankenversicherung jung und gesund oder alt und krank bist !!!

Ebenso kannst du kurzfristig knappe Nahrung nicht mit langfristigem Hunger vergleichen - ohne Aussicht auf Besserung !!!

Und was kriegsähnliche Zustände bedeuten können wir uns alle zum Glück nicht vorstellen...

Kommentar von Unnutzer ,

Mag sein... Vor Krieg kann man allerdings fliehen (anders als vor Krankheit oder Hunger).

Kommentar von veritas55 ,

Abgesehen davon, dass die Griechen mit Sicherheit lieber in ihrem Land bleiben wollen anstatt vor Krieg fliehen zu müssen (schlimm genug, dass sich soviele junge Leute gezwungen sehen auszuwandern um einen Job zu finden...) - denkst du, dass ein paar Millionen weitere Flüchtlinge (zusätzlich zu den 60 Millionen die es auf der Welt schon gibt) die Lösung des Problems wären ???

Spätestens an dem Punkt müsste dir klar sein, dass deine Ideen leider realitätsferne Träumereien sind und den betroffenen Menschen in keiner Weise weiterhelfen.

Kommentar von Unnutzer ,

Natürlich ist das kein erstrebenswerter Zustand, das meine ich ja auch gar nicht. ;)

Übrigens, danke für dein Kompliment...

Kommentar von veritas55 ,

Gerne - denn im Grunde sympathisiere ich ja mit deinen Vorstellungen ;). In deinem Alter hätte ich dir noch vorbehaltlos zugestimmt und ich finde es super, dass es unter jungen Leuten immer noch einige Idealisten gibt :) !

Leider - da ich schon viermal so viele Jahre  auf dem Buckel habe - bin ich inzwischen ziemlich desillusioniert...:/.

Antwort
von voayager, 44

Und das soll ausgerechnet eine ernste Frage sein?

Kommentar von Unnutzer ,

Ja.

Kommentar von voayager ,

immerhin reagierst du fix

Kommentar von Unnutzer ,

Sollte ich das nicht?

Kommentar von voayager ,

keine Ahnung, gesichert ist nur, dass dich das Kravatten tragen beschäftigt

Kommentar von Unnutzer ,

Na ja, mich interessiert eher im allgemeinen die Verlogenheit der Politik. Und Tsipras' Krawattenkonflikt ist ein anschauliches Beispiel dafür.

Kommentar von voayager ,

du verallgemeinerst zu sehr, es gibt nicht "die" Politik

Kommentar von Unnutzer ,

Mag ja sein, aber trotzdem lehne ich Politiker, die über andere Menschen herrschen grundsätzlich ab.

Kommentar von voayager ,

Den herrschaftsfreien Raum gäbe es nur in einer anarchistischen Gesellschaft, also nur in Wolkenkuckucksheim. Tsipras ist natürlich ein Verräter, aber welcher Sozialdemokrat ist das nicht - alle sind sie es.

Kommentar von Unnutzer ,

Ich bin Anarchist... Für mich sind aber nicht nur die selbsternannten Sozialdemokraten Verräter.

Kommentar von voayager ,

Da liegst du richtig, doch versprechen die sonstigen bürgerlichen Politiker nicht groß was in Sachen Sozialpolitik und genau da hat dieser Tsipras, dieser lächelnde Sunnyboy die Massen schwer enttäuscht.

Kommentar von Unnutzer ,

Ich bin gespannt, wie die Zukunft in Amerika aussieht wenn Sanders Präsident werden würde. Hoffentlich ist er nicht ebenso verlogen.

Kommentar von earnest ,

Wird er nicht. 

Somit wird dir diese weitere Enttäuschung erspart bleiben.

Kommentar von Unnutzer ,

Das ist mir "leider" bewusst.

Kommentar von veritas55 ,

Wie Obama würde Sanders ebenfalls schnell seine Grenzen erkennen müssen, denn auch der angeblich "mächtigste Mann der Welt" ist letztendlich nur eine Marionette ganz anderer Interessensvertreter - da rennt Jeder mit sozialen Plänen schnell gegen eine Betonwand sobald Wirtschaftsinteressen tangiert werden :/.

Kommentar von veritas55 ,

Und Tsipras' Krawattenkonflikt ist ein anschauliches Beispiel dafür.

Ich bin sicher, der hat ganz andere Probleme als einen "Krawattenkonflikt"...

Und ich möchte deine "Kehrtwende" mal sehen wenn du gleichzeitig eine Pistole am Kopf und eine Kanone vor dem Bauch hast, mit der Wahl, dich für eins von beidem zu entscheiden...

Dann würden dir deine enthusiastischen Sprüche (die gleichen mit denen er vor einem Jahr auch angetreten ist) schnell vergehen ;)!

Kommentar von Unnutzer ,

Ganz ehrlich, mir wäre der Mord an mir lieber. Der Tod ist für mich nichts schlimmes (und erst Recht nicht ein so kurzer Leidensweg), außerdem würden Millionen von Menschen dann endlich mein Werk vollenden können, indem sie die Realität sehen.

Kommentar von voayager ,

2 Optionen hätte man von Tsipras erwarten können: 1. Rücktritt wie Varoufakis auch oder Austritt aus der Eurozone.

Kommentar von Unnutzer ,

Beides wäre besser gewesen als die Realität.

Antwort
von earnest, 28

Die Frage kommt mir ziemlich unnütz vor, Unnutzer.

Kommentar von Unnutzer ,

Aber sie ist bei weitem nicht die unnützeste Frage hier.

Kommentar von earnest ,

Wo du Recht hast, hast du Recht. 

;-))

Kommentar von Unnutzer ,

;)

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