Frage von thomas19900, 57

Müssen Katholiken z. B. auch dem Mörder ihrer Familie verzeihen?

Seit einiger Zeit beschäftige ich mich  mit der Bibel. Dort ist es üblich, dass wir u. a. unseren Feinden verzeihen und für sie beten. 

Doch wie schaut es aus, wenn frisch verliebte junge Partner, die gerade ein Baby bekommen haben, und Mutter und Kind werden nun getötet? 

Ich weiß, es ist ein sehr schreckliches Szenario. Doch interessiert mich dieser extreme Fall trotzdem, da der Vater nun ein Leben lang mit Schmerz und Kummer leben muss.

Antwort
von Whitekliffs, 48

Ich schliesse mich den Worten von Warehouse an.

Möchte noch ergänzen:

Wenn das grad eben passiert ist, dann darf der Mann zuerst einfach mal tief trauern. Er darf weinen und klagen und zutiefst trauern. Den Verlust von geliebten Menschen verkraften, braucht zuerst mal ganz viel Zeit.

Dann ist ja noch die Frage, ob diese beiden Menschen bewusst und kaltblütig und geplant umgebracht wurden.

Oder war es ein schreckliches Unglück?

Alles zu seiner Zeit. Die Wunde muss von innen heraus heilen und wenn Vergebung an der Zeit sein sollte, wird er es merken.

Allerdings fallen mir so spontan gar keine  Beispiele aus der Bibel ein, bei denen wir vergeben müssten, ohne dass der Schuldige seine Schuld erkannt und bekannt hat und sie ihm leid tut. Aber vielleicht kann mir da jemand weiterhelfen?

Antwort
von Viktor1, 29

Hallo,

die Botschaft Jesu ist nicht nur für die Katholiken da, sondern für alle Menschen. Warehouse14 hat gut beschrieben, wie "Verzeihung" sich auf den positiv auswirkt, welcher verzeiht.
Im Sinne der Heilslehre Jesu bewirkt sie, daß auch wir uns verzeihen, da auch wir nicht ohne Schuld sind. Uns werden damit auch eigene Verfehlungen vergeben. Auch das "Vater unser", welches ja jedem Christ (und auch anderen) bekannt ist beinhaltet ja in einer Bitte genau diese Verheißung Jesu.
Das "vergib.... wie auch wir" bedeutet dabei nicht, das wir nur das vergeben sollen was uns auch angelastet werden könnte (also wenn wir nicht morden auch keinen Mord vergeben müssen) sondern wir ganz und "von Herzen" dem anderen vergeben - der bereut !!, umkehrt.
Wäre diese Einschränkung nicht ein Widerspruch zu vor ? Keinesfalls, denn wenn jemand sein Unrecht nicht bereut, hat er ja noch nicht "abgeschlossen" sondern er ist immer noch in seiner Tat, seinem Unrecht, so als würde er noch handeln. So wird auch uns nur vergeben, wenn wir uns vom unserem Unrecht abwenden, umkehren ! (Buße=Umkehr)
https://de.wikipedia.org/wiki/Bu%C3%9Fe\_%28Religion%29
Jesus hat z.Bsp. nach der Erzählung  (Luk.23,43) von Lukas , am Kreuz nur dem Verbrecher vergeben, welcher bereute.
Auch wenn Menschen nicht "wissen was sie tun" , also ihr Unrecht nicht mit dem Herzen begehen, sollen wir verzeihen, wie es auch Jesus tat.

Gruß Viktor

Antwort
von warehouse14, 57

Nur, wer die aufrichtige Vergebung mal praktiziert hat, weiß, wie befreiend das sein kann. Und zwar befreiend für die Opfer...

Vergebung bedeutet nicht (!!!), daß man etwas Schlechtes gut findet.

Denk einfach mal darüber nach, was passiert, wenn dieser Vater aus Deinem Beispiel den Rest seines Lebens die Hassgefühle gegenüber dem Täter nicht loslassen will. Bringt es ihm denn den gewünschten Seelenfrieden, sich in Hass zu wälzen?

Wer sein Leben lang mit dem Schmerz und Kummer aufgrund solcher Ereignisse lebt, tut dies, weil er es nicht anders will.

Die Vergebung dient also weniger dem Täter als dem Opfer.

Der Täter wird selbst mit dem Leid, daß er verursacht hat, leben müssen. Und falls ihm die Fähigkeit zur Reue nicht gänzlich fehlt, ist das durchaus unangenehm.

Fehlt sie ihm jedoch, wird auch sämtlicher Hass seitens seiner Opfer ihm nichts bedeuten.

Bedenke auch mal folgendes: Wie schuldig fühlst Du Dich wohl erst, wenn jemand, dem Du (vielleicht absichtlich?) weh getan hast, sagt, daß er es Dir verzeiht?

Die menschliche Psyche ist schon ein seltsames Pflänzchen.

warehouse14

Antwort
von Cassie5, 42

Hallo!
Erstmal:
Nicht alle Christen sind Katholiken und nicht alle Katholiken sind Christen.

Zu deiner Frage:
Klar, dein Beispiel ist schrecklich! Es ist wirklich eine sehr verzwickte Situation voll Trauer, Wut und Verzweiflung.

Wir sollten uns aber erst einmal fragen, WARUM Gott schwierige Situationen zulässt...

Schwere Zeiten sind immer Zeiten, um uns zu prüfen.
Aber wusstest du, dass in der Bibel steht, dass Gott Christen nicht über ihre Grenzen hinaus versucht/prüft? Außerdem schafft er auch immer den Ausweg aus den Situationen.

Schwere Zeiten sind dazu da, um uns zu helfen, um uns im Glauben zu stärken und sich neu auf Gott auszurichten.

Und konkret auf das Thema Vergebung:

Vergebung ist eines der Schwierigsten Dinge, die ein Mensch tun kann. In der heutigen Gesellschaft wird man belächelt, wenn man vergibt, aber zeigt sich in Vergebung nicht wahre Stärke?

Christen wollen anderen vergeben, weil Gott ihnen ihre Sünde vergeben hat.
Außerdem kann Vergebung so befreiend sein!

Wenn du dich für das Thema interessierst, empfehle ich dir unbedingt den Film "Amish grace".
Es handelt von einem schrecklichen Attentat eines Mannes, der in einer Amisch-Schule in den USA fünf Mädchen erschießt.
Der Film wird aus der Sicht einer trauernden Mutter erzählt und zeigt sehr schön ihren Inneren Kampf.

DER FILM BASIERT AUF EINER WAHREN BEGEBENHEIT!

Du kannst ihn dir auch auf Englisch auf Youtube ansehen.

Ich hoffe, Ich konnte dir deine Frage zufriedenstellend beantworten. Weitere Fragen schreibe gerne in die Kommis.

Mit vielen Grüßen,
Cassie

Kommentar von JensPeter ,

Gute Antwort, Cassie5!

Man sollte darüber nachdenken wie man in diesem Fall die "goldene Regel" anwenden sollte:

Lukas 6:31 Und wie ihr wollt, daß euch die Menschen tun, so tut auch ihnen.

Sich also in die Person des Schuldigen hineinversetzen und überlegen was jetzt das Richtige wäre.

Beste Grüße

JensPeter

Antwort
von kdd1945, 24

Hallo thomas19000,

du hast doch sicher schon öfter in Mt 6 das "Vaterunser" gelesen und die Verse drumherum. 

Sowohl im Gebet als auch in der anschließenden Erklärung verlangt Jesus von dem, der im Gebet Vergebung seiner Sünden erbittet, dass dieser selbst bereits allen, die gegen ihn gesündigt haben, vergeben hat. (Die entsprechenden Textpassagen habe ich durch Fettdruck hervorgehoben.)

Diesen einfachen Text versteht wohl jeder. Da kann man nichts hinein-, aber auch nichts herausinterpretieren.

Zum besseren Verständnis habe ich dir Mt 6, 9-15 aus zwei verschiedenen    Übersetzungen kopiert. Zunächst aus der Neues Leben. Die Bibel (NLB).                                                                                                                                                                                                            

9  So sollt ihr beten: `Unser Vater im Himmel, dein Name werde geehrt. 10 Dein Reich komme bald. Dein Wille erfülle sich hier auf der Erde genauso wie im Himmel. 11 Schenk uns heute unser tägliches Brot1 12 und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir denen vergeben haben, die an uns schuldig geworden sind. 13 Lass nicht zu, dass wir der Versuchung nachgeben, sondern erlöse uns von dem Bösen2.´ 14 Wenn ihr denen vergebt, die euch Böses angetan haben, wird euer himmlischer Vater euch auch vergeben. 15 Wenn ihr euch aber weigert, anderen zu vergeben, wird euer Vater euch auch nicht vergeben.

Zum Studiumsvergleich noch einmal derselbe Text nach der 

Einheitsübersetzumg (EÜ):

 9 So sollt ihr beten: Unser Vater im Himmel, dein Name werde geheiligt,1 10 dein Reich komme, dein Wille geschehe wie im Himmel, so auf der Erde. 11 Gib uns heute das Brot, das wir brauchen. 12 Und erlass uns unsere Schulden, wie auch wir sie unseren Schuldnern erlassen haben. 13 Und führe uns nicht in Versuchung, sondern rette uns vor dem Bösen.2 14 Denn wenn ihr den Menschen ihre Verfehlungen vergebt, dann wird euer himmlischer Vater auch euch vergeben. 15 Wenn ihr aber den Menschen nicht vergebt, dann wird euch euer Vater eure Verfehlungen auch nicht vergeben.

Wenn du jetzt mal schaust, welche Begriffe jetzt hier synonym für "Schulden" verwandt werden: Schulden - Verfehlungen - Schuld - Böses.

Das alles muss vergeben werden - wenn wir Vergebung von Gott erwarten.

Aber, du bist mit deiner Frage in "guter Gesellschaft". Während du fragst, was man alles vergeben muss, fragt der Apostel Petrus, wie oft wir vergeben müssen. Das können wir lesen in Mt 18,21-35 (HFA) :

21 Da fragte Petrus: "Herr, wie oft muss ich meinem Bruder vergeben, wenn er mir Unrecht tut? Ist siebenmal denn nicht genug?" 

22 "Nein", antwortete Jesus. "Nicht nur siebenmal, sondern siebzig mal siebenmal. 

23 Man kann die neue Welt Gottes mit einem König vergleichen, der mit seinen Verwaltern abrechnen wollte. 24 Zu ihnen gehörte ein Mann, der ihm einen Millionenbetrag schuldete. 25 Aber er konnte diese Schuld nicht bezahlen. Deshalb wollte der König ihn, seine Frau, seine Kinder und seinen gesamten Besitz verkaufen lassen, um wenigstens einen Teil seines Geldes zu bekommen. 

26 Doch der Mann fiel vor dem König nieder und flehte ihn an: 'Herr, hab noch etwas Geduld! Ich will ja alles bezahlen.' 27 Da hatte der König Mitleid. Er gab ihn frei und erließ ihm seine Schulden. 

28 Kaum war der Mann frei, ging er zu einem der anderen Verwalter, der ihm einen kleinen Betrag schuldete, packte ihn, würgte ihn und schrie: 'Bezahl jetzt endlich deine Schulden!' 29 Da fiel der andere vor ihm nieder und bettelte: 'Hab noch etwas Geduld! Ich will ja alles bezahlen.' 30 Aber der Verwalter wollte nicht warten und ließ ihn ins Gefängnis werfen, bis er alles bezahlt hätte. 

31 Als nun die anderen sahen, was sich da ereignet hatte, waren sie empört und berichteten es dem König. 32 Da ließ der König den Verwalter zu sich kommen und sagte: 'Was bist du doch für ein hartherziger Mensch! Deine ganze Schuld habe ich dir erlassen, weil du mich darum gebeten hast. 

33 Hättest du da nicht auch mit meinem anderen Verwalter Erbarmen haben können, so wie ich mit dir?' 34 Zornig übergab er ihn den Folterknechten. Sie sollten ihn erst dann wieder freilassen, wenn er alle seine Schulden zurückgezahlt hätte. 

35 Auf die gleiche Art wird mein Vater im Himmel euch behandeln, wenn ihr euch weigert, eurem Bruder wirklich zu vergeben."

Alle Menschen haben von ihren Vorfahren Adam und Eva den Tod geerbt, der erste, der zweite und alle anderen Verwalter - der Vater die Mutter,das Baby. Und der Mörder. 

Wie der barmherzige König, von dem Jesus sagt, dass er seinen Vater im Himmel veranschaulicht, bereit ist, allen die Schulden zu erlassen, so gibt Gott allen die an Jesus glauben und danach leben die Gelegenheit ewiges Leben zu erlangen.

Aber nicht, wenn sie die Gesinnung des unerbittlichen Verwalters haben.

Grüße, kdd  

Antwort
von DerTroll, 56

Nein, ein Verzeihen müssen, gibt es nicht. Sonst könnten man sich gegenüber Katholiken ja alles erlauben. Aber Sündenvergebung ist schon ein wesentliches Element im Christentum. Allerdings setzt das auch einiges Voraus. Vor allem sollte der Täter seine Tat auch bereuhen. Dann kann man sich überlegen, ob man ihm verzeiht, vor allem, wenn er dann auch schon seine Strafe erhalten hat. Das muß aber jeder für sich selbst entscheiden.

Kommentar von gottesanbeterin ,

Könnte es sein, dass du gar nicht verstehst, was Verzeien überhaupt ist? Es bedeutet keineswegs, dass man sich alles gefallen lassen muss! Und es hat auch gar nichts mit dem Katholikentum zu tun. Ob man verzeiht oder nicht, hat nichts damit zu tun, ob der Verursacher der Verletzung seine (Un)Tat bereut oder nicht. Verzeihen befreit einfach, es löst und löscht den Groll aus der Seele und dem Herrzen. Und wer will denn mit dauerndem Groll im Herzen und der Seele leben?

Kommentar von DerTroll ,

Verzeihen heißt, nicht ewig nachtragend sein, sondern einfach mal sagen, ok die Sache ist abgeschlossen, alles ist wieder gut. Und wenn (so war die Frage ja formuliert) ein Katholik verpflichtet wäre, alles zu verzeihen, könnte man sich mit ihm alles erlauben. Ihn ausrauben und sich daran bereichern, so nach dem Motto, der zeigt einen nicht an, weil er nicht an einer Strafverfolgung interessiert ist. Der verzeiht ja. Und das kann man von keinem erwarten. Auch die Kirche verlangt das nicht, auch wenn das mit dem "andere Wange hinhalten" gern so verstanden wird. Klar, wenn jemand eine Dummheit macht und den Fehler einsieht, es bereut, vielleicht sogar von sich aus Wiedergutmachung versucht, dann ist es natürlich sehr christlich, wenn man als geschädigter irgendwann einfach mal sagt "ok, man kann es zwar nicht mehr ungestehen machen, aber es sei verziehen". Und klar muß das der Geschädigte selbst entscheiden, aber das wäre eben ein Grund, jemanden zu verzeihen. Übrigens jemanden etwas nicht zu verzeihen ist unter Umständen auch vertretbar. Da ist es auch nicht befreiend, wenn man es tut. Das hat auch nichts mit Groll auf der Seele zu tun. Es gibt Leute, die bessern sich nicht, sind pure Wiederholungstäter usw. Da wäre man nur der Dumme, wenn man ihm verzeiht. Das heißt nicht, daß er sich nicht ändern kann und vielleicht doch einmal einen Grund zum Verzeihen liefert. Aber da muß vom Täter die Initiative ausgehen.

Antwort
von nowka20, 19

das müssen sie nicht, aber es ist ein zeichen christlicher reife, wenn sie es können

Antwort
von Gerhardraet, 35

Deine Frage hört sich ziemlich kindlich an. Die kath. Kirche hat natürlich keinerlei Möglichkeit, das Hirn eines Gläubigen zu überwachen und auch sein Alltag ist nicht überwachbar. Insofern ist das Wort "muß" ziemlich abwegig. Und auch innerhalb der kath. Glaubensgemeinschaft gibt's große Ansichten-Unterschiede, was richtig ist. Insofern ist die Frage ziemlich sinnlos.

Antwort
von Mausefell2000, 48

Nach der Bibel soll man jedem verzeihen. Verzwihen heißt ja nicht "Ey ich hab deine Frau und dein Kind umgebracht" "Alles klar alter kein Problem is vergessen", verzeihen kann ja auch heißen man redet drüber und am ende kann man trotzdem wieder befreundet sein. Allerdings schreibt einem die Bibel nicht vor dass man jeden seiner Feinde als besten Freund sehen muss. Der Mann soll dem Mörder verzeihen aber er kann ihm aus dem Weg gehen.

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