Frage von Cooper510, 102

Müssen Erben für die Kosten eines verschwiegenen Suizids aufkommen?

Vor einigen Monaten ist der Sohn einer älteren Frau, die bei mit im Haus wohnte, gestorben. Nach ihrer Angabe war es ein natürlicher Tod. Nun ist kürzlich diese ältere Frau selbst verstorben und hat eine Nachbarin testamentarisch als Erbin eingesetzt welche dieses auch angenommen hat. Nun erhält diese Erbin eine Zahlungsaufforderung der Gemeinde des verstorbenen Sohnes für Bestattungskosten auf Grund dessen Suizids. Diese wahre Todesursache hat die mittlerweile verstorbene Mutter der Erbin verschwiegen, möglicherweise hätte diese auf Grund dessen das Erbe nicht angenommen. Hat die Erbin jetzt noch eine Möglichkeit, diese Kosten zu vermeiden, zumal die auch das geerbte Barvermögen überschreiten?

Antwort
von miboki, 20

Sie kann das Nachlassinsolvenzverfahren beantragen. http://www.finanztip.de/nachlassinsolvenz/

Warum ist es für die Nachbarin und Erbin so von Bedeutung, dass der Sohn sich selbst getötet hat? Die Beerdigungskosten sind dadurch nicht gestiegen und hätten auch im Falle eines natürlichen Todes aus dem Erbe bezahlt werden müssen. Die Frau hat auf tragische Weise ihren Sohn verloren und vermutlich ist die Nachbarin auch nur deswegen Erbin geworden. 

Ich kann verstehen, dass man eine Erbschaft ausschlägt, weil man keine Schulden erben will aber ausschlagen, weil der Sohn der Erblasserin Selbstmord begangen hat ist schon sehr seltsam. 

Kommentar von Cooper510 ,

Ich wollte hier die Todesursache des Sohnes nicht präzisieren. Er hat sich vor einen Zug geworfen. Daraus ergibt sich möglicherweise eine sehr viel höhere Kostennote als nur die Bestattung. Deshalb könnte es für die Erbin ruinös werden.

Antwort
von Y0DA1, 44

Wenn das Erbe nicht mehr ausgeschlagen werden kann, sollte sie sich über ein "Nachlassinsolvenzverfahren" informieren. Das könnte noch die Rettung sein ;)

Mit dem Nachlassinsolvenzverfahren wird erreicht, dass die Erben nicht mehr mit ihrem Gesamtvermögen (Nachlass plus Eigenvermögen), sondern nur noch beschränkt mit dem Nachlass  haften. Dies geschieht durch eine Absonderung des Nachlasses vom sogenannten Eigenvermögen der Erben durch die Eröffnung des Nachlassinsolvenzverfahrens.

Antwort
von imager761, 14

Was hat die Todesursache mit den Bestattungskosten zu tun?

Wer ein Erbe annimmt, ist Gesamtrechtsnachfolger und haftet auch für Verbindlichkeiten des Erblassers. Und ist verpflichtet, sich über den Nachlass zu informieren.

Ist aufgrund einer Nachlässigkeit der Nachlassprüfung die Forderung der Gemeinde und damit Schulden der Erblasserin  unendeckt geblieben, scheidet eine Anfechtung der Erbschaftsannahme wegen Erklärungsirrtums aus.

Kann man die geltend machen, weil sich in den Nachlassunterlagen kein Hinweis auf eine behördliche Bestattung oder Überweisung der Rechnung fände, erfolgreich geltend machen; muss dann aber alle Nachlasswerte vollständig zurückgeben bzw. ersetzen.

Nur weil die Erblasserin die Todesumstände ihrers Kindes schamvoll verschwieg, wäre man lange nicht aus dem Schneider: Die Prüfungspflicht des Erben ist deutlich umfassender als "habe ich nicht gewußt", wenn man Anfechtung der Annahme erfolgreich geltend machen wollte :-O

G imager761

Kommentar von Cooper510 ,

Vielen Dank für Ihre Antwort. Um hier noch etwas Transparenz in den Sachverhalt zu bringen sollten Sie wissen, dass der Suizid durch das "sich vor einen Zug werfen" herbei geführt wurde. Es ist somit zu erwarten, dass es nicht nur bei den Bestattungskosten bleibt, sondern der Einsatz von Polizei, Feuerwehr, Notarzt und Schadenersatz der Bahn geltend gemacht wird. Diese Kosten übersteigen mit Sicherheit das hinterlassene Erbgut um ein vielfaches und würden die Erbin in grösste finanzielle Probleme stürzen.

Antwort
von Daumenkino, 45

erben müssen für alle verpflichtungen des erblassers aufkommen

Antwort
von mexrrrh, 33

Meines Wissens nach muss wenn man ein Erbe annimmt alle Vermögenswerte und Schulden aufgelistet sein.

Nachträgliche Rechnungen an die verstorbene Person können nicht an den Erben weitergegeben werden.

Kommentar von Kandahar ,

Da bist du falsch informiert. Wenn man das Erbe nicht innerhalb der gesetzlichen Frist von 6 Wochen ausschlägt, muss man für alle Verbindlichkeiten gerade stehen. Auch für die, die im Vorfeld nicht bekannt waren. Da muss nichts aufgelistet gewesen sein.

Kommentar von mexrrrh ,

Dann ist das in D wohl anders, aber danke für die Aufklärung!

Antwort
von Otilie1, 49

sie kann natürlich das erbe auch ausschlagen


Kommentar von Sonnenstern811 ,

Im Normalfall allerdings nur innerhalb von 6 Wochen.

Antwort
von Sonnenstern811, 62

Ja. Entscheidend ist der Zeitpunkt, wo man Derartiges erfährt. Sie soll umgehend das Erbe beim zuständigen AG ablehnen.

Sicherheitshalber noch eine kurze Beratung beim RA einholen. Kostet nicht die Welt und ist vermutlich billiger, als alles zu bezahlen. Das geht sogar ganz günstig mit 0900er Nummer.

Antwort
von atzef, 25

Nein.

Sie hat das Erbe angetreten und erbt folglich nicht nur das Vermögen, sondern auch die Schulden.

Antwort
von Lumpazi77, 45

Wenn sie das Erbe bereits angetreten hat, muss sie für die Kosten aufkommen !

Antwort
von Kandahar, 34

Die Bestattungskosten wären auch angefallen, wenn der Sohn eines natürlichen Todes gestorben wäre. Sie hätte sich im Vorfeld über mögliche Verbindlichkeiten informieren müssen.

Sie hat das Erbe angenommen, also muss sie auch zahlen.


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