Frage von TheArmaGuy, 71

Motivation Soldat werden - Nachvollziehbar?

Hallo, Meine Wunschbetätigung, die sich über die Jahre entwickelt hat, ist Soldat (Pionier aus Interesse an Technik) zu werden. Ich habe folgende Beweggründe:

Verantwortung dem Land gegenüber: Obwohl ich das System für kalt und unmenschlich halte, bin ich für die Privilegien dankbar. Ich will dass die Menschen die mir wichtig sind und sich besser mit dem System vereinbaren können, sorglos in diesem leben können und gegebenfalls helfen und schützen kann. Sei der Grund der drohenden Kräfte noch so gut uns zu Hassen, aufgeben ist keine Option. (Katastrophenhilfe, (Auslands)Einsatz)

Verantwortung der Welt gegenüber: Der Westen hat einigen Schaden in der Welt angerichtet. Es liegt in unserer Verantwortung die geschädigten Länder nicht alleine zu Lassen. (Flüchtlingshilfe, Auslandseinsatz)...sofern die Politik irgendwann Rückrad zeigt :/

Kameradschaftlichkeit: In meiner Ausbildung habe ich zweierlei Welten erlebt. In der Schule kameradschaftlichkeit für einen gemeinsamen gute Schnitt, in der Arbeit wurde sich gegenseitig in die Grube gestossen um alleine gut wegzukommen. Ein gemeinsames Ziel fördert Kameradschaft.

Lebenswerte Existenz und Vorbild: In meiner Kindheit waren meine Helden aus den TV-Sendungen (Trickfilm) und ich war frustriert nicht Teil ihrer Abenteuer zu sein und eine daraus entstandene Angst in einem sichtbar frustrierenden Alltag wie mein Vater zu enden, ohne etwas bewirken zu können. Ich will nicht am Ende meines Lebens zurückblicken müssen und mich fragen was ich erreichen und erleben hätte können.

Die Tätigkeit an sich: Ich spiele Airsoft (Milsim) mit, unter anderem, aktiven Soldaten und mir gefällt es sich an der frischen Luft im Dreck zu wälzen und ein gemeinsames Ziel zu erreichen. Es macht den Kopf frei und jeder Erfolg ist eine grosse Befriedigung.

Die Lebenserfahrung an sich: Viele beschweren sich über das aussetzen der Wehrpflicht. Den Leuten fehlt es an Selbstdisziplin. Auch kenne ich ein paar Afghanistan-Veteranen und nach Gesprächsaufklärung schäme ich mich für meine Ersten-Welt-Probleme und für die Gesellschaft, die solche Menschen, die die Realität kennen, als unzurechnungsfähig abstempeln.

Allerdings gibt es auch Bedenken:

Tod und Verletzung: Den Tod müssen wir alle akzeptieren, nur das Sterben ist das Problem. Ich habe ein Problem mit dem alt werden. Angeblich schläft nur jeder Fünfte friedlich ein, vom Weg dahin mal abgesehen. Ein einfaches Sterben ist also unwahrscheinlich, aber dann lieber für seine Prinzipien als wegen der Zeit. Ich habe aber vor allem Bedenken meine Familie zu früh alleine zu lassen.

Ausserdem habe ich ein recht starkes Empathisches Empfinden. Es passiert, dass mir bei blutigen Angelegenheiten schwummrig wird, manchmal bis hin zur Ohnmacht. Allerdings nur bei sympathischen Individuen. Hass, Adrenalin und Stress durch Beschäftigung oder andere Ablenkungen und Einflüsse verdrängen dieses Empfinden. Dennoch habe ich dieses Pflichtgefühl. Meinungen?

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von ichfragemich16, 45

Ja, deine Motivation, Soldat zu werden ist völlig nachvollziehbar.

Du scheinst dich seit längerem intensiv mit dir und diesem Berufswunsch auseinanderzusetzen. Deine Überlegungen klingen sehr differenziert. Dazu gehört im positiven Sinn auch das Zweifeln.

Insgesamt habe ich den Eindruck, dass du es irgendwann sehr bereuen könntest, nicht Soldat geworden zu sein.

Antwort
von Laufin2, 51

Werd Soldat! Sonst bereust es irgendwann mal! Viele sind gegen die BW wegen ihrer Vergangenheit, aber das sollte dich nicht von denen Wünschen abbringen!!

Kommentar von wiki01 ,

Viele sind gegen die BW wegen ihrer Vergangenheit,

Was ist das denn für ein Blödsinn? Welche Vergangenheit hat denn die Bundeswehr, weswegen man nicht dazu sollte?

Kommentar von TheArmaGuy ,

Ich denke damit war wohl das deutsche Militär bis 1945 gemeint. Wobei man sagen muss, jetzt rein objektiv, dass es ein sehr effizientes Militär war. Es wurde eben nur für die falsche Sache verwendet.

Kommentar von ichfragemich16 ,

Korrekt, das war aber nicht die Bundeswehr!

Antwort
von wiki01, 39

Ich kann es nachvollziehen. Ich bin mit 20 nach erfolgreicher Lehre zur BW. Geblieben bin ich 30 Jahre. Dann habe ich mich pensionieren lassen. Heute habe ich eine Pension, die 70% der Rentner in Deutschland blass werden lassen- vor Neid. Wo kann man schon so jung in Pension gehen? Ich genieße jetzt schon 10 Jahre meinen Ruhestand. In einem Land meiner Wahl außerhalb von Deutschland. Da müssen andere noch weitere 7 Jahre buckeln. Um dann mit 50% abgespeist zu werden.

Kommentar von ichfragemich16 ,

Glückwunsch wiki01! Das reicht aber heute schon lange nicht mehr als Motivation aus. Der Beruf ist heute mit Sicherheit kein Gartenspaziergang auf dem Weg in die frühe Pension.

Kommentar von wiki01 ,

Ich war 30 Jahre im Fliegerischen Dienst. Davon 15 Jahre als Fluglehrer, 5 Jahre im Ausland. Ganz sicher war das kein Gartenspaziergang. Und die Pensionierung nach 30 Jahren habe ich mir durch Entbehrungen verdient.

Kommentar von ichfragemich16 ,

Wenn mein Kommentar auf deine Antwort herabwürdigend angekommen ist, entschuldige ich mich bei dir, wiki01. Das war nicht meine Absicht!

Ja, selbstverständlich hast du sie durch Entbehrungen verdient!!!

Das sollte TheArmaGuy in seine Überlegungen mit einbeziehen, dass sich ein halbwegs zu organisierendes Familienleben mit dem Beruf nahezu ausschließt. Es sei denn, da tut sich in naher Zukunft mehr ( das gebührt sich dringend ! ).

Kommentar von TheArmaGuy ,

Wie gesagt. Das ist eines meiner Bedenken meine Familie alleine zu lassen.

Meine Familienplanung schließt neben der Lebenspartnerin nur einen Hund mit ein. Es geht also in erster Linie um Mama, Papa und Brüder.

Kommentar von ichfragemich16 ,

Das sind gute Überlegungen. Du musst aber mit deiner Berufswahl für eine lange andauernde Zufriedenheit für dich sorgen.

Den Berufswunsch aufgegeben zu haben und in einem anderen Beruf evtl. unzufrieden zu sein, ist eine zu späte traurige Erkenntnis.

Aber:

Erstens können sich deine Lebensumstände ändern und du willst bei /mit deinen Kindern leben und willst nicht, dass sie häufig umziehen müssen.

Zweitens kannst du dir auch heute besser aussuchen, wie/wo du bei der Bundeswehr eingesetzt wirst.

Drittens ist es möglich, andere Wege einzuschlagen. Die Wenigsten arbeiten in ihrem "gelernten" Beruf.

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