Hallo,
könnt ihr mir die morphologische Bildung des Wortes überirdisch erläutern? Und gegebenenfalls die Lautverschiebung? Danke, Pheophin

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Ich denke, über = Präfix, abgeleitet von einer Präposition, ird = auf die Erde bezogen, -isch = Suffix, das das Adjektiv andeutet. Ohne Gewähr! Anell
ich dachte her an irdisch abgeleitet von erde?und über als Komparativmorphem?
Anell am 5. Oktober 2008 17:13 Abgeleitet von "Erde", ja, das meinte ich mit "auf die Erde bezogen". "Über" als Komparativmorphem würde ich nicht sagen, Komparativ bezieht sich ja immer auf eine Steigerung, die ist hier aber nicht gegeben (denke ich). Allerdings müsste bei "über" die gefragte Lautverschiebung drin sein. Schau doch mal im Etymologie-Duden, falls du einen zur Hand hast.
Anell am 5. Oktober 2008 17:21 ES gibt noch einen interessanten Hinweis, dass "überirdisch" eigentlich "außerirdisch" bedeutete. (Das passt dann wieder zur Wandlung der Erde als Scheibe hin zur Kugel...) Rätsel, Rätsel, lass mich mal wissen, wie es richtig ging, wenn du es raus hast. Anell
Der Bestandteil "über" ist ein Präfix (eine Vorsilbe), die in dieser Zusammensetzung ein Adjektivpräfix ist. "ird" ist der Wortstamm. "isch" ist ein Suffix (eine Nachsilbe/Endung), das der Adjektivbildung dient.
Die Präposition "über" hieß althochdeutsch "ubar". Als Adverb gab es auch die vollere Form "ubari". Unter der Einwirkung des Vokals "i" ist ein Sekundärumlaut eingetreten ("u" -> "ü", "a" -> "e"). Als Komparationsmorphem könnte nur "-er" betrachtet werden. Eine Einteilung nach "oben" und "unten" von einem Vergleichspunkt aus liegt vor, sprachlich halte ich die Deutung aber nur für möglich, aber unsicher.
Althochdeutsch hieß "Erde" "erda", das Adjektiv "irdisc", mittelhochdeutsch dann "irisch", "irdesch". Hier liegt eine Vokalharmonie (auch "Brechung" genannt) vor. Dies ist ein assimilatorischer (angleichender) Vokalwandel. Unter der Einwirkung der Vokale der hohen Zungenlage "i" und "j" oder n + Konsonant in der nachfolgenden Silbe findet eine Hebung oder Senkung der Stammsilbenvokale statt (hier eine Hebung bei einem folgenden "i".
In der üblichen Bedeutung betrifft die Lautverschiebung Konsonanten (Konsonatismus). Die genannten Erscheinungen sind Gegenstücke im Bereich der Vokale (Vokalismus).
Bei Fragen dieser Art helfen etymologische Wörterbücher (z. B. von Friedrich Kluge) und sprachwissenschaftliche Fachbücher zur historischen Linguistik weiter. Wenn eine Internetsuche nicht weiterführt, würde ich in eine Bibliothek gehen.
Ein Komparativmorphem "–er" kommt in dem Wort "oberer" von "oben" vor, einem mit "über" verwandten Wort. Dabei erhält aber das Wort eine Silbe mehr, also 3 statt 2 Silben.
Höchstens könnten entsprechende Wörter aus anderen verwandten Sprachen betrachtet werden, um durch einen Vergleich zu überprüfen, ob in dem Wort selbst schon ursprünglich ein solches Komparativmorphem steckt.
Bei "über" gibt es im Sanskrit (Altindisch) उपरि (upári), in Griechisch ὑπέρ (hypér), in Lateinisch super, in Gotisch ufar(o), in Altnordisch yfir. In der indoeuropäischen /indogermanischen Ursprache hat das Wort wahrscheinlich * uper(i) geheißen (mit dem Sternchen wird angezeigt: das Wort ist nicht belegt, sondern nur aufgrund von Überlegungen rückerschlossen).
Bei http://www.linguistik-online.de/19_04/bittner.html steht eine gelehrte Abhandlung, die teilweise etwas zum Thema beiträgt. Danach hat sich das Suffix, das in –er mündete, beim Komparativ folgendermaßen entwickelt:
indoeuropäisch/indogermanisch * -jes/-jos/-is
germanisch *-iz/- oz (was ich als o geschrieben habe, ist ein besonderer Buchstabe mit einem Strich oben, aber hier gibt es Darstellungsprobleme)
althochdeutsch -ir/-or
mittelhochdeutsch –er
neuhochdeutsch –er
Dies spricht gegen eine Deutung als Komparativmorphem.
Es geht hier nicht um Hausaufgaben.