Frage von Lichtpflicht, 126

Moralisches Dilemma: Freund Geld geben oder nicht oder was tun?

Hallo Community,

ein Freund von mir ist in akuten Geldnöten und hat mich um Geld gebeten.

Er ist ein sehr guter Freund, der mir schon wirklich oft vorher geholfen hat, und ich will ihm auch helfen, nur frage ich mich, ob Geld reicht bzw. vlt. sogar falsch ist oder was ich tun kann.

Er ist psychisch erkrankt vor einiger Zeit, war auch in einer Klinik. Danach hat er eine Stelle angenommen, sie wieder verloren weil er wenig belastbar war und offenbar noch nicht ganz gesund.

Nun ist er arbeitslos, lebte bisher von Erspartem, was nun aufgebraucht ist. Er weigert sich, eine neue Arbeit zu suchen (Angst, es wieder nicht zu schaffen), er weigert sich, Hartz IV zu beantragen (Scham), er weigert sich aber auch, noch einmal in eine Klinik zu gehen (will nicht mehr krank sein), lehnt jede Hilfe und Unterstützung diesbezüglich ab, Gespräche enden immer mit "ich weiß, dass es so nicht weitergehen kann, ich weiß, ich muss etwas tun, aber ich kann einfach nicht, ich schaffe es nicht".

Ich bin recht ratslos, wie es weitergehen soll. Er ist auf dem Weg, bei vielen Leuten Schulden zu machen und es ist kein richtiger Ausweg in Sicht, aber sonstige Hilfe/Unterstützung lehnt er völlig und vehement ab. Ich habe den Eindruck, er verdrängt ohne Ende.

Was kann ich tun?

Antwort
von adianthum, 40

Ihm Geld zu geben wäre in dieser speziellen Situation falsch.

Würdest du ihm Geld geben, wärest du einer von Vielen, denen er später Geld schuldet.

Diese Schulden würden ihn zusätzlich belasten. Da er keine Arbeit hat, auch keine in Aussicht, und auch sonst kein Einkommen- wie will er diese Schulden jemals zurück bezahlen?

Zu seinem schon bestehenden Problem, käme dann noch zusätzlich ein schlechtes Gewissen. Und über kurz oder lang hätte er auch keine Freunde mehr- sondern nur noch Schuldner.

Mein Rat wäre, dass du dich einmal beim Amtsgericht erkundigst, wie es mit einer amtlichen Betreuung (Vormundschaft) aussieht. Anruf genügt, die schicken dir Infomaterial und es steht auch nicht plötzlich jemand vor der Tür deines Freundes. Die wissen wie unendlich peinlich den Leuten das ist, wenn sie mit ihrem Leben nicht mehr klarkommen.

Das ist zum einen freiwillig, also er muss zustimmen, es ist sehr diskret!, also da geht keiner hausieren nach dem Motto: Also der XXX ist jetzt unter amtliche Vormundschaft gestellt worden, weil er sein Leben nicht mehr peilt...!

Zum anderen kann er selber bestimmen, in welchen Bereichen diese Unterstützung stattfindet- finanzielle Dinge, Amtliches, ärztliche/psychologische Betreuung...usw. usf.

Ausserdem treffen die keine Entscheidungen für ihn, mit denen er nicht einverstanden ist.

Sobald er sich in der Lage fühlt sein Leben wieder selbst zu regeln, kann er die Betreuung aufheben lassen.

Ich habe das selber mal für einen guten Freund angeleiert und ihm damit den "A..." gerettet. Er hätte sonst sein Haus verloren, wäre in seinem Dreck verkommen und würde heute vielleicht unter einer Brücke hausen.

Allerdings war er zu dem Zeitpunkt auch schon an einem Punkt angelangt, wo er eingesehen hat, dass es so nicht weitergehen kann. Ich hätte ihm nicht weiterhelfen können, weil es die Freundschaft zu sehr belastet hätte. Oder würdest du den "Antreiber" für deinen Freund spielen wollen?

Irgendwann würde er dich vor die Türe setzen, weil du Druck machst. Er kann Druck nicht ab ist aber auch nicht handlungsfähig. An dem Dilemma scheitert jede Freundschaft irgendwann, es sei denn, du übernimmst alles für ihn. Kannst oder willst du das?

Falls er sich darauf einlässt, schicken die vom Amtsgericht jemanden vorbei der sich mit ihm ganz in Ruhe unterhält. Diese Leute sind geschult und kennen wahrscheinlich viel "schlimmere Fälle" als deinen Freund!

Es kostet auch nichts für jemanden der mittellos ist!

Kommentar von Lichtpflicht ,

Vielen Dank, das ist eine sehr gute Lösung wenn es keine anderen Wege mehr gibt! Gut zu wissen!

Antwort
von Schuesselchen, 27

Dann mußt Du ihn aufs Maul fallen lassen. Auch wenn es schwer ist. Sag ihm, wenn er eines tages bereit ist, Hilfe anzunehmen, kann er mit Dir rechnen. Dann wäre es vielleicht nicht schlecht die Hilfe an Bedingungen zu knüpfen. " Geld gegen Hartz 4- Antrag". Dann hat er nicht so das Gefühl Almosen zu empfangen und für Dich ist es so auch sicherer das Geld wieder zu bekommen. Außerdem verliert er dann nicht die Zeit für die spätere Rente.
Wer bezahlt denn eigentlich das Krankenhaus, wenn er nichtmal Hartz 4 bekommt? Da ist er ja nicht krankenversichert. Oder hat er Reichtümer die er versetzt hat? Mit Hilfe des sozialen Dienstes eines Krankenhauses kann man auch einen Hartz4- Antrag stellen.
Mach ihm klar, dass er nicht in der Position ist, Hartz4 zu verweigern. Oder soll irgendwann der Gerichtsvollzieher mit einer Zwangsräumung vor der Tür stehen? Nachdem er womöglich schon monatelang keine Miete und sogar keinen Strom bezahlt hat.
Er kann sich auch über den Arbeitslosenhilfeverband einen Sozialarbeiter suchen. Der "nimmt ihn an die Hand" und führt ihn durch den Dschungel der Bürokratie. Da kann er noch richtig was lernen und macht Dir noch was vor beim SGB I bis ....
Liebe Grüße du guter Freund, 🐺

Kommentar von Lichtpflicht ,

Danke, ich werde noch einmal mit ihm sprechen und die Möglichkeiten nennen. Ich weiß nicht, wie und ob er derzeit krankenversichert ist, aber ich dachte man kann gar nicht mehr unversichert sein. Hartz IV wäre ein wichtiger Schritt.

Antwort
von Digarl, 47

Nein, dass würde nichts bringen. Er würde es ausgeben und dann wieder nach weiterem Geld fragen. Das wäre keine wirkliche Hilfe für ihn. Wenn du ihm helfen willst, dann sorg dafür das er wieder in die Klinik geht oder er wenigstens Hilfe beantragt. Und dann helfe ihm dabei eine neue Arbeit zu finden. Das wäre die beste Hilfe, die du ihm bieten könntest. 

Antwort
von MagicalMonday, 46

Also in der verkorksten Situation hilft ihm Geld nur temporär und verlängert vermutlich eher sein Leiden.

Dass er nicht mehr krank sein will, ist doch eigentlich erst recht ein Grund, in die Klinik zu gehen. Vielleicht sollte er mal eine andere versuchen, die unterscheiden sich meist schon ziemlich.

Damit könnte er eine Kette in die richtige Richtung starten. Klinik, Medikamente, Therapie, Betreuung, berufliche Reha,... Und das alles ganz langsam und behutsam. Erst mal um das Problem kümmern, dann langsam wieder in ein normales Leben zurück.

Mache ihm klar, dass er nicht der erste ist, der mit einer Depression in einem Loch landet und nicht mehr weiter weiß, dass es aber auch professionelle Hilfe von Leuten gibt, die sich mit genau so etwas super auskennen.

Bei mir war es auch so, und ich musste tatsächlich erst alles verlieren, bevor ich mir zwangsläufig Hilfe gesucht habe.

Antwort
von Midgarden, 46

Hart bleiben, falls es nicht nur um Peanuts geht

Ob nun psychisch krank oder nicht - wer derart seine Situation verdrängt, wird durch jede Unterstützung nur darin bestärkt, daß es keinen wirklichen Grund für eine Veränderung gibt

So hart es vielleicht klingt: solange er sich durchmogeln kann, wird das zu keinen Einsichten führen, sondern erst dann, wenn genau das nicht mehr geht

Antwort
von Hardware02, 12

Ich würde mit ihm zusammen Hartz IV beantragen. Also den Antrag zusammen mit ihm ausfüllen und mit ihm hingehen. 

Oder ihm einen Job besorgen, falls du das kannst.

Was ich nicht machen würde: Ihm einfach Geld geben. Wohin  soll das führen? Es wird eure Freundschaft belasten, und er wird es dir nicht zurückzahlen können. 

Warum schämt sich dein Freund wegen Hartz IV? Vor wem denn? Warum soll er das, was ihm zusteht, nicht nehmen? Es gibt ganze Familien, in denen der "Karriereplan" der Kinder Hartz IV heißt. Warum sollte also jemand, der einen guten Grund dafür hat, nicht das Geld nehmen, das ihm zusteht?

Kommentar von adianthum ,

Ich könnte mir gut vorstellen, dass er, als es ihm materiell noch gut ging, auf die "faulen Hartzer", die sich in der sozialen Hängematte ausruhen, geschimpft hat.

Gerade solchen Menschen fällt es unendlich schwer zuzugebe, dass man auch ganz leicht ohne Selbstverschulden da reinrutschen kann.

Und wenn solche Menschen  gelernt haben, dass man Irrtümer und Fehler (zumindest sich selbst gegenüber) nicht zugeben darf, oder das unmittelbare familiäre Umfeld in dieser Richtung tickt, dann haben sie in einer solchen Lage ein echtes Problem!

Antwort
von megaruelps, 58

Was würde es ändern wenn du ihm Geld gibst? Das braucht er auf und brauch neues. Das wird so zu nichts führen. Mal abgesehen das du dein Geld dann so nie wieder siehst. Man sagt nicht umsonst das bei Geld die Freundschaft aufhört 

Kommentar von Digarl ,

In diesem Fall stimmt das zwar, doch die Freundschaft hört nicht immer bei Geld auf. 

Antwort
von Jersinia, 49

Vielleicht muss die Lage so unerträglich für ihn sein, dass er Hilfe sucht.

So ähnlich wie bei einem Süchtigen.

Wenn Du ihm Geld gibst, verlängerst Du seine Verleugnungsstrategie.

Antwort
von Centario, 48

Beim Geld hört die Freundschaft auf, es sei denn man will es ihm schenken(sinngemäße Übertragung).

Kommentar von Digarl ,

Nein, eine gute Freundschaft hört da nicht auf. Ja, in diesem Fall sollte er/sie definitiv kein Geld geben. Es gibt aber durchaus Fälle in denen es vernünftig wäre.

Kommentar von Centario ,

Mache mit dem falschen Zeug deine eigene Antwort. Ich brauche in der Frage keine Belehrung. Beim besten Willen.

Kommentar von Digarl ,

1. ist es kein falsches Zeug, bei mir funktionierte sowas schon durchaus. Und 2. habe ich bereits eine Antwort geschrieben.

Kommentar von Centario ,

zu 2. die kam später, zu 1. läßt sich deine Erfahrung nicht verallgemeinern und deine Antwort würde dazu ausreichen.

Kommentar von Digarl ,

Das stimmt, die lässt sich nicht verallgemeinern. Aber man kann auch nicht verallgemeinern, dass die Freundschaft bei Geld aufhört.

Kommentar von Centario ,

Und deshalb gibt auch jeder seine Antwort und malt nicht wie ein Geistessieger bei andere in der Antwort rum.

Kommentar von Digarl ,

Man soll aber auch eine objektive Antwort geben. Und wenn du sagst, dass ich nicht pauschalisieren darf. Dann darfst du das auch nicht.

Kommentar von Centario ,

Was ich geschrieben habe ist immerhin eine alte Faustregel. Was du jetzt schreibst hätte alles in deine Antwort reingepasst

Kommentar von Centario ,

Lass es gut sein, wird langam peinlich.

Kommentar von Digarl ,

Die Kommentarfunktion ist nicht ohne Grund vorhanden! Abgesehen davon ist es auch eine alte Faustregel zu sagen:" Altes Brot ist nicht hart, kein Brot, das ist hart". Doch daran hält sich heute auch niemand mehr. Faustregeln haben das Prinzip einer Ideologie, sie wollen immer verwendet werden ... ganz gleich was der Verstand dazu sagt. 

Peinlich ist es, wie du offensichtlich nur Punkte abräumen willst.

Kommentar von Centario ,

Getroffene ....... ! Der Leser kann sich eine eigene Meinung bilden. Ich nehme einen Kommentar schon an, wenn er begründet ist. Irgendwann geht es doch um die Punkte bei dem rein schreiben mit einen Kommentar.

Kommentar von Digarl ,

Für Kommentare erhält man keine Punkte, nur für Antworten. Und ich denke nicht das es nur um Punkte geht.

Kommentar von Centario ,

Ich unterstelle dir mal mit deiner Kommentartaktik andere Antwortgeber auszuschalten und da bist du nicht der einzigste der das so macht. Erst mit einen Kommentar den Antwortgeber deklassieren und dann mit einer eigenen Antwort der Richtige zu erscheinen. Wir müssen doch nicht alle blöd sein. Schade das da manche Fragesteller darauf herein fallen, nach dem Motto der scheint es richtig zu wissen. Bei mir würde das nicht klappen.

Du wolltest es wissen, dann weisst du es jetzt.

So einfach wird da ein Schuh daraus..

Kommentar von Digarl ,

Nein, dass ist definitiv nicht meine Absicht. Meine Absicht ist es nur den Antwortgeber zurecht zu weisen, nicht dem Fragesteller zu symbolisieren das die Antwort falsch sei (vor allem weil deine Antwort ja eigentlich richtig ist).

Ich wollte dir lediglich schreiben das eine gute Freundschaft nicht zwangsläufig bei Geld aufhört. Aber offensichtlich musst du da ja einen tieferen Sinn reininterpretieren .... irgendwelche Ängste?

Kommentar von Centario ,

Deine Absicht ist ja edel. Wenn alle so wären.

Kommentar von Digarl ,

Und das du mich der Lüge bezichtigst, ganz ohne irgendeinen Beweis oder gar Indiz, ist alles andere als edel ... vor allem deshalb nicht weil es nicht stimmt.

Kommentar von Centario ,

Deine Antwort spricht für sich. Was braucht es mehr. Wenn ich geschrieben habe deine Absicht ist edel heisst es noch nicht das du es bist. Das kannst du alles halten wie ein Dachdecker,

Kommentar von Digarl ,

Wie schön das du das überhaupt beurteilen kannst, ohne mich zu kennen.

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