Alex247 am 30.04.2009 um 23:57 Uhr
Habt ihr heute das mitbekommen mit dem Anschlag in Apelddoorn? In den Nachrichten dazu kam ein Clip, wo man ALLES gesehen hat: Wie das Auto in die Leute reinfuhr und man hat die Opfer in Nahaufnahme am Boden liegen sehen und gesehen, wie sie reanimiert wurden. Wieso filmt in so einem Moment jemand so etwas? Muss man das wirklich aussenden ohne Rücksicht auf die Opfer? Hätte Reporter nicht die Aufgabe, solche Bilder aus ihren Reportagen rauszulassen?

Schwieriges Thema, ja und nein, liegt eigentlich im Ermessen des Reporers und der Redaktion. Ich schau mir solche Bilder nicht an, andere schon und schimpfen dann

Es wird immer schlimmer bei Unfällen. Und dann zeigen sie es im Fernsehen sicher 30mal, dass es auch alle zu sehen bekommen. Auch im Sport bei Unfällen ist es so. Völlig unnötig und schlimm für die Angehörigen des Verunfallten.
Er hätte helfen sollen. Ich frage mich das auch oft.
Alex247 am 30. April 2009 23:59 Es haben schon genug Leute geholfen, aber trotzdem. Da muss man sich doch zusammenreißen auch wenn man noch so sensationsgei.l ist
Ich war lange Zeit Journalistin. Ich habe nichts gemacht oder geschrieben, was mir mein innerer Anstand verboten hat.
Maienblume am 1. Mai 2009 00:00 Live-Bilder bringen Kohle, Alex. Also hat er draufgehalten.
Man kann nicht alles für Geld machen.
albundysohn am 1. Mai 2009 00:04 Man sollte nicht, können schon.
Alex247 am 1. Mai 2009 00:01 Super susi!
Ja, traurig aber wahr, maienblume

Stimmt, stimmt - so sind sie, diese Reporter! Ungezogen ohne ende!
Alex247 am 1. Mai 2009 00:00 ist echt ganz toll für die angehörigen das dann im fernsehen zu sehen.

das stimmt aber die waren natürlich froh darüber dass sie solche bilder bekommen haben das wollen die leute natürlich sehen und der chef freut sich und lobt sie
Na das ist eine Wichtigkeit im Leben.

Weisst Du, lieber Alex, ich tu mir das nicht an. Bei solchen Sachen (Terroranschlägen, blutige Auseinandersetzungen u.Ä.) bleibt mein Fernseher aus :-(
Mir reichen die Nachrichten über das Radio. Meine Vorstellungskraft ist eh schon recht rausgeprägt, da muss ich nicht noch Videos oder Bilder sehen. ;-)
Alex247 am 1. Mai 2009 00:05 So werde ich es künftig wohl auch halten. Man wird ja selbst bei seriösen nachrichtensendern damit konfrontiert
moralisch verwerflich...ekelhaft....es liegt wohl leider im trend.
Alex247 am 1. Mai 2009 00:05 Ja, ekelhaft ist das richtige Wort!!!
Ich bin selbst als Rundfunkjournalistin tätig und dachte mir schon, dass die Frage sicherlich wieder einiges zur Verunglimpfung des Berufsstandes beitragen wird. Auf der einen Seite kann ich eure moralischen Bedenken verstehen, aber nur bis zu einem gewissen Grad. Sensationsg.eilheit, vielleicht noch gepaart mit unterlassener Hilfeleistung - da müssen wir gar nicht erst drüber diskutieren, ob das gut ist oder schlecht. Wenn ich von einem Unfallopfer, anstatt ihm zu helfen, lieber ein paar dramatische Bilder mache, dann ist es nicht weit her mit meiner Menschlichkeit.
Aber (großes Aber!): Hier fiel das Beispiel mit Bildern blutiger Auseinandersetzungen. Da denke ich mir- Leute, was werft ihr uns vor, dass wir euch solche Bilder übertragen? So sieht es in der Welt aus, das sind Wahrheiten, mit denen Menschen in Krisengebieten tagtäglich konfrontiert werden, und ihr meckert, sitzt in euren beheizten sicheren Wohnzimmern und schaltet angewidert um? Es gibt durchaus anwaltschaftlich-engagierte Journalisten, die mit derartigen Bildern ganz und gar nicht hausieren gehen wollen, sondern Missstände aufzeigen und Informationen verbreiten. Und nur, weil derartige Informationen bei uns in der BRD nicht alltäglich sind, sollen wir das lassen, damit ihr nicht von den blutigen Bildern gestört werdet? Also wirklich. Ich glaube, es ist nicht schlecht, wenn man hin und wieder Entsetzen empfindet beim Nachrichtengucken. Denn: Es gibt Orte auf der Welt, da ist das alltäglich. Und wir sind doch alle ach so globalisiert.
Was den speziellen Fall des Anschlags in Appeldoorn angeht - natürlich ist man da im ersten Moment bestürzt und denkt an die Angehörigen der Opfer, die jetzt ihre verstorbenen Nächsten nochmal im TV sehen müssen. Aber erstens: Das Prinzip von Angebot und Nachfrage gilt, wie überall, auch im Journalismus. Die wenigsten werden ab sofort audiovisuelle Medien meiden, um derartige Bilder nicht mehr sehen zu müssen. Die meisten werden wieder fasziniert hinschauen und sich anschließend schrecklich aufregen. Zweitens: Journalisten sind, so grausam es klingen mag, immer auch Chronisten. Überlegt mal, was für Schreckensbilder schlimmer Ereignisse der letzten Jahrhunderte wir alle kennen. KZ, Vietnamkrieg, die roten Khmer, Hunger in Afrika, 9/11...was auch immer! Und es ist, mit Verlaub gesagt, gut, dass es zu diesen Szenarien Bildmaterial gibt. Warum, muss ich ja hoffentlich nicht auch noch erklären.
Also, wie ich schon sagte - ich kann die moralische Bestürzung einerseits nachvollziehen. Andererseits darf ich aber auch um ein wenig Differenzierung bitten. Nicht alle Journalisten sind sabbernde Bild-Redakteure. Danke.
Slarty am 1. Mai 2009 02:09 Sehr gute Antwort, Respekt! Mich persönlich stören auch die Bilder oder Videos von derartigen Ereignissen an sich überhaupt nicht, denn das sind wie Du schon sagst wirklich Dokumente der Zeit. So sieht es nun mal wirklich da draussen außerhalb der eigenen, sicheren vier Wände aus.
Bedenklich finde ich aber, was vor allem die Boulevard-Presse und vergleichbare TV-Formate meistens aus solchen Geschehnissen machen. Also dieser reißerische Unterton bei dem Ganzen. Dort wird nämlich beispielsweise auch nicht über das berichtet, was der von Dir erwähnte, kritische Journalismus sammelt und aufbereitet. Für sowas muss man schon so "Intellektuellen-Sender" wie Arte oder 3SAT bemühen...
Alex247 am 1. Mai 2009 12:19 Vielen Dank, ich finde Deine Antwort auch toll. Es geht mir gar nicht allgemein darum, dass Bilder von schrecklichen Ereignissen gezeigt werden. Ich habe mich z.B. nicht darüber empört, 100.000 mal zu sehen, wie die Flugzeuge in die Towers gerast sind bei 9/11...oder das Auto in Apeldoorn in das Monument. Ich störe mich an Nahaufnahmen odr Fotos von Opfern, weil das meiner Meinung nach deren Menschenwürde verletzt. Es ist aber nicht nur die Verantwortung der Reporter, sondern unser aller Verantwortung, Menschen in solchen Situationen vor zudringlichen Blicken zu schützen und selbst auch nicht hinzugaffen

"..... Hätten Reporter nicht die Aufgabe, solche Bilder aus ihren Reportagen rauszulassen?"
ja absolut, so etwas fördert den Voyarismus und sollte verboten werden !!!

Die Menschheit will doch so etwas sehen!Nur die Einschaltquoten zählen doch heutzutage.Moralisch gesehen ist dies natürlich nicht in Ordnung.
Na ja, man kann ja nicht ahnen, ob sie in einer Reportage verwendet werden oder nicht. wenn ich nachrichten anschaue will ich mich informieren, oder wenn ich eine Zeitung aufschlage.
Auch Negativwerbung ist Werbung, siehe Benetton. Niemand gibt es zu, doch es wirkt.
Also bei mir wirkt es nicht. Das nächste Mal höre ich Radio.
War kein Vorwurf an dich, nur eine Feststellung, daß es so ist.
weiss ich, passt schon