Frage von Hayat1806, 37

moralische dimension was ist die definition (selbstjustiz)?

eine junge frau sagt, sie sei vergewaltigt worden. ihr bruder und ihr vater sollen den mutmaßlichen täter daraufhin in eine falle gelockt und getötet haben. vor gericht geht es um rache, selbstjustiz und familienehre. könnt ihr mir helfen wie ich hier die moralische dimension erklären könnte ??????

Antwort
von PolluxHH, 14

Das Problem ist, daß es sich hier um ein Schlagwort handelt, welches aus dem Englischen übernommen wurde und eigentlich nie definiert wurde. Es geht einfach darum, daß der Fokus nicht auf sachliche Aspekte (z.B. kennt Wissenschaft keine ethische Dimension bei der eigentlichen Forschung, sondern Fragen der Ethik kommen erst mit Anwendung von Forschungsergebnissen auf, eine ethische Forschung wäre durch kulturelle Vorgaben inhaltlich beschränkt). Man findet den Begriff oft in englischer Literatur, besonders US-amerikanischer, aber eigentlich erst seit kurzem auch im deutschen Sprachraum.

Eine "moralische Dimension" ist damit gebildet über ethische Wechselwirkungen und Konkurrenzen. Nehmen wir die Kritik Schopenhauers am kategorischen Imperativ Kants, die darin bestand, daß Lügen als auch die Tötung eines Menschen danach nicht zulässig seien, also sich durch den kategorischen Imperativ sich keine Lösung anböte, wenn man, um die Tötung eines Menschen zu verhindern, lügen müßte. (Hier sehe ich den Fehler von Schopenhauer darin, zu hohe Anforderungen an ein Essay zu stellen, welches eigentlich nur den Zustand betrachtet, ob, wenn alle den kategorischen Imperativ befolgten, dies auch zu einer stabilen Koexistenz führe, dann aber erübrigte sich die Kritik Schopenhauers, weil in diesem Analyserahmen sich die Problematik erst gar nicht stellte.)

Aber Moral / Ethik ist zunächst etwas subjektives, auf gesellschaftlicher Ebene ein sich überpersönlich manifestierendes Gerüst von Normen, die mehrheitlich Akzeptanz finden und eine Gesellschaft in ihren Bezügen zueinander erst konstituiert. Dazu gehört das Rechtssystem, aber auch mehrheitlich gehaltene Auffassungen darüber, was als legitim anzusehen wäre oder als entschuldigend anführbar wäre.

Die moralische Dimension in einer gegebenen Gesellschaft [Anm.: da es - einmal weg von Kant - keine allgemein deduzierbare Ethik geben kann, muß immer ein Bezug eingeführt werden als subjektive Basis] kann man somit als die Summe der mehrheitlich anerkannten ethischen Regeln in dieser Gemeinschaft begreifen, die das soziale Miteinander bestimmen. Hierzu zählten sowohl fixierte Normen wie Gesetze, Durchführungsverordnungen als auch die juristische Praxis, sowie auch ungeschriebene, im täglichen Umgang auf sozialer Ebene anerkannte und praktizierte ethische Grundsätze.

Genau hier aber treffen zwei "moralische Dimensionen" in Deinem Fall aufeinander, nämlich das Rechtssystem, welches Selbstjustiz nicht zuläßt (auf dieser Ebene wäre es Mord), als auch die in bestimmten sozialen Gruppen praktizierte Selbstjustiz als legitim verstandene Form einer erweiterten Selbstverteidigung o.ä.. Da beide sich gegenseitig in diesem Fallzunächst auszuschließen scheinen, solltest Du ggf. zunächst zwei "Dimensionsräume" kontrastierend nebeneinander stellen, um ggf. später über "mildernde Umstände" zu einer "Dimension" zu gelangen bei unterschiedlicher Gewichtung und daraus resultierend unterschiedlichen Ergebnissen hinsichtlich der Legitimität von Selbstjustiz. Dieses Vorgehen sollte dann aber auch einleitend benannt werden.

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