Frage von MyNameIsKenny, 161

Mögliche Anzeige wegen schwerer Körperverletzung?

Ein Kumpel von mir (Muay Thai Kämpfer) wurde neulich auf offener Straße überfallen. Der Täter wollte seinen Geldbeutel, Handy etc.

Leider hat er sich somit den falschen rausgesucht und liegt der Zeit im Krankenhaus (also der Täter). Nachuntersuchungen haben ergeben, dass der Täter ein Springmesser bei sich hatte, es aber nicht gezückt hat.

Mein Freund macht sich jetzt Sorgen über eine mögliche Anzeige wegen schwerer Körperverletzung. Berechtigt?

SG Kenneth

Was noch zu erwähnen wäre: 

Der Täter drohte ihm damit Gewalt anzuwenden und ihn zu verletzen

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von furbo, Community-Experte für Recht, 36

Dein Freund sollte als erstes selbst eine Strafanzeige wegen versuchtem Dienstahl/Raub erstatten. M.E. liegt sogar schwerer Raub/räuberische Erpressung von Seiten des Täters vor (§ 250 Abs. 1 Nr. 1 a StGB).

Notwehr ist grundsätzlich möglich, allerdings ist die Frage, ob es erforderlich war, den Angreifer krankenhausreif zu schlagen. Inwieweit die Notwehr also gerechtfertigt war, dürfte die Justiz überprüfen.

Sollte dein Freund tatsächlich wegen schwerer KV dran sein, dann hat er wirklich "zugelangt", denn die schwere KV erfordert dauerhafte schwere Schäden.
Ich vermute eher, dass es sich "nur" um eine einfach KV handelt.

Dein Freund sollte zunächst außer der Anzeigeerstattung "die Füße stillhalten" und abwarten, was kommt. Kommt tatsächlich eine Ladung als Beschuldigter, hingehen, sich genau anhören was vorgeworfen wird und dann entscheiden, wie weiter zu verfahren ist. Im Zweifelsfall keine Aussage bei Polizei oder StA machen.

Edit:

Was er für sich auf jeden Fall machen sollte: Er soll sich hinsetzen und jedes, aber auch jedes kleinste Detail in Form eines Protokolls für sich aufschreiben. Wenn es erst später zu einer Vernehmung oder Verhandlung kommt, hat der das noch als Gedächtnisstütze.


Antwort
von wilees, 27

Ich denke hier kommt es u.U. darauf an in welcher Form (zusätzlich ) verbal gedroht wurde. Bei Androhung von Gewalt bei einem versuchten Raub, darf sich der Bedrohte zur Wehr setzen.

Expertenantwort
von DerHans, Community-Experte für Recht, 23

Er BEHAUPTET, dass der "Täter" ihm Gewalt angedroht hat. Tatsächlich liegt dieser "Täter" jetzt im Krankenhaus.

Da kann sich die Staatsanwaltschaft jetzt aussuchen, wem sie glaubt.

Antwort
von Grautvornix, 25

Wenn dein Freund überfallen wurde, dann hat er in Notwehr gehandelt.

Es kann natrürlich sein, das er dabei zu weit gegangen ist, dann kann es schon eine Anzeige geben.

Notwehr ist soweit zulässig das man einen Angriff abwehren darf, da dein Freund ein Kampfsportler ist, kann man ihm evtl. vorwerfen das er den Gegner hätte abwehren können ohne ihn ins Krankenhaus zu befördern.

Das wird dann ein Gericht klären.

Meine persönliche Meinung: Ein klassischer Arbeitsunfall für den Angreifer.

Antwort
von Artus01, 30

Der Täter drohte ihm damit Gewalt anzuwenden und ihn zu verletzen

Das ist ein bißchen dünn, hat der Täter nun angegriffen oder eben nur gedroht. Wenn kein Angriff stattgefunden hat wird es Probleme geben.

Außerdem ist es keine schwere Körperverletzung, sondern eine gefährliche KV. Zumindest nach dem was in Deiner Frage steht.

Kommentar von MyNameIsKenny ,

Der Täter griff als erstes an. Das können Zeugen auch so bezeugen

Kommentar von Artus01 ,

Ein Ermittlungsverfahren wird es auf jeden Fall geben, aber wenn die Zeugen einen Angriff bestätigen wird es keine Anklage geben.

Kommentar von Hasenmann81 ,

Das ist leider falsch!
Allein die Drohung des Täters in Verbindung mit dem Vorsatz, seinen Kumpel bestehlen/ausrauben zu wollen stellt einen gegenwärtigen rechtswidrigen Angriff dar.
Nur weil er ihn letztlich nicht bestehlen konnte, heißt das noch lange nicht, dass kein Angriff im Sinne des § 32 StGB vorgelegen hat.

Kommentar von Artus01 ,

Ob eine Drohung allein ausreicht dürfte trotzdem problematisch sein um einen gegenwärtigen rechtswidrigen Angriff darin zu sehen. Der Staatsanwalt wird genau prüfen ob nicht andere Maßnahmen, z. B. Flucht, ausreichend gewesen wären. Zumal das Ganze ja wohl vor zahlreichen Zeugen passiert ist. Der Staatsanwalt wird hier imZweifel Anklage erheben.

Aber da die Zeugen ja letztlich den Angriff bestätigen können wird das Verfahren eingestellt.

Antwort
von troublemaker200, 21

Er hätte ihn ja auch kampfunfähig machen können ohne ihn krankenhausreif zu prügeln. Ich meine "ja" er kann belangt werden. Ob das gerecht ist oder nicht sei mal dahingestellt.

Wenn das Opfer ihn anzeigt wirde er Ärger bekommen.

Kommentar von Wippich ,

So ein blödsinn.

Kommentar von HappyGamer2207 ,

Ich schätze sie waren dabei und können die Situation neutral beurteilen, wohl eher nicht! genauso eine geistreiche Aussage wie bei frau Künast und dem Würzburg terroristen.

Kommentar von troublemaker200 ,

ich dachte so ein erfahrener Kampfsportler kann auch "nur" kampfunfähig machen.

Hoffentlich gibt es Zeugen die alles bestätigen können.

Antwort
von MasterJohanna, 30

Also ich finde den Fall viel zu kurz und unvollständig beschrieben um Äußerungen bezüglich Notwehr; gefährlicher/schwerer KV abzugeben. Da muss schon mal mal deutlich genauer die Situation beschrieben werden. Vermutlich war es Notwehr, recht sicher war es keine schwere KV und möglich wäre eine gefährliche.

Antwort
von Hasenmann81, 35

Dein Kumpel hat in Notwehr gem. § 32 StGB gehandelt.

Oftmals wird zwar die Meinung vertreten, dass sich jemand, der solche Kampfsportarten beherrscht, nur auf Schutzwehr beschränken solle. Allerdings ergibt sich ein ganz anderes Bild dadurch, dass der Täter ein Klappmesser bei sich führte. Vornehmlich handelt es sich hier sogar um einen versuchten schweren Raub gem. §§ 250 Abs. 1 Nr. 1a, 23 Abs. 1 StGB. Denn Raub setzt das bloße "Beisichführen" der Waffe voraus. Die Waffe muss also hinsichtlich des Raubes nicht genutzt worden sein.

Sich hier nur mit Schutzwehr begnügen zu müssen halte ich für vollkommen überzogen. 

Es kann gut sein, dass der Typ selbst eine Anzeige wegen Körperverletzung macht. Die wird aber aussichtslos sein.

Fraglich könnte nur sein, ob hier seitens Deines Kumpels evtl. ein sogenannter Notwehrexzess vorgelegen hat. Das wäre der Fall, wenn der Angreifer bereits "handlungsunfähig" war, Dein Kumpel aber weiter gegen ihn vorgegangen ist. Das fällt dann nicht mehr unter § 32 StGB.

Antwort
von Kleckerfrau, 25

Es kann sein, dass der Täter deine freund anzeigt. Dein freund sollte sich in dem Fall einen Anwalt nehmen.

Antwort
von Luftballon44, 30

Ich denke dein Freund hat aus Notwehr gehandelt. Warscheinlich würde er auch damit durch kommen. Trotzdem sollte er sich darüber mal mit einem Anwalt besprechen

Antwort
von Herb3472, 19

Ich denke nicht, dass das als Notwehrüberschreitung gewertet wird. Aber nichts ist fix, entschieden wird darüber bei der Gerichtsverhandlung.

Antwort
von Wippich, 18

Wenn mich jemand auf der Straße überfällt,habe ich Angst um mein Leben und da ist jede Notwehr gerechtfertigt.

Antwort
von schwarzwaldkarl, 27

die Wahrscheinlichkeit ist sehr groß, dass er die Anzeige bekommen wird...  Also Du schreibst ja selbst, dass der verhinderte  "Dieb" sein Springmesser nicht gezogen hatte, also hat es Dein "Kumpel" überhaupt nicht gesehen.

Aus dem Grund gab es für ihn auch keinen Grund, dass er das "Opfer" krankenhausreif geschlagen hat. Bin mir auch sicher, dass "er" das weiß... 

Kommentar von Hasenmann81 ,

Das ist für das Ermittlungsverfahren unerheblich. § 250 Abs. 1 Nr. 1a StGB setzt das bloße "Beisichführen" der Waffe voraus. Auch wenn der Täter das Messer nicht gezogen hat, bleibt es ein versuchter schwerer Raub.
Und da wird man die Grenzen der Notwehr etwas weiter ziehen.

Kommentar von furbo ,

In Anbetracht der Tatsache, dass das bloße Mitführen des Messers bei dem Raub schon eine Mindeststrafe von 3 Jahren vorsieht, spielt es keine Rolle, ob der Angegriffene das Messer gesehen hat. Es wird nicht die Wirkung auf den Angegriffenen, sondern die innere Einstellung, manifestiert durch das Mitführen des Messers,  des Täters zur Tat bestraft. 

Antwort
von HalloHalloHi, 27

Hallo Kenneth,

natürlich könnte es eine Anzeige geben. Trotzdem aber hat dein Kumpel in Notwehr gehandelt, so wie du das gerade geschildert hast, und damit dürfte er eigentlich durchkommen. Einen Anwalt sollte er sich trotzdem nehmen, wenn es so weit kommen sollte.

LG


Antwort
von Dog79, 27

Ja, denn sich wehren und einen Angreifer so schwer zu verletzen ist ein Unterschied. Notwehr ist nur bis zu einem gewissen Grad erlaubt, alles was darüber hinaus geht nicht.

Antwort
von lavre1, 27

Es war selbstverteidigung, er muss sich nicht fürchten falls er angezeigt wird.

Eine ausnahme gibts: falls der den ihn beklauen wollte schon am boden war und nicht mehr gefährlich war, und er trotzdem weiterschlug, muss er mit konsequenzen rechnen.

Kommentar von MyNameIsKenny ,

Nein, nachdem er am Boden lag schritten Passanten mit ein

Kommentar von lavre1 ,

und die machten was? die passanten?

Kommentar von MyNameIsKenny ,

Zogen meinen Freund zurück und riefen die Polizei, aber sahen was passiert ist

Kommentar von lavre1 ,

dann ist ja gut 

Kommentar von furbo ,

Zogen meinen Freund zurück...

Oha. Bedeutet das etwa, dass dein Freund erst dann mit seiner Verteidigung aufgehört hat, als sich Dritte einmischten? Wenn ja, sieht das ganz nach überzogener, nicht erforderlicher,  Verteidigung aus. 

Antwort
von jimpo, 12

Wer läßt sich beklauen und mit einem Messer bedrohen, wohl NIEMAND. Damit hat der Täter nicht gerechnet. Dein Kumpel hat sich gewhrt . Es war eindeutig Notwehr.

Antwort
von Herpor, 12

Vielleicht ist es auch ein Notwehrexzess.

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