Frage von Volens, 81

Möchte jemand Lira oder Franc zurück?

Im Gefolge der politischen Ereignisse kommt ja immer wieder in Deutschland die Diskussion hoch, ob man nicht besser gefahren wäre, wenn man die D-Mark behalten hätte.

Ich erinnere mich, dass die Italiener am Anfang am liebsten auch noch einen Ein-Euro-Schein haben wollten. Gibt es den Wunsch noch immer?
Und sind in anderen EG-Staaten Leute vorhanden, die lieber ihre alten Währungen zurückbekommen würden? Vermutlich wird es hier wohl keine anderen Antworten als aus Italien oder aus Frankreich geben. Aber vielleicht sind hier ja doch einige aus anderen Ländern.

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von latricolore, Community-Experte für Italien, Italienisch, Deutsch, Sprache & Schule, 32

In Italien ist es u.a. Beppe Grillo
https://de.wikipedia.org/wiki/Beppe_Grillo
mit seiner 5-Sterne-Bewegung, der die Lira zurückhaben will.

http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/eurokrise/italien/italienische-parteien-fo...

Kommentar von Volens ,

Ich stelle mir gerade vor, Urban Priol würde eine Partei gründen. Es ist die Frage, ob er ähnlich erfolgreich wäre.

Kommentar von latricolore ,

Das glaub ich kaum. Er ist zu anspruchsvoll...

Kommentar von 7vitamine ,

Ancora vivo è sto Beppe? :D

Nein danke, ich habe keine Lust mehr die Liranoten zusammenzukleben, man musste immer lo scotch dabei haben..

Kommentar von latricolore ,

E sì, lo scotch :-)))
Damit bin ich hier nett auf die Nase gefallen, als ich danach gefragt habe. :D

Kommentar von 7vitamine ,

Ne, hier darf man nicht.. und ein Geldschein ist auch kein Notizblock haha

Wir können mit Geld nicht so umgehen, war schon immer so :)

Kommentar von latricolore ,

Nein, ich meinte in einem Schreibwarenladen! Das heißt hier halt Tesa.

Kommentar von latricolore ,

Danke sehr für den Stern! :-)

Antwort
von abibremer, 22

Wer wie ich jahrelang eine kiloschwere Kleingeldbörse mit sich herumschleppte, weil der Umtausch in die "eigene" Währung Geld gekostet hätte, der könnte meine gewichtsmäßige Erleichterung über den Euro nachempfinden. Zum Nachdenken: Ein paar Journalisten machten sich den Spaß, ohne darauf angewiesen zu sein, bei JEDEM GRENZÜBERTRITT IHR Bargeld indie Währung des Landes einzutauschen, win welches sie gerade einreisen wollten. Die hundert D-Mark mit denen sie losfuhren, reichten nichtmal für die Hälfte der Reise, weil Wechselgebühren und Kursverluste das Geld ruckzuck "aufgefressen" hatten. Ich fahre schon lange nicht mehr international, halte aber die "Euroidee" für eine der besten, die Politiker in Europa je hatten: wie sollte denn die EU im Globalisierungswettkampf sonst bestehen können? Was ich hier (bei GF) schon öfter schrieb: viel zu kurzes Gedächtnis: die ersten Meldungen der Tagesschau beschäftigten sich jahrzehntelang immer mit den Kursverlusten der D-Mark gegenüber Dollar Yen und Pfund!


Expertenantwort
von mambero, Community-Experte für spanisch, 26

Die Wechselgebühr betrug i.d.R. 3%, also ist der Wertverlust pro Währungsumtauusch auch nicht soooo wild, im Gegensatz zu dem, was manche schreiben. Jetzt hast du eben 3% KK-Gebühren beim Abheben...

Es geht hier auch nicht um Nostalgie, Demokratie oder "lästiges Wechseln". Letzters ist wohl der deutsche Standpunkt. Der Euro ist jedoch nicht nur Reiseerleichterung. Die paar % Wechselgebühr (die ggf. in den Kurs schon mit eingerechnet waren), hast du heute beim Bargeldabheben genauso. Es hat sich nichts verbessert, denn wenn du mit 3000 Euro in der Geldbörse verreist, wirst du am (deutschen) Flughafen wie ein Verbrecher behandelt. Man zahlt also bargeldlos (KK-Gebühren, vor allem am Geldautomaten!!).

Dennoch, wie gesagt: sich über lästige Geldwechsel zu beschweren ist ein Luxusproblem. Der Euro war ja ziemlich schnell ein Teuro und hatte in ganz Europa die Preise enorm in die Höhe getrieben.

Hinzu kommt, dass andere Länder, wie z.B. Italien, aber auch Portugal, Spanien etc. mit ihrer Währung machten, was sie für nötig hielten. Jetzt macht es die EZB.

Diese enteignet praktisch die Sparer mit ihrer 0-Zins-Politik, Lebensversicherungen, die vor Jahren abgeschlossen wurden sind auf einmal unrentabel. Das bringt die Miserie zu den deutschen Rentnern, weil deren System auf Zinsen und Zinseszinsen aufgebaut war. Jetzt kann es sein, dass es vielen im Alter nicht mehr reicht, obwohl sie vorgesorgt hatten, jedoch jetzt durch die EZB und vom dt. Finanzamt enteignet werden (Thema Strafzinsen bzw. nicht Anrechnung von Zinsverlusten). Da hätte mancher Rentner gerne mal 30 DM Wechselgebühr über den (damals) vierwöchigen Urlaub bezahlt, statt seine Rente nun irgendwann in Euro zu bekommen, im Gegensatz zu früher sogar noch versteuert, abzgl. Sozialversicherung und ohne den erhofften stattlichen Zuwachs jetzt sogar durch Minuszinsen vermindert aufs Konto zu bekommen, welches auch nicht mehr so sicher ist, vor einer Geldentwertung. Mal abgesehen, dass der Euro eben auch die Preise in die Höhe trieb. Wenn vor 30 Jahren eine Konzertkarte für die angesagteste Band weltweit mal 20 DM kostete (10 Euro) oder eine Maß Bier 4 DM (2 Euro) auf dem Oktoberfest, zahlt man jetzt ein Vielfaches.

Zurück zu Italien & Co. Dort war es so, dass eben die Lire entwertet wurde (oder in Spanien die Pesete). Dadurch kamen mehr Urlauber, der Export wurde enorm angekurbelt, im eigenen Land kostete alles das gleiche (gleiche Währung), für's Ausland war es billiger. Jetzt könnte man einwenden, dass internationale Artikel teuerer wären. Nein. Denn die meisten Konzerne machen die Preise aufs Land bezogen, nicht auf die Herstellungskosten (die teilweise lächerlich niedrig liegen; jedoch die Werbung schluckt viel; die wäre dann eben auch günstiger dort). So ging jedes Land mit seiner Währung seinen eigenen Rhytmus. Auch Sprit kostete einen Bruchteil im internationalen Vergleich, jetzt ist er teuerer als in Deutschland.

Es ist also keine Nostalgie oder Nationalismus, sondern einfach die Tatsache, dass es ohne den Euro die Krise in Südeuropa so nicht gegeben hätte, da dann einfach die Währungen abgewertet worden wären und alle wären damit zufrieden gewesen und keine Troika bestimmt die sozialen Bedingungen oder was ein Präsident darf und was nicht.

Oder auf Deutschland bezogen: jetzt zahlst du eben 3% KK-Gebühr, bekommst weniger Rente, zahlst viel mehr Steuern, alles ist teuerer geworden und wenn das alles nicht genug wäre, wirst du vom Finanzamt überwacht wie ein Schwerverbrecher, während man zur Sicherung deiner Rente Millionen von billigen Arbeitskräfte ins Land holt, die jedoch selbst andere Pläne haben. Deutschland ist nicht mehr souverän.

Kommentar von Muminpapa ,

Ziemlich unsinnig, wenn auch aufwendig, geschriebene Argumentation. Der € war und ist nie ein Teuro. Sachlich einfach Unsinn und nicht belegbar. Sind die Preise zwischen 1970 und 1990 (in DM, ich war dabei) etwa nicht gestiegen?

Kommentar von mambero ,

Der Teuro ist nur ein (in Ziffern: 1, in Euro: 0,50) Argument.

Die verschiedenen Bedürfnisse, die eigene Währung zu devaluieren oder die Enteignung deutscher Sparer durch die 0-Zins-Politik der EZB eine andere. Wie gesagt: auch die Wechselgebühr war vergleichsweise lächerlich, wenn dieses das einzige Pro-Euro-Argument sein sollte, denn heutzutage zahlt man eben sogar mehr als jegliche Wechselgebühr an jedem Bankautomaten im Ausuland.

Ich glaube auch gerne, dass du dabei warst, denn vor 30 Jahren war 1986 und nicht 1970. Die Zeit vergeht schnell und die Teuerung von 2002 bis 2007, also die ersten 5 Euro-Jahre steht wohl in keinem Vergleich zu der von 1997-2002. Das Problem des Euros war auch der Wechselkurs = niedrige Zahlen. Was 50 DM 2001 waren, konnte man mit 25 Euro 2002 nicht mehr kaufen.

Antwort
von Muminpapa, 36

Um Gottes Willen nein. Wer auch nur ein bisschen nachdenkt, wird schnell darauf kommen, wie groß die Vorteile der gemeinsamen Wahrung sind.

Aber denken ist nicht jedermanns Sache. Leider.

Kommentar von Volens ,

Manchmal habe ich den Eindruck, die Leute meinen, mit D-Mark wäre nicht alles so teuer geworden. Aber ob wir uns der weltweiten Preissteigerung hätten entziehen können?

Kommentar von StoneColt ,

dadrüber diskutieren auch viele wissenschafter. Fakt ist die Wirtschaftkrise hat deutschland nicht so stark getroffen wie andere Erupäische Länder

Kommentar von Volens ,

Kann man so sehen.
Da habe ich aber den Verdacht, gerade der Euro könnte die Deutschen zu Gewinnern gemacht haben. Zahlen, die so etwas belegen oder widerlegen, wären nicht schlecht.

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