Frage von Nilohi, 41

Mobber provozieren, sodass sie zu viel mehr in der Lage wären?

Keine Angst! Es geht um ein Buch, indem ein Junge seine Mobber so sehr provoziert, dass sie ihn (fast) totprügeln, damit er untertauchen kann und ein neues Leben anfangen kann. Da ich selber keine Erfahrung mit Mobbing habe, kommt mir keine Idee. Ich rauchte so zirka drei bis vier Sachen, mit denen er sie provozieren könnte.

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von Bethmannchen, 7

Wenn Mobber mit dem was sie machen Erfolg haben, dann machen sie weiter und verbessern ihre Taktik auch immer mehr. Der Erfolg bestärkt sie darin, mit ihrem Mobben "im Recht zu sein" Ich füge hier mal was ein, das ich normalerweise als Rat für gemobbte Personen schreibe.

Was tun gegen Mobbing. Auch wenn Mobbing scheinbar ganz individuell aussehen mag, hat es doch eine stets gleiche Struktur. Wer gegen wen und was im einzelnen geschieht mag ganz unterschiedlich sein, aber der Ablauf ist immer nach dem selben Muster.
So fängt Mobbing grundsätzlich an:
Jemand legt einen Fallstrick aus, sucht sich irgend etwas, das einen verletzen wird. Und er wird auch immer weiter machen. Das Opfer soll darauf reagieren, und zwar am besten genervt, gestresst, beleidigt, verletzt... damit stolpert derjenige dann direkt und genau nach Plan in diese "Trickfalle".
Ein Mobber will damit beim Opfer einen "Knopf installieren". Er wird den dann auch immer wieder drücken, und das Opfer wird auf Knopfdruck jedes Mal wie erwartet reagieren. Damit hat sich das Opfer dem Mobbing von ihm, seinen Anhängern, Mitläufern, zuletzt der ganzen Gruppe (Klasse) voll und ganz selbst ausgeliefert.
Man lasse sich bloß nicht von irgend jemand zum "Hampelmann der Gruppe (Klasse)" machen! Den Sieg darf man niemand gönnen. Die Mobber und ihre Mitläufer haben vom Opfer meistens vor langer Zeit schon die "offizielle Einwilligung" bekommen, es erst z.B. mit seinem Namen zu mobben, dann auch noch mit diesem, dann noch mit jenem, und ihnen wird immer mehr einfallen. Das wird nie aufhören.
Wie kommt man aber aus der Situation wieder heraus. Wie legt man die selbst angenommene Opferrolle wieder ab. Und je länger das Spiel schon anhält, desto schwerer wird es. Der Grund liegt im Opfer selbst, dass sich zuletzt nicht mehr zur Wehr zu setzen wagt. Das liegt daran, dass es schon zu eingeschüchtert ist. Er ist zum willkommenen Opfer für jeden geworden.
Es hat sich aus der Gemeinschaft schon so weit zurückgezogen, dass es seine Angreifer überhaupt nicht mehr erkennen und zu unterscheiden kann. Dadurch erfasst das Opfer die dahinter stehende Struktur gar nicht richtig und hat den Eindruck, sich gegen eine große, nicht einzuschätzende Masse wehren zu müssen. Das führt zu Resignation.
Sicher kannst du deine Klasse nicht genau genug einschätzen, erkennst nicht, wie sie "tickt". Deshalb ist die richtige Taktik schwierig von außen durch jemand anderes festzulegen. Die Klasse ist auch nicht nur eine einzige Gruppe, sondern besteht aus mehreren Gruppen von zwei bis etwa sieben Schülern und Einzelgänger gibt es auch.
Die Gruppen sitzen auch nicht immer auf einem Haufen oder hängen immer alle zusammen. Solche Gruppen lösen sich hin und wieder auf, formieren sich neu. Einzelne oder mehrere schließen sich an, dafür gehen andere wieder weg. Das wandelt sich ständig. Es gibt auch "zwei dicke Freunde", zu denen sich auch mal der eine oder andere gesellt, aber selten für lange.
Die Gruppen stehen nicht gegeneinander, ticken nur verschieden, haben andere Interessenschwerpunkte, Ansichten, Meinungen, Wertvorstellungen, Vorlieben, Abneigungen usw. Gleich und gleich gesellt sich eben gern.
Jede Gruppe hat ein oder zwei Meinungsführer. Die Obermobber der Klasse werden auch zu einer Gruppe gehören. Da werden sie Meinungsführer oder Vice sein. Um in seiner Gruppe "der Coole" zu sein, "für Spaß zu sorgen", baucht es immer wieder ein Opfer, einen Hampelmann, wo alle immer mal wieder am Band ziehen dürfen. Einen hat man in die Opferrolle gedrängt, und mit dem treibt man es dann immer wieder.
Die eine und einzige Reaktion auf so ein Piesacken muss absolut souverän rüberkommen. Sie muss jeden Mobber sofort und für immer vor der ganzen Klasse als blamierten Dummen dastehen lassen. Das muss gleich beim ersten Mal wie ein "Todesstoß" plötzlich kommen, genau gezielt und richtig dosiert sein, mit der perfekten Publikumswirkung.
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Bevor so ein Ritter ins Turnier ging, hat er seinen Kontrahenten ganz genau ausgekundschaftet, weiß welche Stärken und Schwächen der hat, wie stark und fit dessen Pferd ist, wie dessen Rüstung gebaut ist, wie stabil dessen Waffen sind... Sein eigenes Pferd wurde in Top-Form gebracht, seine Rüstung und Waffen sind auf Vordermann, nirgends ein Rostfleck, alles frisch geölt, jeder Gurt, jeder Riemen wird noch und noch mal gecheckt...
So gründlich musst du dich auch vorbereiten. Such in der Klasse Kontakt zu Einzelgängern und kleinen Grüppchen. Du musst deinen Gegner kennen, brauchst Mitstreiter, eine Rüstung, scharfe Waffen, und eine Taktik...
Erst wenn alles perfekt ist sitzt der Ritter auf, greift sein Banner, treibt sein Pferd hoch erhobenen Hauptes auf den Platz und präsentiert sich von allen Seiten... Warum diese Showeinlage? Er soll den andern doch bloß hau ruck aus dem Sattel heben. Hat er doch trainiert, kann ja nicht so schwer sein - Tjaa.

Kommentar von Bethmannchen ,

Don Quichot hört von einem Turnier - Da muss er hin! Wie es geht hat er hundert Mal gelesen, und nun will er den Siegespreis erringen. Dann kommt er auf seinem Klepper auf den Platz getrottet, mit dem Blechpott auf den Kopf, die Rüstung hört man schon von weitem quietschen. - "Hee, guckt mal das Opfer da! - Na Opa, hast dich verlaufen?" Sein Schlachtruf "für Dulcine-a?" wird ihm im Halse stecken bleiben und die krumme Latte in den Staub klappern...
Also ist "Die Show vorweg" nun für das Publikum da? Soll der Kontrahent eingeschüchtert werden? Soll das Publikum in Stimmung kommen? Ist das bloße Angeberei der Ritter? Auf wen wirkt es, und wie?
Die antretenden Ritter wissen dass sie mindestens eine 50%-ige Chance haben, und das Publikum bestärkt sie darin noch. Don Quichot hat nur gemeint, er könnte ja mal versuchen, ob er auch hau ruck...
Bist du nicht der Typ strahlender Ritter, dann lies erst einmal meine weiteren Tipps gründlich durch.

Was hemmt ein Mobbing-Opfer eigentlich so sehr:
Wahrscheinlich musst du dein Selbstwertgefühl steigern oder mehr Selbstsicherheit erlangen. Tja, das kann man üben und Schüchternheit kommt von innen:

Ich denke, man geht nicht so leicht auf andere Menschen zu, weil man annimmt, von ihnen abgewiesen zu werden. Warum ist man aber nicht so offen?

Ich habe immer wieder die Erfahrung gemacht, dass schüchterne Menschen sehr feinfühlig, tiefsinnig, rücksichtsvoll... sind. Selbst berechtigte Kritik würden sie niemals laut heraus tönen, sondern erst die richtige Situation abwarten und einfühlende Worte wählen. Sie haben sehr viele wertvolle Charaktereigenschaften und sind die besten Freunde, die man haben kann.

Was du gegen Schüchternheit tun kannst ist zunächst einmal deine Sicht auf dich und andere Menschen zu verschieben. Diesen Satz sagte meine Oma einmal zu mir, und das hat mir unglaublich gut geholfen:

Die Menschen sind nicht so verletzlich, wie du glaubst.

Mehr hatte sie nicht gesagt. Dazu muss man sich erst einmal ein paar Gedanken machen. Nimm einmal diesen Satz in deinen Kopf und beobachte die Menschen um dich herum. Finde heraus, dass es stimmt.

Du wirst dabei einige Erkenntnisse bekommen wie z.B. Auch die ganz coolen Typen haben ihre Zweifel, Unsicherheiten, Sorgen, Nöte; sie lassen es nur nicht jeden sehen.

Man kann den Menschen um sich herum schon einiges zumuten, denn sie sind nicht so verletzlich, wie man meistens glaubt. Man muss aber auch nicht jeden mögen, und auch nicht um jeden Preis von allen gemocht werden. 

Man kann ja über Rüben verschiedener Meinung sein, aber über Kartoffeln trotzdem noch vernünftig miteinander reden. Das ist reifes Verhalten. 

Kommentar von Bethmannchen ,

Und so wie man sich körperlich hält, wirkt man auch auf sein Umfeld. Wer sich als Opfer empfindet, nimmt oft schon gewohnheitsmäßig eine krumme, zusammengezogene Körperhaltung ein. Das wirkt als Signal auf Mobber so, dass sie daraus ihre Berechtigung zur Demütigung und Entwürdigung herleiten. Es wird sie also anstacheln.

Die Napoleon-Körperhaltung hat die Natur tatsächlich für uns so vorgesehen. Jan Klapperbeen im Biologiebuch hält sich auch so. Ich habe das so in der Grundschule gelernt, als wir den Knicks üben mussten - Ja-ha. 

Kopf aus den Schultern ziehen, Kinn hoch, Blick an den Horizont. Hände so halten, dass die Daumen nach außen zeigen, Becken nach vorn kippen. Das klappt am besten, wenn du dich erst einmal mit den Fersen dicht an einen Pfosten oder Türrahmen stellst. So kann man das am besten erst einmal üben. 

Diese Haltung ist optimal, weil die Schultern die richtige Stellung haben und die Wirbelsäule in ihrer vorgesehenen Doppel-S-Krümmung in sich ruhen kann. Das sieht nicht nur selbstbewusster aus, wirkt sich auch so aus. Der Blick ist frei, die Lunge hat Platz, die Organe werden nicht eingequetscht. 

Immer wieder daran denken und diese Haltung einnehmen, irgendwann geht sie dir in Fleisch und Blut über. Das ändert nicht nur deine Ausstrahlung positiv, sondern auch den Eindruck, den andere schon beim Hinsehen von dir gewinnen, noch bevor sie dich überhaupt kennengelernt haben. 

Bei einem krummen Fragezeichen denkt man "Na ja"; bei einem Ausrufezeichen doch eher "Oho!"

Das hat auch noch ein Gutes, weil man einen viel besseren Blick in die weite Runde hat. Ach, da hinten kommt die olle Zicke, dann geh' ich schon mal auf die andere Straßenseite. So läuft man nicht mehr unvorbereitet in andere hinein, kann sich auf eine Begegnung schon gut geistig vorbereiten, sich den besten coolen Spruch überlegen... Gefahr erkannt - Gefahr gebannt. 

Für das Sitzen ist diese Haltung auch optimal: Darauf achten, dass man auf „dem ganzen Hintern“ zu sitzen kommt. Beim Hinsetzen also nicht erst den Rücken an die Lehne werfen, sondern den Allerwertesten ganz weit nach hinten auf die Sitzfläche strecken. Das Becken kippt beim Hinsetzen dann von ganz alleine in den richtigen Winkel. Nun geht es wieder von oben los: Kopf aus den Schultern, Daumen nach außen...

Wenn die Sitzfläche niedrig ist, dann nicht die Knie nach beiden Seiten fallen lassen, das sieht unfein und prollig aus, sondern geschlossen halten und leicht nach einer Seite drehen. So sitzen übrigens auch King und Queen auf ihrem Thron. 

So kann man stundenlang ermüdungsfrei sitzen, auch ohne sich anzulehnen. Auch hier haben die Schultern die richtige Stellung und die Wirbelsäule kann in ihrer vorgesehenen Doppel-S-Krümmung ich sich ruhen und die inneren Organe haben Platz. 

Diese Haltung mag zunächst anstrengend erscheinen, aber Muskeln, Sehnen und Bänder werden sich daran gewöhnen. Zunächst mag es dauern, bis das in Fleisch und Blut übergegangen ist, aber das kommt mit der Zeit. Also nicht locker lassen. Und allein damit wirst du dann schon ein ganz anderer Typ. 

Kommentar von Bethmannchen ,

Viellelicht ist das als Anregung brauchbar. Du musst deinen Protagonisten dann eben das genaue Gegenteil von meinen Ratschlägen machen zu lassen ;-)

Interessant dürfte sein, dass es tatsächlich ein "Strickmuster für Mobbing" gibt. Und es ist auch stets erforderlich, das ein Opfer "sich zunächst selbst als Opfer zur Verfügung stellen muss". Mobbing unterliegt einer sozialen Dynamik.

So ungefähr spielt sich das in den Köpfen ab.

Wenn bei so einem ersten Versuch ein Opfer in die Trickfalle stolpert, spielen gesprochene Worte so gut wie keine Rolle, Das Opfer wird zu 95 % mit Körpersprache signalisieren: ich bin: verwundet, getroffen, beleidigt, degradiert, seelisch verletzt, überrumpelt, wehrlos, hilflos, ausgeliefert... ICH BIN EIN LOOSER...

(EIn einzelner kann nicht mobben, er braucht Verbündete). Daher wird der "Obermobber" nach erfolgreichem erstem Test sein Umfeld sofort nonverbal darauf aufmerksam machen, dass er ein Opfer ausgemacht hat. (Hey, guckt mal - LOOSER GEFUNDEN!)

Andere darum herum schätzen für sich selbst bleitzschnell ein, ob sie mitmachen oder nicht. Es geht dabei nicht nach Vernuinft, sondern ist reiner Reflex. Ein angeschossenes Wild ist leicht zu erlegen - warum nicht mit hetzen - man bekommt ja was von der Beute ab - gehört zu den Siegern (wenn auch nur fremde Federn)...

Heute Erfolg gehabt - morgen den Spaß dreifach wiederholen - klappt sogar noch besser - jeder schubst mal, jeder stupst mal - morgen mal ganz was heftiges einfallen lassen - bald schon tritt jemand zu - nach einer Woche die ganze Klasse dabei - Es kann so lange weiter gehen, bis das Opfer in die Klappsmühle kommt.

Das Mobbingopfer provoziert seine Mobber schon damit, das er versucht "unter ihrem Radar hindurch zu kommen". Für deinen Plot käme einzig und allein in Frage:

Er geht (bei der Schulleitung, seinen Eltern, Eltern der Mobber ???) petzen ...  Erstattet (bei Polizei, Jugendamt ???) Anzeige... und der Obermobber bekommt (eine Anzeige, krach mit seinen Eltern, fliegt von der Schule ???) usw... dafür fallen dann alle über ihn her, so wie du das gerne hättest.

Bisher war das Mobbing eher so wie "eine Katze spielt mit der gefangnenen Maus".  Mit der Situation "erwiesener Looser besorgt sich/erhält Hilfe" bekommt die ganze Sache für die Mobber schlagartig eine neue Intension und einen ganz neuen Drive. Durch Verpetzen, Anzeige, strafende Verfolgung etc. fühlen sich die Mobber plötzlich und vollauf zur Rache ohne Mitleid berechtigt.

Was fällt dem kleinen Looser-Ar**h ein, so mir nichts, dir nichts dafür zu sorgen, dass wir uns vor irgendwem rechtfertigen müssen, so eine erniedrigende Behandlung erfahren müssen?! Wir bekommen wegen dem Schi**ser solche Strafe aufgebrummt?! Dem zeigen wir mal wo es lang geht, ist ja wohl logo! Ja der Mensch ist des Menschen ärgster Feind.

Jeder Mensch ist im Grunde seines Herzens ja gut. Damit eine Person oder eine Gurppe eine andere Person oder Gruppe überhaut erst in irgend einer Form "menschenunwürdig" behandeln (quälen, foltern, töten...) kann, muss vorher darüber Übereinstimmung geschaffen worden sein, dass die/das Opfer eine solche Behandlung selbst verdient habe(n).

Dafür gibt es Beispiele genug: Inquisition, Hexenverfolgung, Judenverfolgung weltweit seit Alters her, Massaker an anderen Volksgruppen und Stämmen überall auf der Welt, Genozide, ISIS-Überfälle... 

Antwort
von XNightMoonX, 12

Hallo Nilohi,

provozieren lassen sie sich am besten durch ignorieren, wenn das Opfer provokante Sprüche äußert, ein freches lächeln aufsetzt, die Mobber auslacht usw.

L.G.
XNightMoonX

Kommentar von Nilohi ,

Danke. Nicht zu viel, nicht zu wenig. Perfekt

Antwort
von Eshula, 28

Klingt sehr unlogisch. Durch die Polizei oder wie? Das würden die wegen Mobbing nie anbieten.

Kommentar von Nilohi ,

Ne eher, dass er sich irgendwie blöd stellt und sie in komische Situationen bringt oder so. Die Außenwelt soll davon also nichts erfahren, also Eltern und Polizei werden ausgeschlossen.

Kommentar von Eshula ,

Ich meinte auch das Untertauchen und neues Leben. Wie soll ein Mensch alleine das bewerkstelligen? -> Also zur Polizei. Und die lacht sich tot wenn du das wegen Mobbing forderst. Der Handlungsstrang ist ziemlich unlogisch.

Antwort
von paranomaly, 4

Er könnte den Spieß umdrehen und die Schwachstellen der anderen herausfinden, sie solange damit konfrontieren, bis zur Weisglut.

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