Frage von webthink, 127

Mitarbeiterin unterbricht mich dauernd, was tun?

Hallo zusammen, ich bin Unternehmer und habe ein Problem mit einer neuen Angestellten. Jedes Mal wenn ich Ihr etwas erkläre, bspw. Arbeitsweise oder was Sie machen soll unterbricht sie mich und erzählt mir irgend etwas das mit unserem Thema nichts zu tun hat. Das schlimme ist, sie hört nicht mehr auf zu reden.

Normalerweise habe ich mit sowas kein Problem und setze in solch einem Fall meinen Gegenüber auf Spur, aber bei ihr habe ich keine Chance. Sie ist neu und will sich profilieren, gut verstehe ich, wenn aber das was Sie sagt nichts mit dem Thema um das es geht zu tun hat, fällt es mir hier schwer mir erst Ihre Sachen an zu hören. Das hat mich am ersten Tag 3,5h gekostet... Ich hab es Ihr auch schon erklärt dass das so nicht geht. Dann war es einen Tag okay und am nächsten ging es weiter...

Mittlerweile unterbreche ich Ihre Unterbrechung und stelle ich beispielsweise Gegenfragen um wieder zum eigentlichen Thema zurückzukehren. Dann schaut sie mich nur verständnislos an und ich merke an Ihrer Mimik das sie mir garnicht mehr folgen kann. Selbst einfachste Fragen bringen Sie so sehr aus dem Konzept das sie nicht mehr weiss wie sie heisst...

Das finde ich irgendwie befremdlich. Hat hier zufällig Jemand ähnliche Erfahrungen gemacht? Mir gehts in erster Linie auf die Reaktion der Gegenfrage. Ich kenne die Störenfriede die immer was zu sagen haben, die Besserwisser und die Dummschwätzer. Aber das hier ist ein komplett neues Kaliber :-)

Viele Grüße webthink

Antwort
von Aleqasina, 30

Jetzt wäre interessant zu wissen, ob es bei ihr noch andere Besonderheiten im Verhalten gibt. Manchmal ist es nämlich nicht eine "Unart" bzw. einfach schlechtes Benehmen, das so ein Verhalten verursacht, sondern gewissermaßen ein anderes Betriebssystem im Gehirn, das mit unserem normalen System nicht so einfach kompatibel ist.

Das Phänomen, dass überraschende Fragen eine Person so aus dem Konzept bringen, dass gar nicht s mehr geht (bis hinzu selektivem Mutismus, also "Sprachlosigkeit" in der jeweiligen Situation), kommt beispielsweise bei Autisten gelegentlich vor. Ebenso Monologe zu besonderen, manchmal sehr speziellen Themen, bei denen der Redner keine Rücksicht auf die Gedankengänge, die Geduld und das Auffassungsvermögen des Zuhörers nimmt.

Einzelne Verhaltensweisen dieser Art machen jemanden noch lange nicht zu einem Autisten. Aber es gibt viele Autisten, die unerkannt und oft undiagnostiziert unter uns leben und nur wegen einiger Eigenarten auffallen. Und die dann leider deswegen ausgegrenzt werden, obwohl sie nichts dafür können. Oft brauchen sie dann einfach nur ein auf sie abgestimmtes Aufgabengebiet und einen entsprechenden Arbeitsplatz und alles läuft bestens.

Checke mal in einem in wohlwollender Atmosphäre geführten Gespräch folgende Dinge bei ihr ab:

  • Irritieren sie unerwartete Veränderungen, z. B. Terminänderungen oder Aufgaben, die "mal eben" dazwischengeschoben werden müssen?
  • Reagiert sie empfindlich/gestresst auf äußere Reize, Helligkeit, Geräusche, Telefonklingeln, Gebrabbel und Unruhe im Raum?
  • Hat sie stereotype Verhaltensmuster, die über die übliche Routine im Arbeitsablauf hinausgehen?
  • Hat sie Probleme, sich an beiläufigen Gesprächen, Smalltalk usw. zu beteiligen?
  • Fällt es ihr schwer, nonverbale Kommunikation, also Mimik, Gestik usw., aber auch "Andeutungen" in Gesprächen richtig zu deuten?
  • Fällt es ihr schwer, in Gesprächen Blickkontakt zu halten?


Solche Dinge können darauf hindeuten, dass die Mitarbeiterin dem autistischen Spektrum zuzurechen ist. Wohlgemerkt: können, nicht müssen! Eine Diagnose kann sowieso nur ein speziell dafür ausgebildeter Psychologe durchführen. Das wäre aber anzuraten, wenn ihre Auffälligkeit sich nicht nur auf themenfremde Monologe bezieht.

Wenn sie tatsächlich Autistin sein sollte, dann rate ich dir als Vorgesetzter,
ihr ein klar geregeltes Aufgabengebiet zuzuweisen, dass nicht zu viel unerwarteten Kundenkontakt beinhaltet. Mute ihr kein Multi-Tasking zu. Gib klare, unmissverständliche Anweisungen. Keine Andeutungen, keine Anspielungen, keine versteckten Hinweise in der Kommunikation, sondern eine direkte Sprache. Kündige Ereignisse, die außerhalb der Routine liegen (z. B. ein Mitarbeitergespräch), vorher an, sorge dafür, dass Termine eingehalten werden. Gönne ihr Rückzugsmöglichkeiten, z. B. wenn sie in der Pause nicht mit den Kollegen palavern, sondern für sich möchte.

Vor allem: erkenne ihre Begabungen! Die können z. B. im mathematischen Bereich, in EDV oder in Prüf- und Revisionsbereichen besonders ausgeprägt sein. Oder bei Aufgaben, die eine besondere Genauigkeit und Geduld erfordern.

Was auch immer mit ihr los sein sollte, lerne sie als einen einzigartigen Menschen wertschätzen! :-)


Kommentar von webthink ,

Danke für die Tipps. In eine solche Richtung habe ich auch schon gedacht. Ich werde mal darauf achten. Wobei ich gestehen muss, sollte das so sein wäre ich klar damit überfordert.

Kommentar von Aleqasina ,

Nur keine Bange, das kann man alles lernen! :-)

Man muss nur ein bischen wissen, wie die Leute ticken.

Kommentar von wolfgang1956 ,

Manchmal ist es nämlich nicht eine "Unart" bzw. einfach schlechtes
Benehmen, das so ein Verhalten verursacht, sondern gewissermaßen ein
anderes Betriebssystem im Gehirn, das mit unserem normalen System nicht
so einfach kompatibel ist.

Vor allem: erkenne ihre Begabungen!

Als Firmenchef hat man nicht die Zeit, Mitarbeiter auf ihre Begabung oder ihr „Betriebssystem“ zu untersuchen. Da muß man entscheiden und nicht grübeln … :-)

Diese MAin bekäme bei mir ein- oder zweimal ihre Chance und wenn sie dann nicht aufhört, würden sich die Wege trennen. Als Firmenchef muß man nicht unbedingt „studiert“ sein. Man muß „Chef“ sein und seine Mitarbeiter sowie die Firma „führen“. Alles andere kann man im klinischen Umfeld oder in der Forschung „untersuchen“ … :-)

Kommentar von Aleqasina ,

Als Vorgesetzter hat man eine Fürsorgepflicht gegenüber Mitarbeitern. Dazu braucht man grundlegende Menschenkenntnisse, sonst ist man als Führungskraft ungeeignet. Man muss ja nicht gleich studiert sein, ein paar Tipps reichen oft schon.

Auch neurotypische Menschen werden schließlich ihren Begabungen entsprechend eingesetzt und die Arbeitsplätze werden auch für sie nach den speziellen Erfordernissen optimiert.

Eine Fürsorgepflicht hat man übrigens generell als Mitglied der Gesellschaft gegenüber seinen Mitmenschen.

Wir sind inkusionspflichtig!

Antwort
von peterobm, 44

unter 4 Augen ganz klare Ansage. Die Dame scheint für den Job ungeeignet zu sein. In der Probezeit gelten etwas andere Spielregeln. Bei Wiederholung Konsequenzen ziehen. 

Antwort
von blackforestlady, 43

Wenn sie Dir was wichtiges mit zu teilen hat, könnte sie das nach Feierabend mit Dir bereden. Während der Arbeitszeit finden nur Gespräche, die mit der Firma zu tun haben, statt. Wenn sie es nicht unterlässt, müsste man nach eine Lösung suchen und evtl. sich nach einer neuen Mitarbeiterin umsehen. Du bist der Chef, Du musst Dich durchsetzen oder die Konsequenzen ziehen.

Antwort
von Gapa39, 63

Klingt echt anstrengend und schwierig.

Hm, vielleicht könntest du mal versuchen, wenn sie wieder mit einem andren Thema anfängt, das Gespräch sofort zu beenden, also nichts mehr zu sagen, also auch nicht in der Form: Kommen wir zurück zum Thema oder sonst wie. Das sollte ihr zu Denken geben.

Wie war denn die Reaktion als du es ihr erklärt hast? Konnte sie es nachvollziehen? Geht es denn bei ihren Themen überhaupt um den Betrieb oder um etwas völlig anderes? Vielleicht könntest du ihr auch zunächst die Anweisungen mal schriftlich mitteilen, also eine andere Kommunikationsform wählen, damit sie halt auch die wichtigen Arbeitsabläufe kennenlernt, denn sonst hat sie für deinen Betrieb ja wenig nutzen.

 

Wie kommen die andren Mitarbeiter klar mit ihr? Geht es allen so?

Ich finde es sehr unangehm, wenn jemand neues es nötig hat sich zu profilieren, ich ziehe es vor mich erstmal zurückzuhalten und zwar mein Interesse zu zeigen, aber nicht unnötig zu viel zu reden und schon gar nicht über andere Themen, aber gut, da ist jeder anders.

Kommentar von webthink ,

Danke für die Antwort. Also ich bin im Moment alleine mit ihr. Die Variante nichts mehr sagen und stillschweigend hinnehmen, sogar übertrieben genervt schauen hat sie nicht verstanden. Selbst laut und genervt Stop rufen hat Sie nur 2 Minuten aus dem Konzept gebracht. Ich habe Ihr auch das erklärt warum es so ist. Dann erhalte ich nur die Reaktion, wie beschrieben, dass Sie mich teilnahmslos anschaut und gar nicht weiss in welcher Situation sie sich befindet. Ich habe Ihr auch gesagt, wenn Sie das nicht in den Griff bekommt dass das Konsequenzen hat. Gerade weil im Moment sehr viel zu tun ist und ich hier auch ziemlich die "Grätsche" mache um das alles irgendwie gehändelt zu bekommen.

Ich denke wenn ich das Thema platt rede wird es nur noch schlimmer, weil ich dadurch enorm den Druck erhöhe. Soweit ich das nach den ersten paar Tagen beurteilen kann ist sie nicht schlecht. Das würde mir den Schlussstrich vereinfachen wenn die Leistung nicht stimmen würde. Aber so komme ich dauerhaft nicht klar wenn ich "nicht zu Ihr durch dringe".

Klare und schriftliche Anweisungen sind in dem Bereich wo wir arbeiten sehr aufwendig. Das meiste bespricht man schneller als das man alles schriftlich macht. Auch will ich ja das sie kreativ ist, ist schliesslich eine Designerin :-). Aber ich bin es auch gewohnt, wenn ich mich beispielsweise mit Kunden unterhalte, dass ich den Leuten zu höre. Mich macht der Gedanke sie auf meine Kunden loszulassen total kirre...

Wie kann man zu solchen Leuten durchdringen?

Antwort
von JonnyOhFive, 31

Also wie sich das für mich anhört geht das schon länger so. Manche menschen sind bei sowas beratungsresistent und du hast nicht die zeit dich damit noch wochenlang rumzuschlagen zudem erfüllt sie ihre Arbeit so auch nicht effektiv. 

Probezeit -> Kündigen 

klar klingt hart und unmenschlich aber du bist als Chef auch für den erhalt der Arbeitsplätze der anderen verantwortlich und wenn einer querschießt und sich nicht an den Betrieb anpasst ist das ein negativer einfluss. wie andere schon beschrieben haben auch aufs Arbeitsumfeld mit den anderen MA. Und wenns sonst in deinem Betrieb funktioniert  machst du mit dem schritt (meiner meinung nach) keinen fehler

Antwort
von TheAllisons, 57

Du als Chef solltest dich da durchsetzen, das sage liegt bei dir, und wenn sie damit nicht aufhört, dann musst di Sanktionen setzen, sonst wirst du nicht ernst genommen

Antwort
von wolfgang1956, 10

Ganz klare Ansage; insbesondere da sie noch in der Probezeit ist!

Wenn du deine Firma und die Arbeitsplätze deiner MitarbeiterInnen erhalten willst, braucht die „Neue“ eine Ansage. Es ist deine Firma!

Entweder sie lernt, macht ihren Job und hält die Klappe oder sie fliegt sofort!

Da muß man auch keine „anderen Eigenarten“ untersuchen. Du suchst eine MitarbeiterIn, der/die die anfallende Arbeit erledigt! Der Fokus ist ganz klar dein Unternehmen und nichts anderes!

Es geht auch darum, dass du dich wieder auf deinen Part der Arbeit konzentrieren kannst. Von mir aus gib ihr eine allerletzte Chance; aber beim nächsten Redeschwall muß sie fliegen. Alles andere ist kontroproduktiv.

Antwort
von bibi8888, 5

Klingt für mich ein wenig nach "zu schneller Ablenkbarkeit" oder auch mangelnder Konzentrationsfähigkeit auf die Arbeit. Ihr scheinen andere Dinge durch den Kopf zu gehen und dann ist sie weit weg vom eigentlichen Arbeitsauftrag. Auch die Reaktion auf deine Gegenfrage passt da ins Bild für mich. Sie ist nicht genügend fokusiert auf ihre Arbeit. Das könnte zu einem ernsten Problem werden, das du ohne Umschweife ansprechen solltest. Man könnte sogar an einen gewissen Krankheitswert denken....so in Richtung ADHS, aber das ist erstmal nur eine gewagte Theorie....:-)

Andere spontane Idee: Sie hat sich in dich verguckt und will Kontakt aufbauen..... :-)

Antwort
von corsa678, 65

Setzt euch mal in einer ruhigen Minute zusammen.

Sag ihr, dass ihr Gerede nervt (höflich natürlich!) und mach mit ihr aus, dass,   wenn du STOPP sagst, sie aufhören muss zu reden, bzw. dich zu unterbrechen.

Ansonsten muss sie jedes Mal, wenn sie sich nicht daran hält, 50 Cent in die Kaffeekasse werfen...

Kommentar von Lightman95 ,

So soll sich ein Vorgesetzter verhalten? Ich hoffe nicht...

Kommentar von corsa678 ,

Lightman: Wenn´s anders nicht geht...? Die Dame schein ja völlig "anweisungsresistent" zu sein... Und als Chef bricht man sich auch keinen Zacken aus der Krone, mal unter 4 Augen mit einer Angestellten zu reden!

Kommentar von Lightman95 ,

Als chef MUSS man das sogar machen. Das geht aber völlig an der Ursache vorbei. Warum unterbricht die mitarbeiterin einen chef? Das spricht schonmal für das Ansehen und das gegenseitige verhalten. Dss darf niemals so sein. Lass dich als chef so vorführen, nimmt dich letzendlich keiner der MA mehr ernst. Chef ist chef. Und der Kollege hier hat leider Mängel in der Mitarbeiterführung. 

Es gibt genug Literatur zum Thema Führen oder auch Gesprächstechniken für Führungskräfte. Chef sein kann jeder. Als Chef wahrgenommen werden muss man sich ersrbeiten. 

Kommentar von webthink ,

Ich bin dabei.

Kommentar von webthink ,

Sie ist was das angeht wieder seit langer Zeit meine erste (Interne) Mitarbeiterin. Auch wenn viele immer denken das Chef´s unMenschen sind, muss ich klare Prioritäten setzen.

Ihr seht ja, ich suche mir sogar Rat :-) Als Dauerzustand kann ich das nicht dulden, aber ich will Sie auch nicht kicken ohne es nicht versucht zu haben. Schliesslich fühle ich mich meinen Mitarbeitern gegenüber verantwortlich.

Antwort
von Kuestenflieger, 9

mit einer mitarbeiterin weniger ist ihr geschäft sicher erfolgreicher !

sie selbst werden erfolgsaktiver mit dem grundteam, da sie keinen bremsklotz mehr schieben müssen .

Antwort
von Walum, 26

Tja, wenn die Kunden callcentermäßig "plattquasseln" soll, ist sie wohl die Richtige. 

Sonst hilft "Unterbrechen Sie mich nicht! Ich kann das nicht leiden!"

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