Frage von Franzussss, 135

Mitarbeiter missbraucht Vollmacht und kauft für private Zwecke auf Kosten des Unternehmens, was machen?

Guten Abend,

Ich bin heute die komplette Buchführung vom letzten Jahr durchgegangen, um einen Beleg zu finden. Nun habe ich mit Erschrecken festgestellt, dass ein Mitarbeiter auf Kosten der Firma fast 1000€ für private Zwecke ausgegeben hat ( Kinderkleidung, Spielzeug, Elektronik, Autoteile ect). Der Mitarbeiter hatte eine Kontovollmacht und sollte für den Betrieb Rohstoffe einkaufen, was er auch gemacht hat. Leider hat er mein Vertrauen(Geschäftsführer) dabei auch total ausgenutzt. Er war ein langjähriger Mitarbeiter, dem ich sowas nie zugetraut hätte.

Der Mitarbeiter hat immer kleine Summen ausgegeben, weswegen mir das nie aufgefallen ist und er hatte Zutritt zu der Buchführung, weswegen ich davon ausgehe, dass er die Belege im Nachhinein eingefügt hat. Ich habe ihm natürlich alle Vollmachten entzogen und bin jetzt dabei ihm eine fristlose Kündigung zu schreiben. Mein Anwalt ist leider momentan im Urlaub.

Meine Frage:

  1. Ist eine solche Unterschlagung die ich mit Rechnungen beweisen kann, ein ausreichender Grund für eine fristlose Kündigung?

  2. Kann ich das Geld von ihm wieder einfordern?

Vielen Dank für die Hilfe.

Antwort
von Messkreisfehler, 96

1) Ja

2) Ja

In dem Fall würde ich auch direkt eine fristlose Kündigung aussprechen und sogar Strafanzeige erstatten.

Antwort
von Amtsschimmel25, 40

Hallo, dass ist zwar eine klare Sache, wie die anderen auch schon geschrieben haben, aber vielleicht solltest du dir alternativ folgendes überlegen.

Wenn dein langjähriger Mitarbeiter nach der gerechtfertigten fristlosen Kündigung trotzdem vor dem AG klagt hast du sehr viel Unannehmlichkeiten und Zeitaufwendungen mit dem Klageverfahren. Weiterhin sind Strafverfahren, die hier wegen des Betruges und des Diebstahles des Mitarbeiters unabdingbar sind auch ein Punkt, die deine Firma (je nach Geschäftsfeld) in der Öffentlichkeit schaden könnten.

Ich hatte es es mit einem Mitarbeiter folgendermaßen gemacht. Er leistet unverzüglich Schadensersatz zzgl. Zinsen für die unterschlagenen Beträge. Da je nach Betriebsgröße ein Personalrat vorhanden sein könnte, der Schwierigkeiten bei der Kündigung verursachen könnte, wird ein Aufhebungsvertrag mit sofortiger Wirkung gemacht und alle Ansprüche des AN gegen den AG sind abgegolten. Der AN verzichtet auf jegliche noch bestehende Ansprüche gegen den AG und im Gegenzug wird auf die Strafanzeige verzichtet. Man trennt sich sofort ohne viel Aufsehen.

Antwort
von FordPrefect, 32

Ich bin heute die komplette Buchführung vom letzten Jahr durchgegangen, um einen Beleg zu finden.

Habt ihr keinen StB? Wer macht denn da die Buchhaltung?

Nun habe ich mit Erschrecken festgestellt, dass ein Mitarbeiter auf
Kosten der Firma fast 1000€ für private Zwecke ausgegeben hat

Und das kannst Du auch eindeutig dem Beschuldigten zuordnen - und beweisen?

Der Mitarbeiter (...) hatte Zutritt zu der Buchführung, weswegen ich
davon ausgehe, dass er die Belege im Nachhinein eingefügt hat.

Und das alleine stellt die Frage nach der Beweisführung schon in ein anderes Licht.

Ich würde hier ohne anwaltliche (und ggfs. steuerrechtliche Beratung) zunächst gar nichts tun. Es stellen sich nämlich u.a. die Fragen,

a) wie es sein kann, dass ein MA unkontrolliert Zugang zur Buchhaltung haben kann;

b) wie es sein kann, dass eine Buchhaltung nicht mit entsprechenden minimalen Schutzmachanismen ausgestattet ist, und

c) wie es sein kann, dass ein GF - wenn er schon dafür keinen geeigneten Fachmann resp. Dienstleister einsetzt - seiner Kardinalaufgaben so vernachlässigt.

Ungeachtet der möglichen straf- und arbeitsrechtlichen Konsequenzen ist hier als Kollateralschaden im Falle eine juristischen Auseinandersetzung nämlich auch die Frage nach der Sorgfaltspflicht und darüberhinaus den GOB zu stellen. Wenn eine Buchhaltung über Jahre unkontrolliert manipuliert werden konnte, wird sich sehr kurzfristig das zuständige FA bei dir melden und eine Sonderprüfung ansetzen. Und wenn da festgestellt wird, dass die GOB nichtmal ansatzweise eingehalten wurden (was bei nachträglichen Verbuchungen beliebiger Werte faktisch immer der Fall sein dürfte), dann ist die Buchhaltung insgesamt zu verwerfen. Und dann steht ganz schnell der Anfangsverdacht der Steuerhinterziehung im Raum.

Mein Anwalt ist leider momentan im Urlaub

(Ironie on)

Manchmal gewinnt man be GF den Eindruck, die gesamte Anwaltsbranche sei ständig unerreichbar.

(Ironie off)

Aufwachen. Hier geht es um Geld, und zwar richtig viel Geld. Also unverzüglich die ja bestimmt vorhandene RSV kontaktieren, und einen Fachanwalt anrufen nach Deckungszusage. Und wenn es keine Berufs-RSV gibt, tja, dann kann man von dem gesparten Geld ja locker ein Dutzend Anwälte bezahlen.

Antwort
von skychecker, 45

Ein klarer Fall für eine außerordentliche Verdachtskündigung.

Eine Strafanzeige bietet sich hier zudem an. Und dann sicher auch eine Schadensersatzforderung/Zivilklage.

Antwort
von grubenschmalz, 93

1. Ja

2. Ja.

3. Strafanzeige, möglichst zügig. 



 Mein Anwalt ist leider momentan im Urlaub.


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