Frage von gizemtpy, 126

Mit wie vielen Jahren Haft kann er rechnen?

Ein Mann beging mehrere zusammenhängende Straftaten: Totschlag (Person 1 erschossen) und gefährliche Körperverletzung (Person 2 in den Bauch geschossen) und hinzu kommt noch der illegale Waffenbesitz. Ich weiß, das sich die Gesamtstrafe vom Richter abhängt, aber ich wollte trotzdem eure Meinung hören. Wie wird das alles zusammengerechnet? Im Internet habe ich nichts konkretes gefunden.  

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von DerTroll, 47

Mindestens 5 Jahre gibt es allein für den Totschlag. Das ist die Mindeststrafe. Für die gef. KV usw. wird es auch etwas geben. Alles im allem wird eine Gesamtfreiheitsstrafe gebildet werden. Wie hoch die ausfallen wird, kann ich nicht sagen. Der Richter muß da die näheren Umstände berücksichtigen. Also selbst wenn es nur nach dem Totschlag geht, ist ja nach oben hin alles möglich, je nach Schwere der Tat und ob er sich einsichtig zeigt usw. Da das in meinen Augen die Schwerste Straftat ist, wird es vor allem von der Einschätzung dieses Verbrechens abhängen, ob es eher bei den 5 Jahren oder eher an der lebenslangen Freiheitsstrafe dran ist. Aber ich könnte mir vorstellen, daß es schon mindestens 7 Jahre werden oder mehr. Man muß ja berücksichtigen, daß das heißen kann, daß er nach 3 Jahren schon wieder rauskommt, wenn er nur z.B. zu 6 Jahren veruteilt wird.

Antwort
von smilenice, 29

Wie bereits geschrieben ist es fragwürdig, dass bei dieser Konstellation auf Totschlag statt auf Mord erkannt wird.

Wer nimmt bitteschön ohne Hintergedanken eine illegale Schusswaffe mit aus dem Haus ?

Er wird wohl kaum spontan auf die Idee gekommen sein, auf die beiden zu schießen.

Nun ist die Strafe für Mord mandatorisch die lebenslange Freiheitsstrafe.
Es würde also zwingend eine lebenslange Gesamtstrafe verhängt werden.

Dies ist meiner Meinung nach am wahrscheinlichsten.

Wird er nun überraschenderweise "nur" nach Paragraph 212, also Totschlag verurteilt, so gehe ich aufgrund der Umstände von mindestens 10-12 Jahren aus, je nachdem wie der Richter die anderen Straftaten mit einberechnet.

Eine lebenslange Freiheitsstrafe wegen des schweren Falls des Totschlages ist allerdings auch möglich und nicht unwahrscheinlich, gerade weil eine Schusswaffe im Spiel war.

Es gibt aber leider zu viele ungeklärte Variablen, welche mit einbezogen werden müssen, ein einigermaßen sicheres Urteil ist daher schwierig.

Kommentar von gizemtpy ,

Der Erschossene 18-jährige war ein Bekannter von mir. Er und sein Freund wollten ihm einen Besuch statten, weil es um Schulden ging und haben das dann auch gemacht. Vor dem Haus war ein Überwachungssystem, wodurch es dem Täter möglich war, die beiden Männer zu sehen und sich zu bewaffnen. Der Täter öffnete die Tür nur einen Spalt und Bevor der Erschossene überhaupt was sagen konnte, schoss er ihm in den Kopf und den Anderen später in den Bauch.

Kommentar von Drizzt1977 ,

Kein Notwehr, keine Rechtfertigung. Wird Totschlag werden, Strafmaß ergibt sich aus Beurteilung der Gesamtumstände und Vorstrafen.

Kommentar von smilenice ,

Mit diesen Informationen, falls es bei Totschlag bleibt, würde ich ~13,5 Jahre im Falle einer zeitlich begrenzten Freiheitsstrafe annehmen.

Sollte auf einen besonders schweren Fall des Totschlages erkannt werden, was ich durchaus für möglich halte, könnte aber durchaus auch eine lebenslängliche Freiheitsstrafe verhängt werden.

Aber falls die Staatsanwaltschaft Berufung einlegt, oder das Verfahren sonst irgendwie neu aufgerollt würde, halte ich eine lebenslängliche Freiheitsstrafe wegen Mordes für möglich, gerade wenn es um "Drogengelder" geht.

(2) Mörder ist wer [...] um eine andere Straftat zu ermöglichen oder zu verdecken, einen Menschen tötet

StGB, §211, Abs. 2

Aber die Auslegung des Rechts liegt in den Händen des bearbeitenden Richters, wir können nur Mutmaßungen anstellen.

Kommentar von smilenice ,

Aber Totschlag will nicht in meinen Kopf. Dazu gibt es die Rechtsprechung des BGH Für das im Rahmen des Heimtückemerkmals des § 211 Abs. 2 StGB erforderliche bewusste Ausnutzen der Arg- und Wehrlosigkeit genügt es, dass der Täter diese in ihrer Bedeutung für die Lage des Angegriffenen und die Ausführung der Tat in dem Sinne erfasst, dass er sich bewusst ist, einen durch seine Ahnungslosigkeit gegenüber einem Angriff schutzlosen Menschen zu überraschen (vgl. BGH NStZ 2015, 30, 31). Das gilt in objektiv klaren Fällen bei einem psychisch normal disponierten Täter selbst dann, wenn er die Tat einer raschen Eingebung folgend begangen hat (vgl. BGH NStZ 2015, 30, 31 mwN). Anders kann es jedoch bei "Augenblickstaten", insbesondere bei affektiven Durchbrüchen oder sonstigen heftigen Gemütsbewegungen sein (vgl. BGH NStZ 2009, 30, 31); auch kann die Spontanität des Tatentschlusses im Zusammenhang mit der Vorgeschichte der Tat und dem psychischen Zustand des Täters ein Beweisanzeichen dafür sein, dass ihm das Ausnutzungsbewusstsein gefehlt hat (vgl. BGH NStZ 2013, 232, 233 mwN).

Kommentar von smilenice ,

Ups. Anführungszeichen vergessen. Und das Handy verschluckt Absätze, entschuldigung dafür :/

Antwort
von Artus01, 18

Mal davon ausgegangen das es wirklich auf Toschlag hinausläuft so wird es nicht unter 12 Jahre geben, eher 15.

Kommentar von smilenice ,

Prinzipiell sollte es so sein, aber zumeist soll ja noch eine Schippe drauflegen sein, ich kenne relativ wenig Urteile, (außer Mord natürlich) in welchen die Höchststrafe ausgesprochen wurde ?

Antwort
von AssassineConno2, 54

Aus welchen Gründen hat er die Person erschossen? Die 2te Person Bauchschuss: Kann bereits als versuchter Mord gewertet werden (und so nen Bauchschuss ist durchaus innerhalb weniger Stunden tödlich).

Kommentar von gizemtpy ,

Nein, der Angeklagte würde noch nicht verurteilt und steht momentan immer noch vor Gericht. Die oben genannten Straftaten stehen fest, also nichts mit Mord. Es soll um Drogengelder oder Schulden gehen. Der 18- jährige erschossene starb durch mehrere Schüsse, starb aber letztendlich an einem Kopfschuss der sein Herz zerfetze.

Kommentar von AssassineConno2 ,

klingt jetzt irgendwie blödsinnig. Du schaffst es nicht mal mit Kaliber .50BMG und nem Kopfschuss das Herz zu treffen.... und strafe: nicht unter 5 Jahren. Auch wenn bei sowas ein Totschlag nicht ganz glaubwürdig klingt.

Kommentar von gizemtpy ,

Ist aber so. Ein Bekannter von mir

Kommentar von AssassineConno2 ,

Wie gesagt,selbst die Druckwelle einer .50BMG schafft das normalerweise nicht. Und das wäre dann Mord da Grausam.

Antwort
von ninamann1, 53

Spreche diesbezüglich mit dem Anwalt Deines Mannes

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