Frage von abendleserin, 150

Mit welcher Art einer Behinderung könntet ihr eine Partnerschaft eingehen und welcher überhaupt nicht?

Hallo zusammen,

Ich weiß, die Frage klingt sehr seltsam, sie ist aber weder diskriminierend noch herzlos.

Da ich Single bin und selbst eine Behinderung habe, habe mich vor etwa einer Woche bei der Partnerbörse Handicap-Love angemeldet.

In meinem sozialen Umfeld sind alle (bis auf mein Bruder), und auch Männer, mit denen ich zusammen war, "gesund" . Deshalb ist mir die o.g. Frage so richtig bewusst erst durch das Anmelden auf der Seite für Menschen mit Handicaps immer wieder durch den Kopf.......

Obwohl ich reines Gewissens sagen kann, ich bin kein oberflächer, gefühlloser Mensch, die jemals auf andere herabschauen würde, und obwohl ich selbst eine Behinderung (hochgradige Sehbehinderung) habe, bemerke ich, dass ich bei der Partnerwahl meine Grenzen habe.

Ehrlich gesagt, das setzt mir schon zu, dass wenn mir jemand schreibt, der zb Krebs hat oder im Rollstuhl sitzt oder kleinwüchsig ist, ich nicht zurück schreiben mag. Es hat sich doch niemand selbst gemacht....:(

Da mir die Frage ständig durch den Kopf geht, kenne ich auch die Antwort darauf. Ich möchte in einer Partnerschaft gemeinsam alt werden, zu meinem Partner aufschauen, mich neben ihm sicher und geborgen fühlen.

Ist das menschlich, dass ich trotz eigener Behinderung einen Mann zweck Partnerschaft, ablehnen darf? Ich weiß auch, dass man genauso mich aufgrund der Sehbehinderung ablehnen kann, und ich würde es akzeptieren. Denn es ist wirklich nicht leicht.

Wenn jemand hingegen zb Epilepsie, halbseitige Lähmung, Sprachbehinderung, Amputation u.ä. hat, stört mich nicht......

Hand aufs Herz: wenn ihr jemanden kennen lernt, der schon eine Behinderung hat, hat die Behinderung keinen Einfluß auf eure Entscheidung für oder gegen diese Person?

Antwort
von Tragosso, 36

Das kann ich so nicht sagen, weil überhaupt erstmal Kontakt und Sympathie zustande kommen müsste. Und ob das geschehen würde, wenn ich von einer offensichtlichen Behinderung weiß, kann ich nicht sagen. Das mag hart klingen, aber ich denke du möchtest eine ehrliche Meinung. Außerdem hat jeder Dinge die er bei einem zukünftigen Partner ausschließt. Das kann letzten Endes aber immernoch anders kommen. Z.B wollte ich nie einen Raucher und nun habe ich doch einen. Aber das nur nebenbei.

Anders wäre es, wenn mein Partner durch einen Unfall o.ä. plötzlich behindert wäre. Da wäre mir auch die Schwere der Behinderung egal, denn zu meinem Partner stehe ich. In guten wie in schlechten Zeiten.

Antwort
von FragaAntworta, 61

Natürlich darfst Du ablehnen was Dir nicht behagt, das ist menschlich, es sollte Dich auch nicht deswegen das Gewissen plagen, dass muss nicht sein, denn eine "erzwungene" Partnerschaft, wäre für beide Parteien nicht gut.

Antwort
von ChicaArgentina, 66

Interessante Frage...

Und ja, ich kann dich verstehen. Man gibt sich selbst zwar gern als toleranten, offenen Mensch. Aber wenn man dann doch in der Situation ist, wo man wählen kann, dann tut man das auch. Und das geht uns nicht nur mit Behinderungen so. Auch das bloße Aussehen eines Menschen kann uns dahingehend beeinflussen, ob wir weiterhin mit diesem Mensch Kontakt haben wollen oder nicht. Da kann dieser noch so einen tollen Charakter haben. Ist mir selbst jedenfalls mal so gegangen, dass ich mich im Internet mit einem Mann unterhalten hab. Super nett und sympathisch. Und dann schickte er mir ein Bild von sich... Ich habe mich danach regelrecht dafür geschämt, dass ich den Kontakt nur wegen seinem Aussehen abgebrochen hab :(

Was Behinderungen angeht, da kann ich durchaus mit vielen Sachen umgehen. Ein Rollstuhl würde mich nicht abschrecken. Aber mit einer Sprach- oder geistigen Behinderung hätte ich arge Probleme. Ich möchte mich gern normal mit meinem Gegenüber unterhalten können. Ich war bisher aber auch noch nie in der Situation, wo ich mir über sowas Gedanken machen musste.

Antwort
von 19hundert9, 75

Einfluss auf meine Entscheidung für oder gegen diese Person hätte es nicht, egal ob ich die Person jetzt mit Behinderung kennen lerne oder die Behinderung erst danach kommt, sind für mich keine Punkte die ich bei meiner Wahl berücksichtige. Auch wenn es finanziell oder selbst an meiner Gesundheit nagen würde, könnte ich niemals aus so einem Grund einem Menschen und mir die Chance verwehren Gefühle zu entwickeln.

Ich bin lieber gemeinsam arm oder krank als dass ich die Liebe verpassen möchte, denn das sind für mich die Wichtigen Dinge im Leben, aber das legt jeder für sich selber fest.

Antwort
von dandy100, 63

Es wäre ja wohl eine glatte Lüge, wenn jemand behaupten würde, dass eine Behinderung keine Rolle bei der Partnerwahl spielt - immerhin beeinflußt das ja mehr oder weniger stark die gesamte Lebensführung, ob jemand z.B laufen, sehen, hören kann oder nicht.

Der entscheidende Punkt dabei ist natürlich, ob man sich übers Internet kennenlernt oder in der Wirklichkeit in der man tatsächlich lebt und auch die eigenen Lebensmittelpunkte hat - sich innerhalb der eigenen Wege zu verlieben, gleicht vieles aus; ganz anders sieht es dagegen aus, schon im Vorfeld eine Vorabenscheidung im Internet zu treffen, sich überhaupt auf jemanden einzulassen. Da spielen dann natürlich Kriterien eine Rolle, die bei  einem "normalen" Kennenlernen weniger ins Gewicht gefallen wären, weil der Mensch selbst im Mittelpunkt steht und nicht seine Behinderung


Kommentar von abendleserin ,

Da gebe ich dir vollkommen recht. Nehmen wir mal mich als Beispiel....in der Realität ist meine Sehbehinderung nie ein Thema, weil man mir auch nichts ansieht. Im Internet aber ist die Frage, was ich beruflich mache, direkt eins der ersten Fragen. Kaum rücke ich mit der Tatsache, dass ich aufgrund meiner Sehbehinderung frühberentet bin, raus, ist der Schreibpartner lesbar unsicher. Ich muss darüber wirklich immer wieder schmunzeln :)

Antwort
von Kichererbse96, 57

Meiner Meinung nach ist es nicht verwerflich. JEDER Mensch hat gewisse Ansprüche und Erwartungen, das ist vollkommen normal und legitim.
Ich würde wahrscheinlich auch nicht jemanden kennenlernen, der zum Sterben verurteilt ist. Wenn ich natürlich in einer Partnerschaft leben würde und mein Partner erkrankt, würde ich die Beziehung nicht beenden, da ich ihn liebe.

Kommentar von Kichererbse96 ,

Ich habe einen guten Freund, der gehörlos ist und das stört mich kein bisschen.

Antwort
von sveja26, 58

Ich hab immer wieder nicken müssen, als ich deinen Text gelesen habe.
Bei der Überschrift deiner Frage dachte ich erst "Es kommt ja auf die inneren Werte des Menschen an.."
Aber als ich mir dann beim lesen deines Textes selbst mal die Frage gestellt habe, ob ich wirklich so "tolerant" wäre, musste ich mir diese mit nein beantworten.
Natürlich steckt hinter den Menschen mit einer Behinderung ganz sicher eine tolle Persönlichkeit, aber ich kann mir für mich dennoch nicht vorstellen, mein Leben so zu verbringen. Anders ist es dann erst wieder, wenn dem derzeitigen Partner zB durch einen Unfall sowas widerfährt. Dann wäre sowas absolut kein Trennungsgrund. Da sind die Umstände aber einfach andere.  

Kommentar von abendleserin ,

Genau so sehe ich das auch. Passiert während einer Beziehung was, ist es was ganz anderes....

Antwort
von MonikaDodo, 34

Ich halte das für ganz normal.
Es spielt doch keine Rolle ob behindert oder nicht, jeder hat gewisse Dinge im Kopf bei der Partnerwahl. Ich habe auch quasi ein Sieb(oft unbewusst), im Kopf.
Was den Einen  anzieht kann für jemand anderen völlig anders sein.

Antwort
von mychrissie, 33

Es ist ja ein großer Irrtum, zu glauben, dass Behinderte sich zwangsläufig in Behinderte verlieben. Nein, sie lieben wie jeder eine schöne, gesunde, kluge und liebenswerte Partnerin.

Wenn sich zwei Behinderte zusammentun, so tun sie das nicht, weil sie Behinderungen lieben, sondern weil sie die Grenzen ihrer Möglichkeiten eingesehen haben.

Was aber schlimm ist, dass man heute eine Sehbehinderung schon als nicht ertragbares Handicap empfindet. Es ist vielleicht zynisch, aber manchmal solltest Du froh sein, wenn Du diese Dödel nicht so genau sehen musst.

Kommentar von DaniBln ,

Wie bitte? Weil sie die Grenzen ihrer Möglichkeiten eingesehen haben? Es tut mir leid, das ist Unsinn. Es ist sicher unbestritten, dass es für behinderte Menschen schwieriger ist, einen Partner zu finden. Aber ich (selbst Rollstuhlfahrerin, Single) habe in meinem Bekanntenkreis durch meinen Sport  -  Basketball - sehr viele Rollstuhlfahrer. Es ist nur ein Pärchen dabei, bei denen beide eine Behinderung haben. Alle anderen, die in einer Beziehung sind, haben nichtbehinderte Partner. 

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