Frage von LaCookiex3, 114

Mit (wahrscheinlich) Depression zum Arzt. Wie rede ich mit ihm darüber?

Also. Schon seit langer Zeit geht es mir nicht gut, aber in den letzten Monaten wird es einfach immer stärker . Ich weiß irgendwie nicht wieso. Ich möchte darüber nicht mit Menschen sprechen, welche mich kennen. Und am liebsten zu einem Arzt gehen und darüber sprechen. Und dies ohne meine Eltern. Ich bin noch jung und habe Angst nicht ernst genommen zu werden, und dass man sich ab dann lustig über mich macht. Meine Familie macht gerne Scherze, daher will ich mich vorher vergewissern, bevor ich dann wirklich mit meinen Eltern darüber spreche.

Jedenfalls will ich unbedingt zu einem Arzt oder Psychologen, bevor ich das (eventuell) meinen Eltern sage. Ich weiß allerdings nicht, wie ich sowas anfange. Da ich auch sehr schüchtern bin, fallen mir meistens keine Wörter oder Sätze ein zum Anfangen einer Konversation. Ich werde nicht zum Arzt gehen und sagen ; ,, Hey, ich denke, dass ich Depression habe.. Lass uns das doch untersuchen! " (Was ich eigentlich sowie so nicht machen werde.. das ist nur ein Beispiel)

Dann hätte ich noch eine Frage: Hat Depression immer etwas mit einem schlimmen Erlebnis zu tun? Muss einem immer etwas heftiges passiert sein, sodass dies ein Grund wäre?

Ich habe außer jahreslanges Mobbing nichts schlimmes erfahren, deshalb frage ich mich das auch.

Es tut mir leid, wenn das zu viel Text für euch gewesen ist.

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von TheTrueSherlock, 52

Bin auch mit jungen Jahren wegen Depressionen zum Hausarzt.

Beim Empfang habe ich einen Termin ausgemacht, wegen psychischen Problemen (mehr habe ich denen nicht gesagt).

Beim Termin mit meinem Arzt habe ich dann ungefähr so angefangen wie du. Ein Arzt wird dich auf alle Fälle ernst nehmen! Ärzte wollen Menschen im körperlichen, sowie im psychischen Bereich helfen :)

Sage einfach, dass es dir in letzter Zeit nicht gut geht. Dann wird er schon fragen, ja warum und woran du das siehst. Dann erzählst du ihm von deinen Symptomen. Erzähl dir einfach alles von der Seele. Er wird dir vielleicht selbst sagen, dass er bei dir eine Depression vermutet oder du erzählst ihm selbst von deiner Vermutung. Am Ende sagt er dir dann, wie du weiter vorgehen kannst und du kriegst eine Überweisung zum Therapeuten oder ihr sucht gemeinsam nach einem Therapeuten/einer Therapeutin.

Und nein, für Depressionen gibt es nicht immer einen klaren Grund und man muss nicht immer ein Traumata erlebt haben.

Frage dich nicht, ob deine Depression "berechtigt" ist. Du fühlst so und das ist okay so. Das muss man ernst nehmen und da ist es egal, was du erlebt oder nicht erlebt hast.

Ich selbst wurde auch gemobbt, ja. Es war jetzt auch nicht sooo schlimm, aber ging mir schon nahe, da ich  ein sensibler Mensch bin. Außerdem hatte/habe ich Probleme mit meinem Vater und ein zu negatives Selbstbild von mir.

Falls du dann in Behandlung bist, dann schaut man was hinter den Symptomen stecken könnte ;) Keine Bange.

Mit deinen Eltern: Das ist sehr schade, dass du dich nicht traust, es ihnen zu sagen. Tut mir echt leid, dass du zu befürchten hast, dass sie sich darüber lustig machen. Falls die Diagnose sitzt, kannst du immer noch sagen, wie schlecht es dir geht und dass du professionelle Hilfe brauchst. Du musst nicht unbedingt von deiner Depression erzählen. Dass kannst du machen, musst aber nicht oder du machst es erst später. Das ist dir überlassen.

LG :)
(Falls du noch Fragen zum Therapieablauf hast, dann frag ruhig)

Kommentar von LaCookiex3 ,

Vielen Dank für deine Antwort.

Wenn ich zu einem Arzt gehe und mit ihm darüber spreche, wird er dann Kontakt mit meinen Eltern aufnehmen wollen?

Was geschieht eigentlich genau bei einer Therapie? In den Filmen sieht man immer, dass man sich auf so ein Sofa hinlegt und redet. Läuft es dort wirklich so ab?

Kommentar von TheTrueSherlock ,

Anfangs will der Therapeut dich kennenlernen. Er fragt dich über deine familäre Situation aus, über deine frühere Biographie, deine Einstellung zu dich selbst, deine Hobbys, deine Schullaufbahn und ob da etwas vorgefallen ist, etc. Dann will er deine Symptome wissen und es wird eine Diagnose gestellt.

Das mit dem Hinlegen wird in einer psychoanalytischen Therapie nach Sigmund Freud gemacht ^^ Dort liegst du dich auf eine Couch und erzählst über alles was dir im Kopf rumschwirrt (freies Assoziieren), du erzählst über deine Träume (Traumanalyse) und es wird anschließend gedeutet. Ich selbst mache eine tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie und dort sitzt du einfach gegenüber dem Therapeuten. Das ist grob gesagt eine Gesprächstherapie, bei dem die Ursachen und Gründe im Unbewussten gesucht werden.

Im späteren Verlauf sieht eine Therapiestunde dann immer ähnlich aus: Du gehst da hin, die Stunde dauert (bei mir) 50 Minuten. Anfangs wirst du immer gefragt, wie es dir geht. Dann redet ihr entweder über ein aktuelles Thema, was dich gerade sehr beschäftigt oder ihr versucht größere Themen aufzugreifen, die dich längerfristig beschäftigt haben und noch immer beschäftigen.

Kommentar von LaCookiex3 ,

Oh ok. Danke

Kommentar von TheTrueSherlock ,

Danke fürs Sternchen :)

Kommentar von monsterpflanze ,

und wie siehts mit tabletten aus?:D klingt vllt blöde, aber bekommt man da auch antidepressiva verschrieben? ich habe gefühlt mein ganzes leben lang schon depressionen und das ist mir durch das kiffen aufgefallen, weil ich dadurch zum ersten mal in meinem leben "glück" verspürt habe und dadurch bemerkt habe, dass es auch andere gefühle außer bauchschmerzen, unwohlsein und den ganzen tag dämlich lachen gibt. bekommt man da antidepressiva, oder nur einen therapeuten? ich bin mir ziemlich sicher, dass bei mir persönlich die erfolgschancen mit medikamenten höher sind als mit reden...

Kommentar von TheTrueSherlock ,

Hm ich halte nicht so viel von Tabletten. Der Psychiater kann das dir geben, wenn es notwendig ist.

Antwort
von maggylein, 43

Ich würde wenn du ein gutes Verhältnis zu deinem Hausarzt hast mit ihm sprechen... sag das es dir nicht gut geht... glaub mir du bist nicht der einzige dem es so geht...
Ggf. nen Neurologen mit entsprechender Fachrichtung aufsuchen... meistens bekommt man da allerdings nicht so ganz so schnell nen Termin...
Die kennen das Problem und werden dir helfen...
Nein eine Depression entsteht nicht nur bei schlimmen Erlebnissen... auch durch Überlastung zb.
Und "nur" gemobbt zu werden ist nicht wenig Belastung

Kommentar von LaCookiex3 ,

Vielen Dank für deine Antwort. 

Kommentar von maggylein ,

gerne...

Antwort
von Keehh, 58

Geh einfach hin und sag es so. Ist nichts dabei. Der wird dich ernst nehmen und nicht lachen.

Grund für eine Depression muss nichts schlimmes gewesen sein. Es kann immer entstehen.

Kommentar von LaCookiex3 ,

Vielen Dank für deine Antwort. Wird ein Hausarzt darüber mit meinen Eltern reden? 

Kommentar von Keehh ,

Prinzipiell haben Ärtzte schweigepflicht. Aber da du Minderjährig bist kann ich es dir auch nicht beantworten...

Kommentar von Kenfmisttoll ,

Nein, Psychologen haben Schweigepflicht

Kommentar von TheTrueSherlock ,

Wird er definitiv nicht.

Kommentar von LaCookiex3 ,

Danke für die Antworten.

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