Frage von waseinTag, 49

Mirtazipin und Gewichtszunahme?

Hallo zusammen,

ich hoffe hier eine adäquate Antwort auf meine Frage zu bekommen.

Ich nehme seit längerer Zeit Mirtazipin ein. Seit Beginn der Einnahme habe ich über 25 Kg zugenommen. Ich bin jetzt 50 Jahre alt und nehme es seit ca. einem Jahr.

Ich habe nicht wirklich den Eindruck dass ich tatsächlich viel mehr esse.

Durch das Medikament, geht es mir viel besser, wobei mich die Gewichtszunahme sehr belastet. Eine Umstellung auf ein anderes Medikament kommt für mich nicht in Frage, da ich schon fast alles ohne Erfolg durch habe. Das einzige was eine Alternative wäre, wäre es ganz wegzulassen.

Meine eigentliche Frage lautet daher, entsteht die Gewichtszunahme durch das Medikament selber? Oder durch den erhöhten Apetit?

Kann man auch wieder abnehmen obwohl man Mirtazipin einnimmt?

Um jegliche Hilfeantworten freue ich mich sehr!

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von samm1917, Community-Experte für Depression, 22

Hallo waseinTag

Die Gewichtszunahme bei tetrazyklischen Antidepressiva (zu welchen auch Mirtazapin gehört) ist eines der Hauptprobleme dieser Medikamentengruppe. Bei Mirtzazapin wird es sogar bei den Nebenwirkungen unter "sehr häufig" aufgeführt. Die Gewichtszunahme kann durch folgende Umstände erfolgen:

  • Verstärkter Appetit. Viele tetrazyklische Antidepressiva verstärken den Appetit. Folglich isst man mehr und nimmt demensprechend zu. Dies scheint bei dir jedoch weniger der Fall zu sein.
  • Wassereinlagerungen. Es gibt Antidepressiva, welche zu Wassereinlagerungen führen. Oft sieht der Patient in der Folge "aufgedunsen" aus. Da Wasser Gewicht ist, nimmt die betroffene Person automatisch zu.
  • Botenstoffhaushalt im Gehrin. Alle Antidepressiva greifen in den Botenstoffhaushalt des Gehrins ein. Bei selektiven Wiederaufnahme-Hemmer (z.B. SSRI/SSNRI) wird nur selektiv gewisse Botenstoffe (meist Serotonin) angegangen, dies führt oft zu keiner Gewichtszunahme. Bei älteren, also auch Mirtzazpin hingegen, wird nicht selektiv sondern allgemein die Wiederaufnahme gehemmt. Dadurch können neben Serotonin/Noradrenalin auch Enzyme gehemmt werden, welche für den Abbau und die Ablagerung von Kohlenhydrathen und Fett zuständig sind.

Beim ersten Punkt ist es möglich abzunehmen, wenn man auchreichend Sport macht und den Hunger kontrolliert. Bei den anderen zwei Punkten ist es leider (auch wenn du das sicher nicht gerne hörst) fast ein Ding der Unmöglichkeit.

Beim Absetzen von Mirtazapin würde ich unbedingt zuvor einen Arzt konsultieren. Dies muss unter ärztlicher Begleitung passieren (Rückfallgefahr/Absetzsymptome).

Kommentar von waseinTag ,

Ok, bedeutet das, dass ich bei den anderen zwei Punkten überhaupt keine Chance zur Gewichtsabnahme habe? 

Selbst dann nicht, wenn ich ausschließlich Salat, viel Sport treibe und nur Wasser trinken würde??

Und,

was genau bedeuten Wasserablagerungen? Bedeutet es, dass es sich bei der Gewichtszunahme in dem Fall, ausschließlich um Wasser handelt, welches bei Absetzen des Medikaments wieder ausgeschieden werden würde??

Und,

würde es bedeuten, dass wenn ich vollständig auf Kohlenhydrate verzichten würde (indem ich beispielsweise nur Fleisch esse), dann auch Gewicht verlieren würde??

Und,

wie würde es beim Absetzen des Medikaments verlaufen? Würde sich dann alles wieder einpendeln??

Und,

ist es heutzutage medizinisch gesehen nicht genau nachzuvollziehen was das Medikament genau macht? Da es diese 3 von Ihnen möglichen Ursachen geben kann??

Es sind viele Fragen, ich weiß. Aber ich würde mich dennoch sehr über eine konkrete Antwort erfreuen!

Vielen Dank im voraus!!!

Kommentar von samm1917 ,

Ich kann dir nicht alle Fragen im Detail beantworten bzw. nur soweit mein wissen reicht, ich versuche es mal:

  1. Sicher kannst du auch abnehmen, wenn du auf deine Ernährung achtest und viel Sport treibst. Es ist allerdings nicht so einfach wie ohne diese Medikamente. Selbst wenn es die Variante 3 ist, braucht der Körper ja immer noch Fett um es abzulagern. Er lagert es einfach einfacher ab als ohne Medikamente. Wenn er nicht soviel Fett erhält lagert er folglich auch weniger ab. Was das Wasser (Variante 2) betrifft bin ich leider überfragt.
  2. Ja, es handelt sich ausschliesslich um Wasser, welches im Gewebe eingelagert wird. Fällt das Medikament weg kann es eine Weile dauern, doch das Wasser wird ausgeschieden.
  3. Eine low carb Diät wurde ich dir bei psychischen Problemen nicht empfehlen. Sicher ist sie sehr effektiv, doch das Gehrin braucht Kohlenhydrahte um normal funktionieren zu können. Wenn, dann würde ich einfach nur noch komplexe Kohlenhydrathe (Kartoffeln, Hafer etc) essen und kein Fett mehr. Letzteres ist jedoch nur meine persönliche Meinung.
  4. Ja, beim Absetzen des Medikamentes pendelt sich alles wieder ein. Der Appetit normalisiert sich, dass eingelagerte Wasser wird ausgeschieden und der Botenstoffwechsel im Gehirn normalisiert sich auch. Es kann 2-5 Monate dauern (eher 2 als 5), doch am Ende ist alles wieder im Lot.
  5. Es ist medizinisch Nachvollziebar was diese Medikamente machen. Man hat sich auf diese 3 Theorien fokussiert. Doch Psychopharmaka wirken bei jedem ein wenig anders, so dass es immer noch grosse individuelle Unterschiede gibt. Beim einen kann es Variante 1 sein, beim anderen Variante 3 und bei wieder anderen Variante 3. Mirtazapin ist vorallem für Variante 1 und ferner Variante 3 bekannt.

Hoffe konnte deine Fragen ansatzweise beantworten. Sonst einfach Kommentar schreiben.

Kommentar von waseinTag ,

Na ja, danke! Das war schon sehr konkret. Dafür bedanke ich mich sehr!

Das Ding ist, dass meine ganze Familie leider schon an Übergewicht im Alter neigt. Das muss ich dazu sagen.

Wenn ich mit knapp 50 Jahren schlank sein würde, wäre ich in der Tat der einzige.

Früher als ich noch jung war, ging alles irgendwie viel einfacher.

Das Problem ist, dass ich mich immer noch jung fühle und dementsprechend an dem Übergewicht leide. Nichts passt mehr.

Ich muss allerdings auch dazu sagen, dass ich sehr träge geworden bin.

Früher war es Pflicht jeden Morgen 5 km zu joggen.

Jetzt, sitze ich nur die Tage aus.

Das Medikament hilft mir in Verbindung mit Pregabalin sehr! Das muss ich sagen.

Ich bin mir einfach unheimlich unsicher ob die Gewichtszunahme mit Mirtazipin zu tun hat oder ob es die Gene sind oder eine zusammenspiel von beiden??

Ich habe Angst das Medikament abzusetzen, da es mich "glücklich macht". 

Wären da nur die Kilos nicht.

Könntest Du mir bitte noch eine letzte Einschätzung geben?

Vielen vielen Dank!!!

Kommentar von waseinTag ,

Zumal ich noch das Problem mit der Schilddrüse habe. Aber dafür bekomme ich Tabeltten L-Thyroxin

Kommentar von samm1917 ,

Um es vorneweg zu nehmen, ein Rückfall ist tausend Mal schlimmer als Übergewicht, aber das weisst du sicher selbst. Von dem her würde ich es mir (zusammen mit dem Arzt) sehr gut überlegen bevor du die Tabletten absetzt. Bei mir gings die ersten paar Wochen gut, bis dann ein neues Tief kam und mich komplett umgehauen hat. Als es mir wieder so schlecht ging brachte mir die Gewichtsreduktion auch nix mehr.

Pregabalin ist ein Antiepileptikum, welches angstlösend wirkt. Die Gewichtszunahme ist ebenfalls ein Problem von Pregabalin, bzw. wird dort bei den Nebenwirkungen unter "häufig" aufgeführt.

Es ist schon mal sehr viel wert, wenn man eine Kombo gefunden hat die hilft. Viele Menschen reagieren gar nicht oder nur stark unzureichend auf Psychopharmaka. Wenn du es absetzt, dann nur mit dem Arzt zusammen und ganz langsam runterdosieren. Ich will dich nicht davon abhalten und verstehe zu 100% das man ohne Medikamente und die lästigen Nebenwirkungen leben will, ich will nur das du dir das vorher gut überlegst und auch die möglichen Konsequenzen kennst.

Es gibt auch Menschen wie ich, die eigendlich extrem schlank sind (sowie die ganze Familie) und trotzdem durch diese Medikamente stark zunehmen. Es ist mir leider nicht bekannt in wie fern ein fülliges Gewicht in der Verwandtschaft sich auswirkt. Könnte mir aber denken, dass man umso anfälliger darauf ist (weiss es aber nicht genau).

Sicher, mit dem Alter wird es immer schwieriger abzunehmen, schon rein von Natur aus. Auch wird man oft etwas träge, obwohl gerade Ausdauersport gemäss wissenschaftlichen Studien hoch effektiv gegen Depressionen sein kann.

Wenn du abnehmen willst, ob mit oder ohne Medikamente, wirst nicht darum herum kommen Sport zu treiben und auf deine Ernährung zu achten. Ich persönlich (und das ist nur meine persönliche Meinung) würde es zuerst mit den Medikamenten probieren. Wenn du keinen Erfolg hast kannste sie ja immer noch absetzen.

Kommentar von waseinTag ,

Danke!

Antwort
von dadamat, 17

Dein Eindruck täuscht. " Von nichts kommt nichts" gilt auch bei dem Körpergewicht. Eine Gewichtszunahme ist nur dann möglich, wenn man mehr Kalorien aufnimmt, als man verbraucht.

Kommentar von waseinTag ,

Ok, danke. 

Denkst du dass es nicht ausschließlich mit dem Medikament zu tun hat?

Ich muss dazu sagen, dass meine ganze Familie gentechnisch schon zu Übergewicht neigt.

Als ich noch jung war, war irgendwie alles viel einfacher. Zwei Tage weniger essen und schon ging es mit dem Gewicht wieder bergab.

Glaubst Du dass man mit viel Sport und Ernährungsumstellung trotz des Medikaments wieder abnehmen kann? Ich bin mittlerweile 50.

Ein Schilddrüsenproblem kommt noch dazu. Da bin ich aber laut Blutbild, ganz gut eingestellt.

Antwort
von Ostsee1982, 11

Gewichtszunahme durch Antidepressiva ist nichts ungewöhnliches. Es wirkt oft appetitanregend. Das merkst du gar nicht wenn du sukzessiv anfängst mehr zu essen, man durch Müdigkeit, Erschöpfung weniger Bewegung hat. Da muss man genau hinsehen. Psychopharmaka wirken auch auf die Neurotransmittersysteme ein. Dadurch kann eine Gewichtszu- oder Abnahme erfolgen, zumindest bis der Körper sich auf das Medikament eingestellt hat was nach einem Jahr Einnahme längst der Fall sein sollte.

Ob eine Gewichtszu- oder Abnahme erfolgt, hängt von der Art der Antidepressiva ab. Nicht alle wirken auf die selben Rezeptoren und haben deshalb nicht die selben Nebenwirkungen. Moderne SSRI-Antidepressiva hingegen weisen diesen unerwünschten Effekt seltener auf. Die führen tendenziell sogar eher zur Gewichtsabnahme und werden auch erfolgreich gegen Fettleibigkeit verabreicht. Sicher hattest du innerhalb diesen Jahren der Einnahme weitere Facharztbesuche. Da hättest du das natürlich auch längst ansprechen können bzw. solltest du das beim nächsten mal machen, dass da hingesehen wird woran es liegt und bei Bedarf das Medikament umgestellt wird. Mehr Gewicht wirkt sich auch negativ auf die Psyche aus vorallem wenn man ohnehin schon belastet ist.

Antwort
von quinann, 24

Ich habe das gleiche Problem, manchmal habe ich richtige Hungerattacken. Weniger essen, abends nach 18:00 Uhr nicht mehr und wenig Süßigkeiten. Hab ich auch schon wochenlang durchgehalten, aber trotzdem nicht abgenommen. Ist sehr schwierig mit Mirtazapin. Frag deinen Arzt, der es verschrieben hat.

Antwort
von NessiMae96, 6

Ich würde dir raten ganz schnell diese Tabletten abzusetzen. Hab die auch mal genommen.
Bis mir davon abgeraten wurde. Hab auch zugenommen

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